{"id":660,"date":"2014-01-11T21:06:24","date_gmt":"2014-01-11T21:06:24","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/forschungen-zum-thema-musik-und-medien\/"},"modified":"2014-01-11T21:06:24","modified_gmt":"2014-01-11T21:06:24","slug":"forschungen-zum-thema-musik-und-medien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/forschungen-zum-thema-musik-und-medien\/","title":{"rendered":"Forschungen zum Thema \u00abMusik und Medien\u00bb"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2008\/080412medien.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>11.04.2008 &#8212; Kaum ein anderes Gebiet macht zur Zeit eine derart dramatische und rasante Entwicklung durch wie das Verh\u00e4ltnis von Musik und Medien. Die einfache und praktisch kostenfreie Distribution digitaler Inhalte \u00fcber ein globales Netz hat die Gesch\u00e4ftsmodelle der Musikindustrie in ihren Grundfesten ersch\u00fcttert, der freie Zugang zu jeglicher Musik jeglicher Herkunft und Moral die Anforderungen an Erziehung und Bildung drastisch ver\u00e4ndert. Die Umw\u00e4lzungen sind nach wie vor im Gang und werden vermutlich erst zur Ruhe kommen, wenn alles, was sich in immaterielle, digital kodierte Form bringen l\u00e4sst (und das ist vielleicht noch einiges mehr als wir heute glauben), \u00fcberall und jederzeit ohne Aufwand und auf einfachste Art zug\u00e4nglich und der Umgang damit wie Lesen und Schreiben zu einer allgemein verbreiteten Kulturtechnik geworden ist.<\/p>\n<p> Eine Art aktuelles Querschnittbild zur Sache bietet der Sonderband \u00abMusik und Medien\u00bb der Fachzeitschrift \u00abMedien &amp; Kommunikationswissenschaft\u00bb. Es gliedert sich laut dem in Z\u00fcrich und Hannover t\u00e4tigen Gastherausgeber Holger Schramm in drei Bl\u00f6cke, n\u00e4mlich in Perspektiven der \u00d6konomie, der Angebote sowie von Nutzung und Wirkung (9). Es geht dabei um Aspekte wie die Techniken der Internet-Distribution (Tauschb\u00f6rsen, Digitale Rechtesysteme, Podcasting, Preismodelle), Musik in Radio und Werbung sowie Wirkungstheorien. Etwas allgemeinere Themen, die auch in andern Zusammenh\u00e4ngen als der Mediennutzung h\u00e4tten publiziert werden k\u00f6nnen, schneiden zwei Artikel zur emotionalen Wirkung von Musik an.<\/p>\n<p> Angesichts der Ausgangslage ist die Halbwertszeit von wissenschaftlichen Untersuchungen auf diesem Gebiet, denen zwangsl\u00e4ufig eine relativ lange Vor- und Nachbearbeitungszeit eigen ist, eher kurz. Hinzu kommen zwei bei jungen Forschungsfeldern generell zu beobachtende Ph\u00e4nomene: Zum einen werden da empirische Daten vor allem im studentischen Milieu erhoben, zum andern wird angesichts der generierten Stichprobengr\u00f6ssen gerne mit theoretischen Kanonen auf empirische Spatzen geschossen.<\/p>\n<p> Auch wenn das eine oder andere in dem Band doch eher akademisch-trocken bis -h\u00f6lzern daherkommt, sind praktisch alle Beitr\u00e4ge anregend und lesenswert. Einige Perlen stechen aber deutlich heraus. Mit Blick auf die klassische Musik ist vor allem Corinna L\u00fcthjes spannende, ausserordentlich gut recherchierte und mit viel Exklusivmaterial aufwartende Chronik des deutschen Spartensenders Klassik Radio zu nennen. Sie l\u00e4sst eigentlich bloss eine \u2212 allerdings eine wesentliche \u2212 Frage offen: Da immer wieder die Rede davon ist, dass die Werbewirtschaft trotz mehrmaliger Strategiewechsel von dem Unternehmen nicht \u00fcberzeugt werden konnte, h\u00e4tte man gerne gewusst, ob es dem Sender tats\u00e4chlich einmal gelungen ist, Gewinne abzuwerfen und wer letztlich die anzunehmenden Verluste getragen hat.<\/p>\n<p> Aber dar\u00fcber haben sich die Verantwortlichen vermutlich ausgeschwiegen. Mit der offenschtlichen Unlust, substantielle Unternehmensinformationen an die Wissenschaft weiterzugeben, m\u00fcssen auch andere Autorinnen leben. So bemerken Caroline Coridass und Katja Lantzsch (\u00abDRM-Formate und Standardisierungsstrategien in der digitalen Musikdistribution\u00bb), dass \u00abUnternehmen aus Wettbewerbsgr\u00fcnden h\u00e4ufig reserviert auf Interviewanfragen und die damit verbundene m\u00f6gliche Ver\u00f6ffentlichung von betriebsinternen Informationen reagieren\u00bb (21). Ihr Artikel \u00fcber digitale Rechtesysteme d\u00fcrfte \u00fcbrigens vermutlich einer derjenigen mit dem fr\u00fchesten Verfallsdatum darstellen.