{"id":63,"date":"2014-01-06T10:44:24","date_gmt":"2014-01-06T10:44:24","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/06\/cim04-der-blick-ueber-den-zaun\/"},"modified":"2014-01-06T10:44:24","modified_gmt":"2014-01-06T10:44:24","slug":"cim04-der-blick-ueber-den-zaun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/06\/cim04-der-blick-ueber-den-zaun\/","title":{"rendered":"CIM04 &#8211; Der Blick \u00fcber den Zaun"},"content":{"rendered":"<p>24.02.2004<\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><strong>Vom 15. bis 18 April geht an der Universit\u00e4t Graz die erste \u00abKonferenz zur Interdisziplin\u00e4ren Musikwissenschaft\u00bb \u00fcber die B\u00fchne. Der Anlass hat programmatischen, ja fast schon polemischen Charakter, wenn man sich vergegenw\u00e4rtigt, dass im deutschen Sprachraum den systematischen F\u00e4chern bloss Nischen zugestanden werden und das akademische Leben weitgehend von der historischen Schwesterdisziplin beherrscht wird.<\/strong><\/p>\n<p> Die hiesige Historische Musikwissenschaft \u00e4ussert sich bevorzugt in deutschsprachigen Fachpublikationen und setzt sich deshalb der Gefahr aus, die internationalen Entwicklungen nicht im n\u00f6tigen Mass mitzuvollziehen. Weil auch die finanziellen Mittel f\u00fcr das Fach gek\u00fcrzt werden sollten, hat die Gesellschaft f\u00fcr Musikforschung den in Graz wirkenden Richard Parncutt zu einer Bestandesaufnahme ermuntert. Die daraus resultierenden Einsichten bildeten einen der Gr\u00fcnde f\u00fcr die Grazer Tagung. Die erfreulich hohe Resonanz, welche der Anlass schon im Vorfeld international gefunden hat, k\u00f6nnte dazu f\u00fchren, dass eine Folgekonferenz auch ausserhalb des deutschsprachigen Raums durchgef\u00fchrt wird und sich eine eigene Reihe entwickelt.<\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<br \/> Die Konferenz im Web:<br \/> <a href=\"http:\/\/gewi.uni-graz.at\/%7Ecim04\/\" target=\"\u201cblank_\u201c\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/gewi.uni-graz.at\/~cim04\/<\/a><br \/> &#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<p><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\">Der 1957 in Australien geborene Konferenzveranstalter Richard Parncutt arbeitete in M\u00fcnchen mit Ernst Terhardt, in Stockholm mit Johann Sundberg, in Kanada mit Annabel J. Cohen und Albert S. Bregman und in Grossbritannien mit John A. Sloboda. An der Uni Graz belegt er einen Lehrstuhl f\u00fcr Systematische Musikwissenschaften. Bereits in seiner Dissertation \u00abSensory bases of harmony in Western music\u00bb vereinte er Aspekte der Musikologie, Physik und Psychologie. Parncutt unterst\u00fctzt neben seiner Facharbeit die \u00abUniversit\u00e4ren Initiativen gegen Rassismus\u00bb an der Universit\u00e4t Graz. Codex flores hat sich mit dem umtriebigen Wissenschaftler und Humanisten \u00fcber die Ziele und den Charakter der Konferenz unterhalten. <\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\"><strong>Codex flores:<\/strong> Wie ist es zur Idee gekommen, eine interdisziplin\u00e4re musikwissenschaftliche Tagung zu veranstalten?<\/span><br \/> <strong>Richard Parncutt:<\/strong> Ich wurde im Rahmen der Gesellschaft f\u00fcr Musikforschung um eine Stellungnahme zur gegenw\u00e4rtigen Situation der Musikwissenschaft in Deutschland aus der Sicht der Systematischen Musikwissenschaft gebeten. Die Idee zur Tagung entstand aus meiner inzwischen ver\u00f6ffentlichten Reaktion auf diese Einladung. <\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\">Sehen Sie eine derartige Konferenz als Pionierleistung oder liegt die interdisziplin\u00e4re Zusammenarbeit in Sachen Musik in der Luft? <\/span><br \/> Etwas von beidem. Musikwissenschaft war schon immer interdisziplin\u00e4r. Eine solche Tagung gab es aber noch nie. In der Musikwissenschaft wird ohnehin viel zu wenig interdisziplin\u00e4r gearbeitet. <\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\">Welche Schwerpunkte f\u00fcr die Konferenz haben sich mit den eingereichten und akzeptierten Papers ergeben? <\/span><br \/> Eigentlich hat sich kein fachlicher Schwerpunkt ergeben (ausser nat\u00fcrlich der Musik selber). Es wurden auch keine solchen Schwerpunkte angestrebt. Es geht vielmehr um die interdisziplin\u00e4re musikwissenschaftliche Arbeit an sich.<\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\">Weshalb findet eine solche Konferenz gerade in Graz statt?<\/span><br \/> In erster Linie, weil ich da bin. Ich bin aber nur da, weil der ehemalige Grazer Professor f\u00fcr Musikwissenschaft, Rudolf Flotzinger, eine neue Professur f\u00fcr Systematische Musikwissenschaften geschaffen und (nicht nur dadurch) eine verst\u00e4rkte Interdisziplinarit\u00e4t in der Musikwissenschaft gef\u00f6rdert hat. Dazu kommt, dass es an den Grazer Universit\u00e4ten viele verschiedene Institute gibt, die verschiedene Aspekte der Musikwissenschaft abdecken. <\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\">Welche Disziplinen oder Fragestellungen sehen Sie in den n\u00e4chsten Jahren speziell im Fokus der Musikforschung? <\/span><br \/> Ganz unabh\u00e4ngig von der Tagung in Graz ist eine Tendenz in Richtung Interdisziplinarit\u00e4t zu beobachten, dazu auch ein verst\u00e4rktes Interesse f\u00fcr den Begriff \u00abKulturwissenschaft\u00bb, der auch an der kommenden Jahrestagung der Gesellschaft f\u00fcr Musikforschung eine wichtige Rolle spielt.