{"id":73,"date":"2014-01-06T10:54:34","date_gmt":"2014-01-06T10:54:34","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/06\/mozart-science-ii-in-wien\/"},"modified":"2014-01-06T10:54:34","modified_gmt":"2014-01-06T10:54:34","slug":"mozart-science-ii-in-wien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/06\/mozart-science-ii-in-wien\/","title":{"rendered":"\u00abMozart &#038; Science II\u00bb in Wien"},"content":{"rendered":"<p>01.12.2008<\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><strong>Im Wiener Palais Nieder\u00f6sterreich trafen sich Vertreter der Musiktherapie, Neurowissenschaftler und Chronobiologen aus aller Welt zum Dialog zwischen Praktikern und Forschern in Musikmedizin, Musiktherapie und Neuromusikologie.<\/strong><\/p>\n<p> In den letzten Jahren hat sich mehr und mehr gezeigt, dass die Musik so etwas wie einen Kristallisationskern darstellt, an dem sich zentrale Entwicklungen in den Neurowissenschaften, der Erkenntnistheorie, der theoretischen und praktischen Medizin sowie der Emotions- und Kognitionsforschung zu b\u00fcndeln beginnen. Dazu sind denn auch einige bedeutende Konferenzreihen mit weltweitem Zuspruch entstanden: Bereits etwas \u00e4lter, n\u00e4mlich 1989 begr\u00fcndet worden, ist die International Conference of Music Perception and Cognition (ICMPC), die heuer in Japan ihre zehnte Auflage erlebt hat. 1991 folgte die erste Auflage der Treffen der European Society for the Cognitive Science of Music (Escom), die 2009 in Finnland zum siebten Mal realisiert wird. Etwas j\u00fcngeren Datums ist die Conference on Interdisciplinary Musicology (CIM) \u2212 sie wird 2009 in Paris zum f\u00fcnften Mal durchgef\u00fchrt. J\u00fcngeren Datum ist auch The Neurosciences and Music, ein Kind der Mail\u00e4nder Fondazione Mariani. Letztere fand dieses Jahr (in Montreal) zum dritten Mal statt.<\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211; <br \/><strong>Die Weblinks<\/strong><br \/> Webseite der Konferenz:<br \/><a href=\"http:\/\/www.mozart-science.at\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.mozart-science.at<\/a><\/p>\n<p> <a href=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/dossiers_ind9.php?art=77\">Fotoimpressionen I<\/a><br \/> <a href=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/dossiers_ind9.php?art=78\">Fotoimpressionen II<\/a><br \/> &#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><br \/> Die Dynamik auf dem Gebiet illustrieren \u00fcberdies verschiedene Bem\u00fchungen um Neugr\u00fcndungen akademischer Gesellschaften und Informationsplattformen, namentlich in Italien und in Hannover, wo der Musikphysiologe Eckart Altenm\u00fcller (zusammen mit dem amerikanischen Musiktherapeuten Michael Thaut) Arbeiten an einer frisch ins Leben gerufenen \u00abSociety for Clinical Neuromusicology\u00bb vorantreibt.<\/p>\n<p> Zu diesen wichtigen Aktivit\u00e4ten hat sich nicht zuletzt dank eines Engagements des \u00f6sterreichischen Bundeslandes Nieder\u00f6sterreich die interdisziplin\u00e4re Konferenz \u00abMozart &amp; Science\u00bb gesellt, die vor allem Br\u00fccken zwischen Musikmedizin, Musikermedizin, Musiktherapie und Neuromusikologie schl\u00e4gt. Sie hat nach 2006 dieses Jahr ihre zweite Auflage erlebt. Und wie bereits 2006 (siehe <a href=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/rezensionen_ind2.php?art=311\">Konferenzbericht<\/a>) ist es der veranstaltenden I.m.a.r.a.a. (International Music and Art Research Association Austria) gelungen, eine Atmosph\u00e4re zu schaffen, in der ein echter Dialog zwischen den unterschiedlichsten inter- und intradisziplin\u00e4ren Schulen zustandekommen konnte.