{"id":610,"date":"2014-01-11T16:28:44","date_gmt":"2014-01-11T16:28:44","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/die-musik-in-der-renaissance\/"},"modified":"2014-01-11T16:28:44","modified_gmt":"2014-01-11T16:28:44","slug":"die-musik-in-der-renaissance","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/die-musik-in-der-renaissance\/","title":{"rendered":"Die Musik in der Renaissance"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2006\/renaiss22506.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>22.05.2006 &#8212; Waren das exorbitante multimediale Inszenierungen! Das Fest des Fasans am Hofe Philipps des Guten von Burgund im Jahr 1454 in Lille, die sommerliche Festa S. Giovanni in Florenz unter Lorenzo dem Pr\u00e4chtigen in der zweiten H\u00e4lfte des 15. Jahrhunderts, die M\u00fcnchner F\u00fcrstenhochzeit des bayerischen Erbherzogs Wilhelm V. mit Renata von Lothringen im Februar 1568. Da wurden Macht und Prunk opulent zur Schau gestellt, nicht weniger die K\u00fcnste von K\u00fcche und Keller, welche in zum Teil grotesken Monumentalinstallationen aufgebaut waren. Zu den kulinarischen Freuden gab es Turniere und Theaterauff\u00fchrungen, Produktionen und Feuerwerk und an allen Ecken und Enden Gesang, Tanz- und Tafelmusik. <\/p>\n<p> In seinem Buch \u00abDie Musikwelt der Renaissance\u00bb widmet Bernhard Morbach, Spezialist f\u00fcr Alte Musik am Rundfunk Berlin Brandenburg, den Renaissancefesten ein eigenes Kapitel, trotz lukullischer Details nat\u00fcrlich unter dem h\u00f6heren Gesichtspunkt, den die Musik dabei gespielt hat. In einer Welt ohne Massenmedien hatte, wie der Autor festh\u00e4lt, \u00abjede Musikauff\u00fchrung als solche Festcharakter\u00bb.<\/p>\n<p> Das sinnenfreudige Kapitel \u00fcber die Festkultur mag zeigen, wie weit Morbach den Blick schweifen l\u00e4sst \u00fcber die Zeit der Renaissance, die er von ca. 1420 bis ca. 1600 ansetzt. In der Einleitung h\u00e4lt er fest, dass sich sein Buch an H\u00f6rer wendet, \u00abdie mit der Musik des 15. und 16. Jahrhunderts ein positives musikalisches Erlebnis verbinden, das wiederum nicht alle Aspekte der \u00dcberlieferung betreffen muss. Musik jedoch, die durch ihr klangliches ,So-Sein\u2019 unmittelbar eine historische Distanz mitteilt, erweckt spontan ein Interesse an der Zeit, aus der sie stammt, aber auch ein Interesse an den Prinzipien, nach denen sie entstanden ist.\u00bb <\/p>\n<p> Die geistes- und kulturgeschichtlich umw\u00e4lzende Epoche der Renaissance auf der einen und die Prinzipien, Sch\u00f6pfer und Werke der Musik aus jenen rund 180 Jahren auf der andern Seite bilden die Grundpfeiler von Morbachs detaillierter Untersuchung. Sie schliesst an seinen ersten Band <a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/rezensionen_ind2.php?art=142\">\u00abDie Musikwelt des Mittelalters\u00bb<\/a> an, res\u00fcmiert n\u00fctzlicherweise die dort einl\u00e4sslich behandelten, f\u00fcr die weitere Entwicklung grundlegenden Einsichten. <\/p>\n<p> Den Wurzeln der Renaissance und den zeitgeschichtlichen Hintergr\u00fcnden \u2013 Einfl\u00fcsse antiker und mittelalterlicher Autorit\u00e4ten, humanistisches Denken, historische und soziale Bedingungen \u2013 widmet sich Morbach ebenso profund wie den diversen, teils sich widersprechenden Aspekten des Begriffs Renaissance.