{"id":619,"date":"2014-01-11T16:33:13","date_gmt":"2014-01-11T16:33:13","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/wagner-und-sein-deutschland\/"},"modified":"2014-01-11T16:33:13","modified_gmt":"2014-01-11T16:33:13","slug":"wagner-und-sein-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/wagner-und-sein-deutschland\/","title":{"rendered":"Wagner und sein Deutschland"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2006\/wag5906.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>06.09.2006 &#8211; Schr\u00f6der = Wotan, M\u00fcntefering = Siegmund, das Volk = Siegfried, Merkel = Kundry. Daraus liesse sich ersehen, so Axel Br\u00fcggemann, dass mit Angela Merkel die Rezeption der Werke Wagners wieder dort angelangt sei, wo sie auch in der Zeit Wagners war: \u00abSeine Opern wurden als Mythen gelesen, die zwar unabh\u00e4ngig neben der Realpolitik existierten, sich der Wirklichkeit aber in ihren Bildern und Symbolen \u00f6ffneten. Im Unterschied zum 19. Jahrhundert haben sie inzwischen allerdings allerhand historische Klitterungen durchgemacht und deutsche Geschichte in sich aufgesogen.\u00bb <\/p>\n<p> Ein Urmythos der Nation sei er, der \u00abs\u00e4chsische Gesamtkunstwerkler\u00bb Wagner, der (laut Br\u00fcggemann) Barrikadenk\u00e4mpfer, Egomane, Frauenverschlinger und K\u00f6nigsdiener, Verr\u00e4ter, Intendant und Komponist, Mythensammler und Mythensch\u00f6pfer, Nutzniesser und Benutzter, der ideologische und ideologisierte K\u00fcnstler. <\/p>\n<p> Axel Br\u00fcggemann, freier Journalist (Jahrgang 1971), n\u00e4hert sich dem Musikdramatiker nicht in der devoten Verehrerhaltung eines wundergl\u00e4ubigen J\u00fcngers. In seinem B\u00e4ndchen entwirft er mit Humor, Witz und Ironie, mit scharf geschliffener Feder und ohne R\u00fccksicht auf tradierte Heiligt\u00fcmer ein Bild von Wagners Leben und Schaffen, das wie in einem Kaleidoskop in immer neuen, unerwarteten Facetten aufscheint, mal zum Schmunzeln reizt, mal zum Widerspruch, stets aber \u2013 Offenheit vorausgesetzt \u2013 das Vergn\u00fcgen eines spannenden Leseabenteuers beschert. Anregend f\u00fcr Gourmets wie f\u00fcr Kostver\u00e4chter. <\/p>\n<p> Wagner ohne goldenen Nimbus, vom Sockel geholt und auf Augenh\u00f6he gestellt. Einerseits gewinnt der Autor unkonventionelle Einsichten, indem er Werk und Vita als Einheit w\u00fcrdigt, andrerseits indem er die Stationen aufzeigt, wie Wagners Privatmythologie zum Mythos der Deutschen wurde und wie sein Werk unter den herrschenden Bedingungen \u2013 vom Dresdener Volksaufstand 1849 \u00fcber Ludwig II. und den Nationalsozialismus bis in die Gegenwart \u2013 gedeutet, annektiert und instrumentalisiert wurde. <\/p>\n<p> Den globalen wagnerschen Weltentwurf deckt Br\u00fcggemann auf in den Besprechungen der wichtigsten Opern, zentral in der \u00abRing\u00bb-Tetralogie (\u00abdie gro\u00dfe Soap-Opera\u00bb). Er beschreibt Wagners Individualphilosophie und deren Quellen (Schopenhauer, Hegel, Schelling, Feuerbach), seine k\u00fcnstlerischen Vorbilder und einflussreichen Zeitgenossen, erl\u00e4utert die Auswirkungen der politischen und sozialen Konstellationen sowie der Frauen auf Leben und Werk. Eigene Essays sind der Rezeption von Wagners Opern, insbesondere in Bayreuth, durch Regisseure, B\u00fchnengestalter und Dirigenten gewidmet. <\/p>\n<p> \u00abRichard Wagner schleppt, wie kaum ein anderer, die deutsche Geschichte mit sich, die sich in seinen Werken ansammelt. Seine Opern sind der Soundtrack der Nation, [\u2026] in Kunst gegossenene Geschichte, die inzwischen wieder zur perfekten Repr\u00e4sentationsfl\u00e4che des nationalen Bewusstseins und seiner gesellschaftlichen und politischen Eliten geworden ist\u00bb, res\u00fcmiert Br\u00fcggemann. <\/p>\n<p> Deutschland. Ein Wagnerm\u00e4rchen?<\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Axel Br\u00fcggemann: Wagners Welt oder Wie Deutschland zur Oper wurde. B\u00e4renreiter-Verlag, Kassel 2006. 190 Seiten. \u20ac 19,95. Fr. 35.90. <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/redirect?link_code=as2&amp;path=ASIN\/3761818394&amp;tag=codexflores-21&amp;camp=1638&amp;creative=6742\">Bei Amazon kaufen<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=codexflores-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3761818394\" border=\"0\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" style=\"border: none !important; margin: 0px !important;\" \/> <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>06.09.2006 &#8211; Schr\u00f6der = Wotan, M\u00fcntefering = Siegmund, das Volk = Siegfried, Merkel = Kundry. 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