{"id":712,"date":"2014-01-12T09:11:50","date_gmt":"2014-01-12T09:11:50","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/auftakt-zur-reger-werkausgabe-rwa\/"},"modified":"2014-01-12T09:11:50","modified_gmt":"2014-01-12T09:11:50","slug":"auftakt-zur-reger-werkausgabe-rwa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/auftakt-zur-reger-werkausgabe-rwa\/","title":{"rendered":"Auftakt zur Reger Werkausgabe (RWA)"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2010\/reger10610.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>12.06.2010 &#8212; Nun liegt er vor, Band I\/1 der Reger Werkausgabe. Das Revolution\u00e4re daran: Die Neuedition umfasst neben dem gedruckten Band eine digitale Ausgabe auf DVD. Diese doppelte Pr\u00e4sentation setzt Massst\u00e4be und er\u00f6ffnet neue Perspektiven auf die Editionspraxis und die Rezeption musikalischer Werke. <\/p>\n<p> Um Missverst\u00e4ndnissen vorzubeugen: Bei dieser Hybrid-Ausgabe der sieben Choralphantasien handelt es sich nicht um eine auf DVD angebotene digitale Fassung des gedruckten Bandes (wie bei der Neuen Mozart Ausgabe nma online). Vielmehr zeichnet sie sich aus durch eine bis ins Detail mediengerechte Umsetzung, die den Nutzern neue M\u00f6glichkeiten bietet. <\/p>\n<p> Nat\u00fcrlich findet sich auf der DVD-ROM auch der Bestand der gedruckten Ausgabe: die Partituren, die Erl\u00e4uterungen der Herausgeber, der Kritische Bericht. Doch dazu kommen als Novum die bildbasierten Inhalte. W\u00e4hrend in den traditionellen Textb\u00e4nden nur einzelne Abbildungen beigezogen werden k\u00f6nnen, bietet das digitale Medium in F\u00fclle Raum f\u00fcr Bildmaterial: zeitgen\u00f6ssische Fotografien und vollst\u00e4ndige farbige Quellenfaksimiles der Kompositionen. <\/p>\n<p> Eine zweite Besonderheit: Die Inhalte eines digitalen Mediums stehen nicht in sequentieller Reihenfolge oder tabellarischer Aufstellung wie im gedruckten Buch. Text- und farbiger Bildteil (inbegriffen die erhaltenen Quellen und die edierten Partituren) der DVD sind miteinander verzahnt: Das Hypertext-Prinzip mit seiner netzartigen Struktur erm\u00f6glicht es den Ben\u00fctzern, eigene Strategien zum Erschliessen des Stoffes zu entwickeln. <\/p>\n<p> Das heisst: Im Unterschied zu einer gedruckten Werkausgabe folgt der Nutzer nicht dem Pfad, der von den Herausgebern vorgezeichnet wurde, sondern w\u00e4hlt seinen eigenen, vom aktuellen Bedarf gepr\u00e4gten Zugang. (Dass diese Vorteile sich in Ausgaben etwa literarischer oder historischer Werke und Lexika schon seit etlicher Zeit bew\u00e4hrt haben, sei angemerkt.) Das heisst aber auch, dass sich die Editoren von Hybrid-Ausgaben vor neue Herausforderungen gestellt sehen. Denn vieles, das bisher wortreich erl\u00e4utert werden musste, kann nun unmittelbar durch Zugriff auf die relevanten Quellen vor Augen gef\u00fchrt werden. <\/p>\n<p> <strong>Das Edirom-Projekt<\/strong><\/p>\n<p> Weil Editionen auf Papier immer teurer werden, der Abbildungsteil dabei beschr\u00e4nkt bleibt und das Bed\u00fcrfnis nach umfassender Information steigt, wurde das Interesse an einer ad\u00e4quaten digitalen Publikationsform musikalischer Werke wach. <\/p>\n<p> Den Prototyp entwickelte Ralf Schnieder ab 2002, konkret angeregt durch die geplante Herausgabe des Klarinettenquintetts von Carl Maria von Weber. Seit Anfang 2006 f\u00f6rdert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) das Edirom-Projekt an der Universit\u00e4t Paderborn zur \u00abEntwicklung von Werkzeugen f\u00fcr digitale Formen wissenschaftlich-kritischer Musikeditionen\u00bb.