{"id":714,"date":"2014-01-12T09:12:55","date_gmt":"2014-01-12T09:12:55","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/sara-levy-und-die-berliner-bach-pflege\/"},"modified":"2014-01-12T09:12:55","modified_gmt":"2014-01-12T09:12:55","slug":"sara-levy-und-die-berliner-bach-pflege","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/sara-levy-und-die-berliner-bach-pflege\/","title":{"rendered":"Sara Levy und die Berliner Bach-Pflege"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2010\/levy19710.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>03.08.2010 &#8212; \u00abWie ein Denkmal aus alter Zeit\u00bb erschien j\u00fcngeren Besuchern die Wohnung und die Person der greisen Sara Levy, geborene Itzig. Nachdem sich die Cembalistin und Salonni\u00e8re, in deren Haus Koryph\u00e4en aus Musik, bildender Kunst, Literatur, Philosophie, Wissenschaft und Politik verkehrten, 1830 aus der \u00d6ffentlichkeit zur\u00fcckgezogen hatte, schwand alsbald die Erinnerung an ihre Pers\u00f6nlichkeit und ihre Leistungen. Johann Friedrich Reichardt, sp\u00e4ter Berliner Hofkapellmeister, erkannte in den musikalischen Soireen im Hause Itzig \u00abeinen f\u00f6rmlichen Sebastian und Philipp Emanuel Bach-Kultus\u00bb.<\/p>\n<p> In die ann\u00e4hernd ein Jahrhundert umspannende Lebenszeit der Sara Levy (1761\u20131854) fallen die Herrschaft Friedrichs des Grossen, die Bildung der USA, die Franz\u00f6sische Revolution und die \u00c4ra Napoleons, die Neuordnung Europas, die Industrielle Revolution und die Restauration, am Ende die Revolutionswirren der Dreissiger- und Vierzigerjahre. Ihren Lebensanker in der Welten Flucht fand Sara Itzig, eine j\u00fcngere Schwester von Mendelssohns Grossmutter Bella Salomon und Gattin bzw. Witwe des bereits 1806 verstorbenen Bankiers Samuel Salomon Levy, in der Welt der sch\u00f6nen K\u00fcnste, besonders in der Musik. <\/p>\n<p> Als Cembalistin, erst gemeinsam mit ihrer Schwester Zippora, dann als Solistin in verschiedenen Konzertvereinigungen Berlins aktiv, geh\u00f6rte sie dank wohltuenden finanziellen Ressourcen zu den unentwegten M\u00e4zeninnen. Als G\u00f6nnerin und Freundin der beiden \u00e4ltesten Bach-S\u00f6hne Wilhelm Friedemann und Carl Philipp Emanuel subskribierte sie deren Editionen, legte sich eine umfangreiche Sammlung an Manuskripten und gedruckten Musikalien an und setzte sich intensiv mit dem instrumentalen Schaffen Johann Sebastian Bachs auseinander. <\/p>\n<p> So wurde die Musik-Enthusiastin Sara Levy zur Bach-Pionierin, die \u00f6ffentlich und im privaten Kreis das Andenken an Vater Bach musizierend wachhielt und durch Abschriften verbreitete. \u00abDie Bach-Rezeption im Zeitalter Mendelssohns und Schumanns war also der Sache nach kein wirklicher Neubeginn, sie war vielmehr fest verankert in vielf\u00e4ltigen Traditionen des sp\u00e4ten 18. Jahrhunderts\u00bb, folgert Peter Wollny. <\/p>\n<p> Der Autor \u2013 er hat seinen im Band \u00abZu gro\u00df, zu unerreichbar\u00bb (siehe unten) publizierten Beitrag f\u00fcr die vorliegende Publikation \u00fcberarbeitet und wesentlich erweitert \u2013 stellt in konzentrierter und materialreicher Form die fr\u00fche Bach-Pflege und Bach-Rezeption der Familie Itzig in Berlin und damit Pers\u00f6nlichkeit, Wirken und Ausstrahlung der Sara Levy ins Zentrum. <\/p>\n<p> Abgedruckt sind Briefe und Familiendokumente, darunter Sara Levys Testament (sachdienliche Erl\u00e4uterungen fehlen leider) und eine Aufstellung aller bekannten Kompositionen von Mitgliedern der Bach-Familie, die im Besitz der Familie Itzig bzw. Sara Levys nachgewiesen werden konnten. Der \u00dcbersicht dienen der Stammbaum der Familien Itzig und Mendelssohn, Kurzbiographien, Zeittafel (1750\u20131854), das Verzeichnis der 24 Schwarz-weiss-Abbildungen, Literaturhinweise sowie Namen- und Werkregister. <\/p>\n<p> <strong><em>Zitat aus dem Buch: <\/em><\/strong><br \/> \u00abIn diesem neuen, jedoch gleichfalls genuin b\u00fcrgerlichen und musikalischen Umfeld des fr\u00fchen 19. Jahrhunderts fiel die Musik der Bach-S\u00f6hne und -Sch\u00fcler rasant der Vergessenheit anheim. Bach selbst hingegen \u2013 d. h. zu diesem Zeitpunkt zun\u00e4chst nur seine Instrumentalmusik \u2013 wurde mit Haydn, Mozart und Beethoven in die Reihe der klassischen und \u00fcber die Zeiten hinweg bestehenden Meister eingeordnet. Erst jetzt fanden seine Werke ihre feste und dauerhafte Verankerung im kulturellen Bewusstsein einer breiten Bev\u00f6lkerungsschicht, das sich nicht zuletzt auch als die nationale Identit\u00e4t konstituierend manifestierte. Ausgehend von dieser bereits erfolgten festen Einbindung der Instrumentalmusik Bachs in einen neuen gesellschaftlichen Rahmen konnten Felix Mendelssohn Bartholdy und seine Zeitgenossen sodann den Versuch unternehmen, auch die gro\u00dfen Vokalwerke im \u00f6ffentlichen Musikleben zu verankern. Der ,Bach-Kultus\u2019 der Itzigs und anderer j\u00fcdischer Familien des friderizianischen Berlin hat gleichwohl entscheidend dazu beigetragen, den Boden f\u00fcr diese sp\u00e4tere Entwicklung zu bereiten.