{"id":678,"date":"2014-01-11T21:15:39","date_gmt":"2014-01-11T21:15:39","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/komponistenportraets\/"},"modified":"2014-01-11T21:15:39","modified_gmt":"2014-01-11T21:15:39","slug":"komponistenportraets","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/komponistenportraets\/","title":{"rendered":"Komponistenportr\u00e4ts"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2009\/komp90209.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>13.02.2009 &#8212; Mit B\u00fcchern ist es wie mit Menschen: Beeindruckendes \u00c4usseres zeugt nicht durchwegs von entsprechendem innerem Format. Wer den grossen Reclam-Bildband mit Komponistenportr\u00e4ts zur Hand nimmt \u2013 er misst 34,5 auf 25,5 cm \u2013 und bl\u00e4ttert, betrachtet, zu lesen beginnt, stellt alsbald fest, dass hier Aussen und Innen in Gehalt und Bedeutung aufs Sch\u00f6nste und Interessanteste harmonieren. <\/p>\n<p> 86 Bildnisse von Komponisten und Komponistinnen hat Dietrich Erben zusammengestellt und nach dem Entstehungsjahr der Bilder bzw. Plastiken chronologisch geordnet: Die Pinakothek f\u00fchrt von der Renaissance bis zum Ende des letzten Jahrhunderts, von Palestrina (1554) und Orlando di Lasso (1570) zu Morton Feldman (1978), Gy\u00f6rgy Ligeti (1984) und Luigi Nono (1986). Zwei Drittel der Portr\u00e4ts stammen aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Bewusst hat Erben nur die \u00abklassische\u00bb Kunstmusik des europ\u00e4ischen Kulturkreises und die von Europa beeinflusste Musik in Nordamerika in den Blick genommen. <\/p>\n<p> Zu den unverzichtbaren Grossen der Musikgeschichte treten aber auch Musiker, die einst ber\u00fchmt waren, heute aber nur noch Spezialisten bekannt sind, etwa Lanier, Mouton, Rebel, zudem einige Frauen \u2013 darunter Elisabeth-Claude Jacquet de la Guerre, Anna-Amalia von Sachsen-Weimar, Marianne Martinez, Fanny Mendelssohn Hensel, Clara Schumann \u2013, die, wie man weiss, gegen ihre Familie, Kollegen und die sozialen Normen keinen leichten Stand hatten. <\/p>\n<p> \u00abHauptanliegen des Buches ist es, ausgehend von den pers\u00f6nlichen Beziehungen zwischen Komponisten und bildenden K\u00fcnstlern, den vielf\u00e4ltigen \u00e4sthetischen Konstellationen auf die Spur zu kommen, die beide miteinander verbanden\u00bb, h\u00e4lt der Autor in der Einf\u00fchrung fest. Deshalb ber\u00fccksichtigt er nur zu Lebzeiten der Musiker entstandene Bildnisse. Nicht alle K\u00fcnstlerbeziehungen wurden zu Freundschaften; in vielen F\u00e4llen l\u00e4sst sich eine kritische Distanz, hier und dort gar Unverst\u00e4ndnis und Ablehnung ausmachen. \u00abVon einer negativen Warte aus verdeutlichen auch solch problematische oder sogar gescheiterte K\u00fcnstlerbegegnungen die besondere Pr\u00e4gung des Komponistenbildnisses, bei dem es sich sowohl um ein Dokument der pers\u00f6nlichen Beziehung zwischen zwei K\u00fcnstlern unterschiedlicher Sparten handelt als auch um ein visuelles Manifest der Verst\u00e4ndigung \u00fcber k\u00fcnstlerische Grundfragen.