{"id":64,"date":"2014-01-06T10:45:26","date_gmt":"2014-01-06T10:45:26","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/06\/gustav-theodor-fechners-erben\/"},"modified":"2014-01-06T10:45:26","modified_gmt":"2014-01-06T10:45:26","slug":"gustav-theodor-fechners-erben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/06\/gustav-theodor-fechners-erben\/","title":{"rendered":"Gustav Theodor Fechners Erben"},"content":{"rendered":"<p>17.12.2003<\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><strong>Die Internationale Gesellschaft f\u00fcr Empirische \u00c4sthetik (IAEA) wurde 1965 von einer internationalen Gruppe von Forschern ins Leben gerufen. Heute vereint sie Anthropologen, Psychologen, Semiotiker, Soziologen und zahlreiche weitere Fachleute, die an empirischen Forschungen auf dem Gebiet der \u00c4sthetik interessiert sind. Der an der Universit\u00e4t Oldenburg lehrende Holger H\u00f6ge ist seit 1985 Generalsekret\u00e4r der IAEA. Codex flores hat sich mit ihm \u00fcber die Geschichte und Ziele der Gesellschaft unterhalten.<\/strong> <\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\"><strong>Codex flores:<\/strong> Woran forschen Sie zur Zeit gerade?<\/span> <br \/> <strong>H\u00f6ge:<\/strong> Ich habe mich anf\u00e4nglich mit dem Problem der emotionalen Grundlage \u00e4sthetischer Urteile besch\u00e4ftigt, eine Dissertation, die von Hans H\u00f6rmann in Bochum betreut wurde. Er ist leider zu fr\u00fch gestorben, um den Abschluss noch zu erleben. Aber das ist lange her. Zur Zeit besch\u00e4ftige ich mich mit Museumsforschung. <\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\">Was muss man sich darunter vorstellen? <\/span> <br \/> Mich interessiert, wie und in welchem Ausmass Besucher mit dem Exponat oder der Ausstellungsanordnung im Museum umgehen. Dies ist nicht nur wegen der Erlebnisqualit\u00e4t der Besucher interessant, sondern auch wegen der Umorientierung, die Museen gegenw\u00e4rtig durchlaufen. Kurz gesagt zeigt sich hier, was schon vor \u00fcber hundert Jahren gefordert wurde: was sinnvoll und notwendig ist, entscheidet die Reaktion des Rezipienten und nicht die Spekulation. Auf die Museen bezogen heisst die Entwicklungsrichtung: vom objektzentrierten zum besucherorientierten Museum. Museen sehen sich also vor die Aufgabe gestellt, den Pr\u00e4sentations- und Bildungsauftrag ernster zu nehmen und effizienter zu gestalten als dies in der Vergangenheit geschah. <\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\">Die Existenz einer Internationalen Gesellschaft f\u00fcr empirische \u00c4sthetik legt nahe, dass empirische \u00c4sthetik als eigene Disziplin betrieben wird. Gibt es daf\u00fcr historische oder methodische Gr\u00fcnde? <\/span> <br \/> Empirische \u00c4sthetik wird nicht als eigenst\u00e4ndige Disziplin betrieben. Sie ist innerhalb der Psychologie entstanden, m\u00fcsste eigentlich \u00abexperimentelle \u00c4sthetik\u00bb hei\u00dfen, und sie sollte auch im Bereich der Psychologie bleiben. <\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\">Wo liegen denn die historischen Wurzeln? <\/span> <br \/> Dies kann man sehr genau beziffern: Es ist die \u00abVorschule der \u00c4sthetik\u00bb von Gustav Theodor Fechner aus dem Jahr 1876. In dieser legt er auf mehreren hundert Seiten dar, mit welchen Problemen sich dieses Gebiet besch\u00e4ftigen sollte. Und mehr noch: Er hat nicht nur Pl\u00e4ne und Aussichten auf die Zukunft beschrieben, sondern auch eine konkrete Untersuchung mitgeteilt. Dies ist