{"id":787,"date":"2014-01-12T11:47:44","date_gmt":"2014-01-12T11:47:44","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/brubecks-licht-in-der-wildnis\/"},"modified":"2014-01-12T11:47:44","modified_gmt":"2014-01-12T11:47:44","slug":"brubecks-licht-in-der-wildnis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/brubecks-licht-in-der-wildnis\/","title":{"rendered":"Brubecks \u00abLicht in der Wildnis\u00bb"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><br \/>17.06.2005 &#8212; Wie kaum ein zweiter verk\u00f6rpert Dave Brubeck das Leben zwischen den amerikanischen und europ\u00e4ischen Kulturen: Als Weisser im Milieu prespyterianischer und methodistischer Kirchen aufgewachsen, trug Brubeck Wesentliches dazu bei, den Jazz, zur Zeit seiner Anf\u00e4nge ausschliesslich die Musik der Schwarzen, \u00absalonf\u00e4hig\u00bb zu machen. Gemeinsam mit dem Saxophonisten Paul Desmond (dem Komponisten des ber\u00fchmten \u00abTake Five\u00bb) entwickelte er eine Spielart dieser Musik, die den energiereichen Puls mit unregelm\u00e4ssiger Metrik, F\u00fcnfviertel-, Siebenachteltakten und so weiter, verschmolz.<\/p>\n<p> Aber seine innere, von europ\u00e4isch-feudalem Bildungsb\u00fcrgertum unbelastete Offenheit findet ihren Niederschlag auch im theologischen, philosophischen und kompositorischen Denken: Er braucht sich nicht den Kopf dar\u00fcber zu zerbrechen, ob seine kompositorischen Mittel \u00abdie avanciertesten\u00bb (Adorno) sind, oder ob seine Texte eine kulturhistorische Vertr\u00e4glichkeitspr\u00fcfung bestehen w\u00fcrden. Ein europ\u00e4ischer Jazzkomponist seiner Generation h\u00e4tte das Schreiben eines Oratoriums wohl mit langen und skrupul\u00f6sen Studien \u00fcber die soziokulturellen Grundlagen einer Synthese schwarzafrikanischer und abendl\u00e4ndischer Metaphysik begonnen; Brubeck begann ganz einfach damit, dass er es schrieb.<\/p>\n<p> Oder doch nicht ganz. Denn nat\u00fcrlich macht er sich Gedanken \u00fcber seine religi\u00f6se Grundhaltung. er sei, meint er in einem Kommentar zu seinem Oratorium \u00abThe Light in the Wilderness\u00bb, keiner Kirche verpflichtet, drei j\u00fcdische Lehrer jedoch h\u00e4tten ihn im Lauf des Lebens sehr beeinflusst: Irving Goleman, Darius Milhaud und Jesus. Und f\u00fcr das Libretto des Oratoriums holte er sich den Rat eines Hindus, eines Unitariers, eines episkopalischen Bischofs und mehrerer Jesuiten ein.<\/p>\n<p> Das Resultat ist ein Zeitdokument. Wie das legend\u00e4re Musical \u00abHair\u00bb entstand es, w\u00e4hrend die grossen Protestbewegungen gegen den Vietnamkrieg in Amerika ein Umdenken initiierten, und genauso beschw\u00f6rt es den Geist des \u00abWassermannzeitalters\u00bb. Geradesogut h\u00e4tte es \u00abThe Temptations and Teachings of Christ\u00bb heissen k\u00f6nnen, meint Brubeck, f\u00fcr den es eine pers\u00f6nliche, subjektive Auseinandersetzung mit seiner j\u00fcdisch-christlichen Herkunft bedeutet.<\/p>\n<p> Die kompositorischen Mittel des Oratoriums setzen sich zusammen aus typischer Jazzharmonik \u2013 das heisst, der erweiterten impressionistischen Klangwelt aus Terzenschichtungen und Quartakkorden \u2013 hier und da finden sich Zw\u00f6lftonmotive eingestreut, sind Ans\u00e4tze zu traditionell-abendl\u00e4ndischer Motivarbeit auszumachen. Die Singstimmen spiegeln die charakteristische Schreibweise f\u00fcr Big-Band-Bl\u00e4sers\u00e4tze, satte, breite \u00abChorals\u00bb von grosser F\u00fclle und Farbigkeit. (wb)<br \/><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>17.06.2005 &#8212; Wie kaum ein zweiter verk\u00f6rpert Dave Brubeck das Leben zwischen den amerikanischen und europ\u00e4ischen Kulturen: Als Weisser im&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[16],"tags":[],"class_list":["post-787","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-musikgeschichte","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/787","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=787"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/787\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=787"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=787"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=787"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}