{"id":689,"date":"2014-01-11T21:21:33","date_gmt":"2014-01-11T21:21:33","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/kammermusik-der-romantik\/"},"modified":"2014-01-11T21:21:33","modified_gmt":"2014-01-11T21:21:33","slug":"kammermusik-der-romantik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/kammermusik-der-romantik\/","title":{"rendered":"Kammermusik der Romantik"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2009\/wiese1709.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>06.07.2009 &#8212; Mit einer facettenreichen Kulturgeschichte der Romantik, einem anregenden, sehr pers\u00f6nlichen, hier und dort auch zum Widerspruch animierenden, aus den Erfahrungen als Musikpraktiker sch\u00f6pfenden Quellen-, Lese- und Studienbuch bringt Walter Wiese seine Trilogie der Kammermusik zum Abschluss. Der \u00abKammermusik der Romantik\u00bb vorausgegangen sind die B\u00e4nde \u00abMozarts Kammermusik\u00bb (2001) und \u00abTschechische Kammermusik\u00bb (2004). <\/p>\n<p> Seine lebenslange Passion f\u00fcr die Gattung Kammermusik hat der 1933 in Holstein geborene Walter Wiese, bis zu seinem Ruhestand Jurist in Staatsdiensten, als Geiger, Bratschist, Cellist und S\u00e4nger in zahlreichen Konzerten und in den genannten, auf gr\u00fcndlichen Studien basierenden Publikationen bewiesen. Die Erfahrungen als aus\u00fcbender Musiker haben sich auch niedergeschlagen im vorliegenden Band in einer Vielzahl von Hinweisen zu Einzelheiten und Klippen der technischen Ausf\u00fchrung \u2013 oft findet sich gar der Tipp \u00ab\u00dcben!\u00bb Jedenfalls misstraut der Autor den Theoretikern, \u00abda ihr Wissen manchmal kaum bis unter die Oberfl\u00e4che der Musik zu reichen scheint\u00bb. Der philologisch-analytischen Methode zieht er in der Regel \u00abdie and\u00e4chtige Bewunderung\u00bb vor, gelangt auf diesem Weg auch zu stimmigen Interpretationen der \u00fcber hundert Werke: \u00abDie gesetzten Schwerpunkte entsprechen Vorlieben des Verfassers \u2013 wie sollte es anders sein?\u00bb <\/p>\n<p> Der Aufbau der vier Hauptteile Schubert, Mendelssohn, Schumann, Brahms ist identisch: Einem ganzseitigen Portr\u00e4t schliesst sich zur Einstimmung ein Zitat oder ein Gedicht an; der Zeittafel folgen die diverse Aspekte aufgreifende Einf\u00fchrung und \u2013 ausser bei Schubert \u2013 eine Liste der Werke von Duos bis zu gr\u00f6sseren Besetzungen. Gezielten Zugriff auf die einzelnen Komposition erm\u00f6glicht das Inhaltsverzeichnis. <\/p>\n<p> Bereits in den Einf\u00fchrungen erweist sich des Autors weiter Horizont. So werden in \u00abSchubert als <em>zoon politicon<\/em>\u00bb auf der ersten Seite in Erinnerung gerufen: Napoleon, \u00f6sterreichischer Staatsbankrott, Befreiungskriege, Wiener Kongress, Vorm\u00e4rz, Biedermeier, Franz I., Karlsbader Beschl\u00fcsse, Metternich, Grillparzer\u2026 Bei Mendelssohn befasst sich Wiese u. a. mit absoluter Musik versus Programmmusik, bei Schumann mit Romantik und Realismus, Vorm\u00e4rz und Revolution von 1848\/49, den Musikalischen Haus- und Lebensregeln. <\/p>\n<p> In Exkursen w\u00fcrdigt der Autor das Wirken Fanny Hensel-Mendelssohns und Clara Schumanns. Einen Abstecher widmet er dem Thema Virtuosit\u00e4t (im Schubert-Teil). <\/p>\n<p> Zus\u00e4tzliche Ebenen der Information bilden sowohl in den Einleitungen wie in den Werkbesprechungen die Illustrationen, darunter Zeichnungen, Grafiken oder Fotos von Zeitgenossen, einl\u00e4ssliche (in kleinerer Schrift gedruckte) Zitate aus Briefen, Selbstzeugnissen, Rezensionen, zudem Gedichte, Anekdoten und Ausschnitte aus Zeitschriften und B\u00fcchern. Prominent durchzieht die Vielzahl der Notenbeispiele (meist Incipits von S\u00e4tzen) den Band. Er enth\u00e4lt ein ausgedehntes Literaturverzeichnis, konzentrierte Angaben zu allen erw\u00e4hnten Personen sowie ein Namenregister. <\/p>\n<p> Die Werkbesprechungen sind beschreibender, den Charakter des Ganzen wie der einzelnen S\u00e4tze erhellender Art ohne \u00dcberladung durch Fachtermini. Regelm\u00e4ssig berichtet der Autor \u00fcber Spieltechnisches und eigene Erfahrungen mit den Partituren, weist auf Beispiele und Parallelen in anderen Gattungen (Klaviermusik, Lieder, Orchester- und Vokalwerke) und im Schaffen anderer Komponisten hin, auf Anregungen durch Vorbilder und Einfl\u00fcsse auf Nachgeborene, res\u00fcmiert fallweise die Geschichte der Drucklegung, deckt Beziehungen auf zwischen Werken der vier Protagonisten; eine Konstante dabei ist der Schriftsteller und Rezensent Schumann. <\/p>\n<p> Im Zusammenspiel der einzelnen, in anderen Musikf\u00fchrern oft unterbewerteten bzw. vorausgesetzten (kunst)historischen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Fakten und Auswirkungen komponiert Walter Wiese eine klangvolle Partitur des 19. Jahrhunderts in einem vielschichtigen, tiefgr\u00fcndigen und auch f\u00fcr interessierte Laien anregend zu lesenden Kompendium. <\/p>\n<p> <strong><em>Zitat aus dem Buch: <\/em><\/strong><br \/> \u00abDie Wirklichkeit der heutigen Kammermusikaus\u00fcbung leidet an dem \u00dcberangebot von Ablenkungen. Hatten die Menschen der 40er und 50er Jahre weder Geldmittel noch Reisem\u00f6glichkeiten ausreichend zur Verf\u00fcgung, so mu\u00df ein Streichquartett, das heute regelm\u00e4\u00dfig zusammentreten und konzentriert musizieren soll, in einer Freizeitgesellschaft mit Weltreiseangeboten, Wochenendabenteuern, Sport und anderen Hobbys konkurrieren, und das unter uners\u00e4ttlichen Zeitgenossen, die am liebsten ihre Taufe, Hochzeit, Beerdigung und vieles andere mehr gleichzeitig erleben m\u00f6chten. Noch ist es f\u00fcr ein Requiem der Kammermusik zu fr\u00fch, aber ist es aufzuhalten? \u2013 \u00bb (Seite 14) <br \/> <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Walter Wiese: Kammermusik der Romantik. Schubert \u2013 Mendelssohn \u2013 Schumann \u2013 Brahms. Mit Abbildungen (schwarz-weiss) und Notenbeispielen. Amadeus Verlag, Winterthur 2008. 419 Seiten. \u20ac 38,\u2013. Fr. 64.\u2013.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>06.07.2009 &#8212; Mit einer facettenreichen Kulturgeschichte der Romantik, einem anregenden, sehr pers\u00f6nlichen, hier und dort auch zum Widerspruch animierenden, aus&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-689","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buchbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/689","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=689"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/689\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=689"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=689"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=689"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}