{"id":762,"date":"2014-01-12T09:38:03","date_gmt":"2014-01-12T09:38:03","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/bachs-goldberg-variationen\/"},"modified":"2014-01-12T09:38:03","modified_gmt":"2014-01-12T09:38:03","slug":"bachs-goldberg-variationen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/bachs-goldberg-variationen\/","title":{"rendered":"Bachs Goldberg-Variationen"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2013\/gold12713.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>12.07.2013 &#8212; Unter den gross angelegten Variationszyklen der Musikgeschichte besitzt die 1741 publizierte \u00abClavierUbung bestehend in einer ARIA mit verschiedenen Veraenderungen vors Clavicimbal mit 2 Manualen. Denen Liebhabern zur Gem\u00fcthsErgetzung verfertiget von Johann Sebastian Bach\u00bb einen herausragenden Rang. <\/p>\n<p> Bachs erster Biograf, Johann Nikolaus Forkel, legte 1802 mit seinem legendenhaften Bericht vom Auftraggeber Graf Keyserlingk, der an Schlaflosigkeit litt, und dessen Cembalisten Goldberg, der seinem adligen Herrn zum Zeitvertreib diese \u00abVeraenderungen\u00bb von Bach vorgetragen haben soll, immerhin die Basis f\u00fcr die pr\u00e4gnante Benennung \u00abGoldberg-Variationen\u00bb. (Ein Beispiel daf\u00fcr, wie ein Durchschnittler im Schatten eines Genies zu Licht und Ruhm getragen wird\u2026) <\/p>\n<p> Der \u00f6sterreichische Musikwissenschaftler und Schulmusiker Arnold Werner-Jensen (er dozierte an den P\u00e4dagogischen Hochschulen Heidelberg und Weingarten, konzertiert als Pianist und Cembalist und ver\u00f6ffentlichte Konzert- und Operf\u00fchrer sowie musikp\u00e4dagogische Publikationen) legt im Rahmen der B\u00e4renreiter Werkeinf\u00fchrungen seine fundierte, Theorie und Praxis gleichermassen ber\u00fccksichtigende Auseinandersetzung mit dem magistralen Zyklus vor, der wissenschaftlich korrekt unter BWV 988 als Teil IV der Klavier\u00fcbung rangiert. <\/p>\n<p> Nach den drei deutschsprachigen Publikationen aus den Achtzigerjahren \u00fcber die Goldberg-Variationen (Andreas Traub; Ingrid und Helmut Kau\u00dfler; Rolf Damann) ist Werner-Jensens Monografie die erste, die den j\u00fcngsten Wissensstand reflektiert, die Diskussionen der zur\u00fcckliegenden Jahrzehnte aufgreift, instrumententechnische Voraussetzungen und Probleme kl\u00e4rt und sich kritisch mit der Diskografie seit den Dreissigerjahren auseinandersetzt. <\/p>\n<p> Nach Ausf\u00fchrungen zur Entstehung, Rezeptions- und Wirkungsgeschichte (darunter die Editionspraxis und die beiden Cembalo-Renaissancen) widmet sich der Autor analytischen Betrachtungen (Aria, Chaconne-Bass) und spielpraktischen Hinweisen, darunter Instrumentendisposition, Fragen zu Repetitionen und Tempowahl. <\/p>\n<p> Den umfangreichsten Teil beanspruchen die Einzelanalysen der 30 Variationen, die dem gleichen methodischen Vorgehen folgen: Nach den einl\u00e4sslichen analytischen Hinweisen kommt Auff\u00fchrungspraktisches und Spieltechnisches auf Cembalo und modernem Fl\u00fcgel zur Sprache. Die sparsam durch Notenbeispiele veranschaulichten Ausf\u00fchrungen (unabdingbar f\u00fcr ein vertieftes Verst\u00e4ndnis ist ohnehin der Beizug der Partitur) widerspiegeln in ihrer sprachlichen Formulierung die sich auf Wesentliches konzentrierende Klarheit der Analyse. <\/p>\n<p> Abschliessend er\u00f6rtert Arnold Werner-Jensen die Besonderheiten der Interpretation dieses H\u00f6hepunkts barocker Variationskunst f\u00fcr Tasteninstrumente auf dem Cembalo und auf dem Klavier und sichtet das Tontr\u00e4gerangebot der Goldberg-Variationen. Im Anhang finden sich Angaben zur Literatur und zu Notentext-Editionen. <\/p>\n<p> <strong><em>Zitat aus dem Buch: <\/em><\/strong><br \/> \u00abWir sehen also, dass eigentlich alle Argumente dagegen sprechen, dass es Bach hier wirklich prim\u00e4r um eine Demonstration der Variationskunst ging, die ein wacher H\u00f6rer bewundernd nachvollziehen k\u00f6nnte und sollte. Das eigentliche Anliegen scheint vielmehr ein v\u00f6llig anderes gewesen zu sein: Offensichtlich benutzte Bach f\u00fcr diesen Zyklus als konstruktive Basis ein gel\u00e4ufiges Modell, das im Ergebnis jedoch f\u00fcr ihn als Tonsetzer allein im handwerklichen Sinn wichtig war. Man k\u00f6nnte es auch anders formulieren: Offensichtlich reizte es ihn, das altbew\u00e4hrte Chaconne-Modell einmal bis an seine Grenzen zu f\u00fchren, eher sogar: es \u00fcber seine nat\u00fcrlichen Grenzen hinauszuf\u00fchren. [\u2026] Insofern nimmt das Chaconne-Modell hier eigentlich genau die Rolle ein, die eine Zw\u00f6lftonreihe dann bei Sch\u00f6nberg, Webern und Berg haben wird: Sie ist Material und Handwerkszeug, der sch\u00f6pferische Prozess setzt erst danach ein \u2013 eine erstaunliche, Jahrhunderte \u00fcbergreifende k\u00fcnstlerische Verwandtschaft des sch\u00f6pferischen Vorganges!\u00bb (Seite 145) <br \/> <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Arnold Werner-Jensen: Johann Sebastian Bach \u2013 Goldberg-Variationen. B\u00e4renreiter Werkeinf\u00fchrungen. Mit Abbildungen und Notenbeispielen. Taschenbuch. B\u00e4renreiter-Verlag, Kassel 2013. 166 Seiten. \u20ac 19,95. Fr. 28.40. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>12.07.2013 &#8212; Unter den gross angelegten Variationszyklen der Musikgeschichte besitzt die 1741 publizierte \u00abClavierUbung bestehend in einer ARIA mit verschiedenen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-762","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buchbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/762","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=762"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/762\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=762"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=762"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=762"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}