{"id":738,"date":"2014-01-12T09:26:02","date_gmt":"2014-01-12T09:26:02","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/max-regers-briefe-an-den-verlag-bote-bock\/"},"modified":"2014-01-12T09:26:02","modified_gmt":"2014-01-12T09:26:02","slug":"max-regers-briefe-an-den-verlag-bote-bock","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/max-regers-briefe-an-den-verlag-bote-bock\/","title":{"rendered":"Max Regers Briefe an den Verlag Bote &#038; Bock"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2012\/reger7212.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>19.02.2012 &#8212; \u00abEinen Vertrag mit Bote u. Bock will ich unter <em>keinen<\/em> Umst\u00e4nden!\u00bb, schreibt Max Reger Ende 1908 an seinen Leipziger Rechtsbeistand, nachdem ihm seine Verleger Lauterbach &amp; Kuhn mitgeteilt haben, dass sie ihr Gesch\u00e4ft an Bote &amp; Bock verkaufen \u2013 inbegriffen den Vertrag mit Reger, \u00abohne mich im Geringsten zu fragen\u00bb. Prof. Dr. Max Reger, vertraglich auch an den Verlag C. F. Peters gebunden, lenkte nach einigen Protesten und Scharm\u00fctzeln z\u00e4hneknirschend ein. Nicht ohne das Ziel, m\u00f6glichst bald aus dem Vertrag mit seinem \u00abZwangsverleger\u00bb auszusteigen. <\/p>\n<p> Die \u00ab\u00e4u\u00dferst fruchtbare und insgesamt auch weitgehend reibungslose Zusammenarbeit\u00bb (Einleitung) zwischen dem Komponisten und dem gewichtigen Berliner Musikverlag Ed. Bote &amp; G. Bock dauerte immerhin bis Ende 1913. In den f\u00fcnf Jahren druckte und vertrieb der Verlag Kompositionen zwischen den Opus-Zahlen 103b und 129, darunter die Klarinettensonate B-Dur, das Es-Dur-Streichquartett, das F-Dur-Streichsextett, das Klavierkonzert, \u00abDie Nonnen\u00bb f\u00fcr Chor und Orchester, weitere vokale Kompositionen, Werke f\u00fcr Violine solo und f\u00fcr Orgel, die Violinsonate e-Moll und die Vier Tondichtungen nach Arnold B\u00f6cklin. <\/p>\n<p> In Zusammenarbeit zwischen dem Max-Reger-Institut Karlsruhe und der Sammlung Musikgeschichte \/ Max-Reger-Archiv der Meininger Museen, die auch die Illustrationen beisteuerten, liegen Regers Briefe an Bote &amp; Bock nun in einer durch Herta M\u00fcller und J\u00fcrgen Schaarw\u00e4chter herausgegebenen, der Forschung wie der Reger-Gemeinde dienlichen und editorisch gediegen gestalteten Ausgabe vor. <\/p>\n<p> Nach der Publikation von Regers Briefen an die Verleger Lauterbach &amp; Kuhn (1902\u20131908) und N. Simrock (1914 bis zu Regers Tod 1916) f\u00fcllt der Briefwechsel mit dem 1838 gegr\u00fcndeten Verlagshaus Bote &amp; Bock die L\u00fccke zwischen 1909 und 1913. Die diesbez\u00fcgliche Quellenlage ist allerdings, wie die Herausgeber in der Einleitung darlegen, alles andere als unproblematisch. Denn erhalten haben sich nur wenige Originaldokumente, weil Regers Schreiben und die Kopierb\u00fccher des Verlags 1943 dem Bombenhagel auf Berlin zum Opfer fielen. <\/p>\n<p> Der Sekret\u00e4rin Anna Sinn zu verdanken sind Abschriften der Korrespondenz, die sie f\u00fcr das damals in Weimar beheimatete Max-Reger-Archiv erstellte (die Jahrg\u00e4nge 1910 und 1911 wurden aus ungekl\u00e4rten Gr\u00fcnden nicht kopiert). Dieserart haben sich im genannten, seit 1920 in Meiningen niedergelassenen Archiv 269 Postsachen erhalten \u2013 der Verlag nannte 1938 einen Bestand von rund 600 Briefen und Karten. Immerhin konnten die Herausgeber weitere Prim\u00e4rquellen beiziehen: Regers Posteinlieferungsb\u00fccher und das 1941 erschienene Buch \u00abMax Regers Meisterjahre (1909\u20131916)\u00bb der ehemaligen Reger-Sch\u00fclerin Lotte Taube, zudem Teilabschriften und Einzeldokumente. <\/p>\n<p> Der Meister der Musik war kein Meister der Geduld: Regers Erwartungen an den Verlag, seien es Korrekturen, Erg\u00e4nzungen, Abz\u00fcge, Stech- und Erscheinungsdaten, Sendungen, Honorare, Beantwortung von Fragen, liegen auf einer Tempo-Skala von