{"id":571,"date":"2014-01-11T15:04:49","date_gmt":"2014-01-11T15:04:49","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/das-deutsche-lied-der-spaetromantik\/"},"modified":"2014-01-11T15:04:49","modified_gmt":"2014-01-11T15:04:49","slug":"das-deutsche-lied-der-spaetromantik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/das-deutsche-lied-der-spaetromantik\/","title":{"rendered":"Das deutsche Lied der Sp\u00e4tromantik"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/lied200105.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>21.01.2005 &#8212; Eine grundlegende These dieses Buches: Das Fin de si\u00e8cle ist nicht gleichzusetzen mit der Geburt der Moderne, vielmehr stellt es das Ende einer \u00c4ra dar. Edward F. Kravitt, Professor f\u00fcr Musik am Lehman College der City University of New York, geht dabei mit der Auffassung j\u00fcngerer Historiker einig, welche die Meinung vertreten, dass die Zeit der Moderne in Wissenschaft, Kultur, Technik und Politik erst nach dem Sturz des feudalherrschaftlichen Systems und als Folge des Ersten Weltkriegs eingetreten sei; der Weltkrieg habe die Vorherrschaft der alten Tradition beendet. Im sp\u00e4tromantischen Lied deutscher und \u00f6sterreichischer Komponisten komme die Zerst\u00f6rung dieser Tradition zum Ausdruck. Deshalb liefere das deutsche Lied der Sp\u00e4tromantik (Kravitt setzt daf\u00fcr den Zeitraum zwischen 1888 \u2013 Hugo Wolfs M\u00f6rike-Liederzyklus \u2013 und 1910\/1920) einen wichtigen Schl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis der Musik- und Kulturgeschichte des Fin de si\u00e8cle. <\/p>\n<p> Die Komponisten, schreibt Kravitt, wandten sich dem Lied auch zu, um radikale Experimente durchzuf\u00fchren. \u00abDiese Neuerer des Fin de si\u00e8cle strebten ein zweifaches \u00e4sthetisches Ziel an. Man k\u00f6nnte es ,dialektische \u00c4sthetik\u2018 nennen: die Musik in die Moderne einzuf\u00fchren bei gleichzeitiger Bewahrung der ererbten Tradition.\u00bb <\/p>\n<p> Lieder von \u00fcber f\u00fcnfzig Komponisten, darunter schwergewichtig Wolf, Mahler, Pfitzner, Reger, Richard Strauss und Sch\u00f6nberg, analysiert Kravitt unter verschiedenen Aspekten \u2013 seien es stilistische, \u00e4sthetische, strukturelle, formale, klaviersatztechnische, literarische \u2013 detailreich und in der Regel anhand von Notenbeispielen, bettet sie ein in gr\u00f6ssere Zusammenh\u00e4nge und Entwicklungen (Pangermanismus, Antisemitismus-Problem), leuchtet Einfl\u00fcsse, Theorien, Hintergr\u00fcnde und auch Parallelen zu anderen K\u00fcnsten aus (Romantik, Naturalismus, Impressionismus, Symbolismus, Jugendstil, Expressionismus). <\/p>\n<p> Besonderen Informationsreichtum (er schl\u00e4gt sich auch in der F\u00fclle der Anmerkungen nieder) gewinnt die fundierte Auseinandersetzung mit dem sp\u00e4tromantischen Lied, indem der Autor die Praxis nicht ausklammert \u2013 ganz im Gegenteil \u00f6ffnet er, Sohn eines einst international t\u00e4tigen Operns\u00e4ngers, spannende Einblicke in die Begr\u00fcndung des deutschen Gesangsstils, in die Stimmtechnik, in die damaligen Prinzipien der Lied-Interpretation, wie sie den Komponisten vorschwebten und von bedeutenden Interpreten verwirklicht wurden, in die Verbindung mit der B\u00fchnendeklamation samt Seitenblicken auf ber\u00fchmte Aktricen und Schauspieler, in den Konzertbetrieb (wie das Lied vom Privathaus in den Konzertsaal kam, Musikschulen, Konzertreformbewegung). <\/p>\n<p> Edward F. Kravitts Panorama europ\u00e4ischer \u2013 prim\u00e4r deutscher und \u00f6sterreichischer \u2013 Kultur des Fin de si\u00e8cle im Spiegel verschiedener Liedtypen (Kunstlied, Ballade, Ges\u00e4nge, Volkslied, Kinderlied, Melodram) ist nicht zuletzt von Interesse, weil der Verfasser die Briefe und die Aussagen pers\u00f6nlich kontaktierter Komponisten und Interpreten zitiert sowie viele Quellen und Forschungsergebnisse von Musikwissenschaftlern und Historikern aus England und den USA einbezieht. Die amerikanische Originalausgabe erschien 1996 und wurde vom Autor f\u00fcr die deutsche \u00dcbersetzung durchgesehen und aktualisiert. <\/p>\n<p> \u00abIm Lied\u00bb, res\u00fcmiert Kravitt, \u00abtreten die vorherrschenden musikalischen Str\u00f6mungen hervor, ja sogar die gesellschaftlichen Bestrebungen, die alle Deutschen zum Fin de si\u00e8cle verbanden. Es \u00fcberrascht daher kaum, dass so viele Themen, Stile und Stimmungen \u2013 selbst unsere Vorstellungen von diesem Zeitalter \u2013 sich im Lied des Fin de si\u00e8cle ideal spiegeln.\u00bb <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Edward F. Kravitt: Das Lied. Spiegel der Sp\u00e4tromantik. Aus dem Amerikanischen von Thomas Emmerig. 390 Seiten, mit Abbildungen, zahlreichen Notenbeispielen, Glossar, Auswahlbibliografie, Register. Georg Olms Verlag, Hildesheim 2004. \u20ac 49.80. Fr. 85.-.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>21.01.2005 &#8212; Eine grundlegende These dieses Buches: Das Fin de si\u00e8cle ist nicht gleichzusetzen mit der Geburt der Moderne, vielmehr&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-571","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buchbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/571","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=571"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/571\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=571"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=571"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=571"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}