\u00bb (Seite 46) <\/p>\n<p> <strong>\u00abZu gro\u00df, zu unerreichbar\u00bb<\/strong><\/p>\n<p> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2010\/bach24710.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>Eine reichhaltige, breit angelegte Materialiensammlung zum Thema Johann Sebastian Bach im Zeitalter Mendelssohns und Schumanns findet sich im 1. Band der vom Bach-Archiv Leipzig edierten Reihe zur Geschichte der Bach-Rezeption. Den 24 Originalbeitr\u00e4gen liegt ein Symposion zugrunde, das 2005 im Rahmen des Kooperationsprojektes \u00abBach \u2013 Mendelssohn \u2013 Schumann\u00bb vom Bach-Archiv, Mendelssohn-Haus und Schumann-Haus in Leipzig durchgef\u00fchrt wurde. <\/p>\n<p> \u00abBach steht zu gro\u00df, zu unerreichbar da\u00bb: Clara Schumanns Kommentar (1841) weist auf die Schwierigkeiten, mit denen sich die Musikpraxis in der Romantik konfrontiert sah, vergegenw\u00e4rtigt auch den Erkenntniswandel im Blick auf die Musik der Vergangenheit. <\/p>\n<p> Im Rahmen des Symposions der Leipziger Komponistenh\u00e4user pr\u00e4sentierten zwei Dutzend Musikwissenschaftler Aspekte und Quellenfunde der j\u00fcngsten Forschung. \u00abMittels akribischer Quellenarbeit und regional wie biographisch differenzierter Studien r\u00fcckt eine \u00fcber Einzelereignisse hinausgehende realistische Bilanz des musikalischen Historismus allm\u00e4hlich in greifbare N\u00e4he\u00bb, halten die Herausgeber Anselm Hartinger, Christoph Wolff und Peter Wollny im Vorwort fest. Und weiter: \u00abIm Sinne einer m\u00f6glichst umfassenden Materialsichtung und Zusammenschau wurde besonderer Wert auf verschiedenartige Ans\u00e4tze, Methoden und Schulen gelegt. So konnte es erstmals gelingen, \u00fcber Ressort-, Generations- und Interessengrenzen hinaus Bach-Spezialisten mit Mendelssohn- und Schumann-Forschern zusammenzubringen und dabei werkanalytische und quellenorientierte sowie \u00e4sthetische und diskurstheoretische Ans\u00e4tze miteinander zu verbinden.\u00bb <\/p>\n<p> Die Untersuchungen zum umfangreichen Thema romantische Bach-Bewegung sind in vier Problemkreise gegliedert: I. Musik, \u00c4sthetik und Geschichtsbetrachtung \u2013 Diskurse und Interpretationen; II. Bach und die Tradition im kompositorischen Schaffen Mendelssohns, Schumanns und ihrer Zeitgenossen; III. Aspekte der Auff\u00fchrungspraxis; IV. Ertr\u00e4ge der Quellenforschung. <\/p>\n<p> Die Fussnoten, darunter die Literaturhinweise, befinden sich auf den betreffenden Seiten, und etliche Beitr\u00e4ge sind unterst\u00fctzt von Notenbeispielen, Abbildungen, Tabellen und Zusammenstellungen. Der Anhang umfasst die Kurzportr\u00e4ts der vier Autorinnen und zwanzig Autoren, das Personenverzeichnis und die Liste der erw\u00e4hnten Werke Bachs, Fanny Hensels, Mendelssohns, Robert und Clara Schumanns. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Peter Wollny: \u00abEin f\u00f6rmlicher Sebastian und Philipp Emanuel Bach-Kultus\u00bb. Sara Levy und ihr musikalisches Wirken. Mit einer Dokumentensammlung zur musikalischen Familiengeschichte der Vorfahren von Felix Mendelssohn Bartholdy. Band 2 der Beitr\u00e4ge zur Geschichte der Bach-Rezeption, herausgegeben vom Bach-Archiv Leipzig. Verlag Breitkopf &amp; H\u00e4rtel, Wiesbaden 2010. BV 390. 148 Seiten. Mit Abbildungen. \u20ac 24,\u2013. Fr. 39.90. <\/p>\n<p> \u00abZu gro\u00df, zu unerreichbar\u00bb. Bach-Rezeption im Zeitalter Mendelssohns und Schumanns. Herausgegeben von Anselm Hartinger, Christoph Wolff und Peter Wollny. Band 1 der Beitr\u00e4ge zur Geschichte der Bach-Rezeption, herausgegeben vom Bach-Archiv Leipzig. Verlag Breitkopf &amp; H\u00e4rtel, Wiesbaden 2007. BV 386. 488 Seiten. Mit Abbildungen und Notenbeispielen. \u20ac 32,\u2013. Fr. 56.90. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>03.08.2010 &#8212; \u00abWie ein Denkmal aus alter Zeit\u00bb erschien j\u00fcngeren Besuchern die Wohnung und die Person der greisen Sara Levy,&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-714","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buchbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/714","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=714"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/714\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=714"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=714"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=714"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}