{"id":658,"date":"2014-01-11T21:04:10","date_gmt":"2014-01-11T21:04:10","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/geschichte-der-klavier-und-orgelmusik\/"},"modified":"2014-01-11T21:04:10","modified_gmt":"2014-01-11T21:04:10","slug":"geschichte-der-klavier-und-orgelmusik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/geschichte-der-klavier-und-orgelmusik\/","title":{"rendered":"Geschichte der Klavier- und Orgelmusik"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2008\/edler20308-1.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>22.03.2008 &#8212; Unter dem Titel \u00abGattungen der Musik f\u00fcr Tasteninstrumente\u00bb ist Arnfried Edlers umfang- und facettenreiche Darstellung im Rahmen des 16-b\u00e4ndigen Handbuchs der musikalischen Gattungen (1997\u20132004) erschienen; nun liegt das drei B\u00e4nde umfassende Standardwerk als \u00abGeschichte der Klavier- und Orgelmusik\u00bb in einer um ein Kapitel zum Orgelst\u00fcck im 20. Jahrhundert erweiterten Sonderausgabe vor und wird so erfreulicherweise einem gr\u00f6sseren Interessentenkreis zug\u00e4nglich. <\/p>\n<p> Arnfried Edler, Organist und evangelischer Kirchenmusiker, ab 1978 Professor f\u00fcr Historische Musikwissenschaft an der Universit\u00e4t Kiel und von 1989 bis 2003 an der Hochschule f\u00fcr Musik und Theater Hannover t\u00e4tig, fokussiert innerhalb des immensen historischen Zeitraums vom sp\u00e4ten Mittelalter bis zur Gegenwart seine Darstellung auf Gattungszusammenh\u00e4nge. <\/p>\n<p> Im Vorwort pr\u00e4zisiert er: \u00abAnstelle eines ,Nachschlagewerkes\u2019 wird eine Einf\u00fchrung vorgelegt, die grundlegend auf die Einordnung des Ph\u00e4nomens \u201eTastenmusik\u201c in den allgemeinen kulturgeschichtlichen Proze\u00df gerichtet ist. Sie versteht sich insofern als Beitrag zum aktuellen kunstwissenschaftlichen Diskurs, als bekannte wie auch weniger bekannte Fakten durch wechselseitige Beleuchtung ein vermehrtes Gewicht erhalten, ihre Bewertung sich nicht selten gegen\u00fcber tradierten Einsch\u00e4tzungen verschiebt und anstelle der Statik einzelner neben- oder nacheinander betrachteter Ereignisse, Einzelwerke oder biographischer Details Musikgeschichte als Bewegung von Ideen und Wechselwirkungen wahrnehmbar wird, die ihr einerseits immanent sind und die andererseits auf den gesellschaftlich-kulturellen Gesamtzusammenhang verweisen.\u00bb <\/p>\n<p> Diese Ausrichtung auf die \u00abMusikgeschichte als Bewegung\u00bb, als Geschichte von Ideen bedingt den Verzicht auf die W\u00fcrdigung der Urheber und all ihrer relevanten Werke der Literatur f\u00fcr Tasteninstrumente, zum andern erfordert sie die Konzentration auf die Darlegung aller wichtigen Erscheinungen aus deren funktionalen Bedingungen. <\/p>\n<p> Massgebender Leitgedanke dieses ebenso umfangreichen wie umfassenden \u2013 und umfassend neuartig konzipierten \u2013 Opus magnum ist die singul\u00e4re Stellung der Tasteninstrumente unter den Musikinstrumenten: Dank ihnen konnte sich die Mehrstimmigkeit der europ\u00e4ischen Musikkultur entfalten. \u00abDas Denken in Kl\u00e4ngen statt in blo\u00dfen T\u00f6nen pr\u00e4gte in stetig expandierendem Ausma\u00df das musikalische Bewu\u00dftsein der Abendl\u00e4nder vom 15. