{"id":751,"date":"2014-01-12T09:32:24","date_gmt":"2014-01-12T09:32:24","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/beethoven-im-bild\/"},"modified":"2014-01-12T09:32:24","modified_gmt":"2014-01-12T09:32:24","slug":"beethoven-im-bild","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/beethoven-im-bild\/","title":{"rendered":"Beethoven im Bild"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2012\/beeth31212.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>16.12.2012 &#8212; Ernster Blick, wirrer Haarschopf, markante Augenbrauen, verkniffene Lippen, herabgezogene Mundwinkel, Kinngr\u00fcbchen, weicher aufstehender Hemdkragen, gekn\u00f6pftes Halstuch \u2013 unverkennbar Beethoven. <\/p>\n<p> Im gleichen Mass wie die Wertsch\u00e4tzung seines Schaffens wuchs und das \u00f6ffentliche Interesse an seiner Person stieg, nahmen Beliebtheit und Verbreitung seines Konterfeis zu. Beethoven inspirierte Zeit seines Lebens und ohne Unterbruch bis heute Generationen bildender K\u00fcnstler wie kein anderer Grosser seines Metiers. <\/p>\n<p> Ein Thema mit vielen Variationen: Die Kunsthistorikerin Silke Bettermann, f\u00fcr das Beethoven-Haus Bonn im Bereich der wissenschaftlichen Erschliessung der Bildersammlung, der Ausstellungsbetreuung und der Museumsp\u00e4dagogik t\u00e4tig, ist eine durch diverse Publikationen ausgewiesene Expertin der Beethoven-Ikonografie. Nun legt sie eine umfangreiche, bisher nicht in dieser Breite und diesem Facettenreichtum erarbeitete kunsthistorische Gesamtdarstellung vor, einen grossformatigen, reich und farbig illustrierten Band, der von den ersten Portr\u00e4ts des jungen Mannes bis in die Gegenwart f\u00fchrt \u2013 zweieinhalb Jahrhunderte Auseinandersetzung mit Beethoven in der bildenden Kunst. <\/p>\n<p> Freunde, F\u00f6rderer und Verleger waren die ersten, die Portr\u00e4ts Beethovens in Auftrag gaben. Das fr\u00fcheste der historisch gesicherten zeigt den 29-J\u00e4hrigen, die letzten \u2013 Bleistiftzeichnungen und Totenmaske \u2013 den Komponisten auf dem Sterbebett. Erhalten haben sich aus diesem Zeitraum etwa dreissig als authentisch geltende Portr\u00e4ts; dazu kommen viele Darstellungen, deren Echtheit bezweifelt wird. <\/p>\n<p> Erstaunlich die ins Auge fallenden qualitativen Unterschiede in der Bew\u00e4ltigung von Beethovens \u00c4usserem \u2013 neben Malern und Zeichnern von k\u00fcnstlerischem Rang finden sich auch bem\u00fchte Dilettanten. Indes ging es schon fr\u00fch nicht um scharf beobachtete Charakteristika (sein pockennarbiges Gesicht war nicht zu vereinbaren mit Beethovens makelloser Kunst), vielmehr um ehrerbietige Interpretation des popul\u00e4ren Meisters, der ab den 1820er Jahren dann zum Mythos gestaltet wurde. <\/p>\n<p> Silke Bettermann geht im ersten Teil ihrer umfassenden Monografie auf die Entwicklungen des Beethoven-Bildes in Mit- und Nachwelt ein, auf die Voraussetzungen, die Einfl\u00fcsse, die Auspr\u00e4gungen von der sp\u00e4ten Klassik bis in die Gegenwart. Die Bildnisse und Ansichten mehren sich: Beethoven idealisiert und verj\u00fcngt, stilisiert zum leidenden und k\u00e4mpfenden Helden, von Pathos und Tragik umwoben, ringend um die wahre Kunst, als einsamer Wandernder in st\u00fcrmischer Landschaft, das Genie eingebettet in allegorische b\u00fchnenreife Kontexte. Um den Meister sich rankende Legenden wurden immer neu aufgegriffen und im Go\u00fbt der jeweiligen Epoche ausgeschm\u00fcckt oder entzaubert. <\/p>\n<p> Von der Heroisierung und schw\u00e4rmerischen Verehrung \u00fcber die Neuans\u00e4tze nach 1945, die kritische Distanzierung vom Heldenkult und die Entmythisierung bis zum spielerisch gel\u00f6sten Umgang mit der Ikone Beethoven in der Pop-Kultur und in aktuellen Stilen: Die Autorin zeigt auf, wie die politischen und die sozialen Str\u00f6mungen, die \u00c4nderungen des Geschmacks und des Kunstverst\u00e4ndnisses \u00fcber den Zeitraum von 250 Jahren die Darstellung Beethovens durch europ\u00e4ische und einige amerikanische Kunstschaffende bestimmten in den Medien