<\/p>\n<p> Das Edirom-Projekt wird das Verst\u00e4ndnis von Musikeditionen grundlegend ver\u00e4ndern: Der modulare Aufbau der Werkzeuge f\u00fchrt zu neuen Technologien in der Musikphilologie, erlaubt das direkte Erschliessen aller Originalquellen, bietet Einsicht in die Entscheidungen des Editionsteams und erleichtert es, wissenschaftliche Erkenntnisse effizienter in die musikalische Praxis zu tragen. <\/p>\n<p> <strong>Die Max-Reger-Ausgabe<\/strong><\/p>\n<p> Am Max-Reger-Institut (MRI) in Karlsruhe wird in Kooperation mit dem Institut f\u00fcr Musikwissenschaft und Musikinformatik der Hochschule f\u00fcr Musik Karlsruhe seit 2008 die Reger Werkausgabe erarbeitet, ein Projekt der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz. <\/p>\n<p> Geplant sind 27 B\u00e4nde als Hybrid-Editionen, vorgelegt in drei Abteilungen: I. Orgelwerke (7 B\u00e4nde), II. Lieder und Ch\u00f6re (9 B\u00e4nde) sowie III. Bearbeitungen von Werken anderer Komponisten (11 B\u00e4nde). Die zwischen 1954 und 1986 vorgelegte \u2013 nicht vollst\u00e4ndige \u2013 Gesamtausgabe umfasst 38 B\u00e4nde.) <\/p>\n<p> Der Er\u00f6ffnungsband enth\u00e4lt die sieben Choralphantasien f\u00fcr Orgel von Max Reger (1873\u20131916). Er komponierte sie in einem Schub enormer Produktivit\u00e4t im Elternhaus in Weiden (Oberpfalz), wohin sich der scheinbar Gescheiterte 1898 nach einer gravierenden Lebens- und Schaffenskrise zur\u00fcckgezogen hatte, innerhalb von knapp zweieinhalb Jahren. Vorab dank dem Interpreten Karl Straube erfuhren die nach Strophen gegliederten Phantasien \u00fcber protestantische Chor\u00e4le breite Anerkennung, z\u00e4hlen zu den popul\u00e4rsten Werken Regers. <\/p>\n<p> <strong>Der Notenband<\/strong><\/p>\n<p> Der Band (Folio-Hochformat 25,5 x 33 cm; 163 Seiten), der die Partituren der Choralphantasien in grossz\u00fcgigem Druckbild samt den ihnen zugrund liegenden Choraltexten enth\u00e4lt, umfasst (in Deutsch und Englisch) Bemerkungen zur Reger Werkausgabe und zu den Richtlinien der vorliegenden Edition (Regers Arbeitsweise; Quellen\u00fcberlieferung und -bewertung; Abweichungen der RWA von der Leitquelle Erstdruck bzw. Stichvorlage), die Chronologie aller Orgelwerke Regers (1890\u20131916), die Einleitung (biografischer Kontext; Konzeption der Phantasien; Manuskripte f\u00fcr Karl Straube; Entstehung und Drucklegung; fr\u00fche Rezeption) sowie den Kritischen Bericht. <\/p>\n<p> <strong>Die DVD-ROM<\/strong><\/p>\n<p> Die im Band enthaltenen Materialien finden sich auch auf der DVD; sie belegen dort allerdings nur einen kleinen Teil der 6 GB. Aufgrund des grossen Speicherbedarfs muss die von der DVD nicht lauff\u00e4hige Software auf dem Zielrechner installiert werden \u2013 die Dauer dieses Prozederes kann bis zu 60 Minuten betragen! Die Geduld lohnt sich. <\/p>\n<p> Auf der Startseite w\u00e4hlt man eine der Choralphantasien (man kann auch auf das Benutzerhandbuch oder auf Links zum Carus-Verlag, zum Edirom-Projekt und zum Reger-Institut zugreifen). Auf der sich \u00f6ffnenden Benutzeroberfl\u00e4che, dem Desktop, findet sich die Men\u00fczeile mit allen wesentlichen Funktionen der Edirom, rechts aussen das Suchfeld, darunter der Navigator mit den Inhalten der Edition. Am unteren Rand bietet die Statusleiste die individuelle Organisation ge\u00f6ffneter Fenster. <\/p>\n<p> Zum Stichwort individuell: Wer sich bei B\u00fcchern nach einem Blick ins Inhaltsverzeichnis der Lekt\u00fcre zuwenden kann, steht hier zuerst vor der Konsultation des Edirom-Handbuchs, dem Aufwand des Einarbeitens, des Erkundens der vielf\u00e4ltigen Funktionen und des Netzes von Bez\u00fcgen. <\/p>\n<p> Nach der Hauptauswahl einer Choralphantasie lassen sich via Navigator Texte, Notentexte oder Anmerkungen \u00f6ffnen. Mit dem Konvolut von Texten und Briefen verkn\u00fcpft sind ein reichhaltiger Bestand an farbigen Bilddokumenten und hochaufl\u00f6sende Scans der Partituren: je nach Quellenlage Entwurf, Erstschrift, Erstdruck, Zweitschrift, Stichvorlage und Werkausgabe (RWA). Die Texte lassen sich in drei Schriftgr\u00f6ssen darstellen, die Noten in Zehnerschritten von 10 bis auf 200 Prozent vergr\u00f6ssern. <\/p>\n<p> Die Partituren k\u00f6nnen auf bis zu vier Desktops \u00fcbersichtlich organisiert und miteinander verglichen werden. Einblendbar