<\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 340px;\" border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"right\" valign=\"bottom\" width=\"200\"><span class=\"txt-s-black\"><strong>Elemente der Forschung: vom Experiment (Manfred Clynes legend\u00e4rer \u00abSentograph\u00bb)&#8230;<\/strong><br \/><\/span><\/td>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/bilder\/2008\/081123pp1.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00abMozart &amp; Science II\u00bb war gepr\u00e4gt von drei zur Zeit besonders st\u00fcrmisch verlaufenden und eng zusammenh\u00e4ngenden Entwicklungen, zum ersten der dank modernen Verfahren zur Hirnaktivit\u00e4ts-Vermessung stetig steigenden Flut an Experimentaldaten der Neurowissenschaften und ihrer methodischen Einordnung, zum zweiten der Erweiterung des Menschenbildes in der modernen Medizin um funktionale Modelle der Chronobiologie und des Energiehaushaltes des menschlichen K\u00f6rpers und zum dritten der solideren theoretischen Fundierung der Musiktherapie und ihrer Anwendungen.<\/p>\n<p> <strong>Theoretische Fundierungen der Musiktherapieforschung<\/strong><\/p>\n<p> Grunds\u00e4tzliche Gedanken zu einer methodischen Fundierung der Musiktherapie machten sich in Wien etwa Thomas Hillecke als Vertreter der als \u00abHeidelberger Schule\u00bb charakterisierbaren Gruppe rund um das Deutsche Zentrum f\u00fcr Musiktherapieforschung in Heidelberg, die an der Temple Universit\u00e4t in Philadelphia t\u00e4tige Amerikanerin Cheryl Dileo sowie ihr Landsmann Julian Thayer, der an der Ohio State University t\u00e4tig ist.<\/p>\n<p> Hillecke erl\u00e4uterte den Heidelberger Ansatz, der sich vor allem durch anwendungsorientierte Pragmatik auszeichnet und Anwendungsgebiete f\u00fcr die Musiktherapie abzugrenzen versucht, in denen sich diese alternativen Therapieformen wie Medikationen oder Psychotherapien gegen\u00fcber als effizienter erweist. Dazu, so Hillecke, ist die Ausformulierung von sogenannten \u00abTherapiemanualen\u00bb sinnvoll, in denen f\u00fcr spezifische Indikationen die entsprechenden therapeutischen Interventionen so weit wie n\u00f6tig normiert werden.<\/p>\n<p> Damit soll gew\u00e4hrleistet werden, dass sich die Wirkung, die in der empirischen Forschung nachgewiesen worden ist, auch wirklich replizieren l\u00e4sst. Ob dies tats\u00e4chlich ein gangbarer Weg ist, wird sich nach Einsch\u00e4tzung von Praktikern allerdings noch zeigen m\u00fcssen. Dar\u00fcber hinaus, so Hillecke, sollten die Studierenden an ein Denken und Handeln herangef\u00fchrt werden, das eine wissenschaftliche Anwendung des eigenen Wissens und K\u00f6nnens zur Selbstverst\u00e4ndlichkeit macht. Mit andern Worten: Musiktherapeuten m\u00fcssen im klinischen Alltag den schulmedizinischen Partnern auf Augenh\u00f6he begegnen.<\/p>\n<p> Mit Blick auf die aktuell verf\u00fcgbaren Forschungsdaten zur Musiktherapie diagnostizierte auch Julian Thayer noch einen erheblichen Nachholbedarf. Die typischen Ver\u00f6ffentlichungen zum Fach, so Thayer, seien gekennzeichnet durch eine kleine Zahl an Versuchspersonen, fehlende oder ungen\u00fcgend zusammengestellte Kontrollgruppen, nicht standardisierte Messprotokolle und eine grosse Variabilit\u00e4t zwischen den einzelnen Experimentatoren und Therapeuten, die eine Vergleichbarkeit der Studien schwierig mache.