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts\u00bb, schreibt Edler und unterstreicht damit die Rolle der Tasteninstrumente (Instrumente, die den Klang mit Hilfe von Manual-, gegebenenfalls auch Pedal-Tastaturen erzeugen), als wichtigstes Werkzeug des Rationalisierungsprozesses in der Musik, einem permanenten Vorgang als Teil des grossen \u00abProzesses der Zivilisation\u00bb (Norbert Elias) der abendl\u00e4ndischen Kultur. <\/p>\n<p> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2008\/edler20308-2.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>Die Epochenwende um 1600 (Stichworte: Madrigal, Dramma per musica) sei gepr\u00e4gt \u00abdurch das vertikale musikalische Denken und die Entstehung der auf ihm beruhenden Generalba\u00dfpraxis, die ganz wesentlich (wenn auch keineswegs ausschlie\u00dflich) durch die Tasteninstrumente getragen und gef\u00f6rdert wurde\u00bb. Einen tiefen Einschnitt in der musikalischen Gattungsgeschichte bildet, so Edler, Johann Sebastian Bach, charakterisiert durch \u00abdie Zunahme des \u00e4sthetischen Gewichts des Einzelwerks gegen\u00fcber seiner funktionalen Bedeutung\u00bb.<\/p>\n<p> In die Zeit um 1830 f\u00e4llt eine weitere Z\u00e4sur; \u00abnicht nur f\u00fcr die Musik, sondern f\u00fcr den gesamten Bereich der K\u00fcnste ist diese Epochengrenze die tiefste \u00fcberhaupt zwischen der Mitte des 18. Jahrhunderts und dem ersten Weltkrieg\u00bb. Auf verschiedenen Ebenen sei die Herausbildung \u00abeines radikalen Modebewu\u00dftseins zu beobachten, das seinen Ausgang in der Bewegung \u201eLa Jeune France\u201c nahm und das zun\u00e4chst unter den Begriff \u201eRomantisme\u201c subsumiert wurde\u00bb.<\/p>\n<p> In seiner gattungsgeschichtlichen Darstellung, in der (anders als in der herk\u00f6mmlichen personen- und werkorientierten Ausrichtung) entschieden nach \u00e4usseren Motivationen gefragt wird, sieht der Autor die grunds\u00e4tzlich gleichgewichtige Behandlung der drei Elemente Struktur (musikalische Produktion und Reproduktion, Stil, Besetzung), Funktion (Zweckbestimmung, Rezeption, \u00e4sthetische Reflexion, soziale Organisation der Musik) und Terminologie (Herkunft, Verwendungsweisen und Bedeutungswandel der Gattungstermini, auch verglichen mit anderen K\u00fcnsten oder in Bereichen der Gesellschaft und der Wissenschaft). <\/p>\n<p> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2008\/edler20308-3.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>Den Gang durch die \u00fcber 2000 Jahre umfassende Geschichte der Tasteninstrumente hat Arnfried Edler in drei Teile und XVI Kapitel gegliedert. Eingeleitet wird jeder Teil von grunds\u00e4tzlichen Artikeln, die grosse Zusamemnh\u00e4nge aufzeigen, so Gattungsbegriff, Gattungsproblematik und Zerfall der Gattungsstruktur im kulturellen Zusammenhang. <\/p>\n<p> \u00abVon den Anf\u00e4ngen bis 1750\u00bb (Teil 1) f\u00fchrt von der Erfindung der Wasserorgel (um 270 v. Chr. durch Ktesibios von Alexandria) \u00fcber Intavolierung; Orgelmusik im Umreis des Gottesdienstes; Tanz, Charakterst\u00fcck und Variation; zu Intonation, Studienkomposition und Fantasie. \u2013 Teil 2, \u00abVon 1750 bis 1830\u00bb, enth\u00e4lt die Kapitel Klaviermusik zwischen h\u00f6fischer und b\u00fcrgerlicher Kultur; Fantasie und Capriccio; Die Klaviersonate als thematische Abhandlung; Jenseits der Klaviersonate. \u2013 \u00abVon 1830 bis zur Gegenwart\u00bb reicht Teil 3 mit den Kapiteln Sonaten oder Phantasien; Fantasien \u00fcber Opern und Chor\u00e4le; Die neue Orgelmusik und die Wandlungen des Gattungsgef\u00fcges; Das Lyrische Klavierst\u00fcck 1830 bis 1920; Pr\u00e4ludien und Studien; Die Variation; Aufl\u00f6sungs- und Expansionstendenzen des