{"id":676,"date":"2014-01-11T21:14:43","date_gmt":"2014-01-11T21:14:43","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/mantel-interpretation-vom-text-zum-klang\/"},"modified":"2014-01-11T21:14:43","modified_gmt":"2014-01-11T21:14:43","slug":"mantel-interpretation-vom-text-zum-klang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/mantel-interpretation-vom-text-zum-klang\/","title":{"rendered":"Mantel: Interpretation &#8211; vom Text zum Klang"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2009\/090204mantel.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>05.02.2009 &#8212; In einem deutschsprachigen Musikbuch unter dem Titel \u00abInterpretation\u00bb vermutet man m\u00f6glicherweise bedeutungsschwere und tiefgr\u00fcndige Reflektionen \u00fcber das Verh\u00e4ltnis der Tonkunst zum kosmischen Dr\u00e4uen und Walten oder der Vielschichtigkeit semiotischer Beziehungen zwischen Partituren, Auff\u00fchrungen und der Beziehung zwischen Sender und Empf\u00e4nger. Gerhard Mantels Studienbuch ist (gottlob) nichts von alledem. Vielmehr entwirft der Autor eine Art praxisorientiertes Rahmenwerk zur Frage, wie der aus\u00fcbende Musiker sich einer niedergeschriebenen Komposition n\u00e4hern soll, um zu einer lebendigen, einzigartigen und in sich stimmigen Umsetzung des Notentextes zu gelangen. Mantel entwirft dabei ein leicht internalisierbares Schema, das einerseits einen sinnvollen begrifflichen Rahmen pr\u00e4sentiert, anderseits in Form eines differenzierten Baukastens eine F\u00fclle an L\u00f6sungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr zahlreiche Einzelprobleme bereitstellt und damit wiederum exemplarisch aufzeigt, wie man individuellen Herausforderungen begegnen kann.<\/p>\n<p> Gekr\u00f6nt wird die Abhandlung mit allgemeineren \u00dcberlegungen zu \u00dcbestrategien, welche die modernen Erkenntnisse von Hirnforschung und Lerntheorie auf hervorragende Weise auf die t\u00e4glichen Anforderungen des Musizierens \u00fcbertragen \u2212 ein wunderbares Buch, das in Ausbildung und beruflichem Alltag zum Standardwerk werden d\u00fcrfte.<\/p>\n<p> Viele Studenten, schreibt Mantel im Vorwort, \u00fcbertr\u00fcgen die Verantwortung f\u00fcr ihre eigene Entwicklung viel zu sehr und zu lange auf einen Lehrer. Das Buch solle zu eigenverantwortlichem Umgang mit der eigenen Begabung beitragen. Der Lehrer wiederum k\u00f6nne sich zur Auseinandersetzung anregen lassen, auf welcher Entwicklungsstufe ein Sch\u00fcler sich gerade befinde. Wichtig sei ihm dabei das Bestreben, \u00e4sthetische und mentale Prozesse, die bei einer Interpretation in den meisten F\u00e4llen unbewusst, aber keineswegs unbemerkt und wirkungslos ablaufen, dem Bewusstsein zu erschliessen.<\/p>\n<p> In einem ersten Teil wendet sich Mantel der Arbeit an den einzelnen Parametern zu, namentlich dem Rhythmus, der Dynamik, der Artikulation, der Klangfarbe und dem Tempo. Abgeschlossen werden die mit zahlreichen lehrreichen Einzelanalysen verbundenen Er\u00f6rterungen mit allgemeineren \u00dcberlegungen dazu, wieviel an Modulation es dabei denn sein sollte, darf oder m\u00fcsste. Es scheint dabei, meint Mantel, \u00abneben den Geschmacksunterschieden eine Reihe von \u00e4sthetischen Verbindlichkeiten, &#8218;Regeln&#8216; zu geben, nach denen alle Menschen entscheiden, ob etwas passt oder nicht.\u00bb (113). Das Buch stelle deshalb auch einen Versuch dar, solchen Regeln auf die Spur zu kommen.<\/p>\n<p> In weiteren Kapiteln befasst sich der Autor mit der Bedeutung der Struktur, von Profilen, welche die Arbeit mit einzelnen Parametern generieren, der Bedeutung von Variationen und Abweichungen und schliesslich den verbindenden Klammern von Verkn\u00fcpfungen einzelner Partien und Assoziationen mit aussermusikalischen Ph\u00e4nomenen, die das Spiel bereichern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p> Zum Schluss macht sich Mantel allgemeinere Gedanken \u00fcber Ausdruck, Kommunikation und die Rolle des Interpreten. Moderne Modelle der musikalischen Semantik und die aktuellen Resultate der Neuromusikologie integriert er dabei auf stimmige Weise in seine anwendungsorientierte Pragmatik der Interpretation.<\/p>\n<p> <strong><em>Zitate aus dem Buch: <\/em><\/strong><br \/> \u00abViele verwechseln die Ganzeitlichkeit des Eindrucks (der Wirkung) mit der Ganzheitlichkeit der Erarbeitung! Man kann die Ganzheit der Darstellung bei der interpretatorischen Arbeit nur durch Gliederung, also durch wechselnde Fokussierung der Aufmerksamkeit erreichen.\u00bb (36)<br \/> \u00abWie oft kann man erleben, dass ein Interpret eine kleine Wendung &#8218;bildh\u00fcbsch&#8216; darstellt, um sie bei einer Wiederholung wieder genauso &#8218;bildh\u00fcbsch&#8216; zu spielen. Niemand h\u00f6rt sich gerne zweimal den gleichen Witz an.\u00bb (112)<br \/> \u00abDas Gl\u00fccksgef\u00fchl von &#8218;Flow&#8216; und &#8218;Intuition&#8216; ist das Resultat vorheriger intensiver, ja anstrengender und vor allem hartn\u00e4ckig betriebener Arbeit.\u00bb (254) <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Gerhard Mantel: Interpretation. Vom Text zum Klang. Studienbuch Musik, Schott Verlag Mainz 2007, Bestellnummer ED 8731. 264 Seiten. ISBN 978-3-7957-8731-8. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>05.02.2009 &#8212; In einem deutschsprachigen Musikbuch unter dem Titel \u00abInterpretation\u00bb vermutet man m\u00f6glicherweise bedeutungsschwere und tiefgr\u00fcndige Reflektionen \u00fcber das Verh\u00e4ltnis&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-676","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buchbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/676","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=676"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/676\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=676"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=676"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=676"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}