{"id":723,"date":"2014-01-12T09:17:24","date_gmt":"2014-01-12T09:17:24","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/mythos-orpheus\/"},"modified":"2014-01-12T09:17:24","modified_gmt":"2014-01-12T09:17:24","slug":"mythos-orpheus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/mythos-orpheus\/","title":{"rendered":"Mythos Orpheus"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2011\/orph10111.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>31.11.2011 &#8212; Das Gl\u00fcck hat kurze Beine. Seine \u00fcber alles geliebte Gattin, die Nymphe Eurydike, die sich von ihm bereits gerettet glaubte aus des Hades ewiger Finsternis, verlor er unwiderruflich kurz vor dem Ausgang aus der Unterwelt (ergo: Schau vorw\u00e4rts, Mann, nicht hinter dich!); und weil der trauersatte Thraker fortan Frauen aus dem Wege ging, rissen ihn einige der frustrierten M\u00e4naden w\u00fctend in St\u00fccke. Immerhin: Orpheus\u2019 Lyra klang fortan von allein, und sein Kopf sang weiter, bis Apollon es ihm schliesslich untersagte. Die Leier wurde zum Sternbild am Himmelszelt. <\/p>\n<p> Als erster S\u00e4nger und Grossmeister auf der Kythara ging Orpheus in die griechische Mythologie ein, sogar die Felsen sollen Tr\u00e4nen vergossen haben ob seines \u00fcberw\u00e4ltigenden Gesangs und Spiels. Kein Wunder, dass die g\u00f6ttlichen Gaben und das irdische Schicksal des Sohns der Muse Kalliope und des Vaters Apollon (nach anderen Quellen Oiagros) die Fantasie der Menschen besch\u00e4ftigt und jene der K\u00fcnstler aller Gattungen angeregt haben \u00fcber Zeiten, Epochen und Moden hinweg. <\/p>\n<p> Wirkm\u00e4chtig geblieben und weit verbreitet ist die traurige Sage von Orpheus (Orfeo, Orph\u00e9e) und Eurydike (Euridice) seit den antiken Erz\u00e4hlungen. Der Erfinder der Musik und des Tanzes galt als Begr\u00fcnder des Mysterienkults des Orphismus, und in fr\u00fchchristlicher Zeit und bis zur Renaissance wurde Orpheus als Vorausdeutung Jesu gewertet. <\/p>\n<p> Der Autor, Dramaturg, Kurator und Regisseur Wolfgang Storch hat eine Textsammlung zum Orpheus-Mythos zusammengestellt; das 1997 erstmals erschienene Taschenbuch ist nun wieder aufgelegt worden. In mehr oder weniger chronologisch geordneten, in sieben thematische Kapitel gegliederten Ausz\u00fcgen aus Dichtungen von der Antike, vom 3. Jahrhundert v. Chr. bis in die Gegenwart widerspiegeln sich die wesentlichen Aspekte und Nachwirkungen des sagenhaften K\u00f6nigs und seiner Gemahlin. <\/p>\n<p> Von Aristophanes, Vergil, Horaz und Ovid \u00fcber Clemens von Alexandrien, Thomas von Aquin und Manilius bis zu Dante und Boccaccio, Shakespeare und Bacon, Goethe, Rilke, Mallarm\u00e9, Val\u00e9ry, W. H. Auden, Cocteau, Benn, Pavese, Rub\u00e9n Dar\u00edo, Edward Bond, Nossack, Margaret Atwood und Wolfgang Hilbig finden sich an die siebzig Stimmen zum Nachwirken von Orpheus und von Eurydike. Darunter zwei Dramen von Angelo Poliziano (1480) und Calder\u00f3n (1634) sowie einige Originaltexte (samt \u00dcbertragung) in Franz\u00f6sisch, Englisch, Italienisch, Spanisch und Russisch. <\/p>\n<p> Kenntnisreiche Essays des Herausgebers zum Orpheus-Komplex, von Marcus Deufert (\u00abOrpheus in der antiken Tradition\u00bb) und von Kathrin Deufert (\u00abOrpheus und die Anf\u00e4nge eines Musiktheaters in der Renaissance\u00bb) bilden den Rahmen um die breit angelegte Textauswahl.<\/p>\n<p> <strong><em>Zitat aus dem Buch: <\/em><\/strong><br \/> \u00abAls S\u00e4nger ist Orpheus der Prophet. In seinem Martyrium offenbart er das G\u00f6ttliche im Menschen. So ist er eine Gestalt, die fortwirkt, gegenw\u00e4rtig blieb in Johannes dem T\u00e4ufer, in Johannes dem Evangelisten, in Johannes, der die Offenbarung schrieb. Und in Christus selbst.\u00bb (Wolfgang Storch, Seite 23)<br \/> <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Mythos Orpheus. Texte von Vergil bis Ingeborg Bachmann. Herausgegeben von Wolfgang Storch. Reclam-Verlag, Stuttgart 2010. Reclam Taschenbuch 21590. 290 Seiten. \u20ac12,95. Fr. 20.50. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>31.11.2011 &#8212; Das Gl\u00fcck hat kurze Beine. 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