{"id":70,"date":"2014-01-06T10:51:36","date_gmt":"2014-01-06T10:51:36","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/06\/musiktherapie-und-neurorehabilitation\/"},"modified":"2014-01-06T10:51:36","modified_gmt":"2014-01-06T10:51:36","slug":"musiktherapie-und-neurorehabilitation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/06\/musiktherapie-und-neurorehabilitation\/","title":{"rendered":"Musiktherapie und Neurorehabilitation"},"content":{"rendered":"<p>13.07.2011<\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><strong>An der j\u00e4hrlich von den Musiktherapeuten der Rehaklinik Bellikon organisierten Tagung zu den Entwicklungen in ihrer Disziplin standen heuer die Neurorehabilitation und die Frage, welche Chancen musikalische T\u00e4tigkeiten in der Arbeit mit alten Menschen bieten, im Zentrum.<\/strong><\/p>\n<p> In einer Einf\u00fchrung wies der Tagungsleiter Joachim Marz auf die Perspektiven hin, welche die Neurorehabilitation der Musiktherapie \u00f6ffnet und umgekehrt. Es gelte, die Musiktherapie mit st\u00f6rungsspezifischen Behandlungsans\u00e4tzen in der Neurorehabilitation besser zu verankern. Dazu m\u00fcssten allerdings die musiktherapeutischen Methoden differenziert und die Indikationen klarer herausgearbeitet werden.<\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211; <br \/><strong>Die Weblinks<\/strong><br \/> Rehaklinik Bellikon:<br \/><a href=\"http:\/\/www.rehabellikon.ch\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.rehabellikon.ch<\/a><br \/> Forum Musiktherapeutischer Weiterbildung Schweiz (berufsbegleitende Ausbildung Musiktherapie mit Instrumentenbau):<br \/><a href=\"http:\/\/www.fmws.ch\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\"> www.fmws.ch<\/a><br \/> &#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><br \/> Unerl\u00e4sslich sei es dazu, einheitliche Methoden zu entwickeln, die zeitgem\u00e4ssen Kriterien der Evidenz und den Erwartungen der Auftraggeber gegen\u00fcber Bestand h\u00e4tten. Es m\u00fcsse offensichtlicher werden, welche spezifischen Wirkfaktoren die Musiktherapie kennzeichneten. Um die Zukunft der Therapeuten sicherzustellen, seien sinnvolle Massnahmen der Qualit\u00e4tssicherung unabdingbar.<\/p>\n<p> <strong> Gerhard Tucek: Musiktherapie bei Bewusstseinsgetr\u00fcbten<\/strong><\/p>\n<p> Der \u00f6sterreichische Musiktherapeut Gerhard Tucek, der auch als Leiter der Musiktherapeuten-Ausbildung an der IMC Fachhochschule Krems amtet, zeigte zu Beginn seines Referates auf, dass \u00d6sterreich in Sachen Regulierungen der Facht\u00e4tigkeit schon weiter ist. Das Land kennt seit Juli 2009 ein eigentliches Musiktherapie-Gesetz. Es anerkennt die Musiktherapie als eigenst\u00e4ndige, wissenschaftlich-k\u00fcnstlerisch-kreative Therapieform. Dank dem Gesetz k\u00f6nnen Musiktherapeuten mit Bachelor-Abschluss in medizinischen Behandlungen Mitverantwortung \u00fcbernehmen. Solche, die \u00fcber einen Master verf\u00fcgen, k\u00f6nnen eigene Praxen er\u00f6ffnen. <\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 200px;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><span class=\"txt-s-black\"> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/bilder\/2011\/110704bellikon_1.jpg\" border=\"0\" \/> <\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><center><span class=\"txt-s-black\"><strong>Joachim Marz<\/strong><\/span><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><br \/> An Tuceks Wirkungsort Krems ist die Musiktherapie-Ausbildung an eine Landesklinik mit 27 H\u00e4usern angedockt. Dort arbeiten die Therapeuten auch auf der Intensivstation. Da sei es, so Tucek, sinnvoll, auch die anthropologische Seite im Blick zu behalten. Verschiedene \u00abV\u00f6lker\u00bb agierten in dieser Umgebung gemeinsam, \u00c4rzte, Pflegepersonal, Physiotherpeuten und so weiter. Dort, wo jede ihrer Perspektiven Sinn ergebe und integriert w\u00fcrde, entstehe Interdisziplinarit\u00e4t. Die Musiktherapeuten amteten in diesem Vielv\u00f6lkerstaat als \u00abBeziehungsschaffer vom Dienst\u00bb. Ihre St\u00e4rke sei es vor allem, Zeit zu haben, gerade auch in der Kontaktnahme mit Patienten. <\/p>\n<p> Intensivstationen sind laut Tucek bestimmt von einem hohen Technisierungsgrad. Der