{"id":754,"date":"2014-01-12T09:34:02","date_gmt":"2014-01-12T09:34:02","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/john-ogdon-und-samson-francois\/"},"modified":"2014-01-12T09:34:02","modified_gmt":"2014-01-12T09:34:02","slug":"john-ogdon-und-samson-francois","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/john-ogdon-und-samson-francois\/","title":{"rendered":"John Ogdon und Samson Fran\u00e7ois"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2013\/ogdon14113.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>06.02.2013 &#8212; Sie geh\u00f6ren zu den herausragenden Pianisten ihrer Generation und ihres Landes, beide starben nach ph\u00e4nomenalen Karrieren fr\u00fch \u2013 der Brite John Ogdon mit 52, der Franzose Samson Fran\u00e7ois mit 46. EMI Classics legt nun die bisher umfangreichste Ogdon-Hommage vor, nicht weniger als 17 CDs und alle wichtigen Aspekte seines Repertoires umfassend, sowie, in einer 3-CD-Box, die exemplarischen Debussy-Einspielungen von Samson Fran\u00e7ois. <\/p>\n<p> Im Gegensatz zu den meisten seiner Berufskolleginnen und -kollegen lag Ogdons Interesse nicht auf dem klassisch-romantischen Kernrepertoire. Bereits in seinem Londoner Deb\u00fctkonzert interpretierte der 21-J\u00e4hrige das Klavierkonzert Busonis mit durchschlagendem Erfolg. Seine Einspielung (1967) dieses fast 70 Minuten dauernden zyklopischen Monumentalopus ist in dieser Kollektion enthalten. <\/p>\n<p> John Ogdons immenses Repertoire und seine intensive Auseinandersetzung mit Rarit\u00e4ten vor allem englischer Provenienz (er brachte manche Kompositionen seiner ehemaligen Studienkollegen zur Urauff\u00fchrung) hat sich in einer imposanten Diskografie niedergeschlagen. Die vorliegenden Aufnahmen entstanden mehrheitlich in den Sechzigerjahren. Versammelt sind von 42 Komponisten \u00fcber hundert Werke, darunter 19 Klavierkonzerte, neben Popul\u00e4rem (Mendelssohn, Schumann, Grieg, Tschaikowski, Franck, Rachmaninow) auch selten Aufgef\u00fchrtes (Glasunow, Liszt, Litolff, Bart\u00f3k, Tippett, Schostakowitsch, Ogdons 1. Klavierkonzert). <\/p>\n<p> Neben Miniaturen und Evergreens vom Barock bis zur Moderne sowie umfangreichen Werkgruppen von Chopin, Liszt, Rachmaninow (\u00c9tudes tableaux op. 33 und 39) finden sich mehr als 40 grossformatige Kompositionen, darunter die Sonaten von Dukas und Liszt, die Sonate f\u00fcr zwei Klaviere und Schlagzeug von Bart\u00f3k (mit Ogdons Gattin Brenda Lucas), Sonaten von Dutilleux, Tippett, Ogdon, Hoddinott, Sherlaw Johnson sowie Ronald Stevensons Passacaglia on DSCH (= D. Schostakowitsch), die mit fast zwei Stunden Auff\u00fchrungsdauer l\u00e4ngste ihrer Gattung. <\/p>\n<p> Ber\u00fchmt waren Ogdons Prima-vista-Spiel, die exorbitante Virtuosit\u00e4t, die physische Kraft, die Anschlagsdelikatesse nicht ausschloss, die F\u00e4higkeit, sich in k\u00fcrzester Zeit komplexe Partituren anzueignen (Francks Variations symphoniques hat er f\u00fcr die Einspielung von 1962 \u00fcber Nacht einstudiert), die stilistische Vielseitigkeit und die emotionale \u00dcberzeugungskraft seiner Interpretationen. <\/p>\n<p> Der korpulente, stets bescheiden auftretende, gesundheitlich labile Mann mit Kinnbart und markanter Brille, der neben seiner internationalen Konzertt\u00e4tigkeit \u00fcber 200 Werke komponierte, Essays verfasste und als Dozent wirkte, erlitt 36-j\u00e4hrig einen Zusammenbruch \u2013 wie sein Vater ein Opfer der Schizophrenie. 1973 war John Ogdons brillante Karriere beendet. Ab 1980 kehrte er f\u00fcr einige Auftritte aufs Podium und ins Aufnahmestudio zur\u00fcck; 1989 erlag er in London den Folgen einer Lungenentz\u00fcndung. <\/p>\n<p> <strong>Samson Fran\u00e7ois<\/strong><\/p>\n<p> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2013\/samson14113.