<\/p>\n<p> <strong>Verschiedene Klassifizierungen sind m\u00f6glich<\/strong><\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\">In den Konferenzunterlagen wird erkl\u00e4rt, dass eine interdisziplin\u00e4re Kombination von F\u00e4chern, wenn sie zur Gewohnheit wird, nicht mehr als interdisziplin\u00e4r betrachtet werden sollte, sondern zu einer neuen Disziplin wird. Wo w\u00fcrden sie die Musikwissenschaften in dieser Entwicklung gegenw\u00e4rtig sehen? <\/span><br \/> Die Aussage bezieht sich auf Teilbereiche der Musikwissenschaft und nicht auf die Musikwissenschaft als Ganzes. Die interne Gliederung der Musikwissenschaft \u00e4ndert sich st\u00e4ndig und allm\u00e4hlich. Zum Teil hat dies mit dem beschriebenen Vorgang zu tun. Die Musikwissenschaft ist sehr vielseitig und wird dies vermutlich immer blieben. <\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\">Ein erkl\u00e4rtes Ziel der Konferenz ist die Abschaffung der unbrauchbar gewordenen Kategorie \u00abSystematische\u00bb Musikwissenschaft. Sie klassifiziert die Fachgebiete f\u00fcr die Dauer des Anlasses in Geisteswissenschaften (Humanities), Naturwissenschaften (Sciences), Mischungen der beiden und praktische Anwendungen. Wird dies eine konferenzinterne Klassifizierung bleiben oder d\u00fcrfte sich eine vergleichbare Kategorisierung auch an den Universit\u00e4ten und Musikhochschulen durchsetzen? Erhoffen Sie sich letzteres? <\/span><br \/> Diese Klassifizierung ist nur ein Beispiel. Es gibt auch andere, die genauso gut sind. Das Anliegen der Tagung ist nicht die Gliederung des Fachs, sondern die interdisziplin\u00e4re Mitarbeit innerhalb des Fachs und mit anderen F\u00e4chern, unabh\u00e4ngig von Gliederung.<\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\">Die Konferenz hat sich auch zum Ziel gesetzt, gerade die Gebiete zu f\u00f6rdern, die von b\u00fcrokratischen H\u00fcrden oder unflexiblen Strukturen des Forschungsbetriebes behindert werden. K\u00f6nnen Sie konkrete Beispiele anf\u00fchren? <\/span><br \/> Es ist bekannt, dass Berufungskommissionen in den Musikwissenschaften h\u00e4ufig von Vertreterinnen und Vertretern der Musikgeschichte und anderen Geisteswissenschaften dominiert werden. Das f\u00fchrt zu einer allgemeinen Ausgrenzung der schwach vertretenen F\u00e4cher. Ich vermute, dass (zumindest in Deutschland) auch musikwissenschaftliche Forschungsantr\u00e4ge h\u00e4ufiger von denjenigen akzeptiert oder abgelehnt werden, welche vor allem die Musikhistorie vertreten \u2013 mit dem gleichen Ergebnis. Dar\u00fcber hinaus scheint gerade in diesem Bereich ein gewisser Widerstand gegen Interdisziplinarit\u00e4t zu bestehen (insbesondere zwischen Geistes- und Naturwissenschaften sowie zwischen Theorie und Praxis). CIM04 arbeitet &#8211; vorwiegend indirekt &#8211; in Richtung auf eine L\u00f6sung dieser Probleme.<\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\">Konnten Sie in dieser Hinsicht den letzten Jahren Ans\u00e4tze zur \u00d6ffnung beobachten oder haben Spardruck und Abbau zu einer Verh\u00e4rtung der Fronten gef\u00fchrt? <\/span><br \/> Es wurden in letzter Zeit doch einige \u00absystematische\u00bb Stellen ausgeschrieben. Es werden aber viel mehr sein m\u00fcssen, um ein Gleichgewicht zwischen den Teilbereichen wieder herzustellen, das der derzeitigen Verteilung der besten internationalen Forschung einigermassen entspricht. Ich empfehle, dass die \u00absystematischen\u00bb Stellen entweder allgemeiner &#8211; etwa \u00abMusikwissenschaft\u00bb &#8211; oder spezifischer &#8211; \u00abMusikpsychologie\u00bb, \u00abMusiktheorie\u00bb &#8211; genannt werden. <\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\">Sie haben auch angeregt, dass Lehrst\u00fchle in der Historischen Musikwissenschaft durch Vertreter der systematisch, ethnologisch, soziologisch oder kulturwissenschaftlich ausgerichteten Musikwissenschaften neu besetzt werden, wenn der Inhaber emeritiert. Ist der Vorschlag auf fruchtbaren Boden gefallen? <\/span><br \/> Ich glaube nicht. Es wird etwas l\u00e4nger dauern, bis sich diese Idee durchsetzt. Allerdings geh\u00f6re ich nicht zu den deutschsprachigen musikwissenschaftlichen Seilschaften und bin daher nicht sehr gut informiert.<br \/><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>24.02.2004 Vom 15. bis 18 April geht an der Universit\u00e4t Graz die erste \u00abKonferenz zur Interdisziplin\u00e4ren Musikwissenschaft\u00bb \u00fcber die B\u00fchne.&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-63","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-systematische-musikwissenschaften","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=63"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=63"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=63"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=63"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}