{"id":653,"date":"2014-01-11T21:00:55","date_gmt":"2014-01-11T21:00:55","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/jean-sibelius-poesie-in-der-luft\/"},"modified":"2014-01-11T21:00:55","modified_gmt":"2014-01-11T21:00:55","slug":"jean-sibelius-poesie-in-der-luft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/jean-sibelius-poesie-in-der-luft\/","title":{"rendered":"Jean Sibelius \u2013 \u00abPoesie in der Luft\u00bb"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2007\/sib2108.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>05.01.2008 &#8212; Bed\u00fcrfte es eines Beweises, dass das weniger Wichtige ganz und gar nicht immer in den Anhang abgeschoben oder in die Fussnoten versenkt wird, dieser Band w\u00fcrde ihn mit Bravour liefern. <\/p>\n<p> Die am Schluss des Buchs platzierte umfangreiche Chronologie zu Sibelius\u2019 Leben und seinem Schaffen (das hie und da auf historische Ereignisse Bezug nimmt) setzt ein mit dem Jahr 1155 und endet mit dem Todesjahr des Komponisten 1957. In dieser Zusammenstellung von Daten, Namen, Ereignissen und Sch\u00f6pfungen aus allen Bereichen der Kunst, aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft ist die weite Perspektive eingefangen, die Tomi M\u00e4kel\u00e4 in seinen \u00abStudien zu Leben und Werk\u00bb des finnischen Musikers ausbreitet. So verstanden, w\u00e4re der optimale Platz f\u00fcr die Chronologie am Anfang des Bandes, zur Einstimmung in die Intentionen des Autors. <\/p>\n<p> Und: Nur wenige der \u00fcber 500 Seiten sind frei von Fussnoten (nicht selten nehmen sie bis zu einer halben Druckseite ein). In diesem Anmerkungsapparat brachte M\u00e4kel\u00e4 allerdings nicht Nebens\u00e4chlichkeiten unter, vielmehr enthalten sie einen substantiellen Zweittext, quasi ein paralleles Studienwerk \u00fcber sich verzweigende thematische Nebenstr\u00e4nge. <\/p>\n<p> Kaum erstaunlich, dass die Lekt\u00fcre, besser: das Studium der \u00abPoesie in der Luft\u00bb trotz stilistischer Klarheit durch die F\u00fclle und Konzentration des Stoffs, dessen essayistische Aufbereitung, die breite Umsicht und die Gr\u00fcndlichkeit der Analysen erhebliche Anforderungen an die Lesenden stellt. M\u00e4kel\u00e4 \u00fcbernimmt Tradiertes nicht unbesehen und ungepr\u00fcft, deckt dabei bisher Unbeachtetes auf, f\u00f6rdert Einsichten in neue Zusammenh\u00e4nge, regt an durch pers\u00f6nliche Charakterisierungen und fundierte Beurteilung. <\/p>\n<p> Damit ist auch angedeutet: Tomi M\u00e4kel\u00e4s kenntnisreiche, sensible und tiefgr\u00fcndige Deutung ist ein Meilenstein der Sibelius-Forschung und ein Exempel f\u00fcr eine von Vorurteilen und Missdeutungen befreite Darstellung, die den grossen Finnen als modernen europ\u00e4ischen K\u00fcnstler im Kontext seiner Zeit w\u00fcrdigt. <\/p>\n<p> \u00abDie vorliegende Untersuchung ist weder eine analytisch-hermeneutische Darstellung der wichtigsten Kompositionen noch eine chronologische Biographie, obwohl der Leser den aus der Sicht des Autors wesentlichen, zum Teil auch neuen Informationen zum Leben des K\u00fcnstlers begegnet\u00bb, umreisst Tomi M\u00e4kel\u00e4, Professor am Institut f\u00fcr Musik der Universit\u00e4t Magdeburg und Lehrbeauftragter an der Sibelius-Akademie Helsinki, im Vorwort die Intention seiner umfangreichen Studien zu Leben und Werk von Jean Sibelius. <\/p>\n<p> Den vom Autor genannten Einschr\u00e4nkungen zum Trotz: Er zeigt Sibelius\u2019 k\u00fcnstlerische Entwicklung und die Bedeutung seines Schaffens in grossen Linien und umfassenden Zusammenh\u00e4ngen ebenso auf wie die massgeblichen Einfl\u00fcsse und die wichtigen biografischen Lebensstationen. Grundlegend thematisiert M\u00e4kel\u00e4 die kontroverse (insbesondere die deutschsprachige) Rezeption, die das Schaffen des \u00abbedingungslosen Individualisten der sp\u00e4ten Moderne\u00bb gefunden hat. In Europa legte Adorno 1938 