<\/p>\n<p> Wie weit die Erforschung und der Nachweis der Wirkung von Musiktherapie aber dennoch bereits vorangeschritten ist, zeigte Cheryl Dileo auf, die dazu eine beeindruckende Metastudie pr\u00e4sentierte. Die fortgeschrittene Akzeptanz der Musiktherapie belegte sie mit dem Hinweis, dass im Rahmen der sogenannten \u00abCochrane Collaboration\u00bb, einem bei Medizinern respektierten weltweiten Netz von Wissenschaftlern und \u00c4rzten, das als integre Instanz f\u00fcr die Beglaubigung von Wirkungsnachweisen f\u00fcr Therapien gilt, mittlerweile zahlreiche Programme zur Musiktherapie aufgegleist sind. Sie umfassen Anwendungen mit Blick auf Depression, Schizophrenie, Autismus, Demenz, Schmerzbehandlung, Hirnverletzungen, Operationsangst, Befindlichkeit bei Krebsbehandlungen und Palliativmedizin.<\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 360px;\" border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"204\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/bilder\/2008\/Vuust008.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<td align=\"left\" valign=\"bottom\" width=\"200\"><span class=\"txt-s-black\"><strong>&#8230;\u00fcber die Beobachtung (der D\u00e4ne Peter Vuust zeigt verschiedene Reaktionen von Kleinkindern auf die gleiche Musik)&#8230;<\/strong><br \/><\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">Dileo warnte mit Blick auf diese Palette an Anwendungen davor, den methodischen Rahmen f\u00fcr die Musiktherapie allzu eng zu stecken. Wirkungsnachweise, so die Amerikanerin, f\u00e4nden sich in den unterschiedlichsten wissenschaftlichen Kulturen und m\u00fcssten sowohl quantitative wie auch qualitative Methoden nutzen. Mit Hillecke einig zeigte sie sich mit Blick auf die Forderung, Indikationen und Therapien besser zu definieren. In ihrem umfangreichen Katalog an Forderungen an die k\u00fcnftige Forschung gab sie sie unter anderem aber auch \u00fcberzeugt, dass auch die Langzeitwirkungen von musiktherapeutischen Interventionen ins Blickfeld des Interesses r\u00fccken m\u00fcssten.<\/p>\n<p> <strong>An den Grenzen der menschlichen Existenz<\/strong><\/p>\n<p> Den Bogen m\u00f6glichst weit zu spannen, um das Potential der Musiktherapie tats\u00e4chlich zu erfassen, dr\u00e4ngt sich mit Blick auf die in Wien pr\u00e4sentierten Anwendungsgebiete auf, tendenziell vor allem existentielle Grenzerfahrungen: Fr\u00fchgeburten, Wachkoma, Sterbebegleitung, Trauma, Neurorehabilitation&#8230; Sicherlich ist dies kein Zufall. So erinnerte etwa der Australier Stephen Malloch daran, dass das Geh\u00f6r das erste Sinnessystem ist, das beim Menschen ausgebildet wird. Es spielt beim Erwerb der fundamentalen Strukturen der Weltwahrnehmung eine entscheidende Rolle, und bildet deshalb in der Regel den ersten Kanal \u00fcber den das Neugeborene, aber auch den letzten oder einzigen, \u00fcber den Sterbende oder Komapatienten erreicht werden k\u00f6nnen. Selbst bei den sehr erfolgreichen Verfahren der Rehabilitation von Aphasiepatienten \u2212 pr\u00e4sentiert vom amerikanischen Neurowissenschaftler Gottfried Schlaug \u2212, die dank rhythmischen Feedbacks und gestalthaften verbalen \u00abEselsbr\u00fccken\u00bb wieder zu normalem Sprechen finden, kann man sich fragen, ob aufgrund des Sensoriums der ersten Welterfahrung statt eines \u00abReparierens\u00bb der zerebralen Kontrolle nicht vielmehr ein vollst\u00e4ndiger Neuaufbau der Wahrnehmung von K\u00f6rper und Umwelt stattfindet.