{"id":782,"date":"2014-01-12T11:43:54","date_gmt":"2014-01-12T11:43:54","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/von-der-vihuela-zur-gitarre\/"},"modified":"2014-01-12T11:43:54","modified_gmt":"2014-01-12T11:43:54","slug":"von-der-vihuela-zur-gitarre","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/von-der-vihuela-zur-gitarre\/","title":{"rendered":"Von der Vihuela zur Gitarre"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\">24.08.2004 &#8212; Zeitgenossen karikierten Philip IV., den Regenten des fr\u00fchbarocken Spaniens, als genauso eifrigen Verfasser schlechter Kom\u00f6dien wie hartn\u00e4ckigen Galan sch\u00f6ner Schauspielerinnen, als unbegabten, daf\u00fcr umso produktiveren Dichter, Zeichner und Violaspieler, der sich seinen exklusiven Vergn\u00fcgungen hingab, w\u00e4hrend sein Land brannte. Gesichert jedoch ist nur, dass Philip Viola spielte. Von seinen vielen legendenumwobenen Kunstwerken kann keines nachgewiesen werden, obwohl vieles daf\u00fcr spricht, dass der K\u00f6nig in seiner Jugend tats\u00e4chlich gemalt hatte. Mit dieser Vorliebe besiegelte er wahrscheinlich den endg\u00fcltigen Untergang eines einzigartigen gitarren\u00e4hnlichen Instrumentes, der Vihuela.<\/p>\n<p> Seine Bl\u00fctezeit besass die Vihuela Mitte des 16. Jahrhunderts, 1578 erschien der letzte Druck mit ihr zugedachter Tabulaturen. Genauso wie die Lauten und Violen wurden die Vihuelas in ganzen Familien gebaut. Im 14. Jahrhundert existierten dar\u00fcber hinaus Versionen, die mit dem Bogen gestrichen (Vihuela de arco) oder mit dem Plektrum gezupft wurden (Vihuela de penola), so dass das Instrument, das als eigentliche Vihuela anzusehen ist, genauer als Vihuela da mano angesprochen werden m\u00fcsste. <\/p>\n<p> Im Gegensatz zur etwas sp\u00e4ter aufkommenden Gitarre, die vom \u00abgemeinen Volk\u00bb gespielt wurde, besass die Vihuela am spanischen Hof zur Zeit des Musikliebhabers Philip II. einen hervorragenden Ruf. Ihr Repertoire bestand aus Romanzen, Fantasien und zahlreichen \u00dcbertragungen von Vokalwerken. Dar\u00fcber hinaus diente sie als Begleitinstrument des intimen Gesanges. Ihren Charakter pr\u00e4gten zahlreiche Intarsien und Rosetten auf der Decke, die den Klang vielf\u00e4ltig brachen und das Mitschwingen von Boden und Zargen verhinderten. Gerade diese Eigenheiten benachteiligten sie sp\u00e4ter aber, als die Musik durchsichtiger wurde und die M\u00f6glichkeit, Stimmen klar voneinander zu unterscheiden, gegeben sein musste \u2013 die barocke Gitarre zeigte sich solchen Anforderungen besser gewachsen.<\/p>\n<p> Der endg\u00fcltige Untergang der Vihuela d\u00fcrfte aber eben auch auf den Wechsel der Mode am spanischen Hof zur\u00fcckzuf\u00fchren sein. Pflegte Philip II. die Musik intensiv, schlug zur Zeit Philip IV. die Stunde der Maler. Zum Eklat f\u00fchrte der demonstrative Wechsel hervorragender Musiker vom spanischen an den portugiesischen Hof \u2013 aus Protest gegen ihre eklatante \u00f6konomische Benachteiligung gegen\u00fcber den Malern und Dichtern. Da die Vihuela im Gegensatz zur Gitarre g\u00e4nzlich mit der Musikpflege am Hof verbunden war, bildete sie eines der Opfer des sp\u00fcrbaren Abbaus an Vielf\u00e4ltigkeit und Intensit\u00e4t adligen Musizierens.<\/p>\n<p> Damit war der Abstieg der Gitarrenmusik vom h\u00f6fischen Leben in die unteren Schichten vorerst besiegelt. Dass die barocke Gitarre sich in adligen Kreisen dennoch Platz zu schaffen vermochte, d\u00fcrfte in erster Linie das Verdienst des Gitarrenlehrers von Don Juan d\u2019Austria, des 1710 gestorbenen Gaspar Sanz, sein. Dennoch nahm mit der Entwertung der Vihuela eine Bl\u00fctezeit spanischer Gitarrenmusik ein unwiderrufliches Ende. 1684 erschien in Madrid das letzte spanische Werk f\u00fcr die Gitarre alter Ordnung und 1714 in Santiago de Murcia die letzte Tabulatur, die Unterrichtszwecken diente. Die F\u00fchrung \u00fcbernahmen zu diesem Zeitpunkt die Italiener und, am franz\u00f6sischen Hof, der Barockgitarrist par excellence, Robert de Vis\u00e9e. (wb)<br \/><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>24.08.2004 &#8212; Zeitgenossen karikierten Philip IV., den Regenten des fr\u00fchbarocken Spaniens, als genauso eifrigen Verfasser schlechter Kom\u00f6dien wie hartn\u00e4ckigen Galan&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[16],"tags":[],"class_list":["post-782","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-musikgeschichte","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/782","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=782"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/782\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=782"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=782"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=782"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}