{"id":737,"date":"2014-01-12T09:25:35","date_gmt":"2014-01-12T09:25:35","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/lexikon-der-musikalischen-form\/"},"modified":"2014-01-12T09:25:35","modified_gmt":"2014-01-12T09:25:35","slug":"lexikon-der-musikalischen-form","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/lexikon-der-musikalischen-form\/","title":{"rendered":"Lexikon der musikalischen Form"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2012\/musform20112.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>23.01.2012 &#8212; Formung und Form in der Musik \u2013 eine akademisch theorielastige Angelegenheit? Weit gefehlt, denn Reinhard Amon hat das Feld in seiner ganzen Breite so klar ausgeleuchtet, die F\u00fclle des Stoffes so anschaulich aufbereitet, dass das einl\u00e4ssliche Studium wie auch das Nachschlagen zum Gewinn und dank schl\u00fcssiger Umsetzung der detailreichen Materie zum optischen Genuss wird. <\/p>\n<p> Reinhard Amon (Jg. 1960; sein ebenfalls bei Doblinger erschienenes Lexikon der Harmonielehre wurde 2006 mit dem Deutschen Musikeditionspreis ausgezeichnet) bringt in den vorliegenden Band seine Erfahrung auf verschiedenen Stufen und Bereichen ein: als Musiklehrer am Gymnasium, als Dozent und seit 2009 als Professor an der Universit\u00e4t f\u00fcr Musik und darstellende Kunst in Wien, zudem durch seine pianistische Konzertt\u00e4tigkeit als Solist und Kammermusiker. Theorie und Praxis durchdringen sich; Aufbau, Gliederung und Systematik erleichtern das Verstehen der Zusammenh\u00e4nge. <\/p>\n<p> Dem Autor und seinem Mitarbeiter Gerold Gruber geht es darum, einerseits das bereits fertig geformte Werk und im Speziellen die der Formung eines Werks zugrunde liegenden M\u00f6glichkeiten des musikalischen Materials zu untersuchen und zu verstehen. \u00abDer Leser soll aufgefordert und bef\u00e4higt werden, den innovativen L\u00f6sungen des einzelnen Kunstwerks zu folgen sowie das Individuelle und die Vielfalt der Erscheinungsformen \u00fcber das Allgemeine hinweg zu erfassen.\u00bb (Vorwort) <\/p>\n<p> Wer im Lexikon bl\u00e4ttert, wird angezogen von den vielen Notenbeispielen, den tabellarischen Detail- und Gesamtanalysen einzelner Kompositionen, den Portr\u00e4ts und Abbildungen in der Marginalienspalte (dort finden sich auch Zitate, Querverweise, Anmerkungen, Literaturhinweise), st\u00f6sst hier und dort auf das Signet, das praktische Erl\u00e4uterungen f\u00fcr aus\u00fcbende Musiker kennzeichnet. <\/p>\n<p> Die rund 600 Musikbeispiele wurden vorab nach ihrer Eignung f\u00fcr den beschriebenen Sachverhalt ausgew\u00e4hlt, in zweiter Linie mit Blick auf Notentexte, die f\u00fcr den Leser leicht verf\u00fcgbar sind (Tasteninstrumente): Spitzenreiter sind Bach (40 Beispiele), Mozart (35) und Beethoven (32). Die \u00e4ltesten Noten stammen von Perotinus (12. Jh.), B. de Ventadorn und Machaut, die j\u00fcngsten von Penderecki und Boulez. An die 80 sind abstrakte Muster, Volks- und Kinderlieder, Spirituals; 10 stammen aus Pop und Jazz. <\/p>\n<p> Der Band ist durchgehend mehrfarbig gestaltet, wobei f\u00fcr verschiedene Aspekte unterschiedliche Farben eingesetzt sind. Wie exzellent Layout, Passgenauigkeit und Druckqualit\u00e4t sind, beweisen die tabellarischen Analysen mit den Taktk\u00e4stchen und dem umfangreichen Zeichensatz. (Die Informationsdichte in den komplexeren dieser Darstellungen fordert vom Leser einige Einarbeitungszeit.) <\/p>\n<p> In drei Teile gliedert sich der Inhalt: a) das \u00fcber 1000 Lemmata umfassende Lexikon; b) 20 allgemeine gr\u00f6ssere Kapitel mit wichtigen Aspekten zur musikalischen Form; c) den Anhang mit zwei Tabellen (standardisierte Formmuster, Formaspekte im historischen Kontext) und einer praxisorientierten Anleitung zur Formanalyse, im weiteren Verzeichnisse (Notenbeispiele, Literatur) sowie Personen- und Sachregister. <\/p>\n<p> Gut 400 Seiten stark ist der Lexikonteil, in dem in alphabetischer Folge alle musikalischen Formen und Formtypen, Gattungen, Prinzipien sowie s\u00e4mtliche formrelevanten Sachverhalte behandelt sind. Der Rahmen ist weit gehalten; neben zentralen materialbezogenen Begriffen wie Ableitung, Entwickelnde