{"id":79,"date":"2014-01-06T11:00:32","date_gmt":"2014-01-06T11:00:32","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/06\/improvisation-als-lebensprinzip\/"},"modified":"2014-01-06T11:00:32","modified_gmt":"2014-01-06T11:00:32","slug":"improvisation-als-lebensprinzip","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/06\/improvisation-als-lebensprinzip\/","title":{"rendered":"Improvisation als Lebensprinzip"},"content":{"rendered":"<p>13.10.2004<\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><strong>Ab Januar n\u00e4chsten Jahres offerieren die Hochschulen f\u00fcr Musik und Theater Z\u00fcrich und f\u00fcr Heilp\u00e4dagogik gemeinsam ein Nachdiplomstudium in Musiktherapie mit einer Dauer von drei Jahren. Ein einj\u00e4hriger Nachdiplom-Basiskurs ist bereits seit Anfang des laufenden Jahres unterwegs. Die engere Zusammenarbeit der beiden Hochschulen ist an einem eint\u00e4gigen Symposium zum Thema \u00abImprovisation als Lebensprinzip \u2013 Freie Musik in Kunst und Therapie\u00bb in den R\u00e4umen der Musikhochschule dokumentiert worden.<\/strong><\/p>\n<p> Eigentlich h\u00e4tte Daniel Fueter, der Rektor der Musikhochschule, den Anlass mit einer Ansprache er\u00f6ffnen sollen. So h\u00e4tte die vor noch nicht allzu langer Zeit noch kaum denkbare engere Zusammenarbeit zwischen den Therapeuten und der traditionsreichen Ausbildungsst\u00e4tte an der Florhofgasse bekr\u00e4ftigt werden sollen. Ausgerechnet in diesen Tagen machten Fueter nicht selber verschuldete Terminschwierigkeiten einen Strich durch die Rechnung, wie in seinem Auftrag Heinrich Baumgartner, Departementsleiter f\u00fcr P\u00e4dagogik an der Hochschule, dem Publikum zerknirscht erkl\u00e4ren musste. Aber auch so war zu sp\u00fcren, dass man sich nach rund zwanzig Jahren skeptischer Distanz nun zusammengerauft hat.<\/p>\n<p> Den Blick \u00fcber die Landesgrenze \u00f6ffnete zum Auftakt ein Gast aus Hamburg: Der Musiktherapie-Professor Eckhard Weymann skizzierte unter dem Titel \u00abZwischent\u00f6ne \u2013 Improvisieren als Lebensmethode und L\u00f6sungsversuch\u00bb Aspekte des Themas. Schmunzeln provozierte er mit seinem Hinweis darauf, dass Improvisation als Alltagswort meistens verwendet werde, wenn etwas schiefgegangen sei. Es dr\u00fccke sich darin aber auch eine durchaus positive F\u00e4higkeit zur Wendigkeit aus, die im modernen Leben zunehmend gefragt sei.<\/p>\n<p> In den sp\u00e4ten sechziger Jahren habe in der Musik selber eine Renaissance der Improvisation als Gegenbewegung zu zunehmenden Verfestigungen eingesetzt. Mehr und mehr sei n\u00e4mlich die Tonkunst mit der totalen Kontrolle aller Parameter speziell in der seriellen Musik in eine Sackgasse geraten. Im Jazz sei im Bebop \u00e4hnliches passiert. Es war die Zeit der aleatorischen Verfahren und des Freejazz. \u00abMan suchte Unmittelbarkeit, man suchte Befreiung des Einzelnen\u00bb, erl\u00e4uterte Weymann, \u00abeine neue Ordnung im Verh\u00e4ltnis von Komponist und Musiker\u00bb. <\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<center><br \/><strong>Die Weblinks<\/strong><\/center>Webseite des Z\u00fcrcher Instituts Musiktherapie (zim!):<br \/> <a href=\"http:\/\/www.musiktherapie-schweiz.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"> www.musiktherapie-schweiz.ch <\/a><br \/> Hochschule Musik und Theater Z\u00fcrich:<br \/> <a href=\"http:\/\/www.hmt.edu\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/www.hmt.edu<\/a> <br \/> Hochschule f\u00fcr Heilp\u00e4dagogik Z\u00fcrich:<br \/> <a href=\"http:\/\/www.hfh.