{"id":606,"date":"2014-01-11T16:26:33","date_gmt":"2014-01-11T16:26:33","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/studien-zur-filmmusik-der-jahrhundertwende\/"},"modified":"2014-01-11T16:26:33","modified_gmt":"2014-01-11T16:26:33","slug":"studien-zur-filmmusik-der-jahrhundertwende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/studien-zur-filmmusik-der-jahrhundertwende\/","title":{"rendered":"Studien zur Filmmusik der Jahrhundertwende"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2006\/060328graz.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>31.03.2006 &#8212; Das Institut f\u00fcr Wertungsforschung der Grazer Kunstuniversit\u00e4t wurde 1967 von Harald Kaufmann ins Leben gerufen. Es ist im deutschsprachigen Raum damit eine der traditionsreichsten Einrichtungen, die sich explizit der Musik\u00e4sthetik verschrieben haben. Nachhaltig gepr\u00e4gt worden ist das Institut von Otto Kolleritsch, der ihm von 1970 bis 2002, also ganze 32 Jahre vorgestanden ist. Seit 2002 werden seine Geschicke vom Wiesbadener Musikwissenschaftler und Philosophen Andreas Dorschel bestimmt. Das Institut ist seit Jahrzehnten nicht zuletzt publizistisch aktiv: Ein 1968 durchgef\u00fchrtes Symposion zu Fragen der Musikkritik, das so illustre Gr\u00f6ssen wie Theodor W. Adorno, Joachim Kaiser, Heinz-Klaus Metzger und Willi Schuh vereinte, bot unter dem Titel \u00abSchriften zur Wertungsforschung\u00bb Anlass zur Begr\u00fcndung einer Reihe, die mit dem gegenw\u00e4rtig vorliegenden 46. Band keinerlei Zeichen von Erm\u00fcdungserscheinungen zeigt. <\/p>\n<p> Die 2005 erschienene Nummer ist der Filmmusik gewidmet und fragt \u00abnach dem \u201astate of the art\u2019 der Musik im europ\u00e4ischen und amerikanischen Film an der Wende vom 20. zum 21. Jahrhundert\u00bb, wie Andreas Dorschel in einem Vorwort erkl\u00e4rt (11). Der Fokus liegt dabei auf der Funktion der klassischen Musik auf der Tonspur, was \u2013 wie Dorschel sogleich betont \u2013 \u00abnicht an einer d\u00e9formation professionelle von Musikwissenschaftlern\u00bb liege. Es habe sich vielmehr \u00abherausgestellt, dass die sogenannte klassische Musik im Film ein Brennpunkt von Ver\u00e4nderungen ist, in denen gegenw\u00e4rtig westliche Gesellschaften eine Umwertung ihrer kulturellen Werte ins Werk setzen.\u00bb (11)<\/p>\n<p> In einer Einf\u00fchrung skizziert der Herausgeber gleich selber eine differenzierte Kritik verschiedener Theorien zu Funktion und Ursprung der Filmmusik \u2013 Offenlegung verborgener Bedeutungsschichten, unterschwellige Konditionierung des Zuschauers, \u00dcberspielen dialogloser Partien \u2013, die in einigen klugen \u00dcberlegungen dazu m\u00fcnden, weshalb sich die Musik als allgegenw\u00e4rtige Begleiterin des Filmgeschehens etabliert hat, nicht aber als solche szenischer Erz\u00e4hlung im Theater. Der Text endet in der etwas enigmatischen Bemerkung, Musik finde im Film \u00abjenen Ausdruck, den die Worte nie hatten und den die Wirklichkeit, als sie zum blossen Bild wurde, verlor.\u00bb (20)<\/p>\n<p> Auf einer generalisierenden Ebene stellt auch die Wiener Musikhistorikerin Cornelia Szab\u00f3-Knotik die Frage nach dem \u00abZusammenhang von Kunstmusik und popul\u00e4rem, popularisierendem Medium.\u00bb (23) Anhand der Filme \u00abThe Hudsucker Proxy\u00bb, \u00abThe Big Lebowski\u00bb, \u00abThe Man Who Was\u2019t There\u00bb, die Joel und Ethan Cohen in Zusammenarbeit mit dem Komponisten Carter Burwell realisierten, sowie Shekar Kapurs \u00abElizabeth\u00bb exemplifiziert die Autorin Funktionen der Kunstmusik. Diese k\u00f6nnen von einer \u00absatirisch \u00fcberzeichneten Selbstinszenierung\u00bb (25) bis zum \u00abAbgehobensein vom t\u00e4glichen Leben\u00bb (28) reichen. <\/p>\n<p> Die folgenden Fallstudien umfassen detailreiche, mit Szenenchroniken angereicherte Analysen zur Funktion der Musik in Scorseses \u00abCasino\u00bb (Julie Hubbert), Angelopoulos\u2019 \u00abDie Ewigkeit und ein Tag\u00bb (Harald Haslmayr), Kubriks \u00abEyes Wide Shut\u00bb (Albrecht Riethm\u00fcller), Joff\u00e9s \u00abVatel\u00bb (Christine Pollerus), von Triers \u00abDancer in the Dark\u00bb (Guido Heldt), Widrichs Kurzfilm \u00abCopy Shop\u00bb (Arno Russegger) und Hanekes \u00abLa Pianiste\u00bb (Julie Brown). <\/p>\n<p> Die methodische Beschr\u00e4nkung auf einen filmischen Kosmos, der die Musik quasi aus der Innensicht der europ\u00e4ischen Hochkultur reflektiert, fokussiert den Blick weitgehend auf die Rolle der Filmmusik in der Werken des Arthouse Cinemas. Verzichtete man auf die dem Band zugrundeliegende Forderung nach \u00e4sthetischer Relevanz der besprochenen Filme und richtete man den Blick auf Hollywood-Produktionen des Mainstreams, zu denen Gr\u00f6ssen wie Goldsmith, Williams und Horner ihre Partituren beigesteuert haben, liesse sich dazu vermutlich eine kontrastierende Funktion ausmachen. Da dient im Gegensatz dazu in den filmtechnisch avanciertesten und spektakul\u00e4rsten Werke des popul\u00e4ren Kinos n\u00e4mlich ausgerechnet der Gestus der sp\u00e4tromantischen Klangdichtung als Topos traditioneller Werte und der \u00c4sthetik des traditionellen Musiktheaters. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">\u00abTonspuren. Musik im Film: Fallstudien 1994-2001\u00bb, Band 46 der Studien zur Wertungsforschung des Institutes f\u00fcr Wertungsforschung der Universit\u00e4t f\u00fcr Musik und darstellende Kunst Graz, herausgegeben von Andreas Dorschel, Universal Edition 2005, ISBN 3-7024-2885-2. <a href=\"http:\/\/www.kug.ac.at\/iwf\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\"> www.kug.ac.at\/iwf<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>31.03.2006 &#8212; Das Institut f\u00fcr Wertungsforschung der Grazer Kunstuniversit\u00e4t wurde 1967 von Harald Kaufmann ins Leben gerufen. 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