mit seiner h\u00e4mischen \u00abGlosse \u00fcber Sibelius\u00bb den Grundton zur Marginalisierung des Komponisten (dessen Musik sich den herk\u00f6mmlichen Mustern der \u00c4sthetik und der Kritik entzog), w\u00e4hrend in den USA wenige Jahre zuvor in der Umfrage einer grossen Rundfunk-Station Sibelius zum ber\u00fchmtesten Komponisten der Gegenwart avanciert war. <\/p>\n<p> M\u00e4kel\u00e4, der Finne, kann in seiner deutsch geschriebenen Sibelius-Monografie erstmals die Tageb\u00fccher (\u00abjardin secret\u00bb) des Komponisten auswerten, zudem hat er Einsicht erhalten in manch andere bisher der Forschung entzogene Dokumente, darunter die Privatsammlung des Sibelius-Biografen Erik T. Tawaststjerna mit Briefen und Skizzen. <\/p>\n<p> Der Sch\u00f6pfer in seiner Welt: Dem ebenso popul\u00e4ren wie geschm\u00e4hten Bild des tumben Naturburschen, der die weite Seenlandschaft und die hehren W\u00e4lder Finnlands in pastose Kl\u00e4nge setzt, begegnet M\u00e4kel\u00e4 entschieden mit einer psychologisch vielschichtigen Deutung. Er charakterisiert Sibelius, der sich von den traditionellen und den aktuellen mitteleurop\u00e4ischen Str\u00f6mungen und Stilen in Musik (hier besonders der Romantik und Sp\u00e4tromantik), in Malerei und Literatur, Philosophie, Psychologie und Kunsttheorie seiner Zeit inspirieren liess, als \u00abein Musterbeispiel f\u00fcr einen bedingungslosen Individualisten der sp\u00e4ten Moderne\u00bb.<\/p>\n<p> Der W\u00fcrdigung von Sibelius\u2019 Schaffen r\u00e4umt der Autor breiten Raum ein durch Wesentliches herausarbeitende, nicht in Marginales sich verstrickende Analysen (Handlung, Struktur) und zeichnet dabei auch die Rezeptionslinien im Konzertleben und in der Forschung nach. \u00abWichtiger als Geschichten waren f\u00fcr Sibelius poetische Ideen und Andeutungen. Nicht das durchstrukturierte Erz\u00e4hlen in Wohlkl\u00e4ngen, sondern die musikalische Gestaltung des Poetischen war seine Aufgabe.\u00bb <\/p>\n<p> \u00abWer Sibelius wirklich verstehen will, mu\u00df bereit sein, sich mit einer komplizierten Epoche, einer im Detail kaum bekannten Region und einer sperrigen Biographie auseinanderzusetzen\u00bb, h\u00e4lt M\u00e4kel\u00e4 gleich zu Anfang fest. Und tritt mit \u00fcberzeugendem Ergebnis an gegen \u00abdie Mythen von Vorgestern und die Schatten des Zwielichts\u00bb und beleuchtet Sibelius, den \u00abNaturmenschen\u00bb, in seinen inneren Konflikten, in seinem Spannungsverh\u00e4ltnis zwischen Individuum und ihn umgebender Welt. <\/p>\n<p> Tomi M\u00e4kel\u00e4s Werk, Monografie, Kultur- und Stilgeschichte in einem, ist seit \u00fcber vier Jahrzehnten die erste gr\u00f6ssere originale Publikation in deutscher Sprache zu Jean Sibelius. Der opulente, mit seltenen und gr\u00f6sstenteils erstmals publizierten Abbildungen ausgestattete Band weist neue Wege zu einem der \u00abMeisterverkannten\u00bb und seiner Musik. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Tomi M\u00e4kel\u00e4: \u00abPoesie in der Luft\u00bb. Jean Sibelius. Studien zu Leben und Werk. Mit 41 Abbildungen und vielen Notenbeispielen. Verlag Breitkopf &amp; H\u00e4rtel, Wiesbaden 2007. 512 Seiten. \u20ac 36,00. Fr. 60.90.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>05.01.2008 &#8212; Bed\u00fcrfte es eines Beweises, dass das weniger Wichtige ganz und gar nicht immer in den Anhang abgeschoben oder&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-653","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buchbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/653","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=653"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/653\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=653"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=653"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=653"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}