{"id":728,"date":"2014-01-12T09:19:56","date_gmt":"2014-01-12T09:19:56","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/innovatives-in-sachen-musikalische-notation\/"},"modified":"2014-01-12T09:19:56","modified_gmt":"2014-01-12T09:19:56","slug":"innovatives-in-sachen-musikalische-notation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/innovatives-in-sachen-musikalische-notation\/","title":{"rendered":"Innovatives in Sachen musikalische Notation"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2011\/110524riggenbach.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>25.05.2011 &#8212; Wer Erkl\u00e4rungen zu musikalischen Symbolen sucht, kann ziemlich im Schilf stehen, \u00abBour\u00e9e\u00bb \u00abnicht schleppen\u00bb \u00ablusingando\u00bb, \u00abBridge\u00bb lassen sich ja noch relativ einfach einordnen, da alphabetisch klassifizierbar. Wie zum Teufel steht es aber mit einem Zeichen, das aus zwei parallelen waagrechten, zwei dar\u00fcbergelegten parallelen senkrechten Strichen und einem an einem der parallelen Striche h\u00e4ngenden Pfeilchen nach unten besteht? Wo nur findet sich ein Ordnungsprinzip f\u00fcr so etwas? Man kann\u2019s ja sprachlich fassen: es handelt sich um ein \u00abVersetzungszeichen zur Kennzeichnung von Mikrot\u00f6nen\u00bb. Das riecht aber nach K\u00f6penikiade oder Catch 22: Um da nachschlagen zu k\u00f6nnen, muss man ja schon wissen, was man in Erfahrung bringen m\u00f6chte.<\/p>\n<p> Auf \u00fcberraschende und ziemlich clevere Art Abhilfe schafft da der in Hamburg lebende Musikwissenschaftler Paul Riggenbach, der laut Lebenslauf \u00abmal ein ber\u00fchmter Physiker oder Mathematiker werden\u00bb wollte, dann aber doch der klingenden Kunst erlegen ist. Ein typisch physiko-mathematischer Hang zur Modellierung von Klassifikationssystemen ist ihm aber offensichtlich geblieben. Das Resultat ist das Nachschlagewerk \u00abSymbol- und W\u00f6rterbuch der Musik\u00bb. Es hat das Zeugs zum Klassiker.<\/p>\n<p> Das sehr ansprechend gelayoutete Nachschlagewerk ist spiralgebunden. Es kann damit auch aufgeschlagen problemlos auf Tisch oder Notenst\u00e4nder gelegt werden, ohne dass es gleich wieder zuklappt. Die musikalischen Symbole teilt es ein, je nachdem wieviel Linien, Ecken und Enden ein Symbol hat. Unser Beispiel findet sich in der Abteilung <em>4 Linien, 5 und mehr Ecken\/Enden<\/em>. <\/p>\n<p> Daneben finden sich in dem Buch Detailinfos zur grafischen und drucktechnischen Gestaltung von Punkten, Linien und Ecken, Angaben zu internationalen Notennamen, zur Notation Alter und Neuer Musik und auch zur grafischen Umsetzung von Ornamentik. Ein W\u00f6rterbuch vervollst\u00e4ndigt das Kompendium. <\/p>\n<p> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2011\/110524becker.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>Musikalische Notationen und Klassifikationen sind ein weites Feld. Vor allem in der Harmonik wird da mit historisch gewachsenen Kennzeichnungen gearbeitet, die vom terminologie-theoretischen Standpunkt aus alles andere als befriedigend scheinen. Sobald Harmonien etwas komplexer werden, beginnen sie sich zu verschr\u00e4nken und die Eindeutigkeit von Begriffen wie halbverminderter Septakkord (verk\u00fcrzter Dominantspetakkord mit None?), Quartenschichtung (oder Dursextakkord mit Sexte und None?) und so weiter zu verwischen. Tritonussubstitutionen und Umkehrungen tun das ihre. <\/p>\n<p> Der deutsche Musikp\u00e4dagoge und Systemprogrammierer Wilhelm Paul Becker hat sich zum Ziel gesetzt, ein Klassifikationssystem f\u00fcr Akkorde zu entwickeln, das alle m\u00f6glichen Tonschichtungen eindeutig benennt. Dazu trennt er Bezeichnung und harmonisch-kontextuale Deutung von Zusammenkl\u00e4ngen. <\/p>\n<p> Becker weist den Intervallen Prim bis Tritonus die Zahlen 1 bis 6 zu und benennt Akorde als Abfolge von Intervallen. Ein simpler Durdreiklang aus grosser Terz und kleiner Terz erh\u00e4lt so die Zahl 43. Kern des Bezeichnungssystems ist eine sogenannte engste Form von Akkorden. Becker definiert sie als Folge von Intervallabfolgen, die die kleinste Quersummer ergeben. <\/p>\n<p> Aus diesem einfachen Grundkonzept konstruiert Becker \u2013 zum Teil mittels pragmatischer Ad-hoc-L\u00f6sungen f\u00fcr praktische Probleme wie erst nach und nach sich bildenden Akkorden im polyphonen Ablauf \u2013 ein komplexe Analysetechnik. <\/p>\n<p> Becker ist \u00fcberzeugt, mit seinem System w\u00fcrden \u00abdie Ergebnisse der harmonischen <em>und<\/em> tonalen Analyse damit \u2013 zum ersten Mal \u2013 allgemeing\u00fcltig und f\u00fcr alle Epochen und Stilrichungen\u00bb vergleichbar. Das ist ein ziemlich ambitioniertes Unternehmen. Der Ansatz scheint zumindest aber recht interessant, wobei sich in der praktischen Analysearbeit erst erweisen d\u00fcrfte, ob damit mehr Erkenntis gewonnen werden kann, als mit den traditionellen musiktheoretischen Methoden. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Symbol- und W\u00f6rterbuch der Musik. Hrsg. Paul Riggenbach. 252 Seiten A5 quer, Spiralbindung an der L\u00e4ngsseite, 22,80 Euro inkl. Versand in ganz Europa, ISBN 978 3 911109 02 5. Bezugsnachweis: <a href=\"http:\/\/www.odradec.de\/Buchverlag\/Symbol-_und_Worterbuch_der_Mus\/symbol-_und_worterbuch_der_mus.html\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.odradec.de <\/a><br \/> Wilhelm Paul Becker: Harmonik und Tonalit\u00e4t. Grundlagen einer neuen Musiktheorie. Verlag Peter Lang Bern 2009. 122 Seiten., zahlr. Notenbeispiele, Europ\u00e4ische Hochschulschriften: Reihe 36, Musikwissenschaft. Bd. 258. ISBN 978-3-631-58688-4, 29 Fr. Bezugsnachweis: <a href=\"http:\/\/www.peterlang.com\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\"> www.peterlang.com <\/a> <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>25.05.2011 &#8212; Wer Erkl\u00e4rungen zu musikalischen Symbolen sucht, kann ziemlich im Schilf stehen, \u00abBour\u00e9e\u00bb \u00abnicht schleppen\u00bb \u00ablusingando\u00bb, \u00abBridge\u00bb lassen sich&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-728","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buchbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/728","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=728"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/728\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=728"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=728"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=728"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}