Gattungsgef\u00fcges. <\/p>\n<p> Kategorien des (musikalischen) Denkens, \u00c4sthetik, Literatur (auch Belletristik), Philosophie, Sozialgeschichte, kunstreligi\u00f6ser Kult, musikalische Bildung, Lehr- und Unterrichtswerke, Theorieb\u00fccher, Klavierp\u00e4dagogik, Konzertleben, Musikkritik, Musikalienmarkt, Periodika, Entwicklung des Instrumentenbaus, Instrumentenhandel, Klang- und Interpretenideal, vierh\u00e4ndiges Spiel und und \u2013 Arnfried Edler gelingt die Quadratur des Kreises: Die einl\u00e4ssliche, klar gegliederte und stilistisch ausgefeilte Schilderung der grossen musik- und gattungsgeschichtlichen Zusammenh\u00e4nge vom Sp\u00e4tmittelalter bis in die Gegenwart verbindet er mit einem Erstaunen weckenden Reichtum an erhellenden Einzelaspekten, die thematisch auch \u00fcber die Klavier- und Orgelmusik hinausgreifen. Nicht zu vergessen: Der Laaber-Verlag hat die inhaltliche F\u00fclle samt Illustrationen und Notenbeispielen typografisch und im Layout in schl\u00fcssige und funktionelle Form gegossen \u2013 die Anmerkungen beispielsweise finden sich auf den jeweiligen Seiten in der inneren Marginalspalte. <\/p>\n<p> Wie der Autor einleitend erw\u00e4hnt: Die Art der hier erstmals gew\u00e4hlten \u2013 und brillant bew\u00e4ltigten \u2013 gattungs- und formenorientierten Darstellung ist nicht gedacht f\u00fcr die eilige Konsultation. Wer da rasch nachschlagen m\u00f6chte, sieht sich alsogleich gebremst. Das Namenregister f\u00fchrt Seitenverweise auf, die sich nicht selten \u00fcber alle drei B\u00e4nde erstrecken. Beispiele: 66 f\u00fcr C. Ph. E. Bach, 117 f\u00fcr Beethoven, 79 f\u00fcr Schumann, 82 f\u00fcr Liszt, 20 f\u00fcr E. T. A. Hoffmann, 26 f\u00fcr Goethe. Desgleichen im Sach- und Ortregister: f\u00fcr \u00c4sthetik 43, f\u00fcr Frankreich 47, f\u00fcr Variation 42, f\u00fcr Zyklus 91. <\/p>\n<p> Wer sich aus Interesse am weiten Feld der Musik f\u00fcr Tasteninstrumente in Arnfried Edlers massgebende Forschungsarbeit vertieft, dem wird die Lekt\u00fcre zum reichen und nachhaltigen Gewinn. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Arnfried Edler (in Verbindung mit Siegfried Mauser): Geschichte der Klavier- und Orgelmusik. 3 B\u00e4nde mit 149 Abbildungen und 456 Notenbeispielen. Erweiterte Sonderausgabe. Laaber-Verlag, Laber 2007. XIV + 1812 Seiten. \u20ac 148,\u2013. Fr. 250.\u2013 (Subskriptionspreis bis 30.6.2008, danach ca. \u20ac 178,\u2013). <\/p>\n<p> Auch das 16-b\u00e4ndige Handbuch der musikalischen Gattungen, herausgegeben von Siegfried Mauser, ist als Sonderausgabe neu aufgelegt worden. Laaber-Verlag, Laber 2007. 6811 Seiten. \u20ac 780,\u2013 (Subskriptionspreis bis 30.6.2008, danach ca. \u20ac 980,\u2013. Das Werk wird nur geschlossen abgegeben.)<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>22.03.2008 &#8212; Unter dem Titel \u00abGattungen der Musik f\u00fcr Tasteninstrumente\u00bb ist Arnfried Edlers umfang- und facettenreiche Darstellung im Rahmen des&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-658","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buchbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/658","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=658"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/658\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=658"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=658"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=658"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}