{"id":748,"date":"2014-01-12T09:31:04","date_gmt":"2014-01-12T09:31:04","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/schubert-liedlexikon\/"},"modified":"2014-01-12T09:31:04","modified_gmt":"2014-01-12T09:31:04","slug":"schubert-liedlexikon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/schubert-liedlexikon\/","title":{"rendered":"Schubert Liedlexikon"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2012\/schu51112.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>16.11.2012 &#8212; Franz Schubert, Gehilfe an der Schule seines Vaters, verliess 1816 das Elternhaus. In die Wohnung eines Freundes nahm der 19-j\u00e4hrige einen gewichtigen Bestand mit, \u00fcber ein halbes Tausend Kompositionen umfassend, darunter Singspiele, vier Messevertonungen, f\u00fcnf Sinfonien und weit \u00fcber 300 Lieder. Deren erstes hatte er um 1810 mit 13 Jahren geschrieben. 1815 schuf er \u00fcber 140 Lieder; unter den zahlreichen Goethe-Vertonungen auch \u00abErlk\u00f6nig\u00bb Opus 1. <\/p>\n<p> 634 Lieder f\u00fcr eine Singstimme und Klavier komponierte Schubert innerhalb einer Zeitspanne von 18 Jahren. Viele Einzelwerke auf Gedichte von Goethe, Schiller, Claudius, Heine, Klopstock, Mayrhofer, Novalis, Schlegel und Zyklen wie \u00abDie sch\u00f6ne M\u00fcllerin\u00bb und \u00abWinterreise\u00bb z\u00e4hlen zum Kernbestand seines Schaffens und der ganzen Gattung. Manch andere von Schuberts Liedern sind kaum bekannt oder gar vergessen. <\/p>\n<p> Fast ein Drittel seines Liedschaffens ist zu Schuberts Lebenszeit im Druck erschienen, fand Verbreitung \u00fcber seinen Freundeskreis hinaus, stiess \u2013 im Gegensatz zu seinen Instrumentalkompositionen \u2013 vorerst nicht auf ungeteilt positive Aufnahme, weil es sich dem gutb\u00fcrgerlichen Geschmack entzog. <\/p>\n<p> Das \u00abSchubert Liedlexikon\u00bb untersucht als erstes seiner Art das Lied-\u0152uvre des Meisters in seiner gesamten Bandbreite einl\u00e4sslich und in chronologischer, auf dem Deutsch-Verzeichnis von 1978 fussender Folge, beginnend mit dem Fragment D 1A um 1810, endend mit der \u00abTaubenpost\u00bb (D 965A) vom Oktober 1828. <\/p>\n<p> \u00abDer Text, die Melodie und der Klaviersatz haben, in ihrer jeweils unterschiedlichen Art, gleiche Rechte und gleiche Bedeutung f\u00fcr das Kunstwerk im Ganzen\u00bb, heisst es im Vorwort. Das zentrale Thema dieses Lexikons sei es deshalb aufzuzeigen, was das Besondere eines jeden Liedes ausmache. <\/p>\n<p> Demgem\u00e4ss legen die 36 Autorinnen und Autoren unter der Leitung der Herausgeber Walther D\u00fcrr, Michael Kube, Uwe Schweikert und Stefanie Steiner in der Analyse starkes Gewicht auf die Dichtung, auf deren Inhalt, auf die ihr eigene Atmosph\u00e4re, die Schubert angesprochen und inspiriert haben kann. Wie in dessen Komposition aus Text und Musik ein Neues entsteht, wird anschliessend detailliert herausgearbeitet. <\/p>\n<p> Der Aufbau jeder Liedbesprechung ist identisch gegliedert: Den Grundinformationen \u00fcber die Komposition (Entstehungszeit, Titel, D-Nummer, Textdichter, Verweise) folgen das Notenincipit (mit Tempoangabe, Vortragsanweisung, Taktzahl) und der Gedichttext. <\/p>\n<p> Im Zentrum stehen die Kommentierungen des Textes (mit Angaben zum Inhalt, zum metrischen Aufbau, zu Besonderheiten der literarischen Vorlage) und die Analyse der Musik (musikalische Umsetzung des Gedichts, Bez\u00fcge zu anderen Liedern, von Schubert betonte Einzelaspekte). Die Zyklen sind als Ganzes gew\u00fcrdigt, danach werden die Lieder im Einzelnen besprochen. Angeh\u00e4ngt in kleinerem Schrifttyp sind jeweils Rubriken zu Stimmumfang der originalen Vertonung, Druckausgaben, Entstehung und Textvorlage sowie