die Pr\u00fcfung der Frage, ob die Proportion des Goldenen Schnittes tats\u00e4chlich eine besondere Pr\u00e4ferenz genie\u00dft, wie etwa Zeising 1854 behauptet hatte. <\/p>\n<p> <strong>Das \u00ab\u00e4sthetische Gesetz\u00bb hinterfragt<\/strong><\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\">Die Idee scheint noch heute weit verbreitet zu sein. <\/span> <br \/> Fechner bezweifelte das \u00ab\u00e4sthetische Gesetz\u00bb, wonach Proportionen nach dem Goldenen Schnitt mehr gefallen als andere. Er f\u00fchrte eine experimentelle Untersuchung dazu durch und fand zu seinem Erstaunen tats\u00e4chlich ein Pr\u00e4ferenzmaximum bei dieser Proportion. Dies war, wenn man so will, der Startschuss f\u00fcr die empirische \u00c4sthetik in ihrer experimentellen Variante. Der Vollst\u00e4ndigkeit halber sei angemerkt, dass Fechners Ergebnis heute nicht mehr repliziert werden kann. Es scheint so zu sein, dass seine anf\u00e4ngliche Skepsis gegen das Pr\u00e4ferenzmaximum beim Goldenen Schnitt berechtigt war; dennoch steht heute noch in vielen Architekturb\u00fcchern, dass Proportionen nach dem Goldenen Schnitt stets \u00abwohlgef\u00e4llig\u00bb seien, oft unter Bezug auf Fechners Ergebnisse. <\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\">Bekennt sich die empirische \u00c4sthetik zu einer kanonischen wissenschaftlichen Methodik oder gibt es Eigenheiten? <\/span><br \/> Was den Kanon betrifft: O ja, ein ganz deutliches Bekenntnis: Wir folgen dem Kanon der psychologischen Empirie! Zun\u00e4chst ist bereits der Begriff \u00abempirische \u00c4sthetik\u00bb eine klare methodische Aussage. Fechner hat das bereits 1876 auf un\u00fcbertroffene Weise formuliert: Der experimentellen \u00c4sthetik geht es um eine Analyse der \u00e4sthetischen Ph\u00e4nomene \u00abvon unten\u00bb, also aus den Reaktionen des Gefallens, aus der Reaktion des Rezipienten (oder auch des K\u00fcnstlers) und nicht \u00abvon oben\u00bb, das heisst aus dem Begriff, von dem auf \u00c4sthetisches geschlossen wird. Fechner hoffte, dass die Diskussion \u00fcber \u00c4sthetik dadurch \u00abmehr ins Klare, denn ins Hohe\u00bb gef\u00fchrt werden k\u00f6nnte \u2013 dieses Programm war beinahe eine Kampfansage gegen die damals betriebene Philosophie und Kunstgeschichte. <\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\">Kennt die empirische \u00c4sthetik eigene Rahmentheorien der Wahrnehmung oder der Emotionen? <\/span><br \/> Nein, eine \u00abeigene\u00bb Theorie solch grundlegender menschlicher Funktionen wie Wahrnehmung und emotionaler Prozesse gibt es nicht, hier sind wir eindeutig Nutzniesser der allgemeinen psychologischen Forschung und dagegen ist \u00fcberhaupt nichts einzuwenden. Nat\u00fcrlich hat es Exporte an Befunden und Modellen aus der empirischen \u00c4sthetik in die Psychologie gegeben, zum Beispiel die Berlynesche psychobiologische Theorie. Die von ihm verwendeten \u00abkollativen\u00bb Variablen haben einen gro\u00dfen Beitrag f\u00fcr die Psychologie geliefert. Immerhin ist ja gegenw\u00e4rtig wieder eine Biologisierung der Psychologie zu beobachten und man muss abwarten, ob dieser neuerliche Biologisierungsversuch mehr Fortschritte bringt. <\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\">Werden Fechners Ideen heute \u00fcberhaupt noch wahrgenommen? <\/span> <br \/> Fechners Anliegen ist bis heute g\u00fcltig, erzeugt aber immer noch Erstaunen bei all jenen, die nicht gewohnt sind, in dieser Weise zu arbeiten. Als Beispiel: F\u00fcr den experimentell