{"id":601,"date":"2014-01-11T16:23:51","date_gmt":"2014-01-11T16:23:51","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/metzler-musik-chronik-anregendes-lesebuch\/"},"modified":"2014-01-11T16:23:51","modified_gmt":"2014-01-11T16:23:51","slug":"metzler-musik-chronik-anregendes-lesebuch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/metzler-musik-chronik-anregendes-lesebuch\/","title":{"rendered":"Metzler Musik Chronik: Anregendes Lesebuch"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2006\/chronik18206.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>21.02.2006 &#8212; \u00abIm Zeitalter der Spezialisierung aller Forschung und Lehre kann ein einzelner die Zusammenfassung eines Gebietes eigentlich kaum mehr wagen. Trotzdem mu\u00df das Ganze immer wieder als Ganzes dargestellt werden, und zwar aus der Fachwissenschaft selbst heraus. Eine Gesamtdarstellung kann aber nur ein einzelner leisten, weil hierf\u00fcr <em>ein<\/em> Standpunkt zu verlangen ist. Ein Buch wie dieses fu\u00dft deshalb f\u00fcr die meisten Details auf Spezialstudien, also auf Arbeiten <em>vieler<\/em> Autoren, und trotzdem ist \u00fcberall versucht, den Standpunkt des <em>einen<\/em> Autors erkennen zu lassen und durchzuhalten.\u00bb <\/p>\n<p> Arnold Feil, emeritierter Professor f\u00fcr Musikwissenschaft an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen und langj\u00e4hriger Editionsleiter der Neuen Schubert-Ausgabe, richtet sich mit seiner umfangreichen Chronik \u00aban die Kenner und Liebhaber der Musik\u00bb. Sein \u00abLesebuch der Musikgeschichte\u00bb, verfasst aus eurozentrischem, deutschem Blickwinkel, doch offenen Geistes, orientiert sich \u00aban den Werken als den eigentlichen Fakten der Musikgeschichte\u00bb und schl\u00e4gt in chronologischer Ordnung den Bogen \u00fcber gut 1600 Jahre, beginnend mit der einstimmigen liturgischen Musik im vierten Jahrhundert, endend mit einer 2005 uraufgef\u00fchrten Komposition. <\/p>\n<p> Die Metzler Musik Chronik ist 1993 erstmals erschienen; die nun vorliegende 2. Auflage hat der Autor um f\u00fcnf Dutzend Seiten erweitert im Kapitel \u00fcber die Musik in der Gegenwart. Als Hauptst\u00fctze diente Feil f\u00fcr sein umfangreiches Opus die alte MGG, die zwischen 1949 und 1986 edierte Enzyklop\u00e4die \u00abDie Musik in Geschichte und Gegenwart\u00bb. Ausserdem zitiert er \u00fcppig Quellenmaterial, Prim\u00e4r- wie Sekund\u00e4rliteratur, Aussagen von Komponisten, Abhandlungen, Briefe, Zeitschriftenartikel. <\/p>\n<p> In der Gliederung des Stoffs folgt der Autor \u2013 im Wissen um deren Angreifbarkeit \u2013 den traditionellen Epochebezeichnungen: Antike, Mittelalter, Renaissance, Barock, Wiener Klassik, Fr\u00fch- und Hochromantik, Moderne Musik (ca. 1890\u20131920), Neue Musik (1910\u20131950) und Musik in der Gegenwart. Jedem Teil ist ein Abschnitt vorangestellt, der historische und gattungsm\u00e4ssige Zusammenh\u00e4nge aufzeigt. Dabei werden einige Zeitr\u00e4ume zweifach behandelt, je unter verschiedenem Aspekt. <\/p>\n<p> In den Kapiteln sind die Werke \u2013 einzelne Opera, Sammlungen oder von Feil gruppenweise gew\u00fcrdigte Kompositionen \u2013 nach Jahreszahlen geordnet (Datum der Entstehung, der Urauff\u00fchrung oder der Erstpublikation). Da der Autor das Hauptgewicht auf die Musikgeschichte in ihren Kontexten legt, sind die Werkartikel keine Werkanalysen; daf\u00fcr werden sie charakterisiert in ihrer Stellung im Schaffen des Komponisten, in ihrer gattungsgeschichtlichen Bedeutung, und zur Sprache kommen biografische und soziologische Bez\u00fcge. <\/p>\n<p> Zur Verdeutlichung der grossen Linien schiebt Feil hier und dort konzentrierte \u00dcberblicksartikel ein, beispielsweise: Carissimi und die Hochbl\u00fcte des Oratoriums in Italien; die Dresdner Hofkirchenmusik unter Heinichen und