<\/p>\n<p> <strong>Komptenzen statt Anwendungen legitimieren Musiktherapie<\/strong><\/p>\n<p> Zu den St\u00e4rken der Musiktherapeuten geh\u00f6ren im klinischen Umfeld demnach das Erkennen physiologischer Reaktionen auf akustische Interventionen und der Zugang zu ansonsten nicht ansprechbaren Patienten mit den Mitteln der nicht-verbalen akustischen Kommunikation. Vermutlich, dies k\u00f6nnte eine der Einsichten aus den Tagungsdiskussionen und Fallbeschreibungen sein, ist die Musiktherapie deshalb gut beraten, sich k\u00fcnftig weniger \u00fcber einzelne, eng definierte Therapien zu legitimieren, auch wenn da \u2212 im deutschsprachigen Raum vor allem im Umfeld der Heidelberger Schule \u2212 mittlerweile durchaus achtbare Wirkungsnachweise erbracht werden. Vielmehr scheinen ihre Vertreter gut beraten, vor allem darauf hinzuarbeiten, als Spezialisten wahrgenommen zu werden, die dank ihrer speziellen Kompetenz eine wichtige Dimension mehr (n\u00e4mlich die Vertrautheit mit H\u00f6rraum und akustischer Kommunikation) in Therapie und Diagnose einbringen und auf den individuellen Patienten abgestimmte Behandlungsstrategien zu definieren in der Lage sind.<\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 340px;\" border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"right\" valign=\"bottom\" width=\"200\"><span class=\"txt-s-black\"><strong>&#8230;zur Modellbildung (Der Brite David Lee mit mathematischen Beschreibungen von K\u00f6rperkoordinationen).<\/strong><br \/><\/span><\/td>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/bilder\/2008\/Lee029.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">Da d\u00fcrfte auch die traditionelle Fallstudie nicht ausgedient haben. Denn Akzeptanz im wissenschaftlichen und klinischen Umfeld kann im Grunde genommen selbst mit solide fundierten randomisierten Doppelblindstudien nicht erreicht werden, wenn der Therapieform gegen\u00fcber gewohnheitsm\u00e4ssige oder gef\u00fchlsbedingte Vorurteile bestehen. Zahlreiche verbreitete schulmedizinische Therapien sind ja auch nicht akzeptiert, weil sie sich immer wieder nach allen Regeln der Kunst beweisen (und unter Umst\u00e4nden durchaus Probleme h\u00e4tten, dies tats\u00e4chlich zu tun), sondern weil sie der skeptischen Gilde der Mediziner gef\u00fchlsm\u00e4ssig <em>plausibel<\/em> scheinen. Diesen Grad an gewohnheitsm\u00e4ssiger Plausibilit\u00e4t erreicht die Musiktherapie vermutlich nur, indem sie Teil des klinischen Alltages und dank gut dokumentierter Fallbeschreibungen einsichtig wird. Solche sind in Wien tats\u00e4chlich \u00fcberzeugend pr\u00e4sentiert worden, etwa von Gerhard Tucek im Fall von Wachkoma-Patienten, von Eckart Altenm\u00fcller und dem Finnen Jaakko Tapani Erkkill\u00e4 mit Blick auf die Neurorehabilitation, vom Amerikaner Gottfried Schlaug mit Blick auf die Arbeit mit Aphasiepatienten, der Kanadierin Lucanne Magill zur Begleitung sterbender Patienten und der New Yorkerin Joanne Loewy \u00fcber die Arbeit in der Neugeborenen-Intensivstation.