{"id":731,"date":"2014-01-12T09:22:28","date_gmt":"2014-01-12T09:22:28","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/mir-choemme-huet-uf-d-laenzburg-alli-mitenand\/"},"modified":"2014-01-12T09:22:28","modified_gmt":"2014-01-12T09:22:28","slug":"mir-choemme-huet-uf-d-laenzburg-alli-mitenand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/mir-choemme-huet-uf-d-laenzburg-alli-mitenand\/","title":{"rendered":"\u00abMir ch\u00f6mme h\u00fct uf d\u2019L\u00e4nzburg alli mitenand\u00bb"},"content":{"rendered":"<table cellpadding=\"10\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"430\"><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><strong>25.06.2011 &#8212; Die \u00abLenzburgiade\u00bb bringt auf Schloss Lenzburg Klassik- und Folk-Publikum zusammen. Es ist nicht das erste Mal, dass auf der markanten Burg westlich von Z\u00fcrich musikalische Grenzen gesprengt werden.<\/strong><\/p>\n<p> Ein Reformp\u00e4dagoge, ein skandalumwitterter Dichter, ein Polarforscher und zahlreiche weitere farbige Figuren bewohnten das zwischen Z\u00fcrich und Olten gelegene Schloss Lenzburg schon. In den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde da aber auch Schweizer Musikgeschichte geschrieben: Das Internationale Folk-Festival auf der Burg pr\u00e4gte von 1972 bis 1980 \u2013 etwas verz\u00f6gert zu den Entwicklungen in den USA, Skandinavien und Deutschland \u2013 die Aufbruchbewegung der innovativen Volksmusik-Szene. Mittlerweile ist es selber Geschichte: Die Aufnahmen aus der Zeit haben den Weg ins Schweizerische Volksliedarchiv gefunden.<\/p>\n<p> Die Kulturwissenschaftlerin und fr\u00fchere Professorin der Universit\u00e4t Basel Christine Burckhardt-Seebass ist die Chronistin des Festes. Den Zeitgeist bringt sie in der Zeitschrift <em>Schweizerisches Archiv f\u00fcr Volkskunde<\/em> 1987 in einem geschichtlichen Abriss zum Festival auf den Punkt. <\/p>\n<p> Folk sei zu dieser Zeit kein abgegrenzter Musikstil gewesen, sondern \u00abauch eine geistige Bewegung des Widerstandes gegen Umweltzerst\u00f6rung, Wirtschaftsabh\u00e4ngigkeit und Militarismus\u00bb &#8211; eine lokale Bank als wichtigster Sponsor wie beim heute auf der Burg durchgef\u00fchrten Begegungs-Festival w\u00e4re da vermutlich vollkommen undenkbar gewesen. Pr\u00e4gend war damals ein \u00abgewisser fr\u00f6hlicher Dilettantismus\u00bb, der einen Teilnehmer \u00abeinmal an seine Blockfl\u00f6tenstunde erinnerte\u00bb. Musikalisch kann er als erste Globalisierungswelle der Volksmusik verstanden werden. <\/p>\n<p><\/span><\/span><center> <\/p>\n<table style=\"width: 300px;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><span class=\"txt-s-black\"> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2011\/110624_lenzburgiade_1.jpg\" border=\"0\" \/> <\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><center><strong><span class=\"txt-s-black\">Impressionen aus dem Workshop der Tanzgeiger: Auch der rechte Tanzschritt will ge\u00fcbt sein.<\/span><\/strong><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><br \/> Fast schon r\u00fchrend: die Passagen in Burckhardt-Seebass\u2019 Artikel zum Verh\u00e4ltnis des Festivals zu den elektronischen Medien. Das Fernsehen wurde \u00abnur f\u00fcr kurze Berichterstattungen zugelassen\u00bb, einzig einem TV-Team des Saarl\u00e4ndischen Rundfunks \u00aberlaubte man\u00bb 1978 eine Kleinreportage. Da haben sich die Selbstdarstellungsbed\u00fcrfnisse im Kulturleben heute doch gewaltig weiterentwickelt. <\/p>\n<p> Irgendwie scheint die Begegnung unterschiedlicher Musikstile zum Genius loci der Burg zu geh\u00f6ren. Mit der Lenzburgiade, die seit 2009 Klassik und Folk auf der Burg zusammenbringt, wird die Idee wieder aufgenommen. Wieder heisst es, wie im Lenzburg-Lied von 1972 des Liedermachers Urs Hostettler \u00abMir ch\u00f6mme h\u00fct uf d\u2019L\u00e4nzburg alli mitenand\u00bb.