{"id":761,"date":"2014-01-12T09:37:37","date_gmt":"2014-01-12T09:37:37","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/busoni-im-briefwechsel-mit-seinem-verlag\/"},"modified":"2014-01-12T09:37:37","modified_gmt":"2014-01-12T09:37:37","slug":"busoni-im-briefwechsel-mit-seinem-verlag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/busoni-im-briefwechsel-mit-seinem-verlag\/","title":{"rendered":"Busoni im Briefwechsel mit seinem Verlag"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2013\/busoni29712.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>21.06.2013 &#8212; Minderwertigkeitskomplexe waren ihm zeitlebens fern. Der 1866 in Empoli bei Florenz als Sohn eines Klarinettisten und einer deutschst\u00e4mmigen Pianistin geborene Ferruccio Busoni, der mit acht Jahren als eloquenter Pianist und bald auch mit eigenen Kompositionen die Aufmerksamkeit der \u00d6ffentlichkeit errang, liess als 17-J\u00e4hriger dem renommierten deutschen Musikverlag Breitkopf &amp; H\u00e4rtel in Leipzig zwei Dutzend Klavierpr\u00e4ludien zukommen; ein Jahr sp\u00e4ter legte er nach mit einem Streichquartett, einer Klaviersonate und einem Werk f\u00fcr Klaviertrio. <\/p>\n<p> Der Verlag \u00e4usserte Anerkennung, wollte jedoch \u00aberst die Kl\u00e4rung Ihres sch\u00f6nen Talentes\u00bb abwarten. Bereits 1885 war es soweit: Opus 20 und Opus 22, eine Orchester- und eine Klavierkomposition, wurden ins Verlagsprogramm aufgenommen. Wie der rasche Umschwung zustande kam, bleibt leider offen, denn w\u00e4hrend sich 38 Verlagsbriefe an Busoni aus der Anfangsphase der Beziehung erhalten haben, gelten die Schreiben Busonis aus dieser Zeit als verloren; der erste im Verlagsarchiv erhalten gebliebene Brief des Komponisten stammt vom 20. Dezember 1894. <\/p>\n<p> Dann aber setzt ein reger Briefwechsel ein, der sich \u00fcber vier Jahrzehnte erstreckte und erst mit Busonis Tod in Berlin 1924 endete. (Ab Dezember 1918 sind allerdings die Briefe Busonis verschollen.). Nach z\u00f6gernder Gesch\u00e4ftsanbahnung entwickelte sich ein respektvolles Verh\u00e4ltnis, das trotz wiederholten Verstimmungen und peinlichen Zwischenf\u00e4llen h\u00fcben wie dr\u00fcben sich fast freundschaftlich gestaltete, sp\u00e4ter allerdings vor zunehmender Entfremdung vorab als Folge von Honorarfragen nicht gefeit war. <\/p>\n<p> Den 742 Briefen, Karten und Telegrammen Busonis stehen 816 Mitteilungen des Verlags gegen\u00fcber, vornehmlich verfasst von Firmenchef Oskar von Hase (1846\u20131921) und seinen beiden S\u00f6hnen. Der Briefwechsel gibt Einblick in das Verlagswesen und dokumentiert die Verlagsarbeit: die technische Herstellung der Partituren, die Korrekturt\u00e4tigkeit, die Gestaltung des Umschlags, die Farbe und Konsistenz des Papiers, Werbung und Vertrieb, Auff\u00fchrungsschwierigkeiten, aber auch der Schutz des geistigen Eigentums und die finanziellen Aspekte (Vertr\u00e4ge, Honorare). Kaum erstaunlich, dass in letzterer Hinsicht die Vorstellungen Busonis und jene des Verlegers h\u00e4ufig auseinanderklafften. <\/p>\n<p> Eva Hanau, Mitarbeiterin der Arbeitsstelle Busoni-Editionen der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz (das Institut erstellt eine kritische Gesamtausgabe der Schriften, wissenschaftliche Ausgaben von Briefen und musikalischen Werken des Pianisten, Komponisten und \u00c4sthetikers Ferruccio Busoni), hat die Quellen, die im Verlagsarchiv und im Busoni-Nachlass in Berlin lagern, zusammengetragen, penibel editiert, im Zusammenhang mit der Biografie erl\u00e4utert und einl\u00e4sslich kommentiert sowie mit Verzeichnissen (Namen, erw\u00e4hnte Kompositionen, Schriften, Bearbeitungen, \u00dcbertragungen, Ausgaben Busonis) und Registern versehen \u2013 eine im Ganzen wie im Detail respektheischende Leistung! <\/p>\n<p> Die \u00fcber 1500 Mitteilungen \u2013 bei Gelegenheit wurden monatlich bis zu 15 Briefe gewechselt \u2013 beanspruchen zwei B\u00e4nde; der erste enth\u00e4lt die Schreiben von 1883 bis 1914, der zweite jene von 1915 bis 1924 sowie den \u00fcber 360 Seiten umfassenden Kommentar- und Registerteil (was dazu zwingt, beim Studium von Band I auch Band II zur Hand zu haben). <\/p>\n<p> Die Drucklegung seiner Kompositionen konnte nie rasch genug erfolgen. Auffallend, wie fordernd, dr\u00e4ngend und insistierend Busoni seinen Verleger