Variation, Kontrapunkt, Motiv, Motivisch-thematische Arbeit, Ostinato, Symmetrie, Topos, Textur, Zw\u00f6lftontechnik und Artikeln zur Form (ABA, Blues, Dualform, Et\u00fcde, Fuge, Kontertanz, Lai, L\u00e4ndler, Merengue, Passacaglia, Schlager etc.) finden sich beispielsweise Beitr\u00e4ge zu Themen wie Absolute Musik, Affektenlehre, Echo, Exotismus, Graphische Notation, Klangrede, Minimal Music, Raummusik, Stille, Tonmalerei, Virtuosit\u00e4t. <\/p>\n<p> Musikalische Form erkenne, beschreibe und erkl\u00e4re etwas Lebendiges \u2013 die klingende Musik selbst, h\u00e4lt Reinhard Amon im Vorwort fest. Deshalb bilde \u00abdie Zusammenschau der M\u00f6glichkeiten aus der Summe innerer Formungskr\u00e4fte den zentralen Inhalt der vorliegenden Darstellungen\u00bb. Anschaulich wird dies auch in den umfangreichen Kapiteln im zweiten Teil. Hier stellt der Autor Grunds\u00e4tzliches in gr\u00f6sseren Zusammenh\u00e4ngen dar: z.B. Bauprinzipien der musikalischen Form, Definitionsans\u00e4tze, Formbestimmende Harmonik, Melodik und Rhythmik, Grundprinzipien formaler Gliederung, Proportion und Form, Symmetrie als Formungsprinzip, Formstrukturen in Popularmusik und Jazz, greift aber auch weiter aus in Gebiete wie Gestaltpsychologie, Architektur, Goldener Schnitt und Fibonacci-Reihe, Zahlensymbolik, Nanobereich (Atome und Molek\u00fcle), Wahrnehmungsvorgang, Symbolik in der Form, Zeitph\u00e4nomen und musikalisches Formen. Alles reich illustriert und mit Querverweisen durchsetzt auch hier, anregend und erhellend durch die Ausweitung in interdisziplin\u00e4re, nicht musikspezifische Dom\u00e4nen. <\/p>\n<p> Als ergiebige Fundgrube erweist sich die Aspekten der Form im historischen Kontext gewidmete Tabelle im Anhang. Zusammengestellt und kommentiert hat Amon auf einem Dutzend Druckseiten Werke und Aussagen von \u00fcber 160 Theoretikern und Komponisten von der Antike (Vorsokratiker) bis ins Jahr 2001. <\/p>\n<p> Mit dem Lexikon der musikalischen Form ist Reinhard Amon ein didaktisches Meisterwerk gelungen, bestechend in Aufbau, Stil, Klarheit und intellektueller Durchdringung des umfangreichen Stoffes, der aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet, in unterschiedlichen Ans\u00e4tzen erl\u00e4utert und in Grafiken, Tabellen und Illustrationen schl\u00fcssig vor Augen gef\u00fchrt wird: ein Standardwerk f\u00fcr Unterricht und Studium, Wissenschaft und Praxis. <\/p>\n<p> <strong><em>Zitat aus dem Buch: <\/em><\/strong><br \/> \u00abEntwicklung bedeutet ein hohes Ma\u00df an Komplexit\u00e4t, Spannung und Zielgerichtetheit. Die Bandbreite ihrer Gestaltungsm\u00f6glichkeiten reicht dabei vom kleinsten \u00dcbergang \u00fcber eine eigenst\u00e4ndige \u00dcberleitung bis zu einem ganzen Werk. Ziel ist ein hohes Ma\u00df an Zusammenhang im Werk, ein qualitativer Anspruch, den Komponisten zu verwirklichen suchten und der auch von der Musik\u00e4sthetik zum Postulat f\u00fcr &#8218;wahre&#8216; (d.h. in sich stimmige) Kunst erkl\u00e4rt wurde. Ausgangspunkt dieses Denkens, das gegen Ende des 18. und dann v.a. im 19. und 20. Jhdt. praktiziert wurde, waren konstruktiv-musikalische Techniken wie das wiederentdeckte kontrapunktische Arbeiten, aber auch kulturelle Entwicklungen wie v.a. das Aufbl\u00fchen der Naturwissenschaften (speziell Biologie, Botanik und Genetik) und ein neues Verh\u00e4ltnis zur Natur. In Folge kam es zur Abl\u00f6sung der Rhetorik als Modellbezug musikalischer Formung im 18. Jhdt. durch das Prinzip organischen Wachstums im 19. Jhdt.\u00bb (aus dem Kapitel Grundprinzipien formaler Gliederung, S. 499) <br \/> <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Reinhard Amon: Lexikon der musikalischen Form. Nachschlagewerk und Fachbuch zur musikalischen Form und Formung vom Mittelalter bis zur Gegenwart. In Zusammenarbeit mit Gerold Gruber. Musikverlag Doblinger, Wien, und Verlag J. B. Metzler, Stuttgart 2011. 640 Seiten mit 191 s\/w Abb., 695 farb. Abb., 591 Notenbeispielen. \u20ac 49,95. Fr. 66.90. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>23.01.2012 &#8212; Formung und Form in der Musik \u2013 eine akademisch theorielastige Angelegenheit? 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