<\/p>\n<p> \u00c4sthetik und Lebensgef\u00fchl haben sich aber stark ge\u00e4ndert. Auffallend ist die Professionalisierung, die stil\u00fcbergreifende Bewegungen seit der Zeit der alternativen Ch\u00f6rnlipicker im Batik-Baumwollshirt erfahren haben, aber auch die Verb\u00fcrgerlichung des Ambientes, allerdings ohne dass der famili\u00e4re Charakter und die entspannte Atmosph\u00e4re verlorengegangen w\u00e4re. <\/p>\n<p> Laut Selbstdeklaration will die Lenzburgiade die engen Verwandtschaften zwischen traditioneller Volksmusik und klassischer Musik aufzeigen, und das gelingt ihr auf h\u00f6chstem Niveau. Sie bewegt sich dabei nicht im leeren Raum, sondern kn\u00fcpft an globale Entwicklungen an, welche die Genres in den letzten Jahren wieder n\u00e4her zueinander gebracht haben. <\/p>\n<p> Fabian M\u00fcller, neben dem Cellisten Stephan Goerner einer der k\u00fcnstlerischen Leiter der Lenzburgiade, hat das Kompositions-Handwerk unter anderem an der Sommerakademie des Aspen Music Festival erlernt (und dort auch einen namhaften Preis gewonnen). F\u00fcr Lucerne Festival hat er 2010 eine Auftragskomposition (\u00abAlpini Vern\u00e4hmlassig\u00bb) geschrieben, im Auftrag der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia f\u00fcr das Carmina Quartett etwa auch ein Streichquartett mit dem Titel \u00abDas Helvetische\u00bb zu Papier gebracht. <\/p>\n<p> M\u00fcller ist ein herausragender Wegbereiter der neueren Volksmusik-Forschung in der Schweiz. Eine Dekade arbeitete er an der Herausgabe der Hanny-Christen-Sammlung, einer zehnb\u00e4ndigen Volksmusik-Anthologie aus dem 19. Jahrhundert. Er war Gr\u00fcnder und Leiter des M\u00fclirad-Verlages und Initiant des Schweizer Volksmusik-Instituts \u00abHaus der Volksmusik\u00bb in Altdorf. <\/p>\n<p> Dass er international auf seinem Gebiet exzellent vernetzt ist, erm\u00f6glicht es ihm, die ungew\u00f6hnlichsten Formationen auf die Burg zu locken. Heuer neben zahlreichen andern aus den USA, der T\u00fcrkei, Spanien, Italien, Ungarn, Brasilien und nat\u00fcrlich der Schweiz etwa die Tanzgeiger aus Wien. Deren Primas Rudi Pietsch ist Mitarbeiter am Institut f\u00fcr Volksmusikforschung und Ethnomusikologie an der Wiener Kunstuni und nicht nur versiert im Geigenbogen-Streichen, sondern auch mit einem frech-lockeren Moderatoren-Mundwerk gesegnet. <\/p>\n<p><\/span><\/span><center> <\/p>\n<table style=\"width: 260px;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><span class=\"txt-s-black\"> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2011\/110624_lenzburgiade_2.jpg\" border=\"0\" \/> <\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><center><strong><span class=\"txt-s-black\">W\u00e4hrend der Lenzburgiade bietet sich auch die Gelegenheit zu einem Kulturspaziergang durch das St\u00e4dtchen.<\/span><\/strong><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center><span class=\"txt-m-black\"><br \/> Die Tanzgeiger verbinden laut Selbsteinsch\u00e4tzung \u00abh\u00f6chste musikantische Anspr\u00fcche mit einer kindlichen und spontanen Freude an lapidaren Unsinnigkeiten\u00bb. Zu ihrem (wie alle andern Konzerte des Festivals ausverkauften) Auftritt im Alten Gemeindesaal von Lenzburg gab\u2019s stimmigerweise ein gastronomisches Wiener Men\u00fc und viel ausgelassene Tanzatmosph\u00e4re, die in einer \u00abNacht\u00fc\u00fcle\u00bb genannten Afterparty Fortsetzung fand.<\/p>\n<p> Zuvor hatten die Tanzgeiger oben auf dem Schloss noch einen Workshop durchgef\u00fchrt und dabei etwa auch die feinen Nuancen zwischen wienerischen Walzern und l\u00e4ndlerischen T\u00e4nzen expliziert und was etwa bei Schubert denn nun wirklich was ist, wenn auch anders betitelt, und wie man einen richtigen Tusch spielt, damit die Tanzenden einander komplimentieren k\u00f6nnen &#8230; <\/p>\n<p> Sollte die Lenzburg ein Schlossgespenst beherbergen, hat es im Geb\u00e4lk sicherlich mitgetanzt. Und die andern fr\u00fcheren Bewohner, der Reformp\u00e4dagoge, der Dichter und der Polarforscher? Der Pestalozzi-Intimus Johann Karl Christian Lippe gr\u00fcndete auf der Burg 1823 eine philanthropische Privatschule, Frank Wedekind, der Sch\u00f6pfer von Skandaltexten wie \u00abFr\u00fchlings Erwachen\u00bb und \u00abLulu\u00bb, verbrachte dort seine Jugend, und Lincoln Ellsworth lebte dort, nachdem er mit Roald Amundsen mit dem Luftschiff Norge erstmals zweifelsfrei den Nordpol erreicht hatte. Von dort aus f\u00fchren alle Wege in den S\u00fcden, so wie sie von der Lenzburg aus auch alle wieder nach unten f\u00fchren. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span class=\"txt-s-black\">Lenzburgiade, 8. bis 14. Juni 2011, Internationales Musikfestival auf Schloss Lenzburg. <\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>25.06.2011 &#8212; Die \u00abLenzburgiade\u00bb bringt auf Schloss Lenzburg Klassik- und Folk-Publikum zusammen. 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