L\u00e4rmpegel ist sehr hoch und die Patienten stumpfen ab und werden in gewisser Hinsicht depersonalisiert. Obwohl \u00c4rzte, Pfleger und Therapeuten sich bewusst sind, dass Bewusstlosigkeit nicht Wahrnehmungslosigkeit bedeutet, sprechen sie am Patientenbett immer noch h\u00e4ufig <em>\u00fcber<\/em> den Patienten und nicht <em>mit<\/em> ihm. <\/p>\n<p> Zur kontinuierlichen \u00dcberpr\u00fcfung der eigenen Arbeit und damit nicht zuletzt die auftraggebenden \u00c4rzte eine Vorstellung davon erhalten, was die Therapeuten in der Arbeit mit den Patienten zu erreichen in der Lage sind, hat Tucek eigene qualit\u00e4tssichernde Instrumente entwickelt. Zum Einen bestehen sie aus einer sorgf\u00e4ltigen, videogest\u00fctzten Dokumentation der Arbeit. Die entsprechende Ausbildung geh\u00f6rt denn auch zum Standard der Therapeutenschulung in Krems. <\/p>\n<p> Einzelfallsbescheibungen, wie sie nach dem Aufkommen der evidenzbasierten Therapien gegen\u00fcber den notorisch beschworenen statistischen Untersuchungen zum Wirkungsnachweis etwas in den Hintergrund geraten sind, spielen in Krems wieder eine wichtige Rolle. <\/p>\n<p> Dabei bleibt es allerdings nicht. Ver\u00e4nderungen in Wachkoma-Patienten, die nicht verbal befragt werden k\u00f6nnen, werden zum Andern mit physiologischen Indikatoren nachgewiesen. Tucek hat dazu Instrumente entwickelt, mit der die Herzraten-Variabilit\u00e4t, ein wichtiger Gesundheits- und Stressindikator, gemessen werden kann. Dabei zeigte sich etwa \u00fcberraschenderweise, dass sich gelingende Kontaktnahmen in Synchronisations-Ph\u00e4nomenen zwischen Patient und Therapeut vorank\u00fcndigen. <\/p>\n<p> Tucek mahnte, dass sich die Musiktherapeuten-Gemeinde nicht damit aufhalten sollte, dar\u00fcber zu streiten, welches nun die \u00abrichtige\u00bb Musiktherapie-Schule sei. Vielmehr gehe es darum, als Disziplin Fragen zu beantworten, die von \u00e4rztlichen Direktoren und von der \u00d6konomie in Kliniken an sie herangetragen w\u00fcrden. Damit legitimiere sie sich im Klinikalltag \u2013 im Interesse des Patienten. <\/p>\n<p> <strong> Astrid S\u00f6the-R\u00f6ck: Musik im Alter und mit Demenz<\/strong><\/p>\n<p> Die Heidelberger Musikwissenschaftlerin Astrid S\u00f6the-R\u00f6ck, die auch in einem Netzwerk Alternsforschung der Universit\u00e4t Heidelberg aktiv ist, berichtete von den Erfahrungen beim Musizieren mit \u00e4lteren Menschen und Alzheimerdementen. Sie wies zun\u00e4chst darauf hin, dass der Begiff des Alters erkl\u00e4rungsbed\u00fcrftig ist. Heute sind bereits ein F\u00fcnftel der hiesigen Bev\u00f6lkerung \u00fcber 65 Jahre alt. Dieser Anteil wird in den kommenden Jahrzehnten noch deutlich steigen. <\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 260px;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><span class=\"txt-s-black\"> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/bilder\/2011\/110704bellikon_2.jpg\" border=\"0\" \/> <\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><center><span class=\"txt-s-black\"><strong>Astrid S\u00f6the-R\u00f6ck<\/strong><\/span><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><br \/> Es wird deshalb mittlerweile ein drittes und viertes Lebensalter unterschieden, wobei die Grenze je nach Definition irgendwo zwischen dem 75. und 80. Lebensjahr liegt. Themen im vierten Lebensjahr sind Vereinsamung (die fr\u00fcheren Freunde sind gestorben) und Krankheit. Die \u00abjungen Alten\u00bb ab 60 Jahren wiederum sind geistig und k\u00f6rperlich deutlich j\u00fcnger als fr\u00fchere Generationen. <\/p>\n<p> Da die Neurowissenschaften mehr an den ersten als den letzten Lebensjahren des Menschen interessiert sind, existieren heute noch sehr wenig gesicherte Daten \u00fcber die Einfl\u00fcsse der Musik und des Musizierens im Alter. Die Alten, obwohl sehr zahlreich, werden zudem auch als Zielgruppe f\u00fcr Musikschulen noch nicht wahrgenommen, bedauerte S\u00f6the-R\u00f6ck.