{"id":580,"date":"2014-01-11T15:09:30","date_gmt":"2014-01-11T15:09:30","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/wagners-politisch-aesthetisches-konzept\/"},"modified":"2014-01-11T15:09:30","modified_gmt":"2014-01-11T15:09:30","slug":"wagners-politisch-aesthetisches-konzept","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/wagners-politisch-aesthetisches-konzept\/","title":{"rendered":"Wagners politisch-\u00e4sthetisches Konzept"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/wagner050405.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>15.04.2005 &#8212; \u00abBevor Revolutionen ausbrechen, bem\u00e4chtigt sich in aller Regel die Kunst dieses Themas. K\u00fcnstler sind Seismographen gesellschaftlicher Fehlentwicklungen, und K\u00fcnstler, die in ihrem F\u00fchlen und Denken radikalisiert sind, suchen sich entsprechende Inhalte f\u00fcr ihre Arbeit.\u00bb <\/p>\n<p> Udo Bermbach untermauert seine Feststellung mit Analysen der Libretti von Richard Wagners fr\u00fchen Opern \u00abDie Feen\u00bb (Kritik des Adels und der Institution Ehe), \u00abDas Liebesverbot\u00bb (Gegensatz von Liebe und Macht; Ideal der Freiheit, Gleichheit, Br\u00fcderlichkeit) und \u00abRienzi, der letzte der Tribunen\u00bb (die Revolution, ihr Erfolg und ihr Scheitern). <\/p>\n<p> \u00ab,Rienzi\u2018 ist Wagners bis dahin [1840] politisch radikalstes Werk\u00bb, schreibt Bermbach, \u00abin ihm wird die Revolution als Alternative zur konventionell betriebenen Politik thematisch, und zugleich gewinnt die revolution\u00e4re Perspektive f\u00fcr Wagner eine solche Bedeutung, dass sie auch in den sp\u00e4teren Werken stets noch mit pr\u00e4sent bleibt. (\u2026) Erst nach dem Scheitern des Dresdner Aufstandes von 1848\/49 und nach seinem eigenen Scheitern als politischer Revolution\u00e4r weitet sich die Perspektive: nun wird die Kunst zum eigentlich revolution\u00e4ren Medium der Ver\u00e4nderung.\u00bb <\/p>\n<p> In seinem 1994 erstmals vorgelegten Buch \u00abDer Wahn des Gesamtkunstwerks. Richard Wagners politisch-\u00e4sthetische Utopie\u00bb untersucht Udo Bermbach, Professor f\u00fcr politische Wissenschaft an der Universit\u00e4t Hamburg und Autor diverser Publikationen zur Geschichte der Oper und zu Wagner, das zentrale Thema des Musikdramatikers, das Verh\u00e4ltnis von Politik und Kunst. Nun liegt der lang vergriffene Band neu auf, \u00fcberarbeitet und erg\u00e4nzt. <\/p>\n<p> Die z\u00fcndenden Ereignisse (Juli-Revolution von 1830 in Frankreich, Revolutionen von 1848\/49), die Einfl\u00fcsse der Schriften gesellschaftspolitischer Theoretiker und der pers\u00f6nliche Umgang mit sozialrevolution\u00e4ren Geistern formten Wagners Denken \u2013 Bermbach geht detailliert auf diese Faktoren ein \u2013 und schlugen sich nieder in den im Schweizer Exil verfassten drei zentralen \u00e4sthetischen Z\u00fcrcher Kunstschriften (\u00abDie Kunst und die Revolution\u00bb, 1849; \u00abDas Kunstwerk der Zukunft\u00bb, 1849; \u00abOper und Drama\u00bb, 1851). In der gleichen Zeit \u00fcbrigens entsteht auch der antisemitische Aufsatz \u00abDas Judenthum in der Musik\u00bb (1850). <\/p>\n<p> Eines der grossen Lebensthemen Wagners, die Aufhebung der Politik in Kunst und die k\u00fcnstlerische Gestaltung der Politik, hat sich in seinen Musikdramen, aber auch in umfangreichen literarischen Selbstkommentaren niedergeschlagen. Bermbach zieht alle relevanten Dokumente heran, ordnet sie dem Fluss der pers\u00f6nlichen wie der politischen und sozialen Entwicklungen von Wagners Epoche ein, interpretiert die politisch-\u00e4sthetische Konzeption und Wagners Kunstideal systematisch, faktenreich, gr\u00fcndlich und stilistisch gediegen. Im Epilog kommt Bermbach auch darauf zu sprechen, wie die Ambivalenzen von Wagners Kulturverst\u00e4ndnis und Kunstkonzeption von kulturkonservativen bis v\u00f6lkischen Exponenten zu eigenen Zwecken eingespannt wurden. <\/p>\n<p> Udo Bermbachs Standardwerk hat durch die Erweiterungen mit Kapiteln zu Wagners Schopenhauer-Rezeption, seiner Haltung zum Christentum, seinem Antisemitismus und zu seiner paradoxen Hinwendung zu konservativ v\u00f6lkischen Positionen wichtige Einsichten und Erkenntnisse dazugewonnen. Eine Pflichtlekt\u00fcre f\u00fcr alle, die sich mit Wagners Weltsicht und Werk intensiv befassen.<\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Udo Bermbach: Der Wahn des Gesamtkunstwerks. Richard Wagners politisch-\u00e4sthetische Utopie. 2., \u00fcberarbeitete und erweiterte Auflage. Verlag J. B. Metzler, Stuttgart 2004. 396 Seiten. \u20ac 34,95. Fr. 56.-.<\/p>\n<p> <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3476018687\/codexflores-21\">Bei Amazon kaufen<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>15.04.2005 &#8212; \u00abBevor Revolutionen ausbrechen, bem\u00e4chtigt sich in aller Regel die Kunst dieses Themas. 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