{"id":665,"date":"2014-01-11T21:09:12","date_gmt":"2014-01-11T21:09:12","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/musikpsychologie-das-neue-handbuch\/"},"modified":"2014-01-11T21:09:12","modified_gmt":"2014-01-11T21:09:12","slug":"musikpsychologie-das-neue-handbuch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/musikpsychologie-das-neue-handbuch\/","title":{"rendered":"Musikpsychologie &#8211; das neue Handbuch"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2008\/080805handbuch.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>05.08.2008 &#8212; 1985 ist das \u00abHandbuch Musikpsychologie\u00bb des Herausgebertrios Herbert Bruhn, Rolf Oerter und Helmut R\u00f6sing erstmals erschienen. Seither hat es \u2212 relativ fr\u00fch \u2212 eine \u00dcberarbeitung und verschiedene Neuauflagen erlebt. Die erneute \u00dcberarbeitung bildet einen richtungweisenden Meilenstein, der sich augenf\u00e4llig in einem Generationenwechsel \u00e4ussert: F\u00fcr Kontinuit\u00e4t sorgt der Hamburger Psychologe Bruhn; Oerter und R\u00f6sing hingegen sind von den j\u00fcngeren Kollegen Reinhard Kopiez und Andreas C. Lehmann abgel\u00f6st worden. Das Trio sorgt erkl\u00e4rtermassen f\u00fcr einen noch engeren Anschluss des Fachs (oder besser: Fachkomplexes) an die internationale Forschung. Es folgt \u00abdem angloamerikanischen Vorbild von Wissenschaftspublizistik, in die mittlerweile deutsche Wissenschaftler wieder eingebunden werden\u00bb (12), nachdem sie, kann man den Hinweis erg\u00e4nzen, sich lange Zeit mit Ver\u00f6ffentlichungen in ihrer eigenen Sprache und in eigenen Fachpublikationen begn\u00fcgten \u2212 und mit einer empiriokritischen Haltung, in der noch Adornos Skepsis gegen\u00fcber \u00abpositiver Wissenschaft\u00bb nachschwang.<\/p>\n<p> Der \u00dcberblicksartikel zur Geschichte der Disziplin am Ende des Bandes r\u00e4umt denn auch explizit ein, dass sich die deutsche Musikpsychologie erst mit der Gr\u00fcndung der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Musikpsychologie (DGM) 1983 und dem Erscheinen der ersten Handb\u00fccher \u2212 neben der ersten Ausgabe des vorliegenden auch demjenigen Helga de la Motte-Habers \u2212 der internationalen Forschung ge\u00f6ffnet hat.<\/p>\n<p> Die Neuauflage des Handbuchs setzt die Entwicklung konsequent fort, die von der DGM, deren gegenw\u00e4rtiges Pr\u00e4sidium Lehmann innehat, 2003 beispielhaft weiter vorangetrieben worden ist. Dannzumal amtete die Hochschule f\u00fcr Musik Hannover, eines der Zentren der musikpsychologischen und -physiologischen Forschungen in Deutschland, als Gastgeberin f\u00fcr die europ\u00e4ische Konferenz der Escom (European Society for the Cognitive Sciences of Music, siehe <a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/dossiers_ind9.php?art=22\">Konferenzbericht<\/a>). Es ging dabei unter anderem erkl\u00e4rtermassen darum, den Nachwuchs dazu zu bringen, sich sowohl in Englisch als auch in Deutsch zu artikulieren und sich als Teil globaler Netzwerke der Scientific Community zu verstehen.