{"id":736,"date":"2014-01-12T09:25:04","date_gmt":"2014-01-12T09:25:04","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/schubert-schubert\/"},"modified":"2014-01-12T09:25:04","modified_gmt":"2014-01-12T09:25:04","slug":"schubert-schubert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/schubert-schubert\/","title":{"rendered":"Schubert. Schubert?"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2011\/schub171011.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>23.10.2011 &#8212; Kritisches Nachdenken \u00fcber Franz Schubert: Gernot Gruber, der \u00f6sterreichische Musikwissenschaftler, der in M\u00fcnchen und Wien lehrte, Mitherausgeber der dreib\u00e4ndigen \u00abMusikgeschichte \u00d6sterreichs\u00bb und renommierter Mozart-Kenner, n\u00e4hert sich Schubert in zwei Aspekten. Im ersten Teil befasst er sich mit der Biografie (\u00abSchubert in seiner Lebensgeschichte\u00bb), im zweiten mit der kompositorischen Entwicklung, mit Wesen und Gehalt des Werks (\u00abSchubert in seiner Musik\u00bb).<\/p>\n<p> Zum einen geht es dem Autor um die Sichtung der \u00fcberlieferten Lebens- und Schaffensumst\u00e4nde. Er n\u00e4hert sich Schubert, seinem \u00abrelativ geschlossenen kulturgeografischen und gesellschaftlichen Kreis\u00bb und der politisch-historischen Bedingungen der Metternich-\u00c4ra, indem er Abstand nimmt: Abstand von tradierten Ansichten und Aufzeichnungen, denen Aussagen von Zeitzeugen und sp\u00e4teren Interpreten zugrunde liegen. Gernot Gruber gewinnt mit dieser differenzierenden pr\u00fcfenden Sichtung der Dokumente von Schuberts Leben und der Auseinandersetzung mit seinen Biografen und Exegeten einen entschlackten und von vorgefertigten Antworten freien Blick auf Einfl\u00fcsse, F\u00f6rderliches und Hemmendes, Schaffenskrisen und kompositorische Entwicklung. <\/p>\n<p> Zum andern Schubert in seiner Musik: \u00abMein Ziel ist es, konkret an Werken das Fassbare soweit voranzutreiben, bis das Wesen dessen, was nicht mehr fassbar ist, sp\u00fcrbar wird: hier nicht in gegl\u00fcckten musikalischen Interpretationen, sondern in den sprachlichen Metaphern von Gedankenspielen.\u00bb (Einleitung). Der Autor stellt in vielen Bereichen von Schuberts Musik \u00abein besonders hohes Irritationspotenzial\u00bb fest; die Annahme eines stringenten Entwicklungsmodells in seinem Komponieren sei zu einfach und vergr\u00f6bernd. Gr\u00fcndlich untersucht werden (ohne Notenbeispiele) Jugendwerke mit ihren Spannungen zwischen Imitieren von Vorbildern und pers\u00f6nlich sich manifestierender Kreativit\u00e4t, zudem der literarische Text \u00abMein Traum\u00bb, sodann charakteristische Werke des Sp\u00e4tstils. <\/p>\n<p> In breiter Perspektive beschreibt Gruber Schuberts k\u00fcnstlerische Strategien, seine Wirkungsabsichten, seine Weltanschauung, die Konstanten in seiner Musik. Dabei bezieht der Autor immer auch die Rezipienten, die Interpreten und das Publikum, mit in seine \u00dcberlegungen ein. Er n\u00e4hert sich umsichtig der Vielfalt des Ph\u00e4nomens Schubert, pl\u00e4diert f\u00fcr eine \u00abDoppelnatur\u00bb: Antithetik von Utopien und \u00c4sthetisierung des Nichts als Lebens- und Kunstprinzip. \u00abSchubert traut dem Ph\u00e4nomen Musik, auch ihrem ,blo\u00dfen\u2019 Auf- und Verklingen, in unvergleichlicher Art und Radikalit\u00e4t alles zu.\u00bb <\/p>\n<p> Einen Band mit einer F\u00fclle von Fakten, Denkanst\u00f6ssen und Einsichten legt Gernot Gruber vor, eine klar gegliederte, stilistisch eloquente, reflektierte und respektvolle Erkundung eines weiten Feldes. Die Lekt\u00fcre stellt vorab im zweiten Teil betr\u00e4chtliche Anspr\u00fcche und setzt fortgeschrittene Kenntnisse \u00fcber Schuberts \u0152uvre voraus. <\/p>\n<p> <strong><em>Zitat aus dem Buch: <\/em><\/strong><br \/> \u00abWas sich mir bei l\u00e4ngerer Besch\u00e4ftigung aufdr\u00e4ngte bzw. was ich als fortlaufende Verifizierung einer schon in der Einleitung angesprochenen Hypothese empfinde, ist ein doch erkleckliches Ma\u00df an Einheitlichkeit im Gesamtwerk, als Bild formuliert: Schubert bewegte sich in einem von vornherein avisierten und dann sich weitenden Raum seiner Werke, sein k\u00fcnstlerisches Tun sei von einem \u0152uvre-Empfinden getragen. Manchem Leser mag das als harmlose Aussage erscheinen; in Anbetracht der seit langem in der Schubert-Literatur festgeschriebenen Vorstellung von einer in begrenzbaren Phasen voranschreitenden Entwicklung ist es aber eine gewagte Behauptung.\u00bb (Seite 189)<br \/> <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\"> Gernot Gruber: Schubert. Schubert? Leben und Musik. B\u00e4renreiter-Verlag, Kassel 2010. Mit 12 Illustrationen. 284 Seiten. \u20ac 29,95. Fr. 40.90. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>23.10.2011 &#8212; Kritisches Nachdenken \u00fcber Franz Schubert: Gernot Gruber, der \u00f6sterreichische Musikwissenschaftler, der in M\u00fcnchen und Wien lehrte, Mitherausgeber der&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-736","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buchbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/736","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=736"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/736\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=736"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=736"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=736"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}