traktiert, der in der Regel nach einigem Widerspruch und sachlichen Erw\u00e4gungen und Gegenargumenten dann doch einknickt \u2013 Zeichen f\u00fcr das hohe Ansehen, das der Italiener in Europa, den USA und Russland als Starpianist, Komponist, Dirigent, Librettist, Theoretiker (\u00abEntwurf einer neuen \u00c4sthetik der Tonkunst\u00bb, 1907), Herausgeber und Bearbeiter genoss. <\/p>\n<p> Weniges ist geblieben, hat weitergewirkt von diesem Leistungskatalog eines Schwerstarbeiters. Immerhin erklingen hie und da noch einzelne Kompositionen (in der Regel nicht jene grossen Werke, die Busoni am meisten am Herzen lagen), und viele der bei ihm Studierenden errangen sich einen Namen, darunter Egon Petri, Eduard Steuermann, Edgar Var\u00e8se, Wladimir Vogel, Dimitri Mitropoulos, Kurt Weill, Robert Blum, Stefan Wolpe, Leo Kestenberg. <\/p>\n<p> Einleutend, dass sich der Inhalt der B\u00e4nde haupts\u00e4chlich um Busonis Produktion dreht, um seine Kompositionen und seine Editions- und Bearbeitert\u00e4tigkeit (z. B. Bach, Liszt) \u2013 ausser Jugendwerken und einigen Kompositionen der sp\u00e4ten Jahre ist das gesamte musikalische \u0152uvre Busonis von Breitkopf &amp; H\u00e4rtel verlegt worden. <\/p>\n<p> Das Spektrum der \u00abungeheuren F\u00fclle der Besch\u00e4ftigungen\u00bb (Busoni) weitet sich, der Briefwechsel belebt sich ab April 1905, bezieht Lebens- und Entwicklungsstationen Busonis mit ein, sein Musikverst\u00e4ndnis, das Tagwerk als reisender Virtuose (\u00abClavierconcertfluth\u00bb; \u00abumherirrender Beruf\u00bb), das Verh\u00e4ltnis zu zeitgen\u00f6ssischen und klassischen Komponisten und, eher beil\u00e4ufig, zum Musikleben und zur Tagesaktualit\u00e4t. <\/p>\n<p> Der typografisch und im Layout sorgf\u00e4ltig edierte Briefwechsel zwischen Ferruccio Busoni und seinem Verlag Breitkopf &amp; H\u00e4rtel f\u00fcgt der Biografie und dem Schaffen des rastlosen Kosmopoliten Busoni aufschlussreiche Fakten und differenzierte Farben hinzu und schl\u00e4gt, wesentlich auch dank den fundierten Kommentaren, Erl\u00e4uterungen und Anmerkungen der Herausgeberin Eva Hanau, ein interessantes Kapitel deutschen Verlagswesens und europ\u00e4ischen Musik- und Kulturlebens auf. <\/p>\n<p> <strong><em>Zitat aus dem Buch: <\/em><\/strong><br \/> \u00abWo ich Liszt-Sch\u00fclern begegne (u. das war wieder gestern der Fall, in Boston) da erfahre ich stets von handschriftlichen Aenderungen des Meisters in den Privat Exemplaren der Sch\u00fcler. Das hat mich auf die Idee gebracht Ihnen vorzuschlagen, ein Circular abzufassen u. zu versenden an alle bekannten Sch\u00fcler Liszts mit der Aufforderung, die Aenderungen mitzutheilen, f\u00fcr die Gesammt Ausgabe. Ich halte es f\u00fcr sehr wichtig, da diese interessanten Zus\u00e4tze u. Varianten sonst rettungslos verschwinden.\u00bb<br \/>(Brief 542. Busoni aus New York, 17. M\u00e4rz 1910) <br \/> <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Ferruccio Busoni im Briefwechsel mit seinem Verlag Breitkopf &amp; H\u00e4rtel. Herausgegeben von Eva Hanau. Band I: 1883-1914. Band II: 1915\u20131924, mit Kommentarteil, Verzeichnissen, Register und einigen Abbildungen. Im Rahmen der Busoni-Editionen im Auftrag der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz, Hrsg. Albrecht Riethm\u00fcller. Zwei B\u00e4nde im Schuber. BV 318. Verlag Breitkopf &amp; H\u00e4rtel, Wiesbaden 2012. 1592 Seiten. \u20ac 126,\u2013. Fr. 169.90.<\/p>\n<p> siehe auch:<br \/> <a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/rezensionen_ind2.php?art=754\">Max Regers Briefe an den Verlag Bote &amp; Bock<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>21.06.2013 &#8212; Minderwertigkeitskomplexe waren ihm zeitlebens fern. Der 1866 in Empoli bei Florenz als Sohn eines Klarinettisten und einer deutschst\u00e4mmigen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-761","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buchbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/761","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=761"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/761\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=761"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=761"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=761"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}