\u00bb <\/p>\n<p> Dietrich Erben (geb. 1961) ist seit 2003 Professor f\u00fcr Kunstgeschichte an der Ruhr-Universit\u00e4t Bochum. Schwerpunkte seiner T\u00e4tigkeit sind politische Ikonografie, Architekturtheorie, kunsthistorische Komparatistik und Institutionengeschichte. Kunstwissenschaftler wagen sich erfahrungsgem\u00e4ss nicht allzuweit ins Feld der Musikgeschichte und -theorie vor. Umso erstaunlicher sind die fundierten, das ganze Entwicklungsspektrum von der Gregorianik bis zu den j\u00fcngeren Str\u00f6mungen umfassenden Kenntnisse, die Erben in seine brillanten Analysen einzuflechten versteht. Dieses Ineinandergreifen von kunsthistorischem und musiktheoretischem Wissen pr\u00e4gt denn auch entscheidend das Gewicht des Bandes. (Wenn der Autor \u00fcber seine Texte von \u00abminiaturhaften\u00bb Begegnungsszenen spricht, darf die Wahl des Adjektivs als krasse Untertreibung gelten\u2026) <\/p>\n<p> Ein visueller Dialog also zwischen K\u00fcnstler, Modell und Betrachter. Gut vier Jahrhunderte Kunst- und Musikgeschichte sind da in den Blick gefasst, zusammengef\u00fchrt in gegenseitiger Beleuchtung und scharfsinniger kritischer Kommentierung, auch mit Hilfe der Zeugnisse von Zeitgenossen, Kritikern, K\u00fcnstlern und Literaten. Und ausgeweitet durch grunds\u00e4tzliche Informationen zu Themenbereichen wie Kunsttheorie, Malereigeschichte, Tradition des Portr\u00e4ts, Naturnachahmung und Idealisierung, Bildformular, Symbole, Gesten, Auftraggeber, Librettisten, M\u00e4zene, K\u00fcnstler und Gesellschaft, Rezeption, Realit\u00e4t und Utopie. <\/p>\n<p> Eine Reise im Zeitraffer, in deren Verlauf historische Ereignisse und Entwicklungen, \u00e4sthetische Neuerungen, Stile und Stilwandel, Techniken und kompositionsgeschichtliche Stationen erl\u00e4utert werden. Den Abbildungen \u2013 die Originale wurden ausgef\u00fchrt in Holz- und Scherenschnitt, als Malerei auf Pergament und Leinwand, als Bleistift-, Buntstift-, Kohle-, Pastell- und Federzeichnung, Lithografie und Fotografie, in Terrakotta und Marmor, Draht und Stahl \u2013 ist die rechte Buchseite vorbehalten, wo sie ihre Wirkung grossz\u00fcgig entfalten; auf der gegen\u00fcberliegenden Seite steht, im Zweispaltensatz umbrochen und in der Regel ebenfalls eine ganze Seite beanspruchend, der zugeh\u00f6rige Text. <\/p>\n<p> Dietrich Erben gelingt es beispielhaft, die Spannung zwischen Betrachten und Lesen, bewusstem Schauen, detailliertem Erkunden und pr\u00e4zisem Analysieren aufzubauen \u2013 ein nachhaltig anregendes Erlebnis! <\/p>\n<p> <strong><em>Zitat aus dem Buch: <\/em><\/strong><br \/> \u00abBis ins fr\u00fche 20. Jahrhundert finden sich kaum Bildnisdarstellungen mit Brille. Bei den wenigen K\u00fcnstlerselbstportr\u00e4ts kommt die Brille bisweilen als Symbol f\u00fcr das reflektierende Schauen oder f\u00fcr die Neugier an der Welt zum Einsatz. In der Moderne gilt sie als Attribut des Alltags, und die Maler lassen sich auch die formalen Anreize bei der Darstellung nicht entgehen.\u00bb (Seite 140; zu Max Reger, 1917, von Max Beckmann) <br \/> <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Dietrich Erben: Komponistenportr\u00e4ts. Von der Renaissance bis zur Gegenwart. 216 Seiten mit 86 Farbabbildungen. Reclam-Verlag, Stuttgart 2008. Subskriptionspreis bis 28. 02. 2009: \u20ac 49,90. Fr. 83.90; danach \u20ac 59,90. Fr. 99.90. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>13.02.2009 &#8212; Mit B\u00fcchern ist es wie mit Menschen: Beeindruckendes \u00c4usseres zeugt nicht durchwegs von entsprechendem innerem Format. Wer den&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-678","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buchbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/678","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=678"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/678\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=678"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=678"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=678"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}