{"id":692,"date":"2014-01-11T21:23:01","date_gmt":"2014-01-11T21:23:01","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/pianistenprofile\/"},"modified":"2014-01-11T21:23:01","modified_gmt":"2014-01-11T21:23:01","slug":"pianistenprofile","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/pianistenprofile\/","title":{"rendered":"PianistenProfile"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2009\/pian190809.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>19.08.2009 &#8212; Der \u00e4lteste in diesem gewichtigen Band gew\u00fcrdigte Pianist, sieht man von Brahms mit Jahrgang 1833 ab, ist im Revolutionsjahr 1848 geboren (Pachmann), die j\u00fcngsten kamen in den 1980er Jahren zur Welt (Stadtfeld, Sudbin, Lang Lang). Von der ersten Stunde der Tonaufzeichnung via Trichter und Zylinder \u00fcber die Klavierrollen, Metallb\u00e4nder, Schellack- und Vinylplatten bis zu den technischen Finessen von CD und DVD haben sie ihr Spiel und die Art ihrer Interpretation f\u00fcr Mit- und Nachwelt festgehalten. Klingende Dokumente des Klavierspiels aus rund hundert Jahren Tonaufzeichnung sind der Schl\u00fcssel zu einem Kosmos, den Ingo Harden und Gregor Willmes unter Mithilfe von Peter Seidle durchforstet, kritisch gewichtet und kenntnisreich analysiert und beschrieben haben. <\/p>\n<p> Grundlage der Einsch\u00e4tzung bilden die Tondokumente. \u00abBezeichnend, dass gro\u00dfe Teile der historischen Musikwissenschaft die Vermittlungsarbeit der Interpreten vor gar nicht so langer Zeit als Niemandsland betrachteten, als eine Quantit\u00e9 n\u00e9gligeable, deren Vertreter bis auf einige ber\u00fchmte Ausnahmen kaum ihrer besonderen Beachtung bed\u00fcrften\u00bb, ist in der Einf\u00fchrung zu lesen. Mit zunehmender Verbreitung medialer Musikvermittlung und verst\u00e4rkter Orientierung des Musikliebhabers an klingenden Ergebnissen anstelle des schriftlich fixierten Notentextes seien \u00abBewusstsein und Sinn f\u00fcr die unterschiedlichen M\u00f6glichkeiten und den Spielraum, den auch klangliche Realisierungen noch offenhalten\u00bb gesch\u00e4rft worden. <\/p>\n<p> Dementsprechend unterscheidet sich der Band von einem Lexikon: Chronologisch geordnete Lebens- und Karrieredaten sind den Personenartikeln vorangestellt, abgehoben durch den kleineren Schriftgrad. Der Hauptteil ist fokussiert auf die k\u00fcnstlerisch-\u00e4sthetische Position des Portr\u00e4tierten in seiner Epoche und charakterisiert detailreich anhand der Tondokumente sein Repertoire und dessen Schwerpunkte, seine Auseinandersetzung mit der Tradition und den stilistischen Positionen seiner Zeit. Den Abschluss machen \u2013 ebenfalls in chronologischer Folge und kleinerer Schrift \u2013 die Diskografie (aufgef\u00fchrt sind die Tondokumente, auch Filme und DVDs, die bis 2007 verf\u00fcgbar waren) und, wo gegeben, Verzeichnisse der Kompositionen, Schriften, Editionen und der Literatur. <\/p>\n<p> Kriterien der Auswahl sind die Tontr\u00e4ger-Pr\u00e4senz eines im 20. Jahrhundert (noch) aktiven K\u00fcnstlers und dessen Ansehen und Bekanntheit im deutschsprachigen Raum (was einige bedeutende Interpreten ausschloss, doch wichtige Personen aus den USA, England, Frankreich, Osteuropa, Kanada und dem Fernen Osten einbezog). Der Blick f\u00e4llt auch in fernere Zeiten, zur\u00fcck ins Historische, soweit Tonaufzeichnungen dieser \u00e4lteren Generationen vorhanden sind (1889 nahm Brahms einen Ungarischen Tanz auf Wachszylinder auf) und ber\u00fccksichtigt auch