<\/p>\n<p> <strong>Physiologische Indikatoren der Wirkung<\/strong><\/p>\n<p> Schwierigkeiten im Wirkungsnachweis hat die Musiktherapie in ihren st\u00e4rksten Dom\u00e4nen, den Grenzerfahrungen der menschlichen Existenz, weil sich die Betroffenen in der Regel eben nicht willentlich artikulieren und die Effekte der Therapie deshalb nicht direkt abgefragt werden k\u00f6nnen. Physiologische Reaktionen auf diese Interaktionen lassen sich aber sehr wohl nachweisen. Da bietet die Chronobiologie, die an dem Kongress ebenfalls prominent vertreten war, m\u00f6glicherweise die zukunftsweisenden Instrumente. Aufschlussreich waren etwa die Methoden, die der an der Akademie der Bildenden K\u00fcnste in Wien t\u00e4tige Hans Ullrich Balzer pr\u00e4sentierte. So bestehen, wie er \u00fcberzeugend aufzeigte, begr\u00fcndete Hoffnungen, dass sich aus einer ganzen Reihe von physiologischen Indikatoren Synchronisationszust\u00e4nde zwischen Patienten und Therapeuten und eine qualitativ beurteilbare Ver\u00e4nderung der Stoffwechselvorg\u00e4nge beim Patienten nachweisen lassen.<\/p>\n<p> Die Chronobiologie hat m\u00f6glicherweise aber auch einen Schl\u00fcssel zur Hand, um Ph\u00e4nomene ins wissenschaftliche Blickfeld zu r\u00fccken, die jedem praktizierenden Musiker bestens vertraut sind und dessen T\u00e4tigkeiten massgeblich beeinflussen, aber in P\u00e4dagogik und Arbeitsmedizin kaum systematisch erfasst werden. Weshalb gelingt heute etwa spielend, was gestern M\u00fche bereitete? Weshalb versteht man sich mit dem einen Musikpartner auf Anhieb, w\u00e4hrend man mit einem anden nie in eine gemeinsame \u00abSchwingung\u00bb findet? Weshalb vergisst man bei einem P\u00e4dagogen w\u00e4hrend des Unterrichts die Zeit v\u00f6llig, w\u00e4hrend sie bei einem andern z\u00e4h dahinzufliessen scheint? Weshalb schafft man es, eine technisch schwierige Passage dank hoher Motivation nach und nach zu bew\u00e4ltigen, w\u00e4hrend eine andere sich mehr und mehr zum Angsterlebnis ausw\u00e4chst? Die Liste l\u00e4sst sich fast beliebig erweitern. Da zeigen die chronobiologischen Indikatoren m\u00f6glicherweise auf, welche unterschwelligen Prozesse im menschlichen K\u00f6rper in solchen Situationen ablaufen und wie sie sich beeinflussen lassen.<\/p>\n<p> <strong>Kritische Sichtung empirischer Befunde<\/strong><\/p>\n<p> Da die Themen der Konferenz sich schwerpunktm\u00e4ssig in Randgebieten der menschlichen Existenz und Wahrnehmung bewegten, schien es nur nat\u00fcrlich, dass sich auch in Sachen Experimentaldaten das Interesse auch \u00fcber Ph\u00e4nomene erstreckte, die man gemeinhin parawissenschaftlichen, spirituellen oder alternativmedizinischen Weltanschauungen zuordnet. Wie die Programmierung der Konferenz richtigerweise bekr\u00e4ftigt, darf sich eine Musikwirkungsforschung, die sich mit den eigenen methodischen und empirischen Grundlagen auseinandersetzt, solchen Ans\u00e4tzen nicht verschliessen. Genausowenig darf sie, dies ist den Veranstaltern von \u00abMozart &amp; Science\u00bb aber genauso bewusst, Konzessionen machen, wenn es darum geht, diese \u00fcberaus popul\u00e4ren, aber von Schulmedizinern gerne gemiedenen Weltsichten dem Tribunal der strengen wissenschaftlichen Untersuchungs- und Nachweismethoden zu \u00fcberantworten. Dabei kann durchaus offengelassen werden, was am Schluss von den Ausgangskonzeptionen \u00fcbrig bleibt. Das Beschreiten der neuen Wege d\u00fcrfte sich aber sicherlich als Quelle neuer und ungewohnter Einsichten ins Verh\u00e4ltnis von Musik und K\u00f6rper erweisen.<\/p>\n<p> Beispiele dazu lieferten etwa die an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversit\u00e4t in Salzburg t\u00e4tige Vera Brandes, die eine breit angelegte Studie zur Wirkung von rezeptiver Musiktherapie auf Basis chronobiologischer Erkenntnisse pr\u00e4sentierte. Sie r\u00e4umte zwar die Skepsis im Publikum gegen\u00fcber dem ungew\u00f6hnlichen Ansatz nicht ganz aus, vor allem weil die Beschaffenheit des \u00abWirkstoffes\u00bb, eigens f\u00fcr die Anwendungen komponierte Musik, und der Wirkmechanismus dem Auditorium opak blieben. Die seri\u00f6se Machart der Studie wurde aber durchaus anerkannt. Sie d\u00fcrfte als sinnvoller Ausgangspunkt f\u00fcr weitere Forschungen dienen.