{"id":775,"date":"2014-01-12T11:38:43","date_gmt":"2014-01-12T11:38:43","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/symbolik-der-verheissung\/"},"modified":"2014-01-12T11:38:43","modified_gmt":"2014-01-12T11:38:43","slug":"symbolik-der-verheissung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/symbolik-der-verheissung\/","title":{"rendered":"Symbolik der Verheissung"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\">28.11.2003 &#8212; Dem zweiten Teil des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach liegt der Text Lukas 2, 8-14 zugrunde: \u00abUnd es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den H\u00fcrden, die h\u00fcteten des Nachts ihre Herde. Und siehe, des Herren Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie f\u00fcrchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: F\u00fcrchtet euch nicht; siehe, ich verk\u00fcndige euch grosse Freude, die allem Volk widerfahren wird. Denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr in der Stadt David. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der H\u00f6he, und Frieden auf Erden, und den Menschen ein Wohlgefallen!\u00bb<\/p>\n<p> Die Pastorale, die Schilderung des l\u00e4ndlichen Lebens, wie sie sich in den bewegten Zw\u00f6lfachteltakten, Siciliano-Rhythmen und Fl\u00f6tenkl\u00e4ngen findet, dient Bach allerdings nicht alleine der Schilderung des Hirtenlebens. Schon die Besetzung des einleitenden Instrumentalsatzes &#8211; er ist der einzige im gesamten Oratorium &#8211; zeigt, dass der Verk\u00fcndigung auf dem Felde eine tiefere Symbolik zugrunde liegt: Neben den Fl\u00f6ten und Oboen da caccia sind Oboen d\u2019amore verlangt, die als Liebesinstrumente den \u00abhimmlischen Br\u00e4utigam\u00bb versinnbildlichen: \u00abEine Engelsmusik in Gestalt eines himmlischen Reigens tritt einer schwerm\u00fctigen Hirtenmusik gegen\u00fcber, die jedoch, wenn auch zun\u00e4chst nur z\u00f6gernd, im Laufe des Satzes sich st\u00e4ndig zunehmend mit der Himmelsmusik vereint. (&#8230;) In ihrer Weise verk\u00fcndigt also die Sinfonia die Weihnachtsbotschaft: Gottes Welt dringt in die der Menschen ein, g\u00f6ttliche Herrlichkeit vereint sich mit menschlicher Schwermut.\u00bb (Blankenburg) Es ist das Sehen des Heils, das dementsprechend die Br\u00fccken schl\u00e4gt zu den alttestamentarischen Motiven in diesen Partien des Oratoriums.<\/p>\n<p> Die Musikwissenschafterin Renate Steiger hat nachzuweisen versucht, dass bei Bach der Zw\u00f6lfachteltakt immer \u00abzur Darstellung des Eschatologischen, des letztg\u00fcltigen Trostes, der endzeitlichen Freude\u00bb dient und dass die Pastorale in Bachs Werk deshalb den tieferen Sinn besitzt, die Gegenwart des verheissenden Heils zu verk\u00fcndigen. So auch im Weihnachtsoratorium. Im letzten Satz des Teiles, dem Choral 23, vereint sich die himmlische Musik, beziehungsweise deren Repr\u00e4sentanten, die Streicher, mit den menschlichen Stimmen und den Fl\u00f6ten, die die rhythmischen Bewegungen der Hirteninstrumente in der Oktave \u00fcbernehmen und sie so aufhellen: \u00abHimmlische und irdische Kl\u00e4nge haben sich ganz und gar zusammengefunden. Sinnf\u00e4lliger kann die Weihnachtsbotschaft nicht dargestellt werden.\u00bb (Blankenburg)<\/p>\n<p> (Quellen: Walter Blankenburg, \u00abDas Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach\u00bb, Kassel 1982; Renate Steiger, \u00abDie Welt ist euch ein Himmelreich &#8211; zu J.S. Bachs Deutung des Pastoralen\u00bb, in Musik und Kirche 41, 1971.) (wb) <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>28.11.2003 &#8212; Dem zweiten Teil des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach liegt der Text Lukas 2, 8-14 zugrunde: \u00abUnd es&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[16],"tags":[],"class_list":["post-775","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-musikgeschichte","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/775","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=775"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/775\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=775"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=775"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=775"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}