<\/p>\n<p> Didaktisch geschickt holt der Autor seine Leserinnen und Leser aus der ihnen vertrauten Welt der Klassik ab, f\u00fchrt sie mit Unterst\u00fctzung vieler (schwarzweiss reproduzierter) ikonografischen Quellen, Schritt um Schritt und die F\u00fclle des Materials klar gliedernd (was sich auch typografisch vorteilhaft niedergeschlagen hat), in die Charakteristika der Renaissance ein. Breit dargestellt sind die Musik am Hofe, darunter Kunst und Kultur in Burgund, in Frankreich und Deutschland und \u00abIl libro del Cortegiano\u00bb (1508 bis 1516), das europaweit massgebende Buch vom Hofmann des Italieners Baldassare Castiglione. <\/p>\n<p> In eigenen Kapiteln befasst sich Morbach eingehend und die kompositorischen Techniken erl\u00e4uternd sowie exemplarische Beispiele herausgreifend mit Messe, Motette, dem mehrstimmigen Lied (Chanson, Tenorlied; Madrigal, Villancico, Song), der solistischen Instrumentalmusik f\u00fcr Orgel, Cembalo, Laute und Vihuela, der Musik f\u00fcr instrumentales Ensemble und abschliessend der Musik zum Tanz (Tanzmeister und -lehrer, Tanztypen, -sammlungen und Drucke). <\/p>\n<p> Der Bogen der Pers\u00f6nlichkeiten spannt sich \u00fcber f\u00fcnf Generationen grosser Meister, von Guillaume Dufay und Gilles Binchois, den um 1400 geborenen Gr\u00fcnderv\u00e4tern der frankofl\u00e4mischen \u00abSchule\u00bb, \u00fcber Johannes Ockeghem und Antoine Busnois, Josquin des Pr\u00e9s, Heinrich Isaac, Pierre de la Rue zu Adrian Willaert, Nicolas Gombert und Jacobus Clemens non Papa, Philippe de Monte und Orlando di Lasso, um hier nur einige der in Werk, Ausstrahlung und Wechselwirkung gew\u00fcrdigten Komponisten zu nennen. <\/p>\n<p> Morbach versteht es, in auch dem interessierten Laien zug\u00e4nglicher Weise Einzelheiten in Musik, Musiktheorie, Kunst, Philosophie, Religion, in h\u00f6fischer, stadtb\u00fcrgerlicher und l\u00e4ndlicher Festkultur und das Lebensgef\u00fchl der Menschen in der Renaissance mit dem Blick auf die universalgeschichtlichen Zusammenh\u00e4nge darzustellen und zu einem plastischen, farbenreichen Bild zu gestalten, wobei auch die in die Barockzeit f\u00fchrenden Entwicklungslinien (etwa das englische \u00abIn Nomine\u00bb als die Keimzelle der Kammermusik) herausgearbeitet sind. <\/p>\n<p> Eine wertvolle Bereicherung und eine Vertiefung mancher im Buch dargestellten Aspekte bietet die beiliegende Audio- und Daten-CD (f\u00fcr PC und Mac). Im Ordner Texte finden sich ausf\u00fchrliche Biografien von 50 Komponisten samt Diskografie, das 15-seitige Bonus-Kapitel \u00abPlatonismus und Kosmologie\u00bb (Nikolaus von Kues, Marsilio Ficino, Ruber Fludd, Johannes Kepler), die Texte des Ordinarium missae (lateinisch und deutsch) und die Diskografie zu einzelnen Kapiteln. <\/p>\n<p> Der Ordner Noten enth\u00e4lt die 83 im Text besprochenen Kompositionen als pdf-Dateien, die ausgedruckt werden k\u00f6nnen. 22 der Notenbeispiele wurden klanglich mit Hilfe digitaler Tonerzeuger realisiert; die Audiotracks sind auch auf CD-Playern abspielbar. <\/p>\n<p> Grafische Signete, die den Text als Marginalien begleiten, verweisen auf die entsprechenden Daten der CD, verkn\u00fcpfen das Buch mit ihr. Zusammen bilden sie ein spannendes, facettenreiches Panorama der Musik- und Gedankenwelt der Renaissance. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Bernhard Morbach: Die Musikwelt der Renaissance. Neu erlebt in Texten, Kl\u00e4ngen und Bildern. Mit Audio-Daten-CD. B\u00e4renreiter-Verlag, Kassel 2006. 257 Seiten. \u20ac 24,95. Fr. 44.90.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>22.05.2006 &#8212; Waren das exorbitante multimediale Inszenierungen! 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