Zelenka; Lully am Hof des Sonnenk\u00f6nigs; die \u00c4ra Jommelli der Barockoper in Stuttgart; Schubertiaden in Wien; die Neudeutschen und ihre Symphonischen Dichtungen; Tanz- und Filmmusiken im Dritten Reich; Anfang vom Ende serieller Komposition; Neuere russische Musik auf den Berliner Festwochen 1980. <\/p>\n<p> Nicht nur musikalische Werke sind in den Blick genommen, darunter (zeit-)typische, die nicht den h\u00f6heren Sph\u00e4ren zugeh\u00f6ren (etwa die Anthologie \u00abAls der Gro\u00dfvater die Gro\u00dfmutter nahm\u00bb, das \u00abKaiserliederbuch\u00bb, das Salonst\u00fcck \u00abGebet einer Jungfrau\u00bb, Grubers \u00abStille Nacht\u00bb und die Internationale), sondern auch markante Ereignisse wie: Er\u00f6ffnung von Opernh\u00e4usern, Gr\u00fcndung von Orchestern, Musikzeitschriften, musikalischen Gesellschaften und Vereinen, Feste, Ausstellungen, Festspiele und bedeutende Musikst\u00e4dte. <\/p>\n<p> Ber\u00fccksichtigt werden des Weiteren musiktheoretische Publikationen (z. B. Mail\u00e4nder Traktat um 1100; \u00abDe musica libri septem\u00bb des Francisco de Salinas; das Musikalische Lexikon von Johann Gottfried Walther; Christian Gottfried K\u00f6rners Abhandlung \u00ab\u00dcber Charakterdarstellung in der Musik\u00bb; Ferruccio Busonis \u00abEntwurf einer neuen \u00c4sthetik der Tonkunst\u00bb; \u00abSammelb\u00e4nde f\u00fcr vergleichende Musikwissenschaft\u00bb), zudem musiksoziologische Ph\u00e4nomene, Instrumentenbauer, Notendrucker, Erfindungen (M\u00e4lzels Metronom; Entwicklung von Ger\u00e4ten und Tr\u00e4gern zur Tonaufnahme und -wiedergabe; elektronische Ausr\u00fcstung), Urheberrechtsgesetzgebung. <\/p>\n<p> Verst\u00e4ndlich, dass aussereurop\u00e4ische Musik, sofern nicht verbunden mit der abendl\u00e4ndischen Tradition, dass Jazz, Rock, Pop, Unterhaltungs- und Filmmusik in dieser Chronik nur am Rand ber\u00fchrt werden. Ein Namen-\/Werkregister erleichtert den Zugriff, bedauerlich indes, dass ein nicht minder n\u00fctzlicher Sachindex fehlt. <\/p>\n<p> Trotz der F\u00fclle der Daten, Fakten und Interpretationen verliert Arnold Feil den roten Faden der Musikgeschichte nicht aus den Augen und f\u00fchrt als umsichtiger, klar formulierender Cicerone von der Gregorianik in die Gegenwart. Ein breites farbenreiches Panorama, ein anregendes Lesebuch der Musikgeschichte im Zeitraffer, das selbst dem Kundigen manche Entdeckung bereith\u00e4lt. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Arnold Feil: Metzler Musik Chronik vom fr\u00fchen Mittelalter bis zur Gegenwart. <br \/>2. erw. Auflage. Verlag J. B. Metzler, Stuttgart 2005. 895 Seiten. \u20ac 34,95. Fr. 56.-<br \/> <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/redirect?link_code=as2&amp;path=ASIN\/3476021092&amp;tag=codexflores-21&amp;camp=1638&amp;creative=6742\">Bei Amazon kaufen<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=codexflores-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3476021092\" border=\"0\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" style=\"border: none !important; margin: 0px !important;\" \/><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>21.02.2006 &#8212; \u00abIm Zeitalter der Spezialisierung aller Forschung und Lehre kann ein einzelner die Zusammenfassung eines Gebietes eigentlich kaum mehr&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-601","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buchbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/601","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=601"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/601\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=601"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=601"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=601"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}