{"id":732,"date":"2014-01-12T09:23:02","date_gmt":"2014-01-12T09:23:02","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/die-ritter-und-ihre-welt\/"},"modified":"2014-01-12T09:23:02","modified_gmt":"2014-01-12T09:23:02","slug":"die-ritter-und-ihre-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/die-ritter-und-ihre-welt\/","title":{"rendered":"Die Ritter und ihre Welt"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2011\/rit23611.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>07.07.2011 &#8212; Tristan und Isolde, Parzival, K\u00f6nig Artus und seine Tafelrunde, der Zauberer Merlin, Richard L\u00f6wenherz und eine ganze Heerschar illustrer Figuren, darunter das Personal des Nibelungenlieds (teilweise eingegangen in Wagners \u00abRing\u00bb), behaupten Rang und Raum in unserer Vorstellung vom Mittelalter. <\/p>\n<p> Viele f\u00fchren ein vitales Leben nach dem Untergang des Rittertums: Renaissancen in der Musik (der Oper vor allem), der bildenden Kunst und in der Literatur. Thematische Ausstellungen in historischen Museen, Hollywood-Produktionen, PC-Action-Spiele, Mittelalterm\u00e4rkte mit Ritterfestspielen, Rittertafeln in Burggem\u00e4uern und theatralisch aufwendige Rekonstruktionen ber\u00fchmter Schlachten mit Dutzenden von Pferden locken V\u00f6lkerscharen in die ferne Vergangenheit. <\/p>\n<p> Realit\u00e4t und Phantasie verzahnen sich: Die Ritter und deren hohe Zeit haben bis heute nichts von ihrer Faszination eingeb\u00fcsst. Da waren, so will es die Legende, die M\u00e4nner noch Kerle, Krieger, Haudegen und Wegelagerer. Sie waren Tournierk\u00e4mpfer, Raubritter, Kreuzfahrer (milites christiani, Gotteskrieger) und enragierte Frauenverehrer, die zur Laute leise Balladen sangen. Und Burgfr\u00e4ulein und h\u00f6fische Damen schenkten heldenhaften Minnerittern Huld (und manchmal gar mehr). <\/p>\n<p> Doch auch hier ist alles viel komplexer, als es den Anschein macht. Karl-Heinz G\u00f6ttert, Germanistikprofessor an der Universit\u00e4t K\u00f6ln, vielseitig interessierter Autor (aus seiner Feder stammen Publikationen zu Themen wie Aberglaube, Sprichw\u00f6rter, neue Rechtschreibung, Feste, Geschichte des Anstands, Schw\u00e4tzer) und Herausgeber, geht in seinem j\u00fcngsten Buch den Gr\u00fcnden nach, die Ritter und Rittertum ausgezeichnet haben, beschreibt den damit verbundenen Lebensentwurf samt seinen Facetten und er\u00f6rtert, was davon trotz des Untergangs der Ritter \u00abnoch in uns steckt bzw. was genau wir eigentlich \u00fcberwunden haben (oder auch nicht)\u00bb. <\/p>\n<p> In 36 inhaltlich klar gegliederten Kapiteln spannt G\u00f6ttert den Bogen von den Urspr\u00fcngen des Rittertums im fr\u00fchen Mittelalter bis zum Untergang des Alten Reiches 1803 und dem Fortleben des Ritters und seiner Welt im historischen Roman und im Film. Das mit Schwarz-weiss-Illustrationen bereicherte B\u00e4ndchen nimmt ein durch die konzentrierte, stilistisch geschliffene Darstellung der wesentlichen Aspekte des Themas mitsamt den sozialen und geschichtlichen Ver\u00e4nderungen \u00fcber all die Jahrhunderte in Europa. <\/p>\n<p> Klar auseinandergehalten sind der historisch fassbare Ritterstand und das literarisch-fiktive Rittertum: Auf der einen Seite Kreuzz\u00fcge, Schwertleite, Tournier, Wappen, Flaggen, geistliche und weltliche Ritterorden, Formen der Adelsgesellschaften, Entwicklung und Untergang der st\u00e4ndischen Ordnung, Verfall des Rechts, Modelle der Konfliktbew\u00e4ltigung, Ausbildung der Territorialstaaten; andrerseits die h\u00f6fische Literatur, die Helden- und Kreuzzugsdichtungen, die grossen Epen (Eneasroman, Erec, Roman de Perceval, Rolandslied, Parzival, Tristan, Nibelungenlied, Willehalm). Weil die F\u00fclle der Information nicht durch ein Namen- und Sachregister aufgeschl\u00fcsselt ist, gestaltet sich die Suche allerdings zu einem Geduld voraussetzenden Unterfangen. <\/p>\n<p> Ein breites Panorama auf beschr\u00e4nktem Raum: Wer sich \u00fcber die wichtigsten Elemente unter dem Stichwort Ritter ohne weitschweifige Wege unterhaltsam ins Bild setzen will, findet hier eine pr\u00e4gnante Gesamtdarstellung, die j\u00fcngste Erkenntnisse der historischen Forschung einbezieht und in den Literaturangaben auf Standardwerke und vertiefende Publikationen hinweist.<\/p>\n<p> <strong><em>Zitat aus dem Buch: <\/em><\/strong><br \/> \u00abFreiheit war es wirklich, was der Ritter verk\u00f6rperte. [\u2026] Kaum jemals in der Geschichte hat die Freiheit sich eine so attraktive Form gegeben. Der Ritter reitet nicht einfach, sondern er reitet, wohin er will. Er fragt nicht, ob er das Schwert gebrauchen darf, sondern gebraucht es. Er achtet nicht auf Gewinn, sondern verschleudert, was er hat bzw. sich zusammenraubt. Die geheimen Sehns\u00fcchte beziehen sich auf eine Figur, die die Zivilisationsgeschichte r\u00fcckg\u00e4ngig macht, das Unbehagen in der Kultur, das Freud so eindringlich als Unbehagen an den Zw\u00e4ngen mitten in der F\u00fclle des Fortschritts beschrieben hat. Der Ritter ist die archaische Version des modernen Menschen, frei, aber ohne die Kosten der Selbstbestimmung, wenn man diese mit den andern teilen muss. Wer vom Ritter tr\u00e4umt \u2013 fassen wir es so zusammen \u2013, tr\u00e4umt von einer Moderne ohne Misere.\u00bb (Seite 13) <br \/> <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Karl-Heinz G\u00f6ttert: Die Ritter. Mit 85 Schwarz-weiss-Abbildungen. 300 Seiten. Reclam-Verlag, Stuttgart 2011. \u20ac 22,95. Fr. 34.90. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>07.07.2011 &#8212; Tristan und Isolde, Parzival, K\u00f6nig Artus und seine Tafelrunde, der Zauberer Merlin, Richard L\u00f6wenherz und eine ganze Heerschar&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-732","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buchbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/732","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=732"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/732\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=732"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=732"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=732"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}