{"id":724,"date":"2014-01-12T09:17:56","date_gmt":"2014-01-12T09:17:56","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/gluck-sein-leben-seine-musik\/"},"modified":"2014-01-12T09:17:56","modified_gmt":"2014-01-12T09:17:56","slug":"gluck-sein-leben-seine-musik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/gluck-sein-leben-seine-musik\/","title":{"rendered":"Gluck. Sein Leben. Seine Musik"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2011\/gluck301110.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/> 18.02.2011 &#8212; Christoph Willibald Gluck: Opernreformer, \u00abOrfeo ed Euridice\u00bb, \u00abAlceste\u00bb, \u00abIphig\u00e9nie en Tauride\u00bb, \u00abDon Juan\u00bb-Ballett, Streit der Gluckisten und Piccinnisten. Gluck, h\u00f6here Inspiration erhaltend, auf dem Gem\u00e4lde von Duplessis. \u2013 Was weiter? <\/p>\n<p> Bescheiden sind in der Regel unsere Kenntnisse \u00fcber Gluck, seinen Lebenslauf, die Orte seines fr\u00fchen Wirkens, sein Schaffen. Eigentlich bedenklich, vergegenw\u00e4rtigt man sich das europaweit ausstrahlende Renommee und den herausragenden Rang Glucks in der zweiten H\u00e4lfte des 18. Jahrhunderts. <\/p>\n<p> Ein Schwerpunkt der Forschungst\u00e4tigkeit des 1927 in D\u00fcsseldorf geborenen Musikwissenschaftlers Gerhard Croll, der an der Universit\u00e4t Salzburg wirkte, gilt Gluck. Croll war Editionsleiter der Gluck-Gesamtausgabe, ist Herausgeber der Gluck-Studien und wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Neuen Mozart-Ausgabe; 1986 gr\u00fcndete er die Internationale Gluck-Gesellschaft. Gerhard Croll und seiner Frau Renate ist nun eine umfassende Gesamtdarstellung zu verdanken, die den Lebens- und Entwicklungsweg des Europ\u00e4ers Gluck auf der Basis des aktuellen Wissens schildert, auf den Ergebnissen von Crolls f\u00fcnf Jahrzehnte umfassender Forschungs-, Sammel- und Editionst\u00e4tigkeit. <\/p>\n<p> Dabei, dies sei vorausgeschickt, hat das Ehepaar Croll kein Buch aus der Hand gegeben, dessen Stil und Analysen sich nur Eingeweihten und Spezialisten erschliessen, im Gegenteil: Der gediegen illustrierte Band spricht auch fachlich weniger gewandte Musikliebhaber an, die von Gluck und seinem Werk, von den politischen und kulturellen Str\u00f6mungen seines Jahrhunderts einen plastischen Eindruck erhalten. <\/p>\n<p> Die Crolls leisten ein ger\u00fcttelt Mass an Aufkl\u00e4rungsarbeit. Sie gehen den \u00dcberlieferungen auf den Grund, denn gar manches in Sachen Gluck ist unsicher, vor allem in Kinder- und Jugendjahren. Wann und wo ist Christophorus Willibaldus Gluck zur Welt gekommen? (Am 2. Juli 1714 in Erasbach \/ Oberpfalz) Wie schrieb er seinen Familiennamen? (Gluck, im Testament Gluk; andere Quellen nennen ihn Glouckh, Clock, Cluck, Kluk, Kluck, Klug) Welcher Nation geh\u00f6rte er an, welches war seine Muttersprache (Deutsch oder Tschechisch)? Welche fr\u00fchesten musikalischen Erfahrungen pr\u00e4gten den Heranwachsenden? Und: Von Glucks ersten acht Opern hat sich nur eine einzige vollst\u00e4ndig erhalten. Nach Glucks Tod am 15. November 1787 in Wien wurden die meisten seiner Autographe durch einen Brand im Haus seines Erben vernichtet. Generell finden die L\u00fccken in seiner Biografie eine Entsprechung in der hohen Verlustquote seiner Partituren. <\/p>\n<p> Von der \u00abmisslichen Quellenlage\u00bb liessen sich die Autoren anspornen, nachzuforschen in Kirchenrodeln und Akten, in Briefen und Kommentaren, Tageb\u00fcchern, Honorarlisten, Zeitungsmeldungen und Besprechungen, zogen Anekdoten bei und Zeugnisse von Zeitgenossen. Die in Jahrzehnten ge\u00e4ufneten Kenntnisse im Umgang mit dem Komponisten und seiner Zeit bef\u00e4higen Gerhard und Renate Croll, Dunkles auf einsichtige Art zu erhellen, Ungewisses dem Zweifel nicht zu entziehen, Vermutungen, Annahmen und Deutungen als solche zu bezeichnen und manche tradierte Irrt\u00fcmer zu berichtigen. <\/p>\n<p> Als \u00abunertr\u00e4gliche, erzvandalische Musik\u00bb bezeichnete Metastasio Glucks Vertonung der \u00abSemiramide\u00bb. Nicht das einzige negative Urteil, das immerhin einen Hinweis gibt darauf, dass Glucks Tonsprache als neuartig, expressiv und aussergew\u00f6hnlich empfunden wurde. Bald galt Gluck als Koryph\u00e4e seines Fachs, und die Crolls zeichnen die Stufen zu seinem europaweiten Ruhm aufgrund einer erstaunlich vielseitigen Materialf\u00fclle in ruhigem Erz\u00e4hlfluss nach. <\/p>\n<p> Vor dem mit wenigen (f\u00fcr manche wohl zu knappen) Strichen skizzierten Hintergrund des politischen Zustands in Italien, in London, Paris und Wien, des gesellschaftlich-musikalischen und des famili\u00e4ren Umfelds sowie im Geflecht von Potentaten und M\u00e4zenen, Dienstherrschaften und K\u00fcnstlerkollegen, S\u00e4ngerinnen, Kastraten, Librettisten, Regisseuren wird Glucks Entwicklung und Arbeitsweise dargestellt anhand seiner Ballette und Opern, deren Handlung zusammengefasst und deren Musik verst\u00e4ndlich erl\u00e4utert sind. <\/p>\n<p> Selbstredend werfen die Autoren besonderes Augenmerk auf die \u00dcppigkeit barocker Operninszenierungen, auf Glucks Weg von der Opera seria zur Op\u00e9ra comique, \u00fcber die pr\u00e4genden Zielsetzungen aller Beteiligten an den Reformen von Ballett (\u00abDon Juan\u00bb, 1761) und Musiktheater (Wiener Reform, \u00abAlceste\u00bb von 1767), auf die hitzige Debatte zwischen den Anh\u00e4ngern Glucks und jenen Piccinnis in Paris. <\/p>\n<p> Die Vielfalt der Information in dieser in allen Aspekten anregenden Biografie findet auf dem vorderen Deckel und dem Vorsatzblatt eine Erweiterung durch Karte und Tabelle von Glucks Reisewegen mit den Orten und Daten der Erstauff\u00fchrungen seiner Opern, dann auch durch Literaturhinweise, eine \u00dcbersicht \u00fcber die Gluck-Gesamtausgabe und Bemerkungen zum Finanzwesen und den gebr\u00e4uchlichen W\u00e4hrungen in Glucks Zeit. Das detaillierte Inhaltsverzeichnis und das Personen- und Werkregister erschliessen den Band. <\/p>\n<p> <strong><em>Zitat aus dem Buch: <\/em><\/strong><br \/> \u00abEinzelne Gluck\u2019sche Melodien aus [der Op\u00e9ra comique] &#8218;Le Diable \u00e0 quatre&#8216; wurden f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit in Wien zum absoluten Hit, besonders das sogenannte Tabaklied, gesungen von einer Ehefrau, die den Schnupftabak heimlich besonders genie\u00dft, nachdem er ihr vom Ehemann verboten worden war. Es wird berichtet, dass sogar ein dreij\u00e4hriges Komtesschen das Lied getr\u00e4llert habe \u2013, so gut hatte Gluck den eing\u00e4ngigen Ton des popul\u00e4ren Vaudeville-Vorbildes mit seiner Neusch\u00f6pfung getroffen. Zwei Jahre sp\u00e4ter [1761] bekam er daf\u00fcr ein Kompliment auf h\u00f6chster Ebene: Joseph Haydn benutzte das Tabaklied als Thema f\u00fcr den ersten Satz seiner Sinfonie &#8218;Le Soir&#8216;.\u00bb (Seite 88) <br \/> <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Gerhard und Renate Croll: Gluck. Sein Leben. Seine Musik. B\u00e4renreiter-Verlag, Kassel 2010. Mit Schwarzweiss-Abbildungen und 4 Farbtafeln. 288 Seiten. \u20ac 36,95. Fr. 66.50. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>18.02.2011 &#8212; Christoph Willibald Gluck: Opernreformer, \u00abOrfeo ed Euridice\u00bb, \u00abAlceste\u00bb, \u00abIphig\u00e9nie en Tauride\u00bb, \u00abDon Juan\u00bb-Ballett, Streit der Gluckisten und Piccinnisten.&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-724","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buchbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/724","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=724"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/724\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=724"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=724"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=724"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}