{"id":585,"date":"2014-01-11T15:12:30","date_gmt":"2014-01-11T15:12:30","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/internet-und-musikunterricht\/"},"modified":"2014-01-11T15:12:30","modified_gmt":"2014-01-11T15:12:30","slug":"internet-und-musikunterricht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/internet-und-musikunterricht\/","title":{"rendered":"\u00abInternet und Musikunterricht\u00bb"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/IntMu030605.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>26.07.2005 &#8212; Das waren noch Zeiten, als P\u00e4dagogen den Computer als Teufelszeug aus den K\u00fcchen der milit\u00e4rischen Aufr\u00fcstung betrachteten, und in der Tatsache, dass Programme \u00abgeladen\u00bb werden, einen Hinweis darauf sahen, dass es sich da um \u00abWaffensysteme\u00bb handeln m\u00fcsse. Kaum beleckt von praktischen Erfahrungen im Umgang mit den Medien wurde die Gefahr einer \u00abAlgorithmisierung des Denkens und Handelns\u00bb heraufbeschworen. Derartige Wortschlachten wurden 1994 in der Zeitschrift \u00abMusik &amp; Bildung\u00bb geschlagen. Seither hat sich das Eine oder Andere ver\u00e4ndert. Vor allem ist zu den M\u00f6glichkeiten des unvernetzten Personalcomputers als p\u00e4dagogisches Medium das Internet getreten, das eine gerade gegenteilige Gefahr heraufbeschw\u00f6rt: Statt an zuviel linearem, regelbestimmtem Denken (der \u00abAlgorithmisierung\u00bb) scheinen die Internauten eher an einem Zuviel an unstrukturierten, fragmentarischen und auf wirre Art multiparametrisierten Angeboten zu scheitern.<\/p>\n<p> Wie wird das Internet heute im p\u00e4dagogischen Alltag des Musikunterrichts aber tats\u00e4chlich verwendet? Dieser Frage geht Bert Gerhardt in seinem Buch \u00abInternet und Musikunterricht\u00bb nach, dem auch die heute am\u00fcsant anmutenden Beispiele aus der Diskussion Mitte der neunziger Jahre entnommen sind (Seite 54). Das erste Fazit ist dabei durchaus ern\u00fcchternd. \u00abIn der Umsetzung der Nutzung des Internet in den Schulen scheint sich nach einer anf\u00e4nglichen Euphorie im Zuge der Kampagne \u201aSchulen ans Netz\u2019 zun\u00e4chst eine allgemeine Ern\u00fcchterung breit zu machen (&#8230;). Der Computerraum wird h\u00e4ufig wieder von den Lehrern genutzt, die schon vor der Einf\u00fchrung des Internet damit gearbeitet haben, und die Nutzung des Internet findet oftmals nur im Bereich der Arbeitsgemeinschaften statt.\u00bb (50)<\/p>\n<p> Das Buch zeichnet ausgehend von diesem Befund ein erfrischend differenziertes Bild vom Stand der Dinge und versorgt den Leser nebenbei mit einer grossen F\u00fclle an n\u00fctzlichen Tipps und Tricks zu interessanten Webseiten oder Unterrichtsmodellen. Auf der Negativseite zu verzeichnen sind der b\u00fcrokratisch anmutende, schwerf\u00e4llige Stil, in dem das Buch geschrieben ist, und die Tatsache, dass der Autor im an sich lobenswerten Bem\u00fchen um Transparenz der Methode eindeutig \u00fcbers Ziel hinausschiesst. <\/p>\n<p> So muss sich der Leser etwa durch eine qu\u00e4lend detaillierte Diskussion eines Fragebogens k\u00e4mpfen, bevor er zu hoch interessanten und spannend zu lesenden Fallstudien aufgrund von Einzelinterviews mit Lehrern vorst\u00f6sst. Dass etwa beim Versenden eines elektronischen Fragebogens ein Perl-Modul verwendet worden ist, \u00abwelches diese \u00dcbermittlung bewerkstelligte und \u00fcber den Sendebutton des HTML-Formulars angesprochen wurde\u00bb (87) tr\u00e4gt zum Erkenntnisgewinn in der Sache nicht wirklich viel bei und h\u00e4tte sich \u2013 so es denn unbedingt erw\u00e4hnt werden muss \u2013 wohl besser in einer Fussnote oder einem Anhang zu den technischen Details der Arbeit verstecken lassen. <\/p>\n<p> Aufgrund 228 ausgef\u00fcllt retournierter Fragebogen zur Nutzung des Mediums im Unterricht entwirft Gerhardt eine f\u00fcr sich sprechende Typologie der P\u00e4dagogen. Sie wird manchen Lehrer erleichtern, der sich damit bewusst werden d\u00fcrfte, dass er nicht der Einzige ist, der sich mit bestimmten Charakterk\u00f6pfen im Kollegium herumzuschlagen hat. <\/p>\n<p> Unterteilen lassen sich die Musiklehrer mit Blick aufs weltweite Netz in Praktiker (rund 20 Prozent), Freaks (20 