{"id":630,"date":"2014-01-11T20:48:14","date_gmt":"2014-01-11T20:48:14","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/die-briefe-richard-wagners\/"},"modified":"2014-01-11T20:48:14","modified_gmt":"2014-01-11T20:48:14","slug":"die-briefe-richard-wagners","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/die-briefe-richard-wagners\/","title":{"rendered":"Die Briefe Richard Wagners"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2007\/wag12107.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>13.02.2007 &#8212; \u00abIch hab\u2019 keine Lust mehr: die Ersch\u00fctterungen und das Erkennen der Ohnmacht des Einzelnen sind zu gro\u00df und bestimmt. [\u2026] Von mir gilt einfach der Ausdruck, \u2013 das Leben \u2013 satt zu haben. Mir fehlt nicht mehr als Alles, um menschlich leben zu k\u00f6nnen.\u00bb (Wagner an Wendelin Weissheimer \u2013 Juli 1863) <\/p>\n<p> \u00abDieser junge K\u00f6nig macht Alles gut: wahrlich Kind, den hat Gott in allem und jedem St\u00fccke ganz extra f\u00fcr mich geschaffen. [\u2026] Es ist nicht zu fassen, welches Gl\u00fcck mir der in\u2019s Leben bringt.\u00bb (Wagner an Mathilde Maier \u2013 Mai 1864) <\/p>\n<p> \u00abAlso selbst in meiner Liebe zu Ihm, dem Einzigen, muss <em>Er<\/em> mich immer wieder mit Muth erf\u00fcllen! \u2013 Ich bin nichts mehr, ohne Ihn! Selbst zu lieben lehrt Er mich erst. [\u2026] Er weiss <em>Alles<\/em>! Gott offenbart Ihm Alles! O, mein K\u00f6nig! Du bist <em>g\u00f6ttlich<\/em>!\u00bb (Wagner, 51, an Ludwig II., 19 \u2013 Dezember 1864) <\/p>\n<p> Richard Wagner, der Schwerarbeiter, wandte auch als Briefautor die erweiterte Skala der Ausdrucksm\u00f6glichkeiten an zwischen den Polen kohlrabenschwarzer Pessimismus und himmelhoch jauchzende Verkl\u00e4rung. Wer sich in seine Korrespondenz vertieft, ist nicht nur \u00fcberrascht durch die F\u00fclle an sachbezogener Information \u00fcber Leben und Werk und durch die Spontaneit\u00e4t und Eloquenz der Formulierung, sondern oft auch irritiert von der weinerlichen Selbstverliebtheit und den Jeremiaden einerseits, von der \u00dcbersteigerung der Gef\u00fchle und der quasi religi\u00f6sen Schw\u00e4rmerei andrerseits. Doch die in den Briefen ausgebreitete Spannweite des (nicht selten zelebrierten) Erlebens, F\u00fchlens und Reflektierens \u00f6ffnet unsch\u00e4tzbare Zug\u00e4nge zu Wagners Welt. <\/p>\n<p> An die Hand genommen wurde die Gesamtausgabe der chronologisch geordneten Briefe Wagners erst 1967, \u00fcber acht Jahrzehnte nach seinem Tod. Bis 2000 gab der Deutsche Verlag f\u00fcr Musik, Leipzig, neun B\u00e4nde heraus. Ab Band 10 wurde eine organisatorische und konzeptionelle Neuorientierung umgesetzt, die ihren Anfang hatte im Erstellen eines umfassenden Inventars. Dieses 1998 edierte Wagner-Briefe-Verzeichnis (WBV) bietet mit seinen 9724 Eintr\u00e4gen einen \u00dcberblick \u00fcber den derzeit nachweisbaren Bestand samt Quellen und Ausgaben und bildet die Grundlage des Editionsplans zur Fortsetzung der \u00abS\u00e4mtlichen Briefe\u00bb.<\/p>\n<p> Die von Werner Breig erarbeiteten neuen Editionsrichtlinien (in dem jedem Band beigegebenen Kapitel Benutzerhinweise sind sie zusammengefasst) betreffen die B\u00e4nde 10 bis 34 (bei Breitkopf &amp; H\u00e4rtel sind bisher die B\u00e4nde 10 bis 16 erschienen). <\/p>\n<p> Ab Band 12 ist f\u00fcr die Einteilung das Kalenderjahr massgeblich. So versammelt Band 15 die Briefe von 1863, einem bewegten Jahr in Wagners Leben: Konzerttourneen f\u00fchren ihn durch halb Europa und nach Moskau. Trotz Erfolgen f\u00e4llt die Bilanz entt\u00e4uschend aus: \u00abTristan und Isolde\u00bb kann nicht in Wien uraufgef\u00fchrt werden, die Arbeit an den \u00abMeistersingern\u00bb stockt, und die Geldnot ist chronisch, vor allem auch wegen Wagners luxuri\u00f6ser Lebensf\u00fchrung nach seinem Motto: \u00ab\u2026 gar zu viel Oekonomie ist schlechter Haushalt!