respektive empirisch arbeitenden Psychologen sind Kunstwerke lediglich \u00abStimuli\u00bb, Reizgegebenheiten, deren Wirkung nun untersucht wird. F\u00fcr einen Kunsthistoriker kann dies recht verletzend sein, weil der Wert des Objektes gar nicht zum Tragen kommt. In diesem Sinne ist empirische \u00c4sthetik bis heute sozusagen respektlos. M\u00f6glicherweise ist dies der Grund, weshalb in Philosophie und Kunstgeschichte \u2013 trotz enorm gestiegener Publikationst\u00e4tigkeit im Bereich der \u00c4sthetik seit den Achtzigerjahren \u2013 von den Befunden in der Psychologie kaum Notiz genommen wird. <\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\">Zumindest der Kunsttheoretiker und -psychologe Ernst Hans Gombrich entfaltete doch eine gewisse Wirkung und wurde in der analytischen Philosophie etwa von Nelson Goodman rezipiert. <\/span> <br \/> Gombrich war sicher eine Ausnahme und ist deshalb auch zum Ehrenmitglied der IAEA gew\u00e4hlt worden. <\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/bilder\/171203Hoege2.jpg\" border=\"0\" align=\"middle\" \/><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\">Zur\u00fcck zum Methodenproblem&#8230; <\/span><br \/> S\u00e4mtliche Methoden der experimentellen und empirischen Psychologie sind hier gefordert, der wichtige Schritt sind die unter kontrollierten Bedingungen erhobenen Daten, auf deren Grundlage Hypothesen und Theorien gepr\u00fcft beziehungsweise aufgebaut werden. Die vielleicht einfallsreiche Idee, Beschreibung oder Theorie die keine Datengrundlage hat, findet bei empirisch ausgerichteten Wissenschaften wenig Beifall. Und Psychologie ist eindeutig eine empirische Wissenschaft. <\/p>\n<p> <strong>\u00c4sthetik als Teil der Psychologie<\/strong><\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\">Weshalb sollte die empirische \u00c4sthetik Teil der Psychologie bleiben? <\/span><br \/> Die empirische \u00c4sthetik ist da bestens aufgehoben, weil sich Psychologie mit Erleben, Verhalten und Bewusstsein besch\u00e4ftigt. Und \u00e4sthetisches Bewusstsein, \u00e4sthetisches Erleben ist ja der eigentliche Ort des \u00c4sthetischen und nicht das Objekt. Allerdings verdient dieser Zweig der Psychologie meines Erachtens eine viel gr\u00f6\u00dfere Beachtung und nat\u00fcrlich mehr Forschungsaktivit\u00e4ten. Warum? Man bedenke nur einmal wie viele \u00e4sthetische Urteile man pro Tag f\u00e4llt: von der Frage, welchen Pullover ich anziehe, ob mir das Essen schmeckt bis zur Farbe des Automobils oder der Fensterl\u00e4den an meinem Haus \u2013 vom Urteil \u00fcber Kino, Malerei, Musik oder dem Buch, das ich lese, gar nicht zu reden; mit einem Wort: \u00e4sthetische Urteile machen einen Gro\u00dfteil unserer t\u00e4glichen kognitiven Aktivit\u00e4t aus. <\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\">Psychologen besch\u00e4ftigen sich in der Regel eher mit den Schattenseiten der menschlichen Existenz. <\/span><br \/> Sicher ist richtig, dass sich psychologische Forschung und Theoriebildung zu lange mit den negativen Seiten des Erlebens besch\u00e4ftigt hat. Als Beispiel: man findet in der Psychologie sehr viel Literatur \u00fcber Angst, aber nur sehr wenig \u00fcber Mut und Zivilcourage. Dies scheint sich zum Gl\u00fcck aber zu \u00e4ndern, und dann hat auch die \u00c4sthetik wieder eine bessere Chance in der Psychologie, ihre prinzipielle Bedeutung ist meines Erachtens unbestreitbar. <\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\">Wie ist denn auf der andern Seite das