<\/p>\n<p> Rein \u00e4usserlich ist von der st\u00e4rkeren Anlehnung an internationale Standards kaum etwas zu bemerken. Am augenf\u00e4lligsten sind die neu hinzugekommenen Abstracts, welche die einzelnen Artikel einleiten. Etwas weniger augenf\u00e4llig, aber durchaus sp\u00fcrbar ist der hohe Aufwand, der beim Lektorieren der Artikelsammlung offensichtlich betrieben worden ist und f\u00fcr durchgehend hohe sprachliche Pr\u00e4gnanz sorgt, sowie die mutige Beschr\u00e4nkung auf 34 Beitr\u00e4ge, durch welche die Sammlung an Profil und Nutzerfreundlichkeit noch hinzugewonnen hat. Die letzte Auflage z\u00e4hlte 72 Artikel. <\/p>\n<p> Die Gliederung der Bereiche zeigte in der letzten Ausgabe noch eine eindeutige, f\u00fcr das kontinentale Denken charakteristische Richtung vom Gesellschaftlichen \u00fcber das Individuelle hinunter in die Mikrowelten der Physiologie. Auch wenn die soziologischen Themen durchaus noch Gewicht haben \u2212 sie finden Niederschlag in den Kapiteln \u00abMusikkultur und musikalische Sozialisation\u00bb, \u00abMusik und Medien\u00bb und \u00abMusikleben\u00bb, machen sich doch einige Neugewichtungen bemerkbar. <\/p>\n<p> So nimmt der Bereich der Neuromusikologie, unter anderem mit einem hervorragenden Einf\u00fchrungsartikel von Stefan Koelsch und Erich Schr\u00f6ger, deutlich mehr Raum ein, was die st\u00fcrmische Entwicklung auf dem Gebiet seit der konsequenten Nutzung bildgebender Verfahren widerspiegelt. Die Musiktherapie, die in der letzten Ausgabe noch acht Beitr\u00e4ge beisteuerte, ist auf einen \u00dcberblicksartikel beschr\u00e4nkt worden. Darin \u00e4ussert sich sicherlich auch eine Emanzipation des Themas, das vor allem in den Diskussionen um evidenzbasierte Methoden der Wirkungsnachweise in den letzten Jahren eine eigene Richtung eingeschlagen hat. Eingang gefunden hat daf\u00fcr erstmals die Musiker-Medizin, ein Hinweis darauf, dass das \u00fcberaus wichtige Gebiet der seelischen und k\u00f6rperlichen Gesundheit der Musizierenden \u2212 respektive deren aufallend hohe Krankheitsanf\u00e4lligkeit \u2212 zunehmend enttabuisiert wird.<\/p>\n<p> Am st\u00e4rksten zeitgebunden scheinen die Er\u00f6rterungen zum sich st\u00fcrmisch entwicklenden Gebiet der Medien. Standen in den neunziger Jahren noch Walkman, H\u00f6rfunk und als h\u00f6chstes der Gef\u00fchle der Videoclip im Fokus des Interesses, machen sich die Autorinnen und Autoren der aktuellen Version Gedanken \u00fcber Ph\u00e4nomene wie Syn\u00e4sthesie und die allt\u00e4gliche Nutzung von Musik. <\/p>\n<p> Schliesslich ist eine weitere Akzentuierung deutlich sp\u00fcrbar: In die musikpsychologischen Er\u00f6rterungen werden immer zwangloser und gewichtiger die zeitgen\u00f6ssischen popul\u00e4ren Musikformen aufgenommen. \u00abWir sind davon \u00fcberzeugt\u00bb, schreiben dazu die Herausgeber (13), \u00abdass das Aufkommen der Rock-Pop-Musik eine musikgeschichtlich epochale Wende von einer durch klassische akustische Instrumente produzierten Musik hin zu einer Musik darstellt, die von Elektronik, Verst\u00e4rkung und massenmedialer Vermittlung bestimmt ist.\u00bb <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Herbert Bruhn, Andreas C. Lehmann, Reinhard Kopiez, (Hg.): Musikpsychologie. Das neue Handbuch, Rowohlts Enzyklop\u00e4die, Hamburg 2008, ISBN 978-3-499-55661. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>05.08.2008 &#8212; 1985 ist das \u00abHandbuch Musikpsychologie\u00bb des Herausgebertrios Herbert Bruhn, Rolf Oerter und Helmut R\u00f6sing erstmals erschienen. 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