\u00bb (Wagner an Mathilde Maier, Juli 1863) <\/p>\n<p> Eitel Morgenr\u00f6te dann im folgenden Jahr (Band 16): Der junge M\u00e4zen Ludwig II. enthebt Wagner f\u00fcrs Erste materieller Sorgen und sichert die Vollendung und Auff\u00fchrung seiner Werke. Wagner und Cosima von B\u00fclow besiegeln ihren Lebensbund (Heirat 1870). <\/p>\n<p> Band 15 enth\u00e4lt 346, der folgende Band 360 Briefe und schriftliche Mitteilungen; viele davon sind zum ersten Mal in ungek\u00fcrzter Fassung oder erstmals \u00fcberhaupt publiziert. Grunds\u00e4tzlich sind die Briefe im originalen Wortlaut und ohne Zus\u00e4tze abgedruckt. <\/p>\n<p> Imposant (allein schon im Umfang) der Anmerkungsapparat, der die H\u00e4lfte des Bandes beansprucht. Der Themenkommentar in Band 15 widmet sich den Aufenthalten, der finanziellen Situation, den Konzerten (samt aufgef\u00fchrten Werken) und Konzertreisen, den nicht verwirklichten Konzertpl\u00e4nen und den Kompositionen. Band 16 erl\u00e4utert die Themen Reisen und Aufenthalte, Wagner zwischen Mathilde Maier und Cosima von B\u00fclow, Wagners Wiener Schulden, die Wagner-Rezeption des Kronprinzen Ludwig, Wagner und die K\u00f6nigliche Kabinettskasse, die Werke aus dem Jahr 1864. <\/p>\n<p> Die Kommentare zu den einzelnen Briefen geben einl\u00e4sslich Auskunft \u00fcber Quellen, Probleme der Textgestaltung, die Stellung eines Schreibens in der Korrespondenz mit dem jeweiligen Partner und \u00fcber Details, die zum Verst\u00e4ndnis der Kl\u00e4rung bed\u00fcrfen. Den Schluss bilden Register der Adressaten, der Personennamen und Firmen, der Institutionen sowie das Verzeichnis der im Band erw\u00e4hnten Werke Wagners und der Literatur. <\/p>\n<p> Die \u00abS\u00e4mtlichen Briefe\u00bb, ein Ruhmesblatt der Wagner-Forschung und eine editorische Spitzenleistung, entfalten ihre Wirkung als aufschlussreiche Dokumente zur \u00e4usseren und inneren Biografie des Meisters, nicht zuletzt beeindrucken sie auch als Zeugnisse von kulturhistorischem Rang. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Richard Wagner: S\u00e4mtliche Briefe. Band 15, Briefe des Jahres 1863, herausgegeben von Andreas Mielke. Mit s\/w-Abbildungen. Verlag Breitkopf &amp; H\u00e4rtel, Wiesbaden 2005. 760 Seiten. \u20ac 48,\u2013. <\/p>\n<p> Richard Wagner: S\u00e4mtliche Briefe. Band 16, Briefe des Jahres 1864, herausgegeben von Martin D\u00fcrrer. Mit s\/w-Abbildungen. Verlag Breitkopf &amp; H\u00e4rtel, Wiesbaden 2006. 752 Seiten. \u20ac 48,\u2013.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>13.02.2007 &#8212; \u00abIch hab\u2019 keine Lust mehr: die Ersch\u00fctterungen und das Erkennen der Ohnmacht des Einzelnen sind zu gro\u00df und&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-630","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buchbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/630","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=630"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/630\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=630"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=630"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=630"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}