Verh\u00e4ltnis zur Philosophie? <\/span><br \/> Der wichtige Unterschied zur philosophischen \u00c4sthetik liegt im Methodischen: empirische Untersuchungen hier, die experimentelle Methode eingeschlossen, Analyse von Begriffen und \u00e4sthetischen Kategorien dort.. <\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\">Mit moderner \u00c4sthetik werden auch gerne informationstheoretische Ans\u00e4tze assoziiert. <\/span><br \/> Die Beziehung zur Informationstheorie war in der Tat sehr intensiv. Viele Forscher haben die Ideen der Informationstheorie aufgegriffen und auf \u00e4sthetische Ph\u00e4nomene angewandt. Ein Beispiel: Berlyne hatte gehofft, mit den Begriffen der Informationstheorie eine objektive Beschreibungsgrundlage f\u00fcr den Beitrag des Reizes zum \u00e4sthetischen Erleben zu haben. Immerhin funktionierte dies auch recht gut \u2013 vorausgesetzt, man beschr\u00e4nkt sich auf einfaches Reizmaterial. Sowie die Komplexit\u00e4t gesteigert wird \u2013 und Kunstwerke sind in aller Regel sehr komplexe Gebilde \u2013, ist eine eindeutige Beschreibung nicht mehr m\u00f6glich. <\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\">Das heisst, die Besch\u00e4ftigung mit dem Ansatz war eine Modeerscheinung? <\/span><br \/> Nein, die Informationstheorie hat heute noch Anh\u00e4nger, insbesondere in der russischen empirischen \u00c4sthetik wird noch viel mit diesem Ansatz gearbeitet. Seit Benses Tod scheint aber die allgemeine Begeisterung f\u00fcr das sogenannte \u00ab\u00e4sthetische Mass\u00bb zur\u00fcckgegangen zu sein, seine Sch\u00fcler haben sich aus dem Gebiet der \u00c4sthetik eher zur\u00fcckgezogen. <\/p>\n<p> <strong>Die Community der empirischen \u00c4sthetiker <\/strong><\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\">Welches sind die gegenw\u00e4rtigen \u00abStars\u00bb der empirischen \u00c4sthetik? <\/span><br \/> Dies ist keine einfache Frage. Es gibt gegenw\u00e4rtig eine ganze Reihe einflussreicher Autoren, einen recht guten \u00dcberblick dazu erh\u00e4lt man in der Zeitschrift \u00abEmpirical Studies of the Arts\u00bb. Hier erscheinen die gegenw\u00e4rtig relevanten Studien. Eine geschlossene Theorie gibt es \u2013 zumindest noch \u2013 nicht. Sicher hat das auch damit zu tun, dass es weltweit kein Zentrum der empirischen \u00c4sthetik gibt, es gibt kein Max-Planck-Institut, das sich diesem Thema widmet. Aber vielleicht ist dies ja eine Anregung f\u00fcr die Zukunft!? Verdient hat es die empirische \u00c4sthetik ganz sicher. <\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\">Gibt es spezielle Regionen, in denen sie st\u00e4rker vertreten ist als in andern? <\/span><br \/> Es gibt keine Region, in der sie besonders stark vertreten ist und es gibt, wie gesagt, keine einflussreiche Institution, die sich exklusiv diesem Gebiet verschrieben hat. Es ist sehr oft der Fall, dass Arbeiten zu diesem Gebiet dann entstehen, wenn sich ein Interesse an \u00c4sthetik mit einer psychologisch sinnvollen Fragestellung verbinden l\u00e4sst. Anders gesagt, es ist zu beobachten, dass sporadisch solche Arbeiten entstehen, danach erlahmt das Interesse dieser Personen aber wieder, sie wenden sich psychologischen Themen zu, die st\u00e4rker im \u00abMainstream\u00bb der Psychologie liegen. Empirische \u00c4sthetik ist kein Karrieregebiet wie vielleicht Ged\u00e4chtnispsychologie oder Motivationspsychologie. Man kann es niemandem verdenken, weil sicher so schnell keine Professur f\u00fcr \u00abEmpirische \u00c4sthetik\u00bb