baldm\u00f6glichst, recht balde und allerbaldigst \u00fcber schleunigst, m\u00f6glichst umgehendst bis zu sofort, h\u00f6chst eilig und eilt, eilt, eilt sehr \u2013 im Einzelnen in der Regel bis zu vierfach unterstrichen. Diese Dringlichkeit zeugt von Regers horrender Schaffensintensit\u00e4t und seinem immensen Arbeitsvolumen als Komponist, Konservatoriumsprofessor, Dirigent, Meininger Hofkapellmeister, Pianist, Organist, Kammermusiker mit einer \u00abUnmasse von Concerten\u00bb, die ihn zu weiten Reisen zwangen. Seiner Gesundheit war dies nicht zutr\u00e4glich \u2013 in einem Hotelzimmer in Leipzig erlag er 1916, erst 43-j\u00e4hrig, einem Herzinfarkt. <\/p>\n<p> Erstaunlich, dass Reger noch Zeit zu ausgedehnter handschriftlicher Korrespondenz fand, auffallend zudem, wie die mitgeteilten Inhalte zwar schwergewichtig Gesch\u00e4ftliches behandeln, jedoch regelm\u00e4ssig Einblicke vermitteln in Privates, in die famili\u00e4re und finanzielle Situation, in Freundschaften mit Musikerkollegen, in die Tourneepl\u00e4ne, die Entstehungsgeschichte von Kompositionen, in Details der Interpretation, Bemerkungen auch zu Zeitgeschichtlichem und Historischem. Und immer wieder fliessen aus Regers Feder witzige Bemerkungen und humorige Randglossen. (Das bekannteste Reger-Diktum: \u00abDas Schwein und die K\u00fcnstler haben das gemeinsam, da\u00df man sie erst nach dem Tode sch\u00e4tzt.\u00bb) Die Inhalte der Verlagsschreiben mit Bezug auf Regers Briefe, Postkarten und Telegramme lassen sich zum Teil aus dessen Antworten erschliessen oder aus Hinweisen der Herausgeber. <\/p>\n<p> Sie standen auch vor der Aufgabe, biografische Hintergr\u00fcnde zu erl\u00e4utern und Verstehensl\u00fccken zu f\u00fcllen, realisieren dies einerseits durch einl\u00e4ssliche, den entsprechenden Briefen in kleinerer Schrift angef\u00fcgte Beitr\u00e4ge, andrerseits durch die am Fuss der betreffenden Seite gedruckten Anmerkungen. Im Anhang finden sich Daten zur Drucklegung und zum Manuskriptverbleib der Reger-Kompositionen bei Bote &amp; Bock, das Verzeichnis der Abbildungen sowie das Werk- und das Namenregister. <\/p>\n<p> <strong><em>Zitat aus dem Buch: <\/em><\/strong><br \/> \u00abDass Sie meiner Ansicht <em>keine<\/em> Recensionsexemplare an <em>keine<\/em> Zeitung zu senden von <em>all<\/em> meinen neuen Werken beipflichten, freut mich ausserordentlich! Sie u. ich \u2013 wir wissen eben zu genau, wie solche Besprechungen gemacht werden! [\u2026] Mit den &#8218;Nonnen&#8216; liege ich in <em>argen<\/em> Geburtswehen! Bitte: verstehen Sie das nur bildlich, es w\u00e4re sonst zu unmoralisch; aber die Arbeit schreitet vorw\u00e4rts, wenns auch eine <em>Riesenarbeit<\/em> ist. Nun noch schnell was zum Lachen: Eine junge Frau, die baldigst ein Kindchen &#8218;erwartet&#8216;, wirft ihr Dienstm\u00e4dchen hinaus. Letztere verabschiedet sich u. gratuliert zum &#8218;Jungen&#8216;, worauf die junge Frau entr\u00fcstet fr\u00e4gt, woher denn das M\u00e4dchen w\u00fcsste, dass es ein Junge w\u00fcrde! Darauf gibt das M\u00e4dchen die klassische Antwort: ,Gn\u00e4dige Frau, es <em>muss<\/em> ein Junge sein, denn ein &#8218;M\u00e4dchen&#8216; h\u00e4lt es bei Ihnen nicht 9 Monate aus.\u2019\u00bb (Seite 107f; aus Regers Brief vom 26. Juli 1909.) <br \/> <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Max Reger: Briefe an den Verlag Ed. Bote &amp; G. Bock. Herausgegeben von Herta M\u00fcller und J\u00fcrgen Schaarw\u00e4chter. Schriftenreihe des Max-Reger-Instituts Karslruhe, Band XXII. Carus-Verlag, Stuttgart 2011. 440 Seiten mit 81 s\/w Abbildungen. \u20ac 34.80. <\/p>\n<p> siehe auch: <a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/rezensionen_ind2.php?art=624\">Auftakt zur Reger-Werkausgabe (RWA)<\/a> <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>19.02.2012 &#8212; \u00abEinen Vertrag mit Bote u. 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