{"id":704,"date":"2014-01-11T21:29:14","date_gmt":"2014-01-11T21:29:14","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/musik-konzepte-bohuslav-martinu\/"},"modified":"2014-01-11T21:29:14","modified_gmt":"2014-01-11T21:29:14","slug":"musik-konzepte-bohuslav-martinu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/musik-konzepte-bohuslav-martinu\/","title":{"rendered":"Musik-Konzepte: Bohuslav Martin\u016f"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2010\/mart10110.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>12.01.2010 &#8212; Er hat ein reiches, ein vielseitiges \u0152uvre hinterlassen, etwa 400 Kompositionen, darunter 14 Opern, 15 Ballette, 12 Oratorien und Kantaten, 6 Sinfonien, Instrumentalkonzerte und Kammermusik. Im Konzertleben konnte sich Bohuslav Martin\u016f (1890\u20131959) bis heute nicht als feste Gr\u00f6sse etablieren. Dass dies keineswegs an der Qualit\u00e4t seines Schaffens liegt, wird aus der Lekt\u00fcre des ihm gewidmeten Sonderbands der Reihe Musik-Konzepte deutlich. <\/p>\n<p> Die neun in chronologischer Folge angeordneten Aufs\u00e4tze, die den Lebensstationen des tschechischen Meisters und seiner k\u00fcnstlerischen Entwicklung nachgehen und ein aussagekr\u00e4ftiges Bild seiner Pers\u00f6nlichkeit und seines Schaffens vermitteln, basieren auf dem Symposium \u00abBohuslav Martin\u016f \u2013 Werk und Wirkung\u00bb, das im Mai 2009 anl\u00e4sslich des 50. Todestags in Dresden durchgef\u00fchrt wurde. <\/p>\n<p> Im einleitenden Beitrag gibt Ales Brezina einen \u00dcberblick \u00fcber Leben und Werk des Autodidakten Martin\u016f von der ersten, sp\u00e4tromantisch gepr\u00e4gten Periode in Prag, der 1923 anschliessenden in Paris, wo er zu einer radikalen Wende der \u00e4sthetischen Ausrichtung fand, \u00fcber das Exil in den USA (1941\u20131953) bis zu den letzten Jahren in Frankreich, Italien und der Schweiz. \u2013 \u00abAufgrund seiner F\u00e4higkeit, immer neue Experimente mit seiner spezifischen Musiksprache ,logisch\u2019 zu verbinden, geh\u00f6rt Martin\u016f zu den innovativsten Komponisten seiner Zeit.\u00bb (Seite 12) <\/p>\n<p> Sinfonische Kompositionen der tschechischen Periode (1905\u20131923) vor dem Hintergrund des Prager Milieus untersucht Sandra Bergmannova. Das so gut wie unerforschte, an die sp\u00e4tromantische Tradition ankn\u00fcpfende, impressionistische Harmonik einbeziehende Fr\u00fchwerk umfasse 135 Kompositionen (Brezina schreibt von 150; bei Gabrielova sp\u00e4ter ist von \u00abmehr als 100 erhaltenen Werken und Werkfragmenten\u00bb die Rede). Die Quellenlage aus dieser Anfangszeit ist d\u00fcrftig: Mangels Drucken sind schwer greifbare Autografen die einzige Grundlage f\u00fcr die Forschung. <\/p>\n<p> Eva Velicka entdeckte 2005 in der d\u00e4nischen k\u00f6niglichen Bibliothek das Manuskript des jahrzehntelang verschollenen Streichtrios Nr. 1. Am Beispiel dieser kurzen dreis\u00e4tzigen Komposition, einem Wendepunkt in Martin\u016fs Werk der 1920er Jahre, arbeitet Velicka den \u00dcbergang des Komponisten von der tschechischen in die franz\u00f6sische Phase heraus. <\/p>\n<p> Unter den sieben Streichquartetten, die Martin\u016f zwischen 1918 und 1947 schrieb, fallen vier in die Pariser Zeit. Zwei davon, Nr. 2 und Nr. 3 (1925 bzw. 1929), stellt Stefan Weiss ins Zentrum seiner Studie \u00abTradition und Revolution in Martin\u016fs fr\u00fchen Streichquartetten\u00bb, in der er der Frage nachgeht, wie sich die neue, auf die Auseinandersetzung mit Strawinsky zur\u00fcckgehende Haltung mit dem traditionellen Beethovenschen Ideal kreuzt. <\/p>\n<p> Grundlegende Konstanten des Opernschaffens und Martin\u016fs Theater\u00e4sthetik als Gegenentwurf zum Musikdrama erl\u00e4utert Ivana Rentsch an \u00abThe Greek Passion\u00bb (1954\u20131959) in ihrem Beitrag \u00abDie Poesie der Oper\u00bb. \u2013 \u00abWas Martin\u016f zeitlebens zu \u00fcberwinden suchte, war eine im fr\u00fchen 20. Jahrhundert zur Konvention erstarrte Opernpraxis [\u2026]. Indem Martin\u016fs \u00e4sthetische Pr\u00e4missen den gerade aktuellen Str\u00f6mungen nicht erkennbar unterworfen waren und vielmehr sein kompositorisches Denken \u00fcber 30 Jahre von denselben Konstanten bestimmt wurde, erscheint die musikhistorische Zeit gleichsam suspendiert.\u00bb (Seite 77) <\/p>\n<p> Entsetzen, Anklage, Trauer, Protest, Aufschrei: Klaus D\u00f6ge schildert in seinen \u00abAnmerkungen zu Martin\u016fs ,Memorial to Lidice\u2019\u00bb ausf\u00fchrlich den Anlass zur Komposition (die Vernichtung des Dorfes Lidice und die Ermordung seiner Einwohner im Juni 1942 durch Nazi-Schergen), den Aufbau, den musikalischen Ausdruck und die Bedeutungsebenen des kurzen Werks f\u00fcr grosses Orchester (1943). <\/p>\n<p> Martin\u016fs in Paris geschriebene konzertante Musik f\u00fcr Kammerorchester und die Bedeutung des Klaviers sowie das den Komponisten inspirierende k\u00fcnstlerische Umfeld in der Seinestadt beleuchtet Daniela Philippi. Sie analysiert im Einzelnen die Jazz-Suite (1928) und das Doppelkonzert (1938). <\/p>\n<p> Wolfgang Rathert nimmt Martin\u016fs Sinfonien unter die Lupe (Untertitel: Ein Beitrag zur amerikanischen Musikgeschichte?). \u2013 \u00abAuch die Sinfonien Martin\u016fs geben Antworten auf Fragen, die an die Sinfonie als Gattung gestellt werden \u2013 und Martin\u016f hat es selbst auch so empfunden, allerdings nicht als Indiz einer Krise.\u00bb <\/p>\n<p> Den Bogen zur\u00fcck schl\u00e4gt Jarmila Gabrielova in ihrem Aufsatz, in dem sie die Wandlungen der Martin\u016f-Rezeption in B\u00f6hmen zu Lebzeiten des Komponisten ab 1919 bis kurz nach seinem Tod skizziert. Sie kommt zum Ergebnis, dass der Komponist erst anerkannt, dann ab 1924 als Modernist und Strawinsky-Adlatus abgelehnt wurde. In den Dreissigerjahren wurde er als ein Nationalkomponist wahrgenommen, unter den Nazis und dann den Kommunisten verfemt. Erst ab 1953\/1954 war der Bann, der \u00fcber ihm und seinem Schaffen lag, in seiner Heimat gebrochen. <\/p>\n<p> Der mit zwei Illustrationen und vielen Notenbeispielen versehene Sonderband schliesst mit den Abstracts, bibliografischen Hinweisen, der Zeittafel zu Leben und Werk Martin\u016fs und den Kurzbiografien der Autorinnen und Autoren. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Bohuslav Martin\u016f. Reihe Musik-Konzepte, Sonderband. Neue Folge, herausgegeben von Ulrich Tadday. XI\/2009, edition text + kritik im Richard Boorberg Verlag, M\u00fcnchen. 160 Seiten mit Abbildungen und Notenbeispielen. \u20ac 20,\u2013. Fr. 34.50. <\/p>\n<p> siehe auch: <a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/rezensionen_ind2.php?art=79\">Martin\u016f, der Sinfoniker<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>12.01.2010 &#8212; Er hat ein reiches, ein vielseitiges \u0152uvre hinterlassen, etwa 400 Kompositionen, darunter 14 Opern, 15 Ballette, 12 Oratorien&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-704","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buchbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/704","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=704"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/704\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=704"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=704"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=704"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}