<\/p>\n<p> Ebenfalls interessant ist ein (studentisches) Experiment zu einem Umsatzmodell f\u00fcr Musiktauschb\u00f6rsen (\u00abSharing Files, Sharing Money. Ein experimenteller Test des Nutzungsverhaltens in Musiktauschb\u00f6rsen unter verschiedenen \u00f6konomischen Anreizbedingungen\u00bb von Oliver Quiring, Benedikt von Walter und Richard Atterer), das von der Grundidee ausgeht, die Gewinne, welche der Zwischen- und Einzelhandel in der Musik bislang eingestrichen hat, an die Anbieter von Netz- und Festplattenressourcen in Tauschb\u00f6rsen zu verteilen. Es scheint ein nat\u00fcrliches und \u00f6konomisch gerechtes Modell zu sein, dessen Durchsetzung allerdings von Realit\u00e4ten verhindert werden d\u00fcrfte, welche die Autoren ausklammern: die traditionellen Gesch\u00e4ftsbeziehungen und Marktm\u00e4chte, \u00fcber die sich die Anbieter von Musik nicht ungestraft hinwegsetzen k\u00f6nnen. Durchaus m\u00f6glich allerdings, dass Gewinnteilungen, wie sie hier vorgeschlagen werden, einmal zum Thema werden, wenn der Zwischen- und Einzelhandel im Musikgesch\u00e4ft bloss noch als Kapitel in B\u00fcchern der Wirtschaftsgeschichte existiert.<\/p>\n<p> Ein eher am\u00fcsantes Detail zum Schluss: So beredt Verfechter der Neuen Musik sind, wenn es darum geht, einem gr\u00f6sseren Publikum ihr Musikverst\u00e4ndnis n\u00e4herzubringen, so entlarvend ist eine hier vorgestellte experimentelle Anordnung zur Frage, ob Musik je nach Stimmung anders wahrgenommen wird (\u00abStimmung macht Musik\u00bb von Markus Seifert und Marco Br\u00e4uer). Dabei geht es darum, den teilnehmenden Sch\u00fclern gezielt die Laune zu verderben. Die wissenschaftlich wohl fundierte Methode dazu: \u00abUm <em>Energielosigkeit<\/em> zu erzeugen, wurde die Stimmung der Probanden weiterhin stimulusorientiert manipuliert. Damit fiel die Wahl auf eine Methode, welche sich bereits in andern empirischen Studien f\u00fcr die Stimmungsmanipulation bew\u00e4hrt hat. Den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern wurde zu Beginn ein Video vorgef\u00fchrt (&#8218;Times Beach&#8216; von Frank Zappa in einer orchestralen Auff\u00fchrung des Ensemble Modern). Die Probanden waren dazu angehalten, w\u00e4hrend der Pr\u00e4sentation nicht miteinander zu reden und zwei Aufgaben zu erledigen: Die erste Aufgabe war, eine Struktur des Musikst\u00fccks zu erkennen und zu skizzieren; die zweite Aufgabe bestand darin, die Instrumente aufzuz\u00e4hlen und zu notieren. Es war davon auszugehen, dass auf diesem Weg den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern am Ende eines Unterrichtstages eher langweilig wird und dass sie weiterhin die momentane Situation zumindest in gewissem Mass eher negativ bewerteten.\u00bb (167). <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Sonderband \u00abMedien &amp; Kommunikationswissenschaft. Musik und Medien\u00bb, herausgegeben vom Hans-Bredow-Institut Hamburg. Gastherausgeber Holger Schramm. Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2007. ISBN 978-3-8329-2789-9.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>11.04.2008 &#8212; Kaum ein anderes Gebiet macht zur Zeit eine derart dramatische und rasante Entwicklung durch wie das Verh\u00e4ltnis von&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-660","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buchbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/660","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=660"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/660\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=660"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=660"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=660"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}