<\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 360px;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><span class=\"txt-s-black\"> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/bilder\/2008\/081123podium.jpg\" border=\"0\" alt=\"Schlussdiskussion\" \/> <\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><center><span class=\"txt-s-black\"><strong>Schlussdiskussion mit (v.l.n.r.): Roland Haas (I.m.a.r.a.a., Initiator der Tagung), David Aldridge, Siegfried B\u00f6hm-\u00d6ppinger (\u00d6sterreichischer Berufsverband der Musiktherapeuten), Andreas Remmel (Psychosomatisches Zentrum Waldviertel Eggenburg), Wolfgang Sobotka (Nieder\u00f6sterreichische Landesregierung) und Gerhard Tucek (I.m.a.r.a.a.).<\/strong><\/span><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><\/p>\n<p> Vielversprechende, an der Medizinischen Universit\u00e4t Wien gewonnene Ergebnisse zur Beeinflussung der Herzratenvariabilit\u00e4t auf Basis chronobiologischer Konzeptionen legten Klaus-Felix Laczika und Alfred Lohninger vor. Skepsis weckten hingegen Versuchsreihen mit Ratten, die der an der Universit\u00e4t Heidelberg t\u00e4tige Bj\u00f6rn Lemmer vorstellte. Sie sollen zeigen, dass die Labortiere auf Musik von Mozart anders reagieren als auf solche Gy\u00f6rgy Ligetis. Der Wert der Ergebnisse wurde in der Diskussion vor allem mit dem Hinweis darauf relativiert, dass die Ratten h\u00f6chstwahrscheinlich einen anderen Ausschnitt aus dem akustischen Frequenzspektrum wahrnehmen als der Mensch und deshalb auch die zugespielte Musik nicht in der gleichen Weise h\u00f6ren d\u00fcrften. Was also die unterschiedlichen Reaktionen ausl\u00f6st, bleibt auch hier durchaus unklar, wie selbst Lemmer einr\u00e4umte.<\/p>\n<p> Auch in der den Kongress begleitenden Poster-Konferenz fanden sich einige Projekte, die auf chronobiologische oder verwandte Ph\u00e4nomene rekurrierten, so etwa zu einer gesangstherapeutischen Methode des Psychotherapeuten und Mystikers Jaan Karl Klasmann, welche die Existenz eines elektromagnetischen Meridiansystems postuliert und dessen Zustand als Indikator des physiologischen Gleichgewichtes betrachtet. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\"><em>Mozart&amp; Science 2008, 2. Internationaler Kongress der interdisziplin\u00e4ren Musikwirkungsforschung, 16. bis 19. November 2008 in Wien, Palais Nieder\u00f6sterreich. Der Referent hat an dem Kongress auf Einladung und Kosten der Veranstalter teilgenommen.<\/em> <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>01.12.2008 Im Wiener Palais Nieder\u00f6sterreich trafen sich Vertreter der Musiktherapie, Neurowissenschaftler und Chronobiologen aus aller Welt zum Dialog zwischen Praktikern&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[],"class_list":["post-73","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-musiktherapie","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/73","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=73"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/73\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=73"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=73"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=73"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}