Prozent), Kritische (23 Prozent) und Traditionelle (22 Prozent). Die verbleibenden 15 Prozent lassen sich einer Gruppe nicht klar genug zuordnen. <\/p>\n<p> Die Praktiker konzentrieren sich im Wesentlichen auf die Arbeit mit den Schulmusik-Ensembles und gehen davon aus, dass das Internet in der Schule k\u00fcnftig an Bedeutung zunehmen wird. Zu den Freaks wiederum geh\u00f6ren Musiklehrer mit einem starken technischen Interesse, die offenbar lieber an Computer und Netzwerk basteln als mit den Sch\u00fclern tats\u00e4chlich zu musizieren. <\/p>\n<p> Die Kritischen bezweifeln vor allem, dass Informationen aus dem Internet zuverl\u00e4ssig sind, nutzen das weltweite Netz aber dennoch zur privaten und schulischen Arbeit. Die Traditionellen schliesslich sind eine eher diffuse Gruppe, die sich bevorzugt an Klassik und praktischem Singen orientieren. <\/p>\n<p> Gerhardt stellt in einem Fazit fest, dass \u00abdie didaktische und methodische Diskussion zum Internet noch immer in den Kinderschuhen steckt und noch kein allgemeiner musikdidaktischer Konsens bzw. kein gemeinsamer Diskurs vorausgesetzt werden kann.\u00bb (190) Das liegt selbstverst\u00e4ndlich auch daran, l\u00e4sst sich da wohl hinzuf\u00fcgen, dass das Web als Medium noch keineswegs zu Reife und konsolidierter Form gefunden hat und die Voraussetzungen f\u00fcr eine stabile Diskussion \u00fcber seinen p\u00e4dagogischen Wert noch gar nicht wirklich gef\u00fchrt werden kann. <\/p>\n<p> In der Schule hat das Internet seinen Platz trotz vieler noch offener Fragen und anstehender Diskussionen aber bereits erobert. Die schulbezogene Nutzung ist \u00abweiter fortgeschritten, als es zu Beginn der Untersuchung erwartet wurde\u00bb (197), erkl\u00e4rt der Autor etwas im Widerspruch zum Eingangsbefund. An gut 40 Prozent der Schulen gibt es eine Homepage mit Informationen zum Fach Musik. Dabei gehen die P\u00e4dagogen davon aus, dass das neue Medium f\u00fcr den Lehrer keine Entlastung bringt, sondern eine \u00abVerschiebung seines T\u00e4tigkeitsspektrums hin zu neuen Aufgaben in einer ver\u00e4nderten Rolle.\u00bb (198)<\/p>\n<p> Anzumerken bleibt hier vielleicht bloss, dass dies im Grunde genommen kein typisches Charakteristikum des Internet ist: Die zunehmende Beschleunigung des modernen Lebens f\u00fchrt dazu, dass gerade die Schule sich auf allen Gebieten st\u00e4ndig neu ausrichten und die eigenen Grundlagen neu \u00fcberdenken muss. Die P\u00e4dagogen sehen sich da mit der Forderung konfrontiert, vom lebenslangen Lehren zum lebenslangen Lernen zu wechseln. Dabei bietet sich eine Chance: finden sie doch zu den Problemen der eigenen Sch\u00fclern damit einen unmittelbaren, weil auf eigener Erfahrung beruhenden Zugang. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Bert Gerhardt: <em>Internet und Musikunterricht \u2013 Bestandesaufnahme und Perspektiven<\/em>, Forum Musikp\u00e4dagogik, Band 64, Wissner-Verlag, Augsburg 2004, <a href=\"http:\/\/www.wissner.com\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.wissner.com <\/a> <\/p>\n<p> <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/redirect?path=ASIN\/3896394428&amp;link_code=as2&amp;camp=1638&amp;tag=codexflores-21&amp;creative=6742\">Bei Amazon kaufen<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=codexflores-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3896394428\" border=\"0\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" style=\"border: none !important; margin: 0px !important;\" \/> <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>26.07.2005 &#8212; Das waren noch Zeiten, als P\u00e4dagogen den Computer als Teufelszeug aus den K\u00fcchen der milit\u00e4rischen Aufr\u00fcstung betrachteten, und&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-585","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buchbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/585","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=585"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/585\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=585"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=585"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=585"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}