<\/p>\n<p> Aktiv zu Musizieren oder damit gar erst zu beginnen, wird mit jugendlicher Lernbegierde und Emotionalit\u00e4t verbunden. Zwar existieren Seniorenorchester, sie rekrutieren ihre Mitglieder allerdings aus fr\u00fcheren Berufsleuten \u2013 eventuell solche, die aus famili\u00e4ren oder andern Gr\u00fcnden das Instrument \u00fcber l\u00e4ngere Zeit weggelegt haben \u2013 und Laien, die ein Leben lang Musik gemacht haben. Sie erfahren die wiederaufgenommene T\u00e4tigkeit im Orchesterganzen als wesentlichen Zugewinn von Lebensqualit\u00e4t. <\/p>\n<p> Die Musiktherapie kann, davon zeigte sich S\u00f6the-R\u00f6ck \u00fcberzeugt, f\u00fcr einen weiteren Nutzniesserkreis positive Wirkungen zeigen. Um die Langzeiteffekte zuverl\u00e4ssig nachweisen zu k\u00f6nnen, m\u00fcsse allerdings noch viel methodische Arbeit geleistet werden. Mit mehr gesicherten Daten k\u00f6nnte auch mit mehr Nachdruck auf f\u00f6rdernde Rahmenbedingungen gedr\u00e4ngt werden. <\/p>\n<p> Entgegen kommt der Musiktherapie im Falle von Altersdemenz, dass der H\u00f6rsinn und die emotionale Ebene der Kommunikation vom Abbau an F\u00e4higkeiten nicht betroffen sind. Das Ohr bleibt also offen f\u00fcr Erfahrungen, die in einer Pflegesituation den mentalen Zerfall verz\u00f6gern und Depressionen lindern k\u00f6nnen. <\/p>\n<p> Im Zentrum steht dabei die Hypothese der kognitiven Reserve. Sie besagt, dass die physische Degeneration mit einer allgemeine aktiven Lebensweise \u2013 dazu geh\u00f6ren auch gesunde Ern\u00e4hrung und k\u00f6perliche Bewegung \u2013 zwar nicht aufgehalten werden kann, sich aber kognitive Reserven mobilisieren lassen, die den Abbau verz\u00f6gern. <\/p>\n<p> <strong>Jens Peter Rose: Gruppenmusiktherapie mit dem Monochord <\/strong><\/p>\n<p> Der Freiburger Musiktherapeut Jens-Peter Rose erl\u00e4uterte in seiner Pr\u00e4sentation, wie er in der onkologischen Rehabilitation mit dem Monochord arbeitet. Er erinnerte an mehrere Studien, die unter anderem Hinweise darauf geben, dass das H\u00f6ren von Musik bei Betroffenen Ged\u00e4chtnisleistungen verbessert, zur Fokussierung der Konzentration und zur Stimmungsaufhellung beitr\u00e4gt. Bekannt ist auch, dass dank Musikkonsum die Verabreichung von Schmerzmedikamenten gesenkt werden kann. <\/p>\n<p> Interessant sind die Befunde, weil Menschen mit oder nach einer Krebserkrankung nicht zuletzt darum k\u00e4mpfen, wieder zu innerem Gleichgewicht und einem hamonrischen K\u00f6rperbild zur\u00fcckzufinden. Mit Hilfe des Monochordes setzt Rose sie in rund dreiviertelst\u00fcndigen Sitzungen rhymthmisch-fliessenden Kl\u00e4ngen aus, die wie Verxierbilder immer wieder neue Muster bilden. <\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 260px;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><span class=\"txt-s-black\"> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/bilder\/2011\/110704bellikon_3.jpg\" border=\"0\" \/> <\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><center><span class=\"txt-s-black\"><strong>Jens-Peter Rose<\/strong><\/span><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><br \/> Die entspannende Situation kann dazu f\u00fchren, dass die unter hohem psychischem und physischem Druck stehenden Patienten einfach einschlafen oder aber nach ihren eigenen Angaben in der eigenen Gedankenwelt extem gefangen bleiben. Statistisch zeigt sich in den Auswertungen der Sitzungen allerdings auch, dass die Teilnehmer der Sitzungen intensiveren Zugang zu inneren Bildern, Farben und Emotionen entwickeln. <\/p>\n<p> Sie erleben die Kl\u00e4nge als hilfreich und unterst\u00fctzend in Bezug auf das psychische Wohlbefinden, allerdings ohne dass ein signifikanter Energiezuwachs erfahren w\u00fcrde. Die Monochord-Therapie bietet sich in Roses \u00dcberzeugung deshalb als Alternative zu andern Entspannungsverfahren wie etwa der Progressiven Muskelrelaxation (PMR) an. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>13.07.2011 An der j\u00e4hrlich von den Musiktherapeuten der Rehaklinik Bellikon organisierten Tagung zu den Entwicklungen in ihrer Disziplin standen heuer&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[],"class_list":["post-70","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-musiktherapie","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=70"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=70"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=70"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=70"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}