Grafik, Zeichnung, Malerei, Plastik, Kunstpostkarte, Medaille, Denkmalkunst, Karikatur, Schattenriss, Installation, Performance, Spielfilm und in grenz\u00fcberschreitenden Kunstgattungen. <\/p>\n<p> Wie der Gang durch ein imagin\u00e4res Kunstmuseum mutet der zweite Teil des Bandes an. Der Katalog umfasst 50 ausgew\u00e4hlte Darstellungen, beginnend mit dem Kupferstich von Stainhauser \/ Neidl aus dem Jahr 1801, ausklingend mit John Baldessaris Installation \u00abBeethoven\u2019s Trumpet\u00bb von 2007 \u2013 die ganze Bandbreite von zwei- und dreidimensionalen Bilderfindungen, hier Ann\u00e4herung, dort Distanz, hier Demut, dort Ulk, hier Konventionelles, dort Verst\u00f6rendes. <\/p>\n<p> Gegenw\u00e4rtig stets das Problem, wie man bildlich den komplexen Vorgang des Komponierens wirkungssicher und k\u00fcnstlerisch effektvoll einfangen kann. Auch die Fragen, inwieweit die Beethoven-Ikonografie zu allen Zeiten die Interpreten seiner Musik beeinflusst haben k\u00f6nnte und inwiefern heute Konventionen und Vorstellungen aus der Vergangenheit unsere Sicht auf Beethoven und sein Schaffen mitpr\u00e4gen. <\/p>\n<p> Mit Fakten und fundiertem Urteil in Breite und Tiefe leuchtend, fokussiert die Autorin in den Einzelbesprechungen auf einen bildenden K\u00fcnstler, sein Schaffen, seine Umwelt und ein (ganzseitig reproduziertes) Werk, f\u00fcgt zus\u00e4tzliche Illustrationen bei. Silke Bettermanns immenses, durch eigene Forschungst\u00e4tigkeit und Recherche erweitertes und umsichtig vermitteltes Wissen pr\u00e4gt auch den Katalogteil, macht ihn zu einem inhaltlich vielschichtigen Nachschlagewerk. <\/p>\n<p> Der typografisch und im Layout gediegene Band bietet in Wort und Bild einen an Zusammenh\u00e4ngen und Einsichten reichen Gang durch die Kunst- und Kulturgeschichte gut zweier Jahrhunderte, vermittelt zwischen K\u00fcnstler, Kunstwerk und Betrachter und reflektiert die mannigfaltigen Spuren, die Beethoven in der bildenden Kunst hinterlassen hat. <\/p>\n<p> <strong><em>Zitat aus dem Buch: <\/em><\/strong><br \/> \u00abW\u00e4hrend die meisten Darstellungen Beethovens, die seit dem Tod des Komponisten entstanden, von einer aufrichtigen und tiefen Bewunderung f\u00fcr ihn erf\u00fcllt sind, ist bei bildenden K\u00fcnstlern der zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts \u2013 insbesondere in den 1960er und 1970er Jahren \u2013 verst\u00e4rkt auch der Ansatz zu einer kritischen oder humorvoll distanzierenden Sicht zu beobachten. Dies d\u00fcrfte zum einen die Ursache in der massenhaften Verwendung von Beethoven-Darstellungen f\u00fcr Werbemittel wie Poster und Plakate, LP- und CD-Cover, aber auch f\u00fcr Kitsch aller Art haben, zum anderen aber auch in einer generell zunehmenden kritischen Haltung gegen\u00fcber traditionell anerkannten Kulturwerten begr\u00fcndet sein, die durch die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs und die gesellschaftlichen Umbr\u00fcche in der Zeit um 1968 bedingt wurden.\u00bb (Seite 110) <br \/> <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Silke Bettermann: Beethoven im Bild. Die Darstellung des Komponisten in der bildenden Kunst vom 18. bis zum 21. Jahrhundert. Verlag Beethoven-Haus Bonn und Carus-Verlag, Stuttgart 2012. 416 Seiten mit 225 Abbildungen. \u20ac 89,\u2013. Fr. 120.40.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>16.12.2012 &#8212; Ernster Blick, wirrer Haarschopf, markante Augenbrauen, verkniffene Lippen, herabgezogene Mundwinkel, Kinngr\u00fcbchen, weicher aufstehender Hemdkragen, gekn\u00f6pftes Halstuch \u2013 unverkennbar&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-751","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buchbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/751","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=751"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/751\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=751"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=751"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=751"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}