{"id":645,"date":"2014-01-11T20:56:53","date_gmt":"2014-01-11T20:56:53","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/kerala-j-snyder-dieterich-buxtehude\/"},"modified":"2014-01-11T20:56:53","modified_gmt":"2014-01-11T20:56:53","slug":"kerala-j-snyder-dieterich-buxtehude","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/kerala-j-snyder-dieterich-buxtehude\/","title":{"rendered":"Kerala J. Snyder: Dieterich Buxtehude"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2007\/bux22807.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>29.08.2007 &#8212; Eigentlich seltsam, immerhin aufschlussreich f\u00fcr den Stellenwert des hochber\u00fchmten Meisters in der Gesellschaft des Barock: Es ist kein gesichertes Portr\u00e4t Dieterich Buxtehudes (um 1637\u20131707) bekannt. Kaum denkbar, dass zu seiner Zeit, in der Kaufleute und Geistliche, Offiziere und Ratsherren, F\u00fcrsten und deren M\u00e4tressen auf \u00d6lgem\u00e4lden in protzigen Goldrahmen f\u00fcr Nachruhm und Ewigkeit abkonterfeit wurden, ein Genie von europ\u00e4ischem Ruf wie Buxtehude nicht das Interesse eines Portr\u00e4tisten gefunden haben k\u00f6nnte. <\/p>\n<p> Allerdings gilt als sicher, dass er auf einem (im vorliegenden Band farbig reproduzierten) Gem\u00e4lde Johannes Voorhouts von 1674, in dessen Mittelpunkt Dieterichs Freund Johann Adam Reincken am Cembalo sitzt, festgehalten ist. Umstritten bleibt jedoch, ob Buxtehude in dieser figurenbelebten Szene als Gambenspieler oder beim Tasteninstrument als sinnierender Zuh\u00f6rer, vor sich ein Notenblatt, dargestellt wurde. Wie dem auch sei, das gewaltigste Portr\u00e4t Buxtehudes hat er selbst geschaffen \u2013 durch seine Musik. <\/p>\n<p> Vor zwanzig Jahren, aus Anlass seines 250. Geburtstags, legte die amerikanische Musikwissenschaftlerin Kerala J. Snyder eine umfangreiche Publikation unter dem Titel \u00abDieterich Buxtehude: Organist in Luebeck\u00bb vor. Das in Englisch verfasste Buch, aus jahrzehntelanger Forschungst\u00e4tigkeit, darunter auch viele Erkundungen an den Orten von Buxtehudes Wirken, gewachsen und eine F\u00fclle von Dokumenten und Einzeluntersuchungen auswertend, fand allerdings im deutschen Sprachraum nur in Fachkreisen Eingang. <\/p>\n<p> Jetzt, zur 300. Wiederkehr von Buxtehudes Todesjahr, publiziert der B\u00e4renreiter-Verlag das durch den Bach-Forscher Hans-Joachim Schulze beispielhaft ins Deutsche \u00fcbertragene Standardwerk. Die Autorin hat es aktualisiert, erweitert (z. B. Verzeichnis der Stimmb\u00fccher, Schicksal der Handschriften, zus\u00e4tzliche Ausz\u00fcge aus den von Buxtehude gef\u00fchrten Rechnungsb\u00fcchern der L\u00fcbecker Marienkirche), erg\u00e4nzt und wo gegeben berichtigt, neue Erkenntnisse verwertet, nach dem Fall der Berliner Mauer zug\u00e4nglich gewordene Quellen ebenso einbezogen wie j\u00fcngere Forschungsbeitr\u00e4ge. <\/p>\n<p> Kerala J. Snyders nun gl\u00fccklicherweise auch f\u00fcr den deutschen Sprachraum gewonnene magistrale Forschungsarbeit ist ein unverzichtbares Kompendium f\u00fcr alle, die sich, sei es als Musikwissenschaftler, Historiker, Interpreten oder interessierte Laien, einl\u00e4sslich mit Dieterich Buxtehudes Leben, Schaffen und Wirkung, mit seiner Zeit und praktischen Fragen der Auff\u00fchrung seiner Werke auseinandersetzen wollen. <\/p>\n<p> \u00dcberaus gr\u00fcndlich in Breite und Tiefe geht die Autorin in ihrem an die 600 Seiten umfassenden, illustrierten und mit einer Vielzahl von Notenbeispielen bereicherten Opus ans Werk. <\/p>\n<p> Die vier Kapitel des I. Teils (D\u00e4nemark \u2013 L\u00fcbeck: Die Stadt \u2013 L\u00fcbeck: Die Marienkirche \u2013 Jenseits von L\u00fcbecks Mauern) stellen Buxtehudes Biografie vor mit Blick auf die geschichtlichen, sozialen und geografischen Kontexte. Einl\u00e4sslich dokumentiert werden beispielsweise die Pflichten Buxtehudes als Werkmeister und Organist, die Orgeln, die Liturgie, das musikalische Repertoire, die Institution der Abendmusiken, der Besuch des jungen Bach, die Kollegen in anderen norddeutschen St\u00e4dten. <\/p>\n<p> In Teil II analysiert Snyder das kompositorische \u0152uvre: die Vokalwerke und deren Texte, die Kompositionen im gelehrten Kontrapunkt, das Schaffen f\u00fcr Tasteninstrumente und die Sonaten. Damit verbunden ist Teil III, in dem die Quellen von Buxtehudes Werken (autographe Manuskripte, handschriftliche Kopien, Editionen) und Wege zu deren Chronologie vorgestellt und kommentiert sind. Der Auff\u00fchrungspraxis ist ein eigenes Kapitel gewidmet. <\/p>\n<p> Um diese episch ausgef\u00fchrten Hauptteile nicht mit Materialien zu belasten, an denen in erster Linie Fachleute interessiert sind, hat die Autorin die Prim\u00e4rquellen im sechsteiligen Anhang zusammengef\u00fchrt: tabellarische \u00dcbersichten \u00fcber die Kompositionen und die bearbeiteten Choralmelodien, Schriftst\u00fccke (Briefe, Gedichte, Widmungen), Hauptquellen (Musikdrucke, Handschriften) und deren Aufenthaltsort, Musikalieninventare von Helsing\u00f8r und L\u00fcbeck sowie eine Auswahl von Texten aus Archivalien und fr\u00fchen gedruckten Quellen. Den Beschluss bildet die Bibliografie, gefolgt vom Personen-, Orts- und Sachregister. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Kerala J. Snyder: Dieterich Buxtehude. Leben, Werk, Auff\u00fchrungspraxis. \u00dcbersetzt von Hans-Joachim Schulze. Mit Illustrationen und Notenbeispielen. B\u00e4renreiter-Verlag, Kassel 2007. 581 Seiten. \u20ac 48,95. Fr. 88.10.<br \/><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>29.08.2007 &#8212; Eigentlich seltsam, immerhin aufschlussreich f\u00fcr den Stellenwert des hochber\u00fchmten Meisters in der Gesellschaft des Barock: Es ist kein&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-645","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buchbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/645","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=645"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/645\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=645"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=645"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=645"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}