{"id":647,"date":"2014-01-11T20:57:53","date_gmt":"2014-01-11T20:57:53","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/dieter-schickling-puccini\/"},"modified":"2014-01-11T20:57:53","modified_gmt":"2014-01-11T20:57:53","slug":"dieter-schickling-puccini","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/dieter-schickling-puccini\/","title":{"rendered":"Dieter Schickling: Puccini"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2007\/pucc101007.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>11.01.2007 &#8212; Keine Rede k\u00f6nne davon sein, \u00abdass der Komponist Giacomo Puccini in all seiner Subtilit\u00e4t wirklich bekannt w\u00e4re\u00bb, folgert Dieter Schickling. Das f\u00fcr seine Opern verf\u00fcgbare Notenmaterial, voll von verf\u00e4lschenden Eingriffen Dritter, f\u00f6rdere geradezu \u00abschludrige Auff\u00fchrungspraktiken\u00bb, und die \u00abschlampige Interpretenwillk\u00fcr\u00bb \u00fcbersteige im Fall Puccini gar das gewohnte Mass: \u00abKein Dirigenten- oder S\u00e4ngername ist gro\u00df genug, um die unerh\u00f6rte Leichtfertigkeit zu legitimieren, mit der diese St\u00fccke musiziert wurden und h\u00e4ufig noch werden.\u00bb Puccinis Seelendramen h\u00e4tten \u00abdie sch\u00e4ndliche Einfallslosigkeit und Belanglosigkeit ihrer allermeisten Inszenierungen jedenfalls nicht verdient\u00bb.<\/p>\n<p> Dieter Schickling, unerm\u00fcdlicher Puccini-Forscher, Vorstandsmitglied des \u00abCentro studi Giacomo Puccini\u00bb in Lucca (das die Gesamtausgabe der Werke und Briefe des Komponisten vorbereitet) und Autor des ersten umfassenden Puccini-Werkverzeichnisses (2003), ist allerdings kein dem italienischen Veristen mit Haut und Haar ausgelieferter Lobs\u00e4nger. Im Gegenteil: Seine Puccini-Biografie nimmt nicht zuletzt ein durch den Wechsel zwischen N\u00e4he und Distanz, zwischen Innen- und Aussensicht und gewinnt dadurch differenzierte Einblicke in den Charakter des Musikers, sein wechselvolles Leben und die Eigenheit seines Werks. Der Autor \u00f6ffnet dadurch den Lesenden \u2013 seien es Puccini-Fans oder -Kritiker \u2013 von Vorurteilen befreite M\u00f6glichkeiten der Auseinandersetzung. <\/p>\n<p> Wo und weshalb Schickling auf Abstand geht, aber auch warum er Puccini als einen Komponisten in der Nachbarschaft der neuen Musik, als einen Menschen zwischen Tradition und Moderne in der Krise des europ\u00e4ischen Bewusstseins w\u00fcrdigt, begr\u00fcndet er einl\u00e4sslich und nachvollziehbar, stilistisch geschliffen, mit analytischem Sp\u00fcrsinn, Kombinationsverm\u00f6gen und psychologischer Sensibilit\u00e4t. <\/p>\n<p> Die F\u00fclle des Stoffes hat der Autor \u2013 der Dank des Lesers ist ihm gewiss \u2013 klar strukturiert: Einem biografischen, jeweils zeitlich eingegrenzten Kapitel folgt ein dem Hauptwerk des betreffenden Abschnitts gewidmetes Kapitel, in dem die Oper inhaltlich und in ihrer Bedeutung ausf\u00fchrlich gew\u00fcrdigt und analysiert wird. <\/p>\n<p> Die Biografie Puccinis (1858\u20131924) liest sich wie der \u00fcppige Roman eines italienischen Boh\u00e9miens, Freund seiner selbst und der Jagd, Liebhaber attraktiver Frauen, grosser H\u00e4user, schneller Autos und Motorboote, der zwar die Umbr\u00fcche vom sp\u00e4tabsolutistischen regionalen F\u00fcrstentum \u00fcber die konstitutionelle nationale Monarchie des geeinten Italien und den Weltkrieg bis zu den ersten Jahren des Faschismus erlebt \u2013 der verschlungene Weg eines krisen-, skandale- und aff\u00e4renanf\u00e4lligen K\u00fcnstlers mit politisch schlichter Denkweise von Entt\u00e4uschungen zu Hoffnungen, von Depressionen zu H\u00f6henfl\u00fcgen. <\/p>\n<p> In chronologischer Folge, gest\u00fctzt auf viele Dokumente, schildert Schickling Puccinis Vita in plastischer Art vor dem Hintergrund der sozialen, politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Ver\u00e4nderungen um die Jahrhundertwende, am Beginn der musikalischen Neuzeit. <\/p>\n<p> Im Zentrum die Welt seiner Kunst: die kompositorischen Gehversuche, die R\u00fcckschl\u00e4ge des Anf\u00e4ngers, die m\u00fchsame Suche nach Stoffen und Textb\u00fcchern, die Einfl\u00fcsse, der Durchbruch, die Arbeitsprozesse und Stilwandel, Blockaden und kreativen Sch\u00fcbe, Misserfolge und Triumphe, die biografischen Bez\u00fcge und die politischen Implikationen in seinen Opern, die Erfahrungen mit Librettisten, Verlegern, Dirigenten, S\u00e4ngerinnen, S\u00e4ngern, Komponisten, die Reaktionen von Publikum und Presse, die Rezeption seines Werks, hauptgewichtig ein Dutzend Opern, darunter die unvollendete \u00abTurandot\u00bb.<\/p>\n<p> Der Anhang umfasst das detaillierte Verzeichnis von Puccinis Aufenthalten, Reisen und Theaterbesuchen, die Quellennachweise und Anmerkungen, das Literatur- und das Abbildungsverzeichnis sowie zwei Register (Personen und Puccinis Werke). <\/p>\n<p> 1989 erschien der Band zum ersten Mal \u2013 seither kann die Puccini-Forschung in vielen Aspekten grosse Fortschritte verzeichnen. (Allerdings verweigert seit Jahren die Puccini-Erbin Simonetta die wissenschaftliche Aufarbeitung des Nachlasses, und auch sonst ist eine grosse Zahl von Dokumenten unzug\u00e4nglich oder verschollen.) Dieter Schickling legt nun die reich illustrierte, aber ohne Notenbeispiele auskommende Biografie in \u00fcberarbeiteter und stark erweiterter Form vor: ein den aktuellen Stand der Forschung referierendes, massgebendes Werk zur Person Puccini, seines Schaffens und seiner Zeit. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Dieter Schickling: Puccini. Biografie. Erweiterte Neuausgabe. 463 Seiten mit zahlreichen Abbildungen. Carus-Verlag, Stuttgart \/ Reclam-Verlag, Stuttgart 2007. \u20ac 39,90. Fr. 69.40.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>11.01.2007 &#8212; Keine Rede k\u00f6nne davon sein, \u00abdass der Komponist Giacomo Puccini in all seiner Subtilit\u00e4t wirklich bekannt w\u00e4re\u00bb, folgert&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-647","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buchbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/647","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=647"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/647\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=647"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=647"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=647"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}