Pianisten und Pianistinnen, die sich hauptgewichtig der Kammermusik, dem Klavierduo, der Liedbegleitung oder dem Cembalo verschrieben haben. <\/p>\n<p> \u00abDie Biografie eines K\u00fcnstlers sagt nicht in jedem Fall Wesentliches \u00fcber seine k\u00fcnstlerische Entwicklung aus\u00bb, liest man auf Seite 406. Aber aufschlussreich, zuweilen packend wie aus einem f\u00fclligen Roman sind Aberdutzende dieser Lebensl\u00e4ufe. Sie werfen ein Licht auf die Pers\u00f6nlichkeit, die Widrigkeiten in Ausbildung und Karriere, die gesundheitlichen Einbr\u00fcche, die Zeitumst\u00e4nde. <\/p>\n<p> Da ziehen vorbei Wunderkinder und Sp\u00e4tentwickler, Spezialisten und Allrounder, Neurotiker und Exzentriker, Fr\u00fchverstorbene und Hochbetagte, Tastenl\u00f6wen, Aussenseiter und Mauerbl\u00fcmchen, Komponisten, Kultfiguren, Gescheiterte und Aussteiger, politisch Engagierte und Lebensfremde. Der charakterisierenden Zunamen und Promoetiketten sind viele: Witwe Beethovens, L\u00f6win am Klavier, Hohepriesterin des Cembalos, Reichsklaviergro\u00dfmutter, Walk\u00fcre des Klaviers, Neuer Liszt, Einer der lautesten Pianisten aller Zeiten, Hohepriesterin Bachs, Ein wandelnder musikalischer Katalog, Napoleon des Klaviers, Die Frau mit den W\u00f6lfen, Der Arnold Schwarzenegger der Klassikbranche. <\/p>\n<p> Nicht verschwiegen sind die Ersch\u00fctterungen durch menschliche und k\u00fcnstlerische Extremsituationen, durch Drogenprobleme, Krankheiten, psychische Zusammenbr\u00fcche, durch die gesellschaftlichen Umbr\u00fcche und die politischen Katastrophen: Viele wurden in faschistischen und kommunistischen Staaten mit Berufsverbot belegt, interniert, ins Exil getrieben; einer \u2013 Karlrobert Kreiten \u2013 ist 1943 in Berlin wegen \u00abFeindbeg\u00fcnstigung und Wehrkraftzersetzung\u00bb hingerichtet worden. (Es gibt unter den hier Gew\u00fcrdigten auch manche Mitl\u00e4uferinnen und Regime-Sympathisanten.) <\/p>\n<p> Die Geschichte des 20. Jahrhunderts hat die Biografien, die nationalen Klavierschulen mit ihren tonangebenden Lehrern, die Schwerpunkte des Repertoires, die Konzertprogramme, die Interpretation und den Stil, die Vorstellungen des Klavierklangs, den Wettbewerbstourismus, die Art der Rezeption und der Kritik gepr\u00e4gt. Dies alles ist in die differenzierten W\u00fcrdigungen eingeflossen, die Verst\u00e4ndnis und Ohr sch\u00e4rfen f\u00fcr den Reichtum der Klaviermusik und die Vielfalt individueller Interpretation. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Ingo Harden \/ Gregor Willmes: PianistenProfile. 600 Interpreten: ihre Biografie, ihr Stil, ihre Aufnahmen. Unter Mitarbeit von Peter Seidle. Mit vielen Portr\u00e4t-Fotografien. B\u00e4renreiter-Verlag, Kassel 2008. 798 Seiten. \u20ac 69,\u2013. Fr. 124.20.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>19.08.2009 &#8212; Der \u00e4lteste in diesem gewichtigen Band gew\u00fcrdigte Pianist, sieht man von Brahms mit Jahrgang 1833 ab, ist im&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-692","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buchbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/692","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=692"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/692\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=692"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=692"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=692"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}