sind Taktz\u00e4hlung und Taktnavigation (auch synchron in allen ge\u00f6ffneten Werken) und die Anmerkungssymbole (in 3 Priorit\u00e4ten); \u00fcber diese werden die zugeordneten Faksimile-Ausschnitte aktiviert. <\/p>\n<p> Ein Ausdruck ist nicht m\u00f6glich, und die erarbeiteten Darstellungen auf den Desktops bleiben nach dem Beenden der Edirom nicht gespeichert. <\/p>\n<p> <strong>Enzyklop\u00e4dische Materialf\u00fclle<\/strong><\/p>\n<p> Wo immer man eintritt, findet man sich alsbald inmitten eines breit und tief gestaffelten Reger-Kompendiums, in dessen Zentrum die Werke, ihr Umfeld und ihr Autor stehen. Den dicht gesetzten Links folgend, greift man \u2013 dies nur einige Beispiele \u2013 zu auf Bilder (alte Postkarten mit St\u00e4dten, sakralen und profanen Geb\u00e4uden, Orgeln, Portr\u00e4ts), auf Dokumente, Briefe und Postkarten (original und transkribiert, wobei die Mitteilungen zu Orgelwerken gelb hinterlegt sind), im Textteil auf Personen, ihre Biografie, ihr Bezug zu Reger (Orgelbauer, Orgelbaufirmen, Organisten, Verleger, Dirigenten, Dichter, Maler), Wirkungsst\u00e4tten Regers, Kirchen mit ihrer Geschichte, ihren Orgeln und deren Disposition. <\/p>\n<p> Eine digitale Musikedition will die gedruckte Ausgabe nicht ersetzen. Die Kombination von Buch und Datentr\u00e4ger, wie sie der RWA zugrunde liegt, dient der musikalischen Praxis und der Forschung. Organisten wie Musikwissenschaftler k\u00f6nnen s\u00e4mtliche Originalquellen, ihre Textschichten und Korrekturen rasch und frei erkunden und bis ins Detail miteinander vergleichen, die Entscheidungen der Herausgeber nachvollziehen und abw\u00e4gen, eventuell zu eigenen Folgerungen gelangen. <\/p>\n<p> Die bildbasierte Aufbereitung der Partituren, der autographen wie der gedruckten, und deren digitale Edition schaffen einen pers\u00f6nlich gepr\u00e4gten, mittels ausgefeilter Suchroutine gezielten Zugang zum Korpus der Choralphantasien. Abgesehen davon: Dem Komponisten quasi \u00fcber die Schulter zu sehen, in seine Werkstatt Einblick zu nehmen (etwa in die Erstfassung von op. 40\/1), seinem Schreibduktus im Manuskript zu folgen (im Bleistiftentwurf zu op. 40\/2), ist ebenso reizvoll wie erhellend. <\/p>\n<p> Alles zu Regers Choralphantasien und ihrem Umfeld: ein exzellenter, ein vielversprechender Start der Reger Werkausgabe. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Max Reger: Choralphantasien. Reger Werkausgabe Band I\/1. Herausgegeben von Alexander Becker, Christopher Grafschmidt, Stefan K\u00f6nig und Stefanie Steiner. Reger Werkausgabe (RWA). Wissenschaftlich-kritische Hybrid-Edition von Werken und Quellen. Herausgegeben im Auftrag des Max-Reger-Instituts \/ Elsa-Reger-Stiftung von Susanne Popp und Thomas Seedorf. \u2013 Carus-Verlag, Stuttgart, und Max-Reger-Institut, Karlsruhe (52.801 \/ 2010). Gedruckter Band, 163 Seiten, plus DVD im Schuber (ca. 6 GB; ab Windows XP und Mac OS X ab Version 10.5). \u2013 \u20ac 144,\u2013. Gesamtsubskription 20% Rabatt, Teilsubskription 15% Rabatt. <\/p>\n<p> siehe auch: <br \/> <a href=\"http:\/\/www.carus-verlag.com\/index.php3?BLink=reger-werkausgabe\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.carus-verlag.com\/index.php3?BLink=reger-werkausgabe<\/a><br \/> mit Video-Vorstellung der digitalen Anwendungen der neuen Reger-Werkausgabe durch Johannes Kepper, Edirom<\/p>\n<p> <a href=\"http:\/\/www.edirom.de\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.edirom.de<\/a><\/p>\n<p> Die Edirom-Benutzerdokumentation ist abzurufen via: <br \/> <a href=\"http:\/\/edirom.de\/fileadmin\/downloads\/Edirom_2010-01_Benutzerhandbuch.pdf\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">edirom.de\/fileadmin\/downloads\/Edirom_2010-01_Benutzerhandbuch.pdf<\/a> <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>12.06.2010 &#8212; Nun liegt er vor, Band I\/1 der Reger Werkausgabe. 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