{"id":603,"date":"2014-01-11T16:24:54","date_gmt":"2014-01-11T16:24:54","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/musik-konzepte-haendel-unter-deutschen\/"},"modified":"2014-01-11T16:24:54","modified_gmt":"2014-01-11T16:24:54","slug":"musik-konzepte-haendel-unter-deutschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/musik-konzepte-haendel-unter-deutschen\/","title":{"rendered":"Musik-Konzepte: H\u00e4ndel unter Deutschen"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2006\/muko1306.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>08.03.2006 &#8212; Die meiste Zeit lebte H\u00e4ndel als George Frederick (auch Frederic oder Frideric) Handel unter Engl\u00e4ndern, von 1712 bis zum Tod 1759, insgesamt 47 Jahre seiner 74-j\u00e4hrigen Lebensspanne. Wer denkt, das Thema H\u00e4ndel in Deutschland sei deshalb eher von marginaler Ausstrahlung, kann sich durch die neue Publikation in der Reihe Musik-Konzepte eines Besseren belehren lassen. <\/p>\n<p> Der Band \u00abH\u00e4ndel unter Deutschen\u00bb fasst die wesentlichen Aspekte der deutschen H\u00e4ndel-Rezeption zusammen, spannt dabei den Bogen von der zweiten H\u00e4lfte des 18. bis ins letzte Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts. Grundgedanke dabei ist, die Rezeptionsgeschichte von H\u00e4ndels Musik mit Schwergewicht auf Oratorien und Opern als \u2013 wie Herausgeber Ulrich Tadday im Vorwort festh\u00e4lt \u2013 \u00abmusikgeschichtliches Muster f\u00fcr die kulturelle Konstruktion von nationalen Identit\u00e4ten\u00bb zu schreiben und zu lesen. Sowohl im victorianischen England wie dann auch in Deutschland wurde unter je eigenen Vorzeichen H\u00e4ndel eingespannt zur kulturellen Konstruktion bzw. Rekonstruktion nationaler Identit\u00e4t, was bis zu den H\u00e4ndel-Zerrbildern des Nationalsozialismus und zur H\u00e4ndel-Pflege in beiden deutschen Staaten f\u00fchrte. <\/p>\n<p> Vom Norden Deutschland ging die H\u00e4ndel-Verbreitung aus. Gudrun Busch leuchtet in ihrem Beitrag \u00abDie deutsche H\u00e4ndel-Rezeption in der zweiten H\u00e4lfte des 18. Jahrhunderts\u00bb das Netzwerk aus, dessen Zentren Braunschweig, Berlin und Hamburg bildeten mit den Protagonisten Johann Joachim Eschenburg, Christian Gottfried Krause und Friedrich Nicolai, Carl Philipp Emanuel Bach, Friedrich Gottlieb Klopstock und Christoph Daniel Ebeling. Im Zentrum des Interesses standen die Werke \u00abAlexanderfest\u00bb, \u00abJudas Makkab\u00e4us\u00bb und \u00abMessias\u00bb. Weitere Orte der H\u00e4ndel-Pflege waren Weimar, Schwerin und Wien. Ins Spiel kommen unter anderen Goethe, Haydn, Mozart, Baron Gottfried van Swieten. H\u00e4ndels Einfluss in Deutschland sieht die Autorin in der Wirkung seiner Ch\u00f6re, der S\u00e4kularisierung des Oratoriums (das zum Zeichen b\u00fcrgerlicher Selbstdarstellung dient) und in der Entwicklung zum b\u00fcrgerlichen Konzert. <\/p>\n<p> Bernd Edelmann befasst sich in seinem Beitrag \u00abDer b\u00fcrgerliche H\u00e4ndel\u00bb mit der deutschen H\u00e4ndel-Rezeption zwischen 1800 und 1850. Er beschreibt, wie sich auf dem Kontinent eine b\u00fcrgerliche Musikkultur entwickelte mit von den H\u00f6fen unabh\u00e4ngigen Strukturen. Als Beispiel f\u00fcr die sich formierenden Oratoriench\u00f6re steht Carl Friedrich Zelters Berliner Sing-Akademie. Besonders popul\u00e4r wurde in Zeiten der napoleonischen Kriege das Oratorium \u00abJudas Makkab\u00e4us\u00bb. Der Autor untersucht Einfl\u00fcsse H\u00e4ndels in Werken Beethovens, bei Mendelssohn und Schumann sowie die Oratorienbearbeitungen des Ignaz von Mosel. <\/p>\n<p> Als Ausgangspunkt seines Essays \u00abShakespeare und H\u00e4ndel. Aufstieg, Peripetie und Niedergang eines kulturgeschichtlichen Diskurses\u00bb nimmt Martin Geck die Schrift \u00abShakespeare und H\u00e4ndel. Zur \u00c4sthetik der Tonkunst\u00bb (Leipzig 1868) von Georg Gottfried Gervinus. Geck analysiert die Geschichte einer