{"id":764,"date":"2014-01-12T09:39:03","date_gmt":"2014-01-12T09:39:03","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/ueber-wagner\/"},"modified":"2014-01-12T09:39:03","modified_gmt":"2014-01-12T09:39:03","slug":"ueber-wagner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/ueber-wagner\/","title":{"rendered":"\u00dcber Wagner"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2013\/wag9813.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>09.08.2013 &#8212; \u00abDie Literatur mag weniger spektakul\u00e4r sein als der Stein, aber sie ist auf tausendf\u00e4ltig feinere Weise wirkungsm\u00e4chtig. Sie produziert nicht <em>ein<\/em> Wagner-Bild wie das Denkmal, sondern viele Wagner-Bilder; jeder erschafft seinen Wagner nach Ma\u00dfgabe der eigenen Historie und des eigenen Temperaments\u00bb, schreibt in der Einleitung Nike Wagner, Urenkelin Richard Wagners und Herausgeberin der vorliegenden Anthologie. <\/p>\n<p> Ein Kaleidoskop an Wagner-Bildern, gef\u00fcgt aus Gedichten, Kritiken, Essays, Aufs\u00e4tzen, Erinnerungen, Briefen (viele davon notgedrungen in Ausz\u00fcgen), hat Nike Wagner zusammengetragen aus vielerlei Quellen und sie thematisch in dreizehn Kapiteln eingebracht mit \u00dcberschriften wie \u00abCaf\u00e9 Lohengrin\u00bb, \u00abTristanismo\u00bb, \u00abNieder mit Wagner!\u00bb, \u00abDenkmalschutz f\u00fcr Wagner?\u00bb. <\/p>\n<p> Aus emotionaler Distanz durchaus unterhaltsam zu verfolgen sind die enragierten Reaktionen zwischen Verz\u00fcckung und Verw\u00fcnschung, die Wagner bei Zeitgenossen und Nachgeborenen ausl\u00f6st. In dieser facettenreichen, mit dramaturgisch begr\u00fcndeten Ausnahmen in chronologischer Ordnung gegliederten Sammlung spiegeln sich die je aktuellen politischen, sozialen und kulturellen Str\u00f6mungen, die \u00c4sthetik und der Zeitgeist, dem Wagners Person, sein publizistisches Werk und sein musikdramatisches Schaffen zwischen den Polen Dekadenz und Genie in Europa und weit dar\u00fcber hinaus unterworfen waren. <\/p>\n<p> Im Fin de si\u00e8cle wurde der kranke gegen den urgesunden Bayreuther ausgespielt, in Frankreich galt er als Meister des Symbolismus, im deutschen Kaiserreich diente er der nationalen Selbstbeweihr\u00e4ucherung, nach dem Ersten Weltkrieg musterte man ihn durch die Brille der neuen Sachlichkeit, die V\u00f6lkischen belehrten, Wagner habe \u00abseinem Volk und aller Welt das Urtum germanischen Wesens geoffenbart\u00bb (1924), nach dem Zusammenbruch des Dritten Reichs blieben die Meinungen ambivalent. 1951 kam es zur Wiedergeburt Bayreuths \u2013 Wagner wurde zum Zeitgenossen der Moderne. <\/p>\n<p> Musiker, Musikforscher, Philosophen, Literaten, Politiker, Regisseure, bildende K\u00fcnstler, an die neunzig Autorinnen und Autoren, setzen sich mit Richard Wagner und seinem \u0152uvre auseinander, aus h\u00f6herer Warte die einen, Details analysierend die anderen, mal ernst, mal heiter, Ann\u00e4herung und Verehrung hier, Satire und Distanzierung dort \u2013 Themen mit Dutzenden von Variationen. <\/p>\n<p> Ihr 1995 erstmals vorgelegtes B\u00fcchlein (es misst 10 auf 15 Zentimeter) hat Nike Wagner im Einzelnen aktualisiert, im Ganzen mit neu aufgenommenen Beitr\u00e4gen von Daniel Barenboim, Heinz Holliger, Joachim Kalka, Hans K\u00fcng, Heiner M\u00fcller, Hans Neuenfels und Slavoj Zi\u017eek substantiell bereichert. Der Originalbeitrag zum Thema \u00abDas Wagner-Theater heute\u00bb stammt von Julia Spinola. <\/p>\n<p> Die Anthologie ist benutzerfreundlich und informativ erschlossen: durch eine Zeittafel, das Verzeichnis der Autoren (samt Kurzbiografien), Texte und Druckvorlagen sowie das Abbildungsverzeichnis. <\/p>\n<p> <strong><em>Zitat aus dem Buch: <\/em><\/strong><br \/> \u00abSo verbleibt als letzte M\u00f6glichkeit, wenigstens Jugendliche unter 18 Jahren vor dem verh\u00e4ngnisvollen Eindruck des Ringzyklus zu bewahren. Wie die bereits erw\u00e4hnte Novelle &#8218;W\u00e4lsungenblut&#8216; [Thomas Mann] beweist, \u00fcbt Wagners Musik auf Heranwachsende eine ungew\u00f6hnlich narkotische Wirkung aus, die raschen Hemmungsverfall nach sich zieht. &#8218;Der fremde Zauber rei\u00dft die Jugend fort&#8216;, hei\u00dft es bei Schiller [\u00abWilhelm Tell\u00bb]. Das mag f\u00fcr die Schweiz zutreffen. Das deutsche Volk wird seine Jugend zu sch\u00fctzen wissen.\u00bb (aus: \u00abRichard Wagners &#8218;Ring des Nibelungen&#8216; im Lichte des deutschen Strafrechts\u00bb von Ernst von Pidde, 1877\u20131966. Seite 114f.) <br \/> <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">\u00dcber Wagner. Von Musikern, Dichtern und Liebhabern. Eine Anthologie. Herausgegeben von Nike Wagner. Mit 40 s\/w Abbildungen. Aktualisierte und erweiterte Ausgabe. Reclam-Verlag, Stuttgart 2013. 400 Seiten. \u20ac 14,\u2013. Fr. 20.90.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>09.08.2013 &#8212; \u00abDie Literatur mag weniger spektakul\u00e4r sein als der Stein, aber sie ist auf tausendf\u00e4ltig feinere Weise wirkungsm\u00e4chtig. 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