{"id":747,"date":"2014-01-12T09:30:35","date_gmt":"2014-01-12T09:30:35","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/schubert-hoeren-eine-anleitung\/"},"modified":"2014-01-12T09:30:35","modified_gmt":"2014-01-12T09:30:35","slug":"schubert-hoeren-eine-anleitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/schubert-hoeren-eine-anleitung\/","title":{"rendered":"Schubert h\u00f6ren. Eine Anleitung"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2012\/schu151012.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>17.10.2012 &#8212; Eine Anleitung zum Zweiten: Nachdem Michael Wersin, Musikwissenschaftler, Dozent, S\u00e4nger und Musikjournalist, vor zwei Jahren ein Buch zur Auseinandersetzung mit Johann Sebastian Bach und dessen Schaffen verfasste, legt er nun eine Anleitung vor zur Besch\u00e4ftigung mit Franz Schubert. Und \u2013 es sei vorweggenommen \u2013 dies mit ebensolch \u00fcberzeugender Umsicht und Einf\u00fchlung in Pers\u00f6nlichkeit und Werk wie in seinem Bach-Buch. <\/p>\n<p> Ging es bei Bach darum, mit den Grundlagen einer uns fremd gewordenen, im christlich lutherischen Glauben unersch\u00fctterlich verorteten Weltsicht vertraut zu machen, so handelt es sich bei Schubert darum, dessen Situation als Grenzg\u00e4nger zwischen Klassik und Romantik, seine pers\u00f6nlichen Bedrohungen und k\u00fcnstlerischen Herausforderungen zwischen Tradition und Innovation in einer politisch und sozial bewegten Zeit des \u00dcbergangs zu erhellen. <\/p>\n<p> Wersins Ann\u00e4herung an Schubert \u00fcberzeugt durch das Setzen von Akzenten, durch klare Gliederung des Stoffes und verst\u00e4ndliche Erl\u00e4uterungen auch komplexer Sachverhalte. Zwar setzt er die Fundamente der Musiktheorie voraus (sie geh\u00f6ren ohnehin zur kulturellen Grundausstattung), begleitet sie aber mit Erkl\u00e4rungen und zum Teil mehrseitigen Notenbeispielen. Letztere, 31 insgesamt, k\u00f6nnen \u00fcbrigens via Verlags-Website als Klangbeispiele abgerufen werden. <\/p>\n<p> Der Autor richtet den Fokus einerseits auf entscheidende biografische und kompositorische Entwicklungen (die wichtigsten Daten und Fakten sind in einer tabellarischen Aufstellung im Anhang zusammengefasst), andrerseits auf Schuberts Umfeld, seinen Freundeskreis, das soziale Gef\u00fcge und die politischen Verh\u00e4rtungen und Repressionen der Metternich-\u00c4ra. <\/p>\n<p> Der Gang durch Schuberts \u0152uvre f\u00fchrt mehr oder weniger chronologisch von den Jugendwerken zum Schaffen der letzten Jahre. Dabei arbeitet Wersin in unvoreingenommenen, pers\u00f6nlich gef\u00e4rbten Analysen ausgew\u00e4hlter Werke heraus, was neu, was revolution\u00e4r ist an einzelnen Kompositionen, an Sinfonien, Messevertonungen, Liedern, Klaviersonaten, Kammermusiken. Und, aufschlussreich auch dies, Wersins Untersuchungen werk\u00fcbergreifender musikalischer Merkmale und von Schuberts Kompositionsprozess. <\/p>\n<p> Schuberts Werdegang als Komponist verbindet sich mit dem geistesgeschichtlichen Milieu, den Wohn-, Arbeits- und Wirkungsst\u00e4tten Schuberts, seinen Freunden, Anh\u00e4ngern und F\u00f6rderern, dem Wiener Musikleben und ihren Exponenten und ber\u00fchmten G\u00e4sten, den musikalischen Salons, den Spannungen zwischen Konservativen und Fortschrittlern, der politisch-gesellschaftlichen Atmosph\u00e4re Wiens unter Kaiser Franz II. Michael Wersin f\u00fchrt interessierte Laien bedacht, stilistisch geschliffen und didaktisch geschickt in Schuberts Zeit, Pers\u00f6nlichkeit und Wirkungsbereich ein. Doch auch all jene, die mit Schubert und seinem Schaffen vertraut sind, legen diese Anleitung nicht ohne Bereicherung aus der Hand. <\/p>\n<p> <strong><em>Zitat aus dem Buch: <\/em><\/strong><br \/> \u00abVielleicht ist es Schubert oft nicht m\u00f6glich gewesen, das musikalisch Sch\u00f6ne einfach widerspruchsfrei stehen zu lassen, weil ein solches Verharren im Idyll nicht seiner existentiellen Realit\u00e4t entsprach. Dass er das Idyll herbeiholen konnte aus einer Sph\u00e4re, in der es f\u00fcr ihn greifbar war, wissen wir durch viele seiner Werke, die mit ihrer begl\u00fcckend schwere- und zeitlosen Seligkeit fast einer anderen Welt anzugeh\u00f6ren scheinen. Aber wir erleben in seiner Musik eben auch die brutale Zerst\u00f6rung dieses Zustandes oder zumindest das Aufkommen von Finsternis in unmittelbarer Nachbarschaft des beseligend Sch\u00f6nen.\u00bb (Seite 92)<br \/> <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Michael Wersin: Schubert h\u00f6ren. Eine Anleitung. Mit 11 Abbildungen und 31 Notenbeispielen. Reclam-Verlag, Stuttgart 2012. 210 Seiten. \u20ac 19,95. Fr. 28.50. <\/p>\n<p> siehe auch: <br \/> <a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/rezensionen_ind2.php?art=651\">Bach h\u00f6ren. Eine Anleitung<\/a><br \/> <a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/rezensionen_ind2.php?art=530\">H\u00e4ndel &amp; Co.<\/a><br \/> <a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/rezensionen_ind2.php?art=476\">Faszination Klassik<\/a> <br \/> <a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/rezensionen_ind2.php?art=334\">Reclams Kirchenmusik- und Konzertf\u00fchrer<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>17.10.2012 &#8212; Eine Anleitung zum Zweiten: Nachdem Michael Wersin, Musikwissenschaftler, Dozent, S\u00e4nger und Musikjournalist, vor zwei Jahren ein Buch zur&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-747","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buchbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/747","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=747"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/747\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=747"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=747"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=747"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}