{"id":715,"date":"2014-01-12T09:13:24","date_gmt":"2014-01-12T09:13:24","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/systematische-und-freie-formen-des-lernens\/"},"modified":"2014-01-12T09:13:24","modified_gmt":"2014-01-12T09:13:24","slug":"systematische-und-freie-formen-des-lernens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/systematische-und-freie-formen-des-lernens\/","title":{"rendered":"Systematische und freie Formen des Lernens"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2010\/100809lernen.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>11.08.2010 &#8212; Wer es in der klassischen Musik als Interpret zu Spitzenleistungen bringen will, der muss \u2013 so das g\u00e4ngige Bild \u2013 schon als Kleinkind systematisch ans Instrument gef\u00fchrt werden. Ihn erwarten dann Jahrzehnte sorgf\u00e4ltig durchgeplanter Studien und durchorganisierter Tagespl\u00e4ne, auf Monate hinaus festgelegte \u00dcberoutinen, st\u00e4ndige Kontrollen der Fortschritte durch Experten und von fr\u00fch auf die Gew\u00f6hnung an harte Selbstpr\u00fcfungen in Wettbwerben und Vorspielen. <\/p>\n<p> Oft geht bei dem medial vermittelten Bild des Weges zu musikalischen Spitzenleistungen vergessen, dass damit bloss ein kleiner (wenn auch sehr hochstehender) Teil des Musiklebens abgebildet wird \u2013 neben der Auseinandersetzung mit dem Erbe der europ\u00e4ischen Kunstmusik folgen ihm etwa auch japanische Traditionen oder die Ausbildung von Interpreten der klassischen Musik Indiens. Andere, nicht minder kunstvolle und ausdifferenzierte Systeme, zum Beispiel der amerikanische Jazz oder zahlreiche afrikanische Traditionen werden anders entwickelt und weitergegeben und erreichen ein ebenso hohes k\u00fcnstlerisches Niveau.<\/p>\n<p> Besonders eng verbunden mit chaotischen, informellen, intuitiven und unberechenbaren Formen des Erwerbs von Kompetenzen ist die Popmusik. Diese hat die britische Musikp\u00e4dagogik-Forscherin Lucy Green vor einigen Jahren eingehend studiert. Ihr 2002 erschienenes Buch \u00abHow Popular Musicians Learn\u00bb hat in der Musikwelt Diskussionen dar\u00fcber ausgel\u00f6st, wie sich das Verh\u00e4ltnis von institutionellem und informellem Lernen tats\u00e4chlich gestaltet, und wie hoch der Anteil selbstbestimmter, spontaner Lernprozesse auch in den nach aussen so durchstrukturiert wirkenden Lernpl\u00e4nen klassischer Musik sind. <\/p>\n<p> Im M\u00e4rz 2009 hat an der Wiener Musikuniversit\u00e4t dazu unter dem Titel \u00abMusizieren lernen \u2013 auch ausserhalb von Unterricht?\u00bb ein Symposium stattgefunden. Der von Peter R\u00f6pke und Natalia Ardila-Mantilla herausgegebene Band \u00abVom wilden Lernen\u00bb nimmt den Impuls auf und legt breitgef\u00e4cherte Diskussionsbeitr\u00e4ge zum Thema vor.<\/p>\n<p> Da zeigt sich ziemlich schnell, dass die beiden Formen des Lernens keineswegs Gegens\u00e4tze sind, sondern sich erg\u00e4nzen. Mehr noch: Wie die in Graz t\u00e4tige Musikpsychologin Adina Mornell aufzeigt, ist das Bild des strengen und unerbittlichen P\u00e4dagogen auch in der klassischen Musik mehr Mythos als fruchtbares Vorbild. So weiss man heute unter anderem aus Studien der Sportpsychologie, dass zuviel R\u00fcckmeldungen und Kontrollen des Sch\u00fclers kontraproduktiv sind (89). <\/p>\n<p> Selbst der renommierte P\u00e4dagogik-Theoretiker Ulrich Mahlert r\u00e4umt ein, dass \u00abAusmass und Bedeutung des informellen Lernens bei Aus\u00fcbenden klassischer Musik leicht untersch\u00e4tzt werden\u00bb (45) und Lehrende, die ihre Methode verabsolutieren und von ihren Sch\u00fclern absolute Unterwerfung verlangen, auf lange Sicht eher zerst\u00f6rerisch als konstruktiv wirken (56). <\/p>\n<p> Natalia Ardila-Mantilla sieht einen inneren Zusammenhang zwischen informellem und formellem Lernen und berichtet \u00fcber Vorarbeiten zu einer Studie, mit der sie den Umgang mit den unterschiedlich fremd- und selbstbestimmten Formen des Lernens an \u00f6sterreichischen Musikschulen analysieren will. Dazu m\u00fcssen aber, so die in Wien t\u00e4tige kolumbianische Musikp\u00e4dagogin, zun\u00e4chst begriffliche Vorarbeiten geleistet werden. <\/p>\n<p> Solches leisten will neben dem in Groningen t\u00e4tigen Musikpsychologen Peter Mak &#8211; er fasst das Begriffspaar formal-informell etwas genauer &#8211; auch der Wiener P\u00e4dagoge und Therapeut Christian Winkler. Ob sein pr\u00e4tenti\u00f6s anmutender, an systemisch-konstruktivistischen Modellen orientierter \u00dcberbau an Begrifflichkeit allerdings wirklich fruchtbar ist, wird sich wohl erst zeigen m\u00fcssen.<\/p>\n<p> Daneben berichten Jan Hemming von Lernformen in der popul\u00e4ren Musik, Regina Himmelbauer \u00fcber die Blockfl\u00f6tenp\u00e4dagogik und Reinhard Gagel \u00fcber das \u00abImprovisiakum\u00bb, eine allen Interessierten zug\u00e4ngliche Werkstatt f\u00fcr improvisierte Musik. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Peter R\u00f6pke, Natalia Ardila-Mantilla (Hsg.): Vom wilden Lernen. Musizieren lernen \u2013 auch ausserhalb von Schule und Unterrricht. Reihe \u00fcben &amp; musizieren, texte zur instrumentalp\u00e4dagogik, 2009 Schott Music Mainz. Best.-Nr. UM 5006, ISBN 978-3-7957-0665-4 <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>11.08.2010 &#8212; Wer es in der klassischen Musik als Interpret zu Spitzenleistungen bringen will, der muss \u2013 so das g\u00e4ngige&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-715","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buchbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/715","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=715"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/715\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=715"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=715"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=715"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}