eingerichtet werden wird, bei den gegenw\u00e4rtigen Sparma\u00dfnahmen schon gar nicht. Allerdings ist bemerkenswert, dass die Neuropsychologie dieses Gebiet gerade entdeckt. <\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\">Das Fach ist kein Wirtschaftsfaktor&#8230; <\/span><br \/> Da bin ich ganz anderer Meinung: Wirtschaftlicher Erfolg ist nur mit \u00e4sthetischen Produkten zu erzielen. Und weil wir gerade bei diesem Thema sind: Kultur und \u00c4sthetik sind selbst Basis f\u00fcr unmittelbare wirtschaftliche Erfolge, Stichworte: Kulturtourismus oder Design. Und nun muss man sich einmal klar machen, was das bedeutet: Eine Psychologie, die Aussagen \u00fcber Erleben, Verhalten und Bewusstsein treffen will, kennt das Gebiet der \u00c4sthetik so gut wie gar nicht! Und das, obwohl Fechner&#8217;s &#8218;Vorschule der \u00c4sthetik&#8216; bereits 1876 erschienen ist! Wenn man den Beginn der wissenschaftlichen Psychologie mit Fechners Psychophysik datiert (1850), dann hei\u00dft das auch, dass die Psychologie der \u00c4sthetik das zweit\u00e4lteste Gebiet der Psychologie ist! Das wei\u00df aber kaum jemand. <\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\">Welche Standardwerke der Disziplin w\u00fcrden sie einem Anf\u00e4nger als Einf\u00fchrungen oder Pflichtlekt\u00fcre empfehlen? <\/span><br \/> Sicher ist eine Pflichtlekt\u00fcre der Band \u00abAesthetics and psychobiology\u00bb von Berlyne aus dem Jahr 1971. Daneben gibt es viele B\u00fccher und vor allem Zeitschriftenbeitr\u00e4ge, die aber nicht in die Thematik einf\u00fchren. Es ist bedauerlich, dass es kein zusammenfassendes Werk gibt, was sicherlich auch damit zusammenh\u00e4ngt, dass die empirische \u00c4sthetik sehr breit gef\u00e4chert und bereits in einzelne Gebiete zerteilt ist. Als Beispiel nenne ich nur die Musikpsychologie, die eine ganze Reihe von Monographien und Zeitschriften aufweist, aber wenig Ber\u00fchrung mit den \u00fcbrigen Gebieten der empirischen \u00c4sthetik hat. <\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\">Die Musikpsychologie erlebt einen sp\u00fcrbaren Aufschwung, vor allem dank der Fortschritte in den bildgebenden Verfahren der Hirnforschung. <\/span> <br \/> Dennoch muss ein allgemeines Forschungsdefizit beklagt werden. So gibt es zum Beispiel nur sehr wenig Forschungen auf dem Gebiet von Tanz und Ballett. Und noch schlimmer: Es werden ganze Sinnesgebiete von der Forschung ausgespart. Es gibt kaum etwas \u00fcber olfaktorische \u00c4sthetik, Geschmack oder \u00fcber \u00e4sthetisches Erleben im Feld des Haptischen. Es gibt also reichlich M\u00f6glichkeiten zur Bet\u00e4tigung. <\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\">Kann man empirische \u00c4sthetik im Hauptfach studieren? <\/span><br \/> Nein, das gibt es als Hauptfach leider noch nicht \u2013 wenn man an den deutschsprachigen Raum denkt. In Rom gibt es bereits einen Masterstudiengang zur Psychologie der \u00c4sthetik, und man darf gespannt sein, ob es einen vergleichbaren Bachelor oder Masterstudiengang in der Bundesrepublik Deutschland, \u00d6sterreich oder der Schweiz geben wird. Immerhin haben wir in Oldenburg einen Master-Studiengang \u00abMuseum und Ausstellung\u00bb, das ist doch schon mal ein Anfang. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>17.12.2003 Die Internationale Gesellschaft f\u00fcr Empirische \u00c4sthetik (IAEA) wurde 1965 von einer internationalen Gruppe von Forschern ins Leben gerufen. 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