{"id":725,"date":"2014-01-12T09:18:25","date_gmt":"2014-01-12T09:18:25","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/einfuehrung-in-bachs-johannespassion\/"},"modified":"2014-01-12T09:18:25","modified_gmt":"2014-01-12T09:18:25","slug":"einfuehrung-in-bachs-johannespassion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/einfuehrung-in-bachs-johannespassion\/","title":{"rendered":"Einf\u00fchrung in Bachs Johannespassion"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2011\/bach22311.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>23.03.2011 &#8212; Vertraut ist sie uns, Bachs Johannespassion, die erstmals 1724 in Leipzig erklang. Doch verstehen wir sie auch in all ihren musikalischen und theologischen Fundamenten und Zusammenh\u00e4ngen? Ist uns \u00abSp\u00e4tzeith\u00f6rern\u00bb durch die Distanz von bald drei Jahrhunderten und die S\u00e4kularisierung nicht manch Wesentliches zum profunden Verstehen dieser Passionsmusik verloren gegangen? \u2013 In welch betr\u00e4chtlichem Mass dies der Fall ist, erhellt die Lekt\u00fcre des vorliegenden Bandes. <\/p>\n<p> Meinrad Walter (geb. 1959), der \u00fcber Bachs geistliche Vokalmusik promovierte, ist Kirchenmusikreferent der Erzdi\u00f6zese Freiburg und Lehrbeauftragter f\u00fcr Theologie und Liturgik an der Freiburger Musikhochschule. Als Fachmann in der interdisziplin\u00e4ren Diskussion zwischen Musik und Theologie versteht er es, in seiner Einf\u00fchrung eine in beiden Bereichen kompetente, differenzierte Gesamtschau zu vermitteln. <\/p>\n<p> Musikalisch und theologisch Grundlegendes fasst der Autor im Eingangskapitel zusammen: die Geschichte der Passionsmusiken (Passionsoratorium und Oratorische Passion) von den Anf\u00e4ngen bis zur Gegenwart, Bachs Passionsmusik als Sprachspiel in Wort und Ton (Librettist und Komponist), die komplexe Entstehung und die Formenwelt der Johannespassion (Textdichter und Quellen), die vier Fassungen des Werks (1724, 1725, 1732, 1749) und die unvollendete Partitur von 1739 \u2013 Bachs Ausgabe letzter Hand fehlt. Dass Bach die \u00abWerkstatt-T\u00fcr\u00bb zur Johannespassion nicht endg\u00fcltig geschlossen habe, er\u00f6ffne die M\u00f6glichkeit, manchen Blick in seine Komponierstube zu erhaschen, h\u00e4lt Walter fest. <\/p>\n<p> Der detaillierten Analyse (formal, textlich, melodisch, harmonisch, rhythmisch) und der umsichtigen Kommentierung der beiden Teile dieser Passionsmusik als eine \u00abMusik von Leid und Leidenschaft\u00bb liegt die vierte Fassung zugrunde (ediert von Peter Wollny im Carus-Verlag, Stuttgart 2001). Mit Bedacht und auch schwerer Verst\u00e4ndliches klar formulierend, erl\u00e4utert Meinrad Walter anhand vieler Notenbeispiele Satz um Satz des Werks, dabei das Wort-Ton-Verh\u00e4ltnis, die theologischen Grundlagen, den geistig-geistlichen Gehalt miteinander eng in Beziehung setzend: das Eine im Anderen erhellend. Ein weiteres Moment des Eindringens schaffen die Besprechungen von schwarzweiss bzw. farbig reproduzierten Passions-Bildern und die Zitate von Musikern, Dichtern, Theologen. <\/p>\n<p> Zu dieser vertieften Auseinandersetzung tragen eingeschobene Exkurse bei: das typisch Johanneische, die Karfreitagsliturgie zur Zeit Bachs, Fragen des Antijudaismus und der symmetrischen Gesamtanlage des Werks, Bachs Anleihen bei Brockes Passionsdichtung. \u00abMitzubedenken sind immer wieder auch die lutherische Passionsfr\u00f6mmigkeit sowie gattungsgeschichtlich der Typus der Oratorischen Passion als komplexe Klangrede in Wort und Ton, die den beiden Grundrichtungen <em>nach vorn<\/em> (dramatisches Geschehen damals) und <em>nach innen<\/em> (Betrachtung hier und heute) verpflichtet ist.\u00bb (Seite 14) <\/p>\n<p> Ein eigenes Kapitel ist der hinl\u00e4nglich vollst\u00e4ndigen Fassung II (1725) der Johannespassion gewidmet (Fassung I ist nur mittels Rekonstruktion, Fassung III nicht auff\u00fchrbar). <\/p>\n<p> Hilfreiche Materialien hat der Autor im Anhang untergebracht: die Chronologie der Johannespassion von 1712 bis 2010, eine \u00dcbersicht \u00fcber Bachs Passionsauff\u00fchrungen in Leipzig, die Choralstrophen in der Johannespassion, Ausgaben und Literaturhinweise, szenische Interpretationen der Johannespassion (1930\u20132011), ein Glossar musikwissenschaftlicher und theologischer Begriffe, CD-Tipps und DVDs, Anmerkungen und Personenregister. <\/p>\n<p> Der Zusammenklang von Theologie, Passionslibretto, Bachs Musik und bildender Kunst erm\u00f6glicht in Meinrad Walters einl\u00e4sslicher Untersuchung intellektuelles Eindringen und emotionales Erleben, erweist auch, wie das Ganze und das Einzelne ineinanderwirken, Kosmos und Mikrokosmos zusammenklingen. <\/p>\n<p> <strong><em>Zitat aus dem Buch: <\/em><\/strong><br \/> \u00abAlles in allem: Bach hat mit seiner Johannespassion auf der Grundlage eines &#8218;flexiblen Werkbegriffs&#8216; mehr experimentiert als mit irgendeinem anderen Werk seiner geistlichen Vokalmusik. F\u00fcr das heutige Verstehen bietet diese Passionsmusik spannende Anhaltspunkte, weder als Beispiel f\u00fcr ein Opus perfectum (wie die Matth\u00e4uspassion) oder gar f\u00fcr ein Opus summum et ultimum (wie die in ihrer Art singul\u00e4re Missa h-Moll), sondern als Opus imperfectum sui generis. Weil der Komponist ihr &#8218;immer nur eine aktuelle und niemals eine endg\u00fcltige Gestalt&#8216; verliehen hat, erm\u00f6glicht die Johannespassion Studien zu Bachs bearbeitendem und differenzierendem Umgang mit eigenen St\u00fccken, vergleichbar durchaus dem Parodieverfahren. Steht allerdings bei jenem die endg\u00fcltige Einordnung von Einzels\u00e4tzen in neue Werkzusammenh\u00e4nge im Mittelpunkt, so geht es bei der Johannespassion um die Frage, wie Bach ein Werk vier Mal je verschieden beendet und zur Auff\u00fchrung bringt, ohne es jemals letztlich zu vollenden.\u00bb (Seite 59\/60) <br \/> <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Meinrad Walter: Johann Sebastian Bach \u2013 Johannespassion. Eine musikalisch-theologische Einf\u00fchrung. Mit 16 Farb-, 42 Schwarzwei\u00df-Abbildungen und 63 Notenbeispielen. Carus-Verlag, Stuttgart \/ Reclam-Verlag, Stuttgart 2011. 280 Seiten. \u20ac 29,90. Fr. 43.50.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>23.03.2011 &#8212; Vertraut ist sie uns, Bachs Johannespassion, die erstmals 1724 in Leipzig erklang. 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