Literaturhinweise, in der Regel ab 1978. <\/p>\n<p> Im Anhang finden sich die Biografien der Dichterinnen (6) und Dichter (104), das Personenregister (darunter auch literarische und mythologische Namen sowie Rollennamen), das Liedregister mit s\u00e4mtlichen Titeln und Textincipits, abschliessend das Verzeichnis der Autorinnen und Autoren mit den von ihnen analysierten Liedern. <\/p>\n<p> Der Gang durch Schuberts Liederkosmos f\u00fchrt auch zur\u00fcck in seine Epoche, in die Wirren der Befreiungskriege, ins Wien der repressiven Metternich-\u00c4ra, des Biedermeier, zu seinem Freundeskreis, in k\u00fcnstlerische Zirkel und ins Musikleben, zu den Hauptexponenten und Randfiguren der romantischen Bewegung in Dichtung und bildender Kunst. Welchen Gegebenheiten Schubert in verschiedenen Lebens- und Arbeitsphasen ausgesetzt war, welche Einfl\u00fcsse er aufgenommen und wie er sie k\u00fcnstlerisch umgesetzt hat \u2013 Antworten auf diese Fragen ziehen sich in mannigfaltig anregender Weise durch den Band. <\/p>\n<p> Eigenes Gewicht kommt der literarischen Seite zu durch den Abdruck der Gedichte und die alle wesentlichen Fakten zusammenfassenden Biografien ihrer Autoren: eine \u00fcppige Lyriksammlung und ein aussagekr\u00e4ftiges Literaturlexikon. \u00dcblicherweise ist das ganze von Schubert vertonte Gedicht abgedruckt, in Einzelf\u00e4llen wurden lange Gedichte gek\u00fcrzt (die Ballade \u00abAdelwold und Emma\u00bb etwa umfasst 35, \u00abDer Taucher\u00bb 27 Strophen), ohne das Verst\u00e4ndnis ihres Inhalts zu beeintr\u00e4chtigen; wo n\u00f6tig sind Zusammenfassungen eingeschoben. <\/p>\n<p> Immer wieder st\u00f6sst man auf neue Ans\u00e4tze, die den aktuellen Kenntnisstand reflektieren, tradierte Einsch\u00e4tzungen durch neue Fakten und unvoreingenommene Wertungen ersetzen. Ein Beispiel: die \u00abBlumenballaden\u00bb von Schuberts Freund Franz von Schober, \u00abViola\u00bb D 786 und \u00abVergissmeinnicht\u00bb D 792. <\/p>\n<p> Das Liedlexikon greift thematisch weit aus, erl\u00e4utert Literaturgeschichtliches, sprachliche, melodische, harmonische und rhythmische Eigenarten, die geistigen Str\u00f6mungen, nennt Freundschaftsb\u00fcnde, K\u00fcnstlerzirkel und Widmungstr\u00e4ger, Musenalmanache, Periodika und theoretische literarische und musikalische Schriften, kn\u00fcpft Zusammenh\u00e4nge \u00fcber Zeiten und Generationen hinweg, zwischen Epochen und K\u00fcnsten, geht der Schubert-Rezeption nach. <\/p>\n<p> Das \u00abSchubert Liedlexikon\u00bb, konzeptionell bis ins Detail durchdacht, stilistisch ausgefeilt, Weitblick mit Tiefensch\u00e4rfe vereinend, ist ein Meilenstein der Schubert-Forschung, eine Fundgrube, ein unverzichtbares Kompendium f\u00fcr alle, die sich intensiv mit Schubert und seiner Epoche auseinandersetzen wollen. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Schubert Liedlexikon. Hrsg. von Walther D\u00fcrr, Michael Kube, Uwe Schweikert, Stefanie Steiner. Unter Mitarbeit von Michael Kohlh\u00e4ufl. B\u00e4renreiter-Verlag, Kassel 2012. 887 Seiten. \u20ac 89,\u2013. Fr. 118.90. <\/p>\n<p> siehe auch: <br \/> <a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/rezensionen_ind2.php?art=795\">Schubert h\u00f6ren. Eine Anleitung<\/a> <br \/> <a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/rezensionen_ind2.php?art=736\">Schubert. Schubert?<\/a> <br \/> <a href=\"http:\/\/www.schubert-online.at\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.schubert-online.at<\/a> <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>16.11.2012 &#8212; Franz Schubert, Gehilfe an der Schule seines Vaters, verliess 1816 das Elternhaus. 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