{"id":753,"date":"2014-01-12T09:33:32","date_gmt":"2014-01-12T09:33:32","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/wagner-und-verdi\/"},"modified":"2014-01-12T09:33:32","modified_gmt":"2014-01-12T09:33:32","slug":"wagner-und-verdi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/wagner-und-verdi\/","title":{"rendered":"Wagner und Verdi"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2013\/wagver13113.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>20.01.2013 &#8212; Obwohl sie sich oft h\u00e4tten treffen k\u00f6nnen in Paris, Wien, M\u00fcnchen, Bologna, sind sie sich geflissentlich aus dem Weg gegangen \u2013 zu verschieden galten ihnen Herkunft, Charakter und k\u00fcnstlerische Vorstellungen. Auch wenn Wagner 1875 Verdis Requiem in Wien geh\u00f6rt und Verdi Partituren einiger Wagner-Opern besessen hat, hielten sie keine grossen St\u00fccke voneinander, und ihre Anh\u00e4ngerschaft best\u00e4rkte sie in der Rolle von Rivalen. <\/p>\n<p> Wieviel den Deutschen und den Italiener, beide Ehrenb\u00fcrger Bolognas, ausser dem Geburtsjahr 1813, dem Beruf, dem gleichen Jahr ihrer ersten Verehelichung, der Leidenschaft, die sie f\u00fcr Dantes Dichtung empfanden, und den pers\u00f6nlichen und k\u00fcnstlerischen Tiefschl\u00e4gen und H\u00f6henfl\u00fcgen verbindet, deckt Eberhard Straub in seiner Doppelbiografie auf. Ihr Untertitel ist Programm: \u00abZwei Europ\u00e4er im 19. Jahrhundert\u00bb.<\/p>\n<p> Distanz verschafft \u00dcberblick, l\u00e4sst gr\u00f6ssere Zusammenh\u00e4nge hervortreten: Eberhard Straub \u2013 Historiker, Journalist, Autor u. a. des Buchs \u00abDie Furtw\u00e4nglers\u00bb \u2013 nimmt Abstand und gewinnt dadurch N\u00e4he zu den Protagonisten, zu deren Zeitgenossen, zum Zeitgeist in einem vielgestaltigen Europa, in dem sich die italienische Einigung und die Gr\u00fcndung des Deutschen Reichs vollzogen. Straub zeichnet das facettenreiche Portr\u00e4t zweier Genies, eines grossen Jahrhunderts der europ\u00e4ischen Oper und radikaler politischer, sozialer und k\u00fcnstlerischer Umbr\u00fcche. <\/p>\n<p> Wie Wagner, der Revoluzzer und politisch Verfolgte, wie Verdi, der \u00abBauer von Roncole\u00bb, auf die Bedingungen und geistigen Str\u00f6mungen ihrer Gegenwart, auf Einfl\u00fcsse von Komponisten, Dichtern, Malern, Philosophen, Theologen, Wissenschaftlern, Politikern, Agitatoren reagierten, ihre \u00e4sthetischen Positionen in ihrem Schaffen entwickelten und differenzierten, schildert Straub in essayistisch geschliffenem Stil. <\/p>\n<p> Es geht um die Unterschiede in Charakter und Lebensentw\u00fcrfen: \u00abWagner schrieb viel zu Staat, Kunst und Politik. Aber abgesehen von den turbulenten Tagen in der Revolution 1848\/49 lebte und arbeitete er als Privatmann und K\u00fcnstler. Er glaubte der Gesellschaft zu dienen, wenn er ihr seine Werke vermachte. Verdi hingegen f\u00fchrte eine Doppelexistenz: er war K\u00fcnstler, politischer B\u00fcrger und Wirtschaftsb\u00fcrger.\u00bb (Seite 267) <\/p>\n<p> Es geht nicht weniger auch um die Gemeinsamkeiten der staatsm\u00e4nnisch denkenden K\u00fcnstler, ihre Weltanschauungen, um die gesellschaftliche Brisanz ihrer Werke, um Selbstinszenierung und Vereinnahmungen Wagners und Verdis, um Inhalte, Rezeption und Nachwirkung ihres Schaffens. (\u00dcbrigens: F\u00fchrend in den Opernh\u00e4usern unter den Nationalsozialisten war nicht Wagner, sondern Verdi.) <\/p>\n<p> Den plastischen farbenreichen Hintergrund dieser sich durchdringenden, klug disponierten Biografien bilden die Strukturen, Entwicklungen und Verwerfungen des 19. Jahrhunderts, die tonangebenden Zentren und deren Exponenten und Institutionen in Deutschland, Italien und Frankreich: eine materialreiche, psychologisch sensibel ausgeleuchtete und spannend erz\u00e4hlte europ\u00e4ische Geistes- und Kulturgeschichte, eine anregende, vielschichtige Lekt\u00fcre zum Jubil\u00e4umsjahr Wagners und Verdis. <\/p>\n<p> <strong><em>Zitat aus dem Buch: <\/em><\/strong><br \/> \u00abWagner und Verdi galten 1901 vielen Musikschriftstellern nicht mehr als Antipoden, sondern als Zeitgenossen, die kongenial auf unbestimmte Forderungen nach einer Opernreform reagierten. Der Unterschied ergab sich dann aus der anderen Herkunft, aus gleichberechtigten italienischen und deutschen Traditionen. Das aber machte sie nicht zu Gegnern, vielmehr fanden sie zu je eigenem Ausdruck eines allgemeinen Verlangens nach dramatischer Wahrheit.\u00bb (Seite 309) <br \/> <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Eberhard Straub: Wagner und Verdi. Zwei Europ\u00e4er im 19. Jahrhundert. Verlag Klett-Cotta, Stuttgart 2012. 352 Seiten mit 17 Abbildungen. \u20ac 24,95. Fr. 34.90. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>20.01.2013 &#8212; Obwohl sie sich oft h\u00e4tten treffen k\u00f6nnen in Paris, Wien, M\u00fcnchen, Bologna, sind sie sich geflissentlich aus dem&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-753","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buchbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/753","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=753"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/753\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=753"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=753"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=753"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}