{"id":584,"date":"2014-01-11T15:12:01","date_gmt":"2014-01-11T15:12:01","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/lexikon-der-abendlaendischen-musiktheorie\/"},"modified":"2014-01-11T15:12:01","modified_gmt":"2014-01-11T15:12:01","slug":"lexikon-der-abendlaendischen-musiktheorie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/lexikon-der-abendlaendischen-musiktheorie\/","title":{"rendered":"Lexikon der abendl\u00e4ndischen Musiktheorie"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/Lexikon030605.jpg\" border=\"0\" alt=\"Cover Lexikon Musiktheorie\" align=\"left\" \/>22.06.2005 &#8212; Mit dem \u00abLexikon Musiktheorie\u00bb hoffen die an der Hochschule f\u00fcr Musik Saar t\u00e4tigen Autoren Thomas Kr\u00e4mer und Manfred Dings eine L\u00fccke in Sachen Nachschlagewerke zu Musik zu schliessen. Sie beschr\u00e4nken sich dabei erkl\u00e4rtermassen auf die Kernfelder des Faches, n\u00e4mlich Harmonielehre, Kontrapunkt, Generalbass und Neue Satzlehre \u2013 in ihrer traditionell abendl\u00e4ndischen Auspr\u00e4gung. Nur sehr kursorisch gestreift werden Themen aus Formenlehre, Akustik, Instrumentenkunde oder Geh\u00f6rbildung. Die Selbstbescheidung verleiht dem Buch solides Profil und empfiehlt es f\u00fcr Studienanf\u00e4nger und Fortgeschrittene als n\u00fctzliches Referenzwerk zum schnellen Nachschlagen. Der Band kann aber auch als Repetitorium oder Wissensquelle f\u00fcr interessierte Laien und gestandene Berufsmusiker gute Dienste leisten. <\/p>\n<p> Neben zahlreichen knappen, aber das Wesentliche treffenden Stichworteintr\u00e4gen umfasst es bei globalen Begriffen wie Notenschrift oder Intervall gar luzide Minitraktate, die als vegetarischer Ersatz f\u00fcr opulente Abhandlungen zum Thema dienen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p> Die sicherlich bewusst gesetzten Grenzen des inhaltlichen Umfanges haben notwendigerweise auch Auslassungen zur Folge. Die Autoren haben sich der Pr\u00e4ferenzen f\u00fcr den europ\u00e4ischen Hochschulkanon entsprechend dazu entschieden, die Schenkersche Theorie der musikalischen Hierarchien gegen\u00fcber dem Riemannschen Funktionsmodell eher kurz zu halten. Auch Ausdr\u00fccke aussereurop\u00e4ischer Theorien wie Maqam oder Raga sucht man vergebens, daf\u00fcr wird viel Gewicht auf die historischen Aspekte des eigenen Erbes gelegt, etwa denjenigen der Klausel, der bis zum bitteren Ende in Stichworten durch s\u00e4mtliche Stimmen durchexerziert wird. Aus der Jazzharmonielehre wiederum finden sich ebenfalls eher kurz gehaltene, aber treffende Charakterisierungen von Bluescharakteristiken und Skalenmodell. Auf Weitergehendes wird verzichtet. So fehlt etwa ein Hinweis auf das fundamentale Lydian b flat genauso wie Hinweise auf die zentrale Bedeutung des Tritonus in moderneren Jazztheorien. <\/p>\n<p> Derartige Auslassungen kann man den Autoren kaum zum Vorwurf machen. F\u00fcr weitere Auflagen k\u00f6nnte man daf\u00fcr den Wunsch anbringen, das Nachschlagewerk mit einer Zeittafel und\/oder einem Personenverzeichnis zu erg\u00e4nzen. Das Literaturverzeichnis wiederum umfasst tats\u00e4chlich die wichtigsten deutschsprachigen Standardwerke zu den jeweiligen Themen und zeigt auch, wo man sich \u00fcber Akustik und Jazztheorie schlau machen kann. Aussereurop\u00e4ische Musikkulturen bleiben aber auch hier aussen vor.<\/p>\n<p> Man liebt es ja, zu beckmessern, wenn es um Nachschlagewerke geht, weil diese selber einen pedantischen Genauigkeits- und G\u00fcltigkeitsanspruch haben. \u00abSo steht es im Lexikon!\u00bb sollte der trotzige Sch\u00fcler als Beweis anf\u00fchren k\u00f6nnen. Und so k\u00f6nnen auch wir es uns nicht verkneifen, den Finger auf ein paar Ungenauigkeiten zu halten, die den Wert des Werkes und das Vertrauen in seine Zuverl\u00e4ssigkeit aber keineswegs schm\u00e4lern. So scheinen sich die Autoren nicht darauf einigen zu k\u00f6nnen, ob der Sch\u00f6nbergkreis nun als \u00abWiener Schule\u00bb (Atonalit\u00e4t, 20) oder\u00abZweite Wiener Schule\u00bb (Hauptstimme, 111) zu bezeichnen ist. Die Obertonreihe wird korrekterweise als Reihe von ganzzahligen Vielfachen eines Grundtones charakterisiert, in der Illustration hingegen wird ein Verh\u00e4ltnis zwischen Grundton und erstem Oberton von 65:131 angegeben. <\/p>\n<p> Eine subtile, aber m\u00f6glicherweise verwirrliche Ungenauigkeit ist im Stichwort \u00abBewegungsart\u00bb die Behauptung, bei der Geradbewegung bewegten sich die Stimmen in identischen Intervallabst\u00e4nden, wo doch im Notenbeispiel diatonische und damit mitnichten identische Abstandsverh\u00e4ltnisse herrschen. In der Quintfallsequenz wiederum wird aufgrund der Regelm\u00e4ssigkeit einer Sequenz von \u00abVorausberechenbarkeit\u00bb gesprochen, wo wohl besser von \u00abgeweckter Erwartung\u00bb zu sprechen w\u00e4re. Aber wie gesagt: Solche Beispiele k\u00f6nnen h\u00f6chstens dazu dienen, zu beweisen, dass der Rezensent das Werk tats\u00e4chlich von vorn bis hinten gelesen hat. Es hat ihm \u00fcbrigens Spass gemacht. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Thomas Kr\u00e4mer, Manfred Dings: Lexikon Musiktheorie, Breitkopf &amp; H\u00e4rtel, Wiesbaden 2005, 336 Seiten, 12 Euro, ISBN 3 7651 0370 5<br \/><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>22.06.2005 &#8212; Mit dem \u00abLexikon Musiktheorie\u00bb hoffen die an der Hochschule f\u00fcr Musik Saar t\u00e4tigen Autoren Thomas Kr\u00e4mer und Manfred&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-584","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buchbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/584","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=584"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/584\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=584"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=584"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=584"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}