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.hfh.ch<\/a> <\/p>\n<p> Von Eckhard Weymann erscheint in K\u00fcrze das Buch:<br \/> Zwischent\u00f6ne, Psychosozial-Verlag, ISBN 3898063704<\/p>\n<p> &#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><\/p>\n<p> In dieser Zeit sei Improvisation als Befreiung aus Zw\u00e4ngen verstanden worden, die dementsprechend in explosiven Energieausbr\u00fcchen Ausdruck gesucht habe. Heute st\u00fcnde der Musiker eher in einem gesellschaftlichen Umfeld, in dem Beliebigkeit herrsche und alles erlaubt sei. Darauf reagierten diese wiederum mit Reduktion. Die improvisierte Musik bleibe im Musiker drin und finde den Weg aus diesem fast nicht mehr heraus. Was fr\u00fcher \u00abder Schrei und das R\u00f6hren war\u00bb bleibe heute sehr zur\u00fcckgehalten.<\/p>\n<p> Weymann nahm unter anderem auch den Begriff der Dezentrierung auf und wies auf die Bedeutung des Ph\u00e4nomens hin, dass Improvisation als Umkehrung von Erzeugendem und Erzeugtem gesehen werden kann, n\u00e4mlich dann, wenn der Improvisator oder die Improvisatorin subjektiv den Eindruck habe, \u00abvon der Improvisation gefunden zu werden\u00bb, und nicht dieser aktiv zur Geburt zu verhelfen.<\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/bilder\/041004weymann.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<td valign=\"bottom\" width=\"190\"><span class=\"txt-s-black\"><strong> Der Hamburger Musiktherapie-Professor Eckhard Weymann skizzierte unter anderem historische Entwicklungen der musikalischen Improvisation.<\/strong><\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><br \/> Weymann hat im Rahmen eines aktuellen Projektes Musiker zum Thema Improvisation befragt und festgestellt, dass die Musiziertechnik f\u00fcr diese ein wichtiges Instrument der Identit\u00e4tsbildung darstellt. \u00abWenn ich \u00fcber die Geschichte der Improvisation bei mir erz\u00e4hle, dann ist das auch ein Geschichte von meinem Leben\u00bb, zitierte er etwa einen Interviewpartner. Dies sei in Zusammenhang damit zu sehen, dass die klassischen monolithischen Konzeptionen zur personalen Identit\u00e4t heute zugunsten von vernetzten Teilidentit\u00e4ten und der sogenannten \u00abnarrativen Identit\u00e4t\u00bb zur\u00fcckgedr\u00e4ngt w\u00fcrden.<\/p>\n<p> <strong>Improvisation als spontane Situationsbew\u00e4ltigung<\/strong><\/p>\n<p> F\u00fcnf Impulsreferate verliehen dem Thema weiter Kontur. So erkl\u00e4rte die Psychotherapeutin Sandra Lutz Hochreutener vom Leitungsteam des neuen Aufbaustudiums, dass sie w\u00e4hrend einer drei Jahre dauernden und in der Folge quantitativ ausgewerteten Therapie mit einem Kind die unerwartete Feststellung gemacht habe, dass die Improvisation gegen\u00fcber anderen Formen des Musizierens \u00fcberraschend oft gew\u00e4hlt wird und unter anderem als Einstieg, als Verabschiedung oder f\u00fcr die Ann\u00e4herung vielf\u00e4ltige Funktionen \u00fcbernehme.<\/p>\n<p> Anhand von drei Musikbeispielen illustrierte sie die Fortschritte in der Arbeit mit dem Zehnj\u00e4hrigen, der sich in einem schwierigen sozialen Umfeld in sich selber zur\u00fcckgezogen hatte. In allen drei Ausschnitten aus der Therapie spielte der Junge verschiedene Instrumente \u2013 Geige, Fl\u00fcgelhorn und Mundharmonika. Den ersten charakterisierte Lutz Hochreutener als \u00abSuchen ohne Fluss\u00bb, im zweiten war nach ihrer \u00dcberzeugung bereits \u00abein erster Dialog sp\u00fcrbar\u00bb. Im dritten schliesslich fand sie den \u00abFluss\u00bb und das \u00abGef\u00fchl\u00bb, das sie im ersten noch vermisst hatte.