musikpolitischen Auseinandersetzung, die bereits im ausgehenden 18. Jahrhundert mit Johann Gottfried Herder begann (H\u00e4ndel ein Shakespeare der Musik; Br\u00fcckenschl\u00e4ge zwischen den K\u00fcnsten), sich fortsetzte mit Anton Friedrich Justus Thibaut (\u00ab\u00dcber Reinheit der Tonkunst\u00bb, Heidelberg 1824) und dann von Schumann, Wagner und Nietzsche aufgegriffen wurde. \u00abOb wir wollen oder nicht\u00bb, res\u00fcmiert Geck, \u00abist auch unser eigenes H\u00e4ndel-Bild vom Shakespeare-H\u00e4ndel-Diskurs und seinen politischen und nationalistischen Implikationen bestimmt.\u00bb <\/p>\n<p> H\u00e4ndel-Bildern des 20. Jahrhunderts geht Isabelle M\u00fcntzenberger nach in \u00ab,H\u00e4ndel-Renaissance(n)\u2018. Aspekte der H\u00e4ndel-Rezeption der 1920er Jahre und der Zeit des Nationalsozialismus\u00bb. Dank der Bestrebungen des Kunsthistorikers Oskar Hagen setzte, nach bescheidenen Anl\u00e4ufen im 19. Jahrhundert, 1920 in G\u00f6ttingen mit \u00abRodelinde\u00bb eine Renaissance der Opern H\u00e4ndels ein. Zwei Jahre sp\u00e4ter kam in Halle die erste H\u00e4ndel-Oper, \u00abOrlando\u00bb, zur Wiedergabe. Die Autorin er\u00f6rtert die damaligen Schwierigkeiten mit der Auff\u00fchrung von Barockopern und die eingreifende Bearbeitungspraxis. Neue Zug\u00e4nge \u00f6ffneten die Auff\u00fchrungen \u00abAlter Musik\u00bb durch Willibald Gurlitt und Heinrich Besseler. Ein d\u00fcsteres H\u00e4ndel-Kapitel: Unter dem Zeichen der nationalsozialistischen \u00abGleichschaltung\u00bb wurden Oratorien, im besonderen \u00abJudas Makkab\u00e4us\u00bb, mit schamlosen Eingriffen und antisemitischen Neutextierungen der Propaganda dienstbar gemacht. <\/p>\n<p> Der H\u00e4ndel-Rezeption der j\u00fcngeren Zeit widmet sich Dietrich Helms in seinem Beitrag \u00abWest\u00f6stlicher H\u00e4ndel. Die ,Opernrenaissance\u2018 in den beiden deutschen Staaten\u00bb. Erst in G\u00f6ttingen, dann in Halle stellte man die Pflege der Opern in den Mittelpunkt. Helms gibt einen \u00dcberblick \u00fcber wichtige Ereignisse, Festspiele, Werkbearbeitungen, Auff\u00fchrungsstile, involvierte Musiker, \u00fcber H\u00e4ndel-Forschung, H\u00e4ndel-Gesellschaften und Literatur zu H\u00e4ndel in der Bundesrepublik und in der DDR. <\/p>\n<p> Bibliografische Hinweise und eine Zeittafel, die wesentliche Fakten der deutschen H\u00e4ndel-Rezeption von 1759 bis 2000 auflistet, die Abstracts und die Kurzbiografien der Autorinnen und Autoren beschliessen den Band. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">H\u00e4ndel unter Deutschen. Reihe Musik-Konzepte, Band 131. Neue Folge, herausgegeben von Ulrich Tadday. I\/2006, edition text + kritik im Richard Boorberg Verlag, M\u00fcnchen. <br \/>114 Seiten. \u20ac 13,-. Fr. 23.60. <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/redirect?link_code=as2&amp;path=ASIN\/388377829X&amp;tag=codexflores-21&amp;camp=1638&amp;creative=6742\">Bei Amazon kaufen<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=codexflores-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=388377829X\" border=\"0\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" style=\"border: none !important; margin: 0px !important;\" \/><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>08.03.2006 &#8212; Die meiste Zeit lebte H\u00e4ndel als George Frederick (auch Frederic oder Frideric) Handel unter Engl\u00e4ndern, von 1712 bis&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-603","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buchbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/603","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=603"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/603\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=603"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=603"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=603"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}