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>Von v\u00f6llig anderem Zuschnitt als der Brite Ogdon war der Franzose Samson Pascal Fran\u00e7ois. Seine Welt waren vorerst die romantische Klavierliteratur, das 19. Jahrhundert und die Selbstinszenierung: Mit exzentrischem Lebensstil, durchwachten N\u00e4chten in Pariser Etablissements und ausschweifendem Genuss von Alkohol und Tabak positionierte sich der bekennende Jazzfan (weiland eine provokante Passion!) in der Nachkriegszeit als Enfant terrible. <\/p>\n<p> So waren es mehr \u00c4usserlichkeiten, darunter die ungeb\u00e4ndigte Frisur in einer Zeit, als der korrekt gezogene Scheitel Pflichtbewusstsein und Sitte signalisierte, welche die Gilde bestandener Musikkritiker herausforderte; die einen wollten das Spiel des jungen Meisters notengetreuer und disziplinierter, die anderen r\u00fchmten dessen Spontaneit\u00e4t, Erfindungslust und Energie. <\/p>\n<p> Nachdem der 19-J\u00e4hrige (sein Vorname Samson wurde zu einem Markenzeichen) den ersten Long-Thibaud-Concours gewonnen hatte, begab er sich ab 1945 auf Europatournee. Er gestand, sich mit Beethoven zu langweilen, bei Brahms von Unwohlsein befallen zu werden und Mozart liebend gern auf einem alten verstimmten Fl\u00fcgel zu spielen, was viele verstimmte und ihn in Deutschland und \u00d6sterreich ein ger\u00fcttelt Mass an Sympathien kostete. <\/p>\n<p> 1947 deb\u00fctierte er in den USA, 1964 in China. Prokofjew vertraute ihm die Urauff\u00fchrung seines 5. Klavierkonzerts an (1950 mit Leonard Bernstein). Regelm\u00e4ssig nahm Fran\u00e7ois Zeitgen\u00f6ssisches in seine Rezitals auf, komponierte u.a. ein Klavierkonzert und einige Filmmusiken. <\/p>\n<p> Der B\u00fcrgerschreck m\u00e4ssigte sich, die Haare wurden sch\u00fctter. Sein technisch makelloses Spiel bezwang durch Klarheit, rhythmische Pr\u00e4gnanz und Farbenreichtum. Als Anwalt Schumanns und Chopins hatte er sich einen unbestrittenen Rang gesichert, galt als profilierter Interpret Ravels und Debussys. Fran\u00e7ois war, nach der Pioniertat von Marius-Fran\u00e7ois Gaillard, der 1920 in Paris s\u00e4mtliche Klavierwerke Debussys interpretiert hatte, der erste, der die integrale Auff\u00fchrung von Debussys Klavierschaffen aufgriff. So lag es nahe, den Korpus auf Schallplatte festzuhalten. <\/p>\n<p> 1961 begann er beim Label EMI Musique France die geplante Gesamteinspielung, die er indes wegen Erkrankung, Labilit\u00e4t und Infarkten nicht zu Ende f\u00fchren konnte \u2013 1970 verstarb er. <\/p>\n<p> Auf drei CDs sind seine legend\u00e4ren Debussy-Aufnahmen wieder greifbar. Und sie bezwingen nach wie vor durch ihre von verwaschenen Aquarellt\u00f6nen befreite Kontur und Harmonie, durch glasklare Transparenz, spr\u00fchende Spiellaune, noble Poesie und feinnervigen Humor. Ein Kontrast zu dem seit Walter Giesekings Aufnahmen ausserhalb Frankreichs gepflegten, wohl durch die Maler des Impressionismus inspirierten Debussy-Stil. <\/p>\n<p> Unter den Zyklen finden sich die Pr\u00e9ludes I und II (in Livre II fehlt Les tierces altern\u00e9es), Images I und II, \u00c9tudes Livre II (ohne Pour les notes repet\u00e9es; Nr. 11 in zwei verschiedenen Aufnahmen), Pour le piano (zweimal), Children\u2019s Corner, Estampes, Suite bergamasque. An Einzelst\u00fccken enth\u00e4lt die Kompilation L\u2019Isle Joyeuse, Masques, R\u00eaverie, Deux Arabesques, Berceuse h\u00e9ro\u00efque, La plus que lente. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">John Ogdon (1937\u20131989). Serie Legendary British Virtuoso. Einspielungen 1960 bis 1972. \u2013 Brenda Lucas, Klavier; James Holland, Tristan Fry, Schlagzeug. London Symphony Orchestra \/ Aldo Ceccato; New Philharmonia Orchestra \/ Paavo Berglund; Bournemouth Symphony Orchestra \/ Paavo Berglund; Philharmonia Orchestra \/ John Barbirolli \/ John Pritchard \/ Malcolm Sargent \/ Colin Davis; Royal Philharmonic Orchestra \/ Daniell Revenaugh \/ Lawrence Foster; City of Birmingham Symphony Orchestra \/ Louis Fr\u00e9maux. (EMI Classics 7 04637 2; 17 CDs. Booklet engl.\/dt.) <\/p>\n<p> Samson Fran\u00e7ois (1924\u20131970). Werke von Claude Debussy. Einspielungen 1961, 1968 bis 1970. (EMI Classics 638754 2 3; 3 CDs. Booklet frz.) <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>06.02.2013 &#8212; Sie geh\u00f6ren zu den herausragenden Pianisten ihrer Generation und ihres Landes, beide starben nach ph\u00e4nomenalen Karrieren fr\u00fch \u2013&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-754","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buchbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/754","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=754"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/754\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=754"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=754"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=754"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}