<\/p>\n<p> Die Beispiele und ihre Interpretation gaben in den Pausen Anlass zu teils heftigen Kontroversen. So zweifelten einige daran, dass die Forschritte wirklich belegbar seien, da jedes Mal ein anderes Instrument und damit nicht vergleichbare Settings zum Zuge gekommen seien. Andere waren nicht in der Lage, die behaupteten Entwicklungen tats\u00e4chlich herauszuh\u00f6ren. <\/p>\n<p> Ob und wie ein Fortschritt mit den Exempeln tats\u00e4chlich dokumentiert wurden, bleibe dahin gestellt. Die Einw\u00e4nde zeigten aber, dass die musiktherapeutische Arbeit und vor allem die Interpretation der von Patienten gespielten Musik nicht einfach voraussetzungslos m\u00f6glich ist, sondern Experimenten in andern wissenschaftlichen Disziplinen vergleichbar ist, zu deren Interpretation es viel \u00dcbung, Erfahrung und Kontextwissen braucht.<\/p>\n<p> <strong>Konzentration aufs Hier und Jetzt<\/strong> <\/p>\n<p>Der Fl\u00f6tist und Improvisator Matthias Ziegler zeigte Aspekte der Improvisation als Kunstform auf. Er wies auf die Eingent\u00fcmlichkeit hin, dass dabei der Prozess des Erschaffens und das Kunstwerk selber in sich zusammenfallen und so eine eigene Stellung im Konzert der Kunstformen eingenommen wird. Er wehrte sich dagegen, dass das \u00abSpezifische der Improvisation als positive Quelle von Kreativit\u00e4t\u00bb bloss als \u00abarchaische Vorstufe komponierter Musik\u00bb gesehen wird.<\/p>\n<p> Im Zeitalter der Datentr\u00e4ger wird laut Ziegler mit Blick auf eine Tonaufnahme die Grenze zwischen Improvisation und Komposition zwar unklar \u2013 angesichts des festgehaltenen Endresultates kann es unerheblich sein, wie man dorthin gelangt ist. Dennoch sei Improvisation \u2013 in den Worten des Engl\u00e4nders Eddie Pr\u00e9vost eine \u00abpraktische und s\u00e4kulare Methode, um mit dem Fluss der Existenz in Ber\u00fchrung zu kommen\u00bb \u2013, prim\u00e4r eine \u00abKunstform des Lebens und nicht des Produktes\u00bb. <\/p>\n<p>Ein Problem stelle sich dabei der traditionellen musikalischen Analyse, die typischerweise auf innere Strukturen, auf Details und festgehaltene Momente anwendbar sei. Die Analyse der Improvisation bediene sich eher soziologischer, psychologischer oder sprachwissenschaftlicher Begriffe. Bei der auf das Jetzt konzentrierten Improvisation geht es laut Ziegler um \u00abein sich Ausleben\u00bb, das nicht als Flucht aus der Wirklichkeit, sondern als ein Mittel der Selbstverwirklichung verstanden werden m\u00fcsse. In diesem Zusammenhang zitierte er das treffende Bonmot Helmut Lachenmanns, Improvisation bedeute nicht ein Sich-gehen-Lassen, sondern ein Sich-kommen-Lassen. <\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"right\" valign=\"bottom\" width=\"180\"><span class=\"txt-s-black\"> <strong>Nach langem Stillsitzen hiess es im Saal zwischendurch auch mal, kollektiv in Bewegung zu geraten.<\/strong> <\/span><\/td>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/bilder\/041004publikum.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><\/p>\n<p> Fast bis zur Beliebigkeit strapziert wurde der Begriff Improvisation im Vortrag des Heilp\u00e4dagogen Meinrad Benz von der Interkantonalen Hochschule f\u00fcr Heilp\u00e4dagogik in Z\u00fcrich, der darunter Ad-hoc-Methoden der Ann\u00e4hrung an schwer- und schwerstbehinderte Kinder subsummierte, in \u00fcberaus bewegenden Bildern aber auch einen solchen Prozess illustrierte.<\/p>\n<p> Es handelte sich um die Kontaktnahme mit einem neunj\u00e4hrigen, massiv autodestruktiven Jungen, der pausenlos vor sich selbst gesch\u00fctzt werden musste. Nachdem Hilflosigkeit und regressives Verhalten die Handlungsspielr\u00e4ume f\u00fcr das Pflegepersonal st\u00e4ndig mehr eingeengt hatten, entschied sich das Team, t\u00e4glich eingespielte Abl\u00e4ufe, namentlich das Baderitual, zu durchbrechen und durch gr\u00f6ssere N\u00e4he zum Kind diesem mehr Sicherheit zu vermitteln und damit den Teufelskreis der immer gr\u00f6sseren Regression zu durchbrechen, was auch erfolgreich gelang.<\/p>\n<p> P\u00e4dagogik, so der Schluss des Referenten, wird dann zur Heil-P\u00e4dagogik, wenn sie von Unaussch\u00f6pflichkeit, Offenheit und Sicherheit lebt und \u00abWagnis und Gewissheit zu einem koevolutiven Prozess verbindet\u00bb.<\/p>\n<p> Die Psychotherapeutin Maja R\u00fcdis\u00fcli Voerkel, ebenfalls Mitglied des Leitungsteams des Nachdiplomstudiums, bezeichnete das Improvisieren in ihrem Referat zu Improvisation und Psychiatrie als \u00abmenschliche Grundhaltung, die sich auf alle Lebensbereiche erstreckt und im Alltag immer wieder gebraucht wird.\u00bb<\/p>\n<p> Die eher beliebig anmutenden Fallvignetten, die sie in der Folge darlegte, waren aber kaum als zwingende Einblicke ins Verh\u00e4ltnis von psychiatischer Arbeit und Improvisation zu werten. R\u00fcdis\u00fcli Voerkel schilderte in einem ersten Beispiel die Arbeit mit einem 60-j\u00e4hrigen depressiven Patienten, der dem \u00abkindischen Getue\u00bb in der Musiktherapie zun\u00e4chst ablehnend gegen\u00fcbergestanden hatte, dann aber in den Bassxylophon-T\u00f6nen die Stimmung seiner Krankheit wiederfand. Die Therapeutin forderte ihn auf, genau abzugrenzen, in welchen H\u00f6henlagen die dunklen, depressiven T\u00f6ne auf dem Instrument aufh\u00f6rten. Schrittweise wurde der Patient so von der anf\u00e4nglichen Befangenheit zur freien und befreienden Improvisation hingef\u00fchrt.<\/p>\n<p> Ein mit der klassischen Klavierbildung der Therapeutin konfrontierter Rockschlagzeuger diente R\u00fcdis\u00fcli Voerkel als zweites Beispiel. Der junge Mann benutzte die Lautst\u00e4rke als \u00abSchutzwall\u00bb, der vor der Therapeutin \u00abaufgebaggert wird\u00bb. \u00dcber viele Therapiestunden hinweg entwickelte sich mit dem Rocker aus freien, unverbundenen Improvisationen und dem Vorschlag zuerst einfach mal draufloszuspielen, ohne auf den andern zu achten, ein gegenseitiges Geben und Nehmen.<\/p>\n<p> F\u00fcr eine dritte Patientin bedeutete die Musiktherapie ein Heranf\u00fchren an verbotene Gef\u00fchle und \u00c4usserungsformen wie Heulen, Klagen und Schimpfen. Weitere Fallschilderungen skizzierten \u00e4hnliche Therapieverl\u00e4ufe.<\/p>\n<p> <strong>Soziale Modelle der Improvisation<\/strong> <\/p>\n<p>Fritz Hegi, Pionier der Schweizer Musiktherapie referierte als dritter Ausbildungsleiter des neugeschaffenen Studienganges \u00fcber die Improvisation als soziales Modell. Er griff aus \u00abder grossen Vielfalt von Improvisationsmodellen von k\u00fcnstlerischen Konzepten bis zu therapeutischen Experimenten\u00bb drei Beispiele heraus, die von vier angehenden Musiktherapeutinnen auf der B\u00fchne exemplarisch umgesetzt wurden. Es handelte sich im ersten Fall um eine \u00absogenannte\u00bb freie Improvisation, bei der nach dem Stichwort des \u00abcollective ear\u00bb nur der grosse Formbogen einer kollektiven Augenblickssch\u00f6pfung vorgegeben war.<\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/bilder\/041004musikerinnen2.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<td valign=\"bottom\"><span class=\"txt-s-black\"><strong>Vier angehende Musiktherapeutinnen setzten auf der B\u00fchne Modelle der Improvisation exemplarisch um.<\/strong><\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><\/p>\n<p> Das zweite Beispiel bildeten Repetitionsmuster als Ausdruck der gegenseitigen Verflechtung und einer festen, zuverl\u00e4ssigen Struktur. Einen dritten Aspekt vermittelte das klassische Tutti-Solo-Modell, innerhalb dessen ein Ensemble einer individuellen Entfaltung gegen\u00fcbersteht. Hegi interpretierte den Tutti-Part dabei als \u00abm\u00fctterliches Prinzip und strukturierenden Halt\u00bb und die Soloentwicklungen als kindliche Entfaltung. \u00abAlle Modelle der Improvisation loten sozialpsychologisch unsere Balance zwischen Freiheiten und Bindungen aus\u00bb, res\u00fcmierte der Referent die Varianten. Er rief schliesslich zu einem \u00abneuen Aufbruch auf dem sch\u00f6pferischen K\u00f6nigsweg auf\u00bb, denn der \u00abUngeist von Stress und \u00dcberforderung, das moderne Management ist inzwischen die Krone der Er-Sch\u00f6pfung\u00bb.<\/p>\n<p> Nach den Referaten gabs f\u00fcrs Publikum Gelegenheit in Kleingruppen die vorgestellten Ideen und Aspekte des Themas zu diskutieren, ein Angebot das zum intensiven Austausch genutzt wurde. In mehreren Gruppen wurden nicht zuletzt die drei Musikbeispiele von Sandra Lutz Hochreutener kontrovers diskutiert.<\/p>\n<p> In der abschliessenden Podiumsdiskussion, in welcher der Musiker Urban M\u00e4der den verhinderten Matthias Ziegler vertrat, sah sie sich deshalb zu einer differenzierteren Erkl\u00e4rung ihrer Arbeitsweise veranlasst. Zwar werte sie die musikalischen Interpretationen des Kindes nicht, wenn sie mit ihm in der Therapie arbeite, meinte sie, die Erfahrung mit fr\u00fcheren Therapien anderer Kinder bilde aber ein Hintergrundwissen, das mithelfe, Muster, die sich wieder wiederholten, einzuordnen. <\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/bilder\/041004podium.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"300\"><center><span class=\"txt-s-black\"> <strong>Das Podium: Hegi, R\u00fcdis\u00fcli Voerkel, Weymann, Lutz Hochreutener, Benz (verdeckt) und M\u00e4der.<\/strong><\/span><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><\/p>\n<p> Es gehe dabei auch nicht um eine Wertung der Musik, sondern um Interpretationen dar\u00fcber, ob etwa die Kommunikation gesucht und Impulse der Therapeutin aufgenommen und beantwortet w\u00fcrden.<\/p>\n<p> Auch die Frage des Verh\u00e4ltnisses zwischen Kunst und Therapie blieb ein kontroverses Thema. In der Therapie, wurde mehrfach betont, finde das individuelle Innenleben seinen unmittelbaren Ausdruck und die Improvisation sei damit \u2013 so etwa Urban M\u00e4der \u2013 in erster Linie ein unmittelbares \u00c4ussern von tiefster menschlicher Regung. Auf der B\u00fchne wiederum, meinte M\u00e4der, sei das Menschsein zwar nicht ausgeschlossen, es bestehe da aber der Anspruch, diese menschlichen Regungen \u00fcber lange Zeit hinweg in eine musikalische Sprache zu bringen, die letztlich \u00abnicht mehr bloss privat daherkommt, sondern gewisse \u00f6ffentliche Bedeutung hat\u00bb. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(wb)<\/span><\/p>\n<p><em><span class=\"txt-s-black\">Hochschule f\u00fcr Musik und Theater Z\u00fcrich, Symposium \u00abImprovisation als Lebensprinzip, Freie Musik in Kunst und Therapie\u00bb, Samstag, 2. Oktober 2004.<\/span><\/em><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>13.10.2004 Ab Januar n\u00e4chsten Jahres offerieren die Hochschulen f\u00fcr Musik und Theater Z\u00fcrich und f\u00fcr Heilp\u00e4dagogik gemeinsam ein Nachdiplomstudium in&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[],"class_list":["post-79","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-musiktherapie","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/79","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=79"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/79\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=79"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=79"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}