{"id":707,"date":"2014-01-12T09:09:08","date_gmt":"2014-01-12T09:09:08","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/ingo-metzmachers-vorhang-auf\/"},"modified":"2014-01-12T09:09:08","modified_gmt":"2014-01-12T09:09:08","slug":"ingo-metzmachers-vorhang-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/ingo-metzmachers-vorhang-auf\/","title":{"rendered":"Ingo Metzmachers \u00abVorhang auf!\u00bb"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2010\/100215metzmacher.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>16.02.2010 &#8212; Ingo Metzmacher, der Chefdirigent des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin, hat schon ein Buch geschrieben, das einem breiteren Publikum einen Zugang zum zeitgen\u00f6ssischen Musikschaffen \u00f6ffnen wollte (\u00abKeine Angst vor neuen T\u00f6nen\u00bb). Mit \u00abVorhang auf! Oper entdecken und erleben\u00bb scheint er nun soziologisch gesehen sozusagen f\u00fcrs entgegengesetzte Lager zu werben, wird dem Futuristischen der Neuen Musik und ihrem Publikum doch das Nostalgische der Opernanh\u00e4nger gerne gegen\u00fcbergestellt. Der Kontrast ist allerdings bloss ein scheinbarer, denn nicht Mozart, Wagner, Weber Verdi und Puccini (die auch vorkommen) stehen in dem Buch im Mittelpunkt. Gewicht legt Metzmacher viel mehr auf Schl\u00fcsselwerke des 20. Jahrhundert, darunter Schostakowitschs \u00abLady Macbeth von Mzensk\u00bb, Hans Werner Henzes \u00abBassariden\u00bb, Bernd Alois Zimmermanns \u00abSoldaten\u00bb, Bela Bartoks \u00abHerzog Blaubarts Burg\u00bb \u2013 und mit Wolfgang Rihms \u00abDionysos\u00bb sogar auf eine noch nicht einmal wirklich geschriebene Oper. <\/p>\n<p> Sozusagen als Entr\u2019actes (oder wie in Mussorgskys \u00abBilder einer Ausstellung\u00bb Promenaden) wirken zwischen den Nacherz\u00e4hlungen der Handlungen Schlaglichter auf die Entstehung einer Inszenierung von Alban Bergs \u00abWozzeck\u00bb; es handelt sich offensichtlich um die vielgelobte Hamburger Produktion mit Peter Konwitschny als Regisseur, der das expressionistische Drama in einem kahlen Raum spielen liess und damit die Psychogramme der zutiefst ungl\u00fccklichen Protagonisten besonders unerbittlich herausarbeitete. <\/p>\n<p> Metzmachers Sprache ist gepr\u00e4gt von auffallend kurzen S\u00e4tzen, die sich lesen, als bildeten sie die Taktstruktur einer imaginierten Partitur. Damit entwickelt sie einen seltsamen rhythmischen Sog, dem man sich als Leser kaum entziehen kann, und dies bereits in den ersten Worten des Buches: \u00abBelebtes Gemurmel. Programmblattgebl\u00e4tter. Knisternde Spannung im sich f\u00fcllenden Raum. Der Vorhang ist geschlossen. Der Blick verwehrt. Was h\u00e4ngt vor was, was soll verborgen werden?\u00bb <\/p>\n<p> In den Nacherz\u00e4hlungen scheint Metzmacher in einer zugleich distanzierten und empathischen Art \u00fcberdies mit den Hauptfiguren mitzugehen. Er offenbart so einen subjektiven, aber nicht bevormundenden eigenen Blick auf die Opern \u2013 eine sympathische Anleitung zu eigenen Entdeckungen.<\/p>\n<p> Eigent\u00fcmlich ist dieser Blick auch, weil der Autor als Dirigent spricht und hier und nicht selten auf interessante praktische Probleme in der Interpretation der Musik hinweist oder den Sinn von Phrasen, Instrumentierungen oder dramaturgischen Kunstgriffen allgemeinverst\u00e4ndlich erl\u00e4utert. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Ingo Metzmacher: Vorhang auf! Oper erleben und entdecken, Rowohlt Berlin 2009, 222 Seiten, ISBN 978 3 87134 576 0. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>16.02.2010 &#8212; Ingo Metzmacher, der Chefdirigent des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin, hat schon ein Buch geschrieben, das einem breiteren Publikum